Dienstag, 11. Oktober 2016

Morrissey – Southpaw Grammar




Morrissey – Southpaw Grammar


Besetzung:

Morrissey – vocals


Gastmusiker:

Alain Whyte – guitar, backing vocals
Boz Boorer – guitar
Jonny Bridgwood – bass guitar
Spencer James Cobrin – drums


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. The Teachers Are Afraid Of The Pupils (11:20)
2. Reader Meet Author (3:43)
3. The Boy Racer (4:46)
4. The Operation (6:53)
5. Dagenham Dave (3:16)
6. Do Your Best And Don't Worry (4:07)
7. Best Friend On The Payroll (3:43)
8. Southpaw (10:01)

Gesamtspieldauer: 47:52



„Southpaw Grammar“ heißt das fünfte Solo-Album des gebürtigen Engländers Steven Patrick Morrissey, der sich selbst nur kurz Morrissey nennt. Die Platte wurde im August des Jahres 1995 auf dem Musiklabel RCA Records veröffentlicht und war sowohl bei Fans wie bei den Kritikern äußerst umstritten. Von Begeisterung bis hin zum Verriss gab es hier alles zu hören und zu lesen. Mit „Southpaw Grammar“ entfernte sich Morrissey noch ein wenig weiter vom eingängigen Pop seiner vorherigen Band The Smiths, und er klingt hier sehr viel experimentierfreudiger, als auf seinen weiteren Platten – davor wie danach. Er selbst ordnete dieses Album in einem Interview mal in das Genre des Progressive Rock ein. Nun, ein wenig weit ist das schon ausgeholt, jedoch ganz so unrecht hat Morrissey mit dieser Aussage auch wieder nicht – denn er meint damit sicher nicht die beiden Laufzeiten der Lieder am Anfang und am Ende der Scheibe, die die Zehnminutengrenze zum Teil deutlich überschreiten. An der einen oder anderen Stelle nähert er sich hier doch leicht dem Progressive Rock an, was seine Musik noch abwechslungsreicher werden lässt. Und mit „Southpaw Grammar“ geht Morrissey ganz gewiss neue Wege.

Die Platte beginnt mit dem wahrlich eindringlichen Stück „The Teachers Are Afraid Of The Pupils“. Brachial monoton und gleichzeitig hymnisch und unwahrscheinlich melodiös klingt dieses Stück Musik, dem ein Sample einer Symphonie von Dmitri Shostakovich zugrunde liegt. In über elf Minuten kann man in diese Nummer eintauchen, die ihren Rock-Charakter immer wieder zwischendurch unverfälscht offenbart. Wahrlich gelungen und begeisternd. Und wenn wir schon beim Opener sind, dann darf das letzte Stück hier auch gleich erwähnt werden. „Southpaw“, knapp über zehn Minuten lang, klingt zu Beginn sehr experimentell, startet mit einer Klangkollage, entwickelt sich schließlich zu einem eingängigen Rock-Titel, der sich im weiteren Verlauf immer weiter zu verlieren scheint, abdriftet in lange, gar nicht mehr so melodiöse Passagen und doch diese gewisse Eingängigkeit aufweist. Hier klingt die Musik des Morrissey nun wahrlich progressiv. Es scheinen sich dabei immer wieder neue Türen zu öffnen, obwohl das Grundmuster beibehalten wird. Mitreißend.

Doch auch die sechs Titel, die sich zwischen diesen beiden „Long Tracks“ befinden, können sich sehen beziehungsweise hören lassen. Diese ähneln zum größten Teil mehr der Musik, für die Morrissey davor bereits stand. Zu hören gibt es nun wieder eingängigen Pop bis Rock, angefüllt mit tollen Melodien, die jetzt allerdings nicht gleich beim ersten Mal des Hörens zu zünden verstehen, jedoch mit jedem weiteren Durchlauf vertrauter und eingängiger werden. Etwas aus der Reihe fällt hier noch die Nummer „Operation“, die – für ein Studioalbum schon sehr erstaunlich – mit einem fast zweieinhalbminütigem Schlagzeug-Solo beginnt. Im weiteren Verlauf wird das Lied ebenfalls wieder sehr eingängig, bis die Nummer in den letzten zwei Minuten zu eskalieren scheint und deutlich in die Richtung Hard Rock abdriftet. Spannend klingt das durchaus auch. Da die Scheibe zudem mit den kürzeren Titeln zu überzeugen weiß und hier auch kein Lied nach unten wegbricht, lohnt sich „Southpaw Grammar“ sehr.

Fazit: „Southpaw Grammar“ ist kein typisches Morrissey-Album geworden. Hier probiert sich Morrissey mal aus, geht neue Wege, klingt rockiger und sehr viel experimentierfreudiger. Vor allen Dingen die beiden langen Titel auf der Scheibe wissen zu überzeugen, wobei auch der Rest der Platte durchaus hörenswert ist – eine Mischung aus Pop und Rock gibt es da dann zu hören. Somit ist die Musik von Morrissey an manchen Stellen dieser Platte alles andere als alltäglich. Genau das macht „Southpaw Grammar“ zu einem interessanten, spannenden und unterhaltsamen Vergnügen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Teachers Are Afraid Of The Pupils, Southpaw