Samstag, 31. Mai 2014

Tony Banks – A Curious Feeling




Tony Banks – A Curious Feeling


Besetzung:

Tony Banks – keyboards, guitar, bass, percussion


Gastmusiker:

Chester Thompson – drums, percussion
Kim Beacon – vocals


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Pop, Progressive Rock


Trackliste:

1. From The Undertow (2:47)
2. Lucky Me (4:27)
3. The Lie (4:59)
4. After The Lie (4:51)
5. A Curious Feeling (3:59)
6. Forever Morning (6:04)
7. You (6:29)
8. Somebody Else's Dream (7:51)
9. The Waters Of Lethe (6:33)
10. For A While (3:39)
11. In The Dark (2:57)

Gesamtspieldauer: 54:38




Bei Genesis herrschte gerade eine schöpferische Pause und da dachte sich Tony Banks, dass er diese doch mal mit einem Solo-Album auffüllen könnte. So veröffentlichte er im Oktober 1979 das Album „A Curious Feeling“, welches die Geschichte eines Mannes erzählt, der aufgrund einer Wette sein Gedächtnis verliert. Musikalisch gesehen scheint Tony Banks noch etwas Material vom letzten Genesis-Album „And Then They Were Three“ übrig gehabt zu haben, denn stilistisch reiht sich „A Curious Feeling“ der letzten Bandveröffentlichung an.

Nun, Tony Banks mag offensichtlich keine Gitarren. Dass das Album Keyboard- und Synthesizer-lastig ist, ist im Grunde genommen nicht weiter verwunderlich, denn das sind eben „seine“ Instrumente. Ein bisschen Auffrischung mittels eines Saiten-Instruments hätte der Platte allerdings gut getan, denn die Gitarre wird hier nur sehr sparsam von ihm selbst gespielt und hätte das Album soundtechnisch zumindest ein wenig aufgepeppt. Denn genau hier liegt das Problem von „A Curious Feeling“. Alles klingt zwar voll und dicht, jedoch scheint Tony Banks mit seinen Synthesizer-Lagen viel zu oft ein ganzes Orchester ersetzen zu wollen. Da werden Fanfaren gespielt, Flöten- und Streicher-Passagen imitiert und das klingt nun einmal auf dem Keyboard einfach sehr synthetisch und kann nie die Atmosphäre eines Orchesters ersetzen – aber so sollte sich das wohl anhören. Jedes Lied ist zudem im selben Tempo und in derselben Stimmung gehalten, Abwechslung sieht deutlich anders aus. So legt man die Platte auf beziehungsweise die CD ein und die Musik läuft einfach durch, plätschert so vor sich hin.

Dazu gesellt sich noch der sehr undifferenzierte Gesang des Kim Beacon, der zwar noch nicht einmal über eine schlechte Stimme verfügt, sich dem musikalischen Einerlei jedoch bestens anpasst. Wenig Modulation und Ausdrucksstärke in seinem Gesang tragen ebenfalls zum Gefühl einer gewissen Langeweile bei. Bliebe noch das Song-Material. Klar gibt es auf „A Curious Feeling“ noch Ansätze des Progressive Rock zu hören. Dennoch driftet die Musik allzu oft auch in die Pop-Schiene ab. Bestes Beispiel hierfür ist der Titeltrack. David Hasselhoff hatte sich zur damaligen Zeit zwar noch nicht musikalisch betätigt, aber offenbar sein Vorbild entdeckt und wenige Jahre später mit dieser Art der Musik viel Eindruck bei den weiblichen Teenies hinterlassen. Der Ehrlichkeit halber sei hier allerdings auch angefügt, dass das Lied „A Curious Feeling“ dann doch den Ausschlag nach unten darstellt und die restlichen Titel sich qualitativ positiv davon abheben.

Fazit: Überzeugen kann die Platte trotzdem nicht. Tony Banks steht für einige Höhepunkt in der Musik von Genesis, zeigte dort sein Gespür für die mitreißende und eingängige Melodie. Diese gibt es auf „A Curious Feeling“ überhaupt nicht zu hören. Dazu gesellt sich die bereits thematisierte Instrumentierung und ein Gesang, der ebenfