Sonntag, 21. Juni 2015

Hoelderlin – Clowns & Clouds




Hoelderlin – Clowns & Clouds


Besetzung:

Hans Bäär – bass guitars, guitar
Michael Bruchmann – drums, percussion
Christian von Grumbkow – leadguitar
Joachim von Grumbkow – keyboards, vocals, cello
Christoph Noppeney – viola, vocals, acoustic guitar


Gastmusiker:

Jörg-Peter (Büdi) Siebert – all saxophone, flutes, percussion


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Mad House (6:51)
2. Your Eyes (6:14)
3. Circus (10:09)
    a) Tango Mili
    b) Marching
    c) Sensations
4. Streaming (7:13)
5. Phasing (12:13)


Bonus Track der remasterten Albumfassung:

6. Traum (Live, 1974) (15:51)

Gesamtspieldauer: 58:34



„Clowns & Clouds“ heißt das dritte Album der deutschen Band Hoelderlin aus Wuppertal. 1976 erschien die Scheibe und allgemein wird etwas progressivere deutsche Musik aus dieser Zeit, die dann auch noch englische Texte verwendet, gerne unter der Überschrift „Krautrock“ subsumiert. Das könnte ich bei dieser Scheibe „Clowns & Clouds“ jedoch nicht unterschreiben. Hier hört man dann doch eher klassischen Progressive Rock in einer Zeit, als genau jener Progressive Rock gerade dabei war unterzugehen.

Auf der ehemaligen Schallplatte trug die erste Seite den Titel „Clown Side“, die zweite Seite wurde dementsprechend mit dem Titel „Cloud Side“ versehen. Beide Seiten, also alle Titel von der Nummer 1 bis zur Nummer 5 können dabei überzeugen. Alles klingt, ist sehr harmonisch und an jeder Stelle überaus melodiös. Manchmal wird das Tempo etwas stärker angezogen, insgesamt hinterlässt die Scheibe jedoch einen eher ruhigen Eindruck. Am gelungensten sind dabei ganz eindeutig die Instrumentalpassagen, die von Hoelderlin fast schon zelebriert werden. Und hier sind vor allen die letzten beiden Titel zu erwähnen, also die ehemalige „Clouds Side“. Ich liebe es, wenn Musik es schafft fast hypnotisch zu werden, da ein Thema immer und immer wieder wiederholt wird, mit nur ganz zarten Variationen, aus denen dann allerdings doch wieder etwas völlig Neues erwächst. Andere Hörer mögen das jedoch vielleicht langweilig finden, da ihnen die Abwechslung fehlt, auch das ist durchaus nachvollziehbar. Doch wenn man wirklich mal sehr relaxt Musik auf dem Sofa genießen möchte, um dabei die Grauzone zwischen Wachheit und Traum zu streifen, dann gibt es einfach nicht Besseres – für mich zumindest – als solche Musik, die mit der Monotonie spielt, ohne monoton zu sein.

Überaus gelungen ist Hoelderlin auf „Clowns & Clouds“ außerdem die Instrumentierung, die eben keinesfalls „08/15-Besetzung“ bedeutet. Cello, Viola, Querflöte und Saxophon werden – neben den klassischen Rockinstrumenten – immer wieder große Spielräume erschlossen, die die Musiker mit den jeweiligen Instrumenten dann auch durchaus zu nutzen wissen. Das macht sehr viel Laune, hört sich klasse an und bewirkt dabei ebenfalls, dass gar keine Möglichkeit besteht, hier Langeweile aufkommen zu lassen. Beispielhaft hierfür steht Titel Nummer 5: „Phasing“. Wahrlich sehr überzeugend.

Ebenfalls sehr überzeugend ist die Zugabe der remasterten Version des Albums. Diese instrumentale Live-Version des Stückes „Traum“, welcher ursprünglich auf der ersten Hoelderlin-Scheibe „Hölderlins Traum“ vertreten ist, beinhaltet ebenfalls genau dieses: redundante Instrumentalpassagen, unglaublich viel Melodiösität und jetzt sogar ein paar experimentelle Passagen, die dann gar nicht mehr so unbedingt harmonisch klingen, ehr improvisiert. Auch die Klangqualität ist durchaus gelungen, sodass die Nummer eine schöne Beigabe darstellt.

Fazit: „Clowns & Clouds“ von Hoelderlin ist ein wirklich gutes Album geworden. Das wiederum liegt an mehreren Dingen. Zum einen enthält die Scheibe jede Menge Ideen, die musikalisch sehr gut umgesetzt wurden. Des Weiteren ist die Platte angefüllt mit sehr melodiösem Progressive Rock, der ins Ohr geht und zu so mancher Traumreise einlädt. Die Instrumentierung alleine ist bereits ein Grund, warum man diese Scheibe einmal gehört haben sollte, wenn man denn auf solcher Art der Musik steht. Festzuhalten bleibt auch, dass die ehemalige zweite Seite doch noch einen Tick überzeugender klingt, als die erste Seite. Das drückt das Gesamtergebnis dieser schönen Platte jedoch nicht. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Streaming, Phasing