Sonntag, 4. Februar 2018

Motorpsycho And Ståle Storløkken – The Death Defying Unicorn




Motorpsycho And Ståle Storløkken – The Death Defying Unicorn


Besetzung:

Kenneth Kapstad – drums
Hans Magnus Ryan – guitar, vocals
Bent Saether – bass, vocals
Ståle Storløkken – keyboards


Gastmusiker:

Ola Kvernberg – violin
Kåre Chr. Vestrheim – mellotron, various sonic mayhem, gongs and other canned goods of the viennese persuasion
Kjetil Traavik Møster – clarinet, tenor and baritone saxophones
Hanna Paulsberg – tenor saxophone
Klaus Ellerhusen Holm – alto saxophone
André Roligheten – tenor saxophone, bass clarinet
Mathias Eick – trumpet
Eivind Nordset Lønning – trumpet
Mats Äleklint – trombone
Kristoffer Kompen – trombone
Daniel Turcina – violin
Åse Våg Aaknes – violin
Sigrid Stang – violin
Stina Andresson – violin
Frøydis Tøsse – viola
Lars Marius Hølås – viola
Marianne Lie – cello
Tabita Berglund – cello


Label: Stickman Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Moderne Klassik, Psychedelic Rock, Alternative Rock


Trackliste:

CD1:

1. Out In The Woods (2:40)
2. The Hollow Lands (7:36)
3. Through The Veil (16:01)
4. Doldrums (3:06)
5. Into The Gyre (10:22)
6. Flotsam (1:33)

CD2:

1. Oh, Proteus - A Prayer (7:35)
2. Sculls In Limbo (2:21)
3. La Lethe (7:53)
4. Oh, Proteus - A Lament (1:04)
5. Sharks (7:56)
6. Mutiny! (8:33)
7. Into The Mystic (7:04)

Gesamtspieldauer: CD1 (41:21) und CD2 (42:29): 1:23:50



Im Jahr 2010 wurde zum 40. Jubiläum des Molde-Jazzfestivals die Musik von „The Death Defying Unicorn“ uraufgeführt. Der Keyboarder Ståle Storløkken hatte sich mit der Band Motorpsycho zusammengetan und sie hatten zusammen ein Werk erstellt, welches etwa zwei Stunden dauerte und viele verschiedene musikalische Einflüsse in sich vereinigte. Doch das sollte es noch nicht sein. Noch nicht endgültig. Die Musiker setzten sich nochmals zusammen, überarbeiteten das Konzept, die vorher hauptsächlich Instrumentalnummern wurden mit Texten versehen, die Musik leicht gekürzt und verfeinert und anschließend alles zusammen mit dem Trondheim Jazz Orchestra neu eingespielt. Im Jahr 2012 erschien schließlich Motorpsycho und Ståle Storløkkens „The Death Defying Unicorn“ auf dem Plattenlabel Stickman Records und war zu einem Werk geworden, welches einen plättet, beeindruckt, in den Bann zieht und völlig anders ist als das, was man sonst im allgemeinen und täglichen zu hören bekommt.

So, so, das Einhorn trotzt also dem Tod, wie uns der Titel vermitteln möchte. Das ist auf „The Death Defying Unicorn“ allerdings nicht das Einzige, was trotzt. Dieses Doppelalbum trotzt so vielem mehr. Dem Mainstream, der Langweile, den Konventionen, den Erwartungen. „The Death Defying Unicorn“ ist eine Mischung aus moderner Klassik, Progressive Rock, Jazz, Alternative Rock. „The Death Defying Unicorn“ unterscheidet sich deutlich von der Musik, die ich sonst kenne und auch höre. Dieser Abwechslungsreichtum, diese Kraft, die in jedem der Lieder zu stecken scheint, wirkt fast schon überbordend. Dabei muss man zugeben, dass diese Musik nicht sofort ins Ohr geht, an vielen Stellen auch nicht mit „melodiös“ und „eingängig“ umschrieben werden kann. Sehr viel eher ist das, was man hier zu hören bekommt eine musikalische Explosion, brachial und gewaltig. Die Eingängigkeit, die Melodiösität stellt sich erst mit dem häufigeren Hören ein – und auch dann nicht immer.

Gut, die Harmonie und die Eingängigkeit in der Musik von Motorpsycho und Ståle Storløkken ist nicht immer gegeben. Dafür ist die Musik an Intensität und Abwechslung kaum zu überbieten. Nichts ist hier vorhersehbar, nichts klingt langweilig. Auf „The Death Defying Unicorn“ wird bis an die Schmerzgrenze hin gerockt, auf „The Death Defying Unicorn“ hört man sanfte und schwebende Töne, auf „The Death Defying Unicorn“ klingt die Musik still, auf „The Death Defying Unicorn“ klingt die Musik schrill und laut. Und alles geht ineinander über, passt perfekt zusammen, ergänzt sich, muss so und kann gar nicht anders klingen. Das Zusammenspiel von klassischen Instrumenten mit den Pendants ist hier perfekt geglückt. Man hört hier keinen „verklassischten“ Rock und auch keine rockige klassische Musik. Vielmehr stellt „The Death Defying Unicorn“ eine perfekte Symbiose verschiedenster musikalischer Genres dar, bei der die jazzigen Ausprägungen und Anleihen auch nicht unerwähnt bleiben sollten.

Von diesem Album spezielle Lieder und Höhepunkte herauszuheben ist einigermaßen schwierig. Die Musik wirkt wohl in ihrer Gesamtheit am gelungensten, ist eine Reise, ist ein intensiver musikalischer Trip, der sich nicht so ohne Weiteres auseinanderdividieren lässt. So gibt es jede Menge Höhepunkte auf diesen zwei Scheiben, die manches Mal auch lediglich Abschnitte in einem der Titel darstellen können. Das wiederum soll keinesfalls bedeuten, dass der Rest der Nummer dann nicht wirken würde, denn mitunter ermöglicht diese geradezu erst einen Höhepunkt, der dann Teil eines ganzen Liedes ist und ohne diese „Einleitung“ überhaupt nicht möglich wäre. Soll ich hier allerdings ein Lied nennen, welches die Platte sehr schön repräsentiert, so fällt mir das deutlich leichter. Die letzte Nummer des Albums, „Into The Mystic“, beinhaltet in Kurzform alles, was man auf „The Death Defying Unicorn“ zu hören bekommt. 

Fazit: Musik kann unglaublich packend und mitreißend sein. Dazu noch spannend und überraschend. All das beinhaltet das Album „The Death Defying Unicorn“ von Motorpsycho und Ståle Storløkken. Wahrlich außergewöhnlich. Ins Ohr geht die Musik dabei nicht unbedingt immer sofort – mitunter sogar auch nach vielen Durchläufen des Albums noch nicht. Trotzdem hört man hier etwas Besonderes, in das sich tief einzutauchen lohnt. „The Death Defying Unicorn“ ist absolut keine Musik zum „Nebenbeihören“. „The Death Defying Unicorn“ beinhaltet Musik, die die volle Aufmerksamkeit von der Hörerin beziehungsweise vom Hörer verlangt. Und dann muss man sich darauf einlassen können, immer und immer wieder. Dann erst erschließt sich einem mit dieser Platte etwas ganz Besonderes und musikalisch Wunderschönes. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: The Hollow Lands, Into The Mystic



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