Dienstag, 3. März 2015

Spock’s Beard – Feel Euphoria




Spock’s Beard – Feel Euphoria


Besetzung:

Alan Morse – guitars, backing vocals
Ryo Okumoto – keyboards
Dave Meros – bass
Nick D'Virgilio – lead vocals, drums, percussion, acoustic & electric guitars, loops


Gastmusiker:

John Boegehold – synthesizers, effects
Gina Ballina – french horn
J'Anna Jacoby – violin
Steve Velez – cello


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Progressive Rock, Rock, Mainstream


Trackliste:

1. Onomatopoeia (5:16)
2. The Bottom Line (7:33)
3. Feel Euphoria (7:20)
4. Shining Star (4:04)
5. East Of Eden, West Of Memphis (7:05)
6. Ghosts Of Autumn (6:54)
7. A Guy Named Sid
I. Intro (3:00)
II. Same Old Story (4:25)
III. You Don't Know (3:11)
IV. Judge (3:20)
V. Sid's Boys Choir (1:09)
VI. Change (5:18)
8. Carry On (5:19)


Bonus Tracks.

14. Moth Of Many Flames (2:49)
15. From The Messenger (7:25)

Gesamtspieldauer: 1:14:15


CD2:

1. Conspiracy (Conspiracy) (5:04)
2. Brand New (Steve Hackett) (4:41)
3. Sinking Sand (Enchant) (7:08)
4. Melrose Avenue (California Guitar Trio) (2:18)
5. Head (O.S.I.) (5:18)
6. Some Things You Can't Return (Dead Soul Tribe) (5:19)
7. Starcycle (Derek Sherinian) (5:04)
8. I Never Noticed (Jadis) (5:26)
9. Change (Ray Wilson) (4:09)
10. Small Acts Of Human Kindness (Steve Howe) (4:21)
11. Silent Inferno (The Flower Kings) (14:21)

Gesamtspieldauer CD2: 1:03:15



Nun, das erste Album von Spock’s Beard, nachdem der bisherige Hauptkomponist Neal Morse die Band verlassen hatte, wurde von den Fans mit etwas gemischten Gefühlen erwartet. Und wahrlich ist dieses siebte Album von Spock’s Beard mit dem Titel „Feel Euphoria“ deutlich anders geworden, als die sechs vorherigen Alben.

Die Musik von Spock’s Beard klingt nun härter und sehr viel gitarrenorientierter und gitarrendominierter. Zwar gibt es sie auch noch, die verträumten und ruhigeren Stellen auf „Feel Euphoria“, jedoch seltener. Oftmals weist die Musik eindeutige Parallelen zum Hard Rock auf und diese klingen dann sogar ziemlich kompromisslos. Ist das eigentlich noch Progressive Rock oder zumindest RetroProg, der hier zu hören ist? Schon noch irgendwie, jedoch die Grenzen verschwimmen immer mehr, denn mitunter kann man das durchaus ganz normalen Mainstream nennen, was auf „Feel Euphoria“ zu hören ist. Dann wird es plötzlich wieder ein wenig komplizierter, krumme Takte und Stilwechsel gibt es auf einmal zu hören und schon bewegen sich die Titel auf „Feel Euphoria“ wieder ganz klar auf dem Terrain des Progressive Rock.

Beim ersten Hören lässt einen die Scheibe allerdings noch ziemlich kalt. Irgendwie klingt das Ganze zunächst nicht mehr ganz so spannend, eher ein wenig alltäglich, nach nichts Besonderem eben. Das ist nun mal nicht mehr Neal Morse, der hier zu hören ist und die anderen vier verbliebenen Musiker hatten sich bisher auch noch nicht sonderlich im Songwriting hervorgetan. Nun beteiligten sich jedoch alle Musiker am Komponieren der Stücke und auch von Extern gab es einige Unterstützung. Den Hauptteil der Lieder steuerte jedoch Nick D'Virgilio hinzu, der jetzt auch den Part des Sängers übernommen hat. Nun, die Platte benötigt also einige Durchgänge, um im Ohr des Hörers zur Reife zu gelangen, um dann deutlich mehr zu überzeugen. Da ist jetzt der Unterschied zu den Scheiben mit Neal Morse gar nicht mehr so groß, denn diese benötigten auch immer einige Zeit, um so richtig durchzustarten, wenn diese früheren Platten auch von Beginn an irgendwie spannender wirkten.

