Samstag, 24. Oktober 2015

Faith No More – Angel Dust




Faith No More – Angel Dust


Besetzung:

Mike Bordin – drums
Roddy Bottum – keyboards
Billy Gould – bass
Jim Martin – guitars
Mike Patton – vocals, melodica


Label: Slash


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Alternative Metal


Trackliste:

1. Land Of Sunshine (3:44)
2. Caffeine (4:28)
3. Midlife Crisis (4:23)
4. RV (3:43)
5. Smaller And Smaller (5:11)
6. Everything's Ruined (4:34)
7. Malpractice (4:02)
8. Kindergarten (4:31)
9. Be Aggressive (3:42)
10. A Small Victory (4:57)
11. Crack Hitler (4:39)
12. Jizzlobber (6:38)
13. Midnight Cowboy (4:14)


Bonus Track der Wiederveröffentlichung:

14. Easy (3:06)

Gesamtspieldauer: 1:01:58



Manche meiner Platten habe ich lange nicht mehr gehört. Irgendwie scheinen einige Scheiben einfach mal eine Zeit lang hinten runterzufallen und in Vergessenheit zu geraten. Und wenn ich ehrlich bin, dann wundert es mich häufig auch nicht, dass meine Hand nie genau zu diesem oder jenem Album zuckte, wenn es darum ging, Musik für den heutigen Tag aufzulegen – warum soll man sich auch mit schlechter Musik den Tag versauen, wenn es so viel Gutes zu hören gibt. Manchmal ist es aber leider auch unfassbar schade, eine Platte über längere Zeit so links liegengelassen zu haben. Im Rahmen dieser Seiten kommt aber alles wieder auf meinen Plattenteller beziehungsweise in den CD-Player. Und das ist es auch, was mir hier so viel Spaß bereitet, endlich mal „Übersicht“ zu bekommen. Nun, „Angel Dust“ von Faith No More gehört dabei definitiv in die zweite Kategorie, zu jenen Alben also, bei denen ich mir nicht erklären kann, wie es überhaupt so weit kommen konnte, diese Scheibe aus den Augen zu verlieren.

„Angel Dust“ ist das vierte Studio-Album der US-amerikanischen Metal Band Faith No More aus Kalifornien. Und dieses Album ist so etwas von unfassbar abwechslungsreich, so düster bis dunkel, so rockig bis verspielt, so immer wieder überraschend und doch einheitlich. Hier gibt es die volle Dröhnung auf die Ohren und dann werden einem gleichzeitig wunderschöne Melodien auf die Ohren serviert. Da growlt (aber nur ganz, ganz wenig) Sänger Mike Patton mal, singt dann jedoch wieder so butterweich, als könne er kein Wässerchen trüben. Überhaupt dieser Mike Patton, der hier eine unglaublich große Bandbreite von dem zeigt, was ein guter Sänger mit seiner Stimme so alles „unternehmen“ kann.

Der Schwerpunkt liegt auf den eher härteren Nummern, „RV“, „Midnight Cowboy“ und das nachträglich hinzugefügte Lionel Ritchie Cover „Easy“ sind da eher die Ausnahmen. Alle diese drei Titel gehen sofort ins Ohr und bilden aufgrund ihrer „Sanftheit“ und auch augenzwinkernden Verspieltheit tolle Auflockerungen. Aber es gibt natürlich auf „Angel Dust“ jede Menge kraftvolle, nach vorne preschende Titel. Nun und da sage noch einer, Metal sei lediglich „harte“ Musik. Solche Nummern wie „Land Of Sunshine“, „Midlife Crisis” oder „Kindergarten” sprühen geradezu vor Melodiösität und Eingängigkeit. Sehr viel vielschichtiger und abwechslungsreicher präsentieren sich diese Nummern, als ein stupides und schnelles Bum – Tsching – Bum – Tsching und werden ganz schnell zu langanhaltenden Ohrwürmern.

Die Stimmung auf „Angel Dust“ ist eher ein wenig dunkel gehalten. Düster klingt es öfters und wenn Mike Patton dann dazu noch beschwörerisch auf die Hörerin beziehungsweise den Hörer einzusingen scheint, wird das Ganze noch intensiver. Die Lieder funktionieren hier zum Großteil auch nicht nach der Devise Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe – Refrain, sondern sind vielschichtiger aufgebaut, häufig aus deutlich mehr Teilen zusammengesetzt, die eben nicht nach Schema F hintereinander abgespielt werden. Da macht es schon sehr viel Laune zu lauschen.

Fazit: Egal ob man ein Freund des Headbanging ist oder eher auf die „gepflegte“ Melodie steht, auf „Angel Dust“ ist für jeden was dabei. Und das Schöne daran ist, dass hier diese ganze Bandbreite nebeneinander existiert, perfekt miteinander verwoben ist und irgendwie alle anzusprechen scheint – egal ob Hard- oder Soft-Rocker. „Angel Dust“ wirkt aufgrund seiner Vielfalt, seiner Kraft, seines Ideenreichtuns, kurz aufgrund jeder Menge sehr überzeugender Musik. Sehr empfehlenswert. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Land Of Sunshine, Midlife Crisis, RV, Kindergarten