Nun, aber die Zeit macht es hier wahrlich. Zwar kann nicht alles restlos überzeugen, das gilt vor allem auch für die Nummer „A Guy Named Sid“, die wohl als der progressive Höhepunkt auf „Feel Euphoria“ vorgesehen war. Hier klingen Spock’s Beard nun aber sehr konstruiert, gerade so, als ob Nick D'Virgilio den Fans der Band zeigen wollte, dass es auch ohne Neal Morse richtig schön progressiv weitergehen werde. Das hat im Fall dieses Titels leider nicht so ganz hingehauen.

Aber Nummern wie „The Bottom Line“ oder auch „East Of Eden, West Of Memphis” können dagegen durchaus überzeugen. Sie spiegeln zwar auch nicht mehr den reinen Progressive Rock wider, sind dennoch sehr abwechslungsreich, spannend und sehr melodiös arrangiert. Da macht das Zuhören dann gleich wieder richtig Spaß. Auch „Ghosts Of Autumn“, eine wunderschöne und ins Ohr gehende Ballade, kann überzeugen. Hier sind wir jetzt wirklich beim absoluten Mainstream angekommen, schön ist es trotzdem, denn in diese Klavier- und Mellotron-Landschaften mag man einfach eintauchen.

Der Deluxe-Ausgabe des Albums sind auf der ersten CD noch zwei Zugaben hinzugefügt worden. Und hier gilt für das erste Stück im Grunde genommen dasselbe wie bei „Ghosts Of Autumn“: Kein Prog mehr, egal, auf jeden Fall gelungen. „Moth Of Many Flames” klingt dabei wie ein Folk-Rock-Stück, welches von den Strawbs vorgetragen wird. Nun und „From The Messenger“ ist jetzt ganz anders. Experimentell, zuweilen an eine Klangkollage erinnernd. Denkt man zunächst, man hört die Gespräche irgendwelcher Außerirdischer – und man hört da auch R2D2 mal kurz pfeifen – so geht die Nummer anschließend in einen sehr sphärischen und relaxten Teil über. Doch das Stück entwickelt sich durchaus noch weiter. Es wird melodischer und bleibt doch immer auch sphärisch. Das klingt wahrlich sehr spannend und trotzdem extrem relaxt. Sehr gut gemacht.

Na und dann bekommt man auf dieser Deluxe-Ausgabe noch eine zweite CD mitgeliefert. Diese hat jetzt allerdings nichts mehr mit Spock’s Beard zu tun, sondern ist eher eine Leistungsschau der Plattenfirma InsideOut Music, die anscheinend aufzeigen möchte, welche Künstler sie gerade unter Vertrag hat, deren Musik ebenfalls in Richtung Progressive Rock tendiert. Bekanntere Bands und Künstler sind dort genauso vertreten, wie unbekanntere. Ganz nett anzuhören, wobei mich vor allem die Beiträge von Steve Hackett und Dead Soul Tribe überzeugen. Eine nette, wenn auch ungewöhnliche Idee der Plattenfirma. Da sich diese Version im Preis allerdings kaum von der „reinen“ Ausgabe von „Feel Euphoria“ unterscheidet, lohnt die Anschaffung auf jeden Fall.

Fazit: Etwas mehr Abstand zum Progressive Rock, dafür mehr Annäherung zum „normalen” Rock bis hin zum Mainstream weist “Feel Euphoria” auf. Das mag zu Beginn für eine Spock’s Beard Platte etwas ungewöhnlich klingen, wird mit jedem Durchlauf der Scheibe allerdings irgendwie sympathischer. Die Melodien und Einfälle auf diesem siebten Album von Spock’s Beard wachsen im Laufe der Zeit und mit ihnen der Gesamteindruck zu dieser Platte, die wahrlich keine schlechte ist. Und auch die beiden Zugaben tragen dazu bei, dass die Bewertung doch noch zweistellig wird. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Bottom Line, East Of Eden West Of Memphis, Ghosts Of Autumn & beide Bonus Titel der CD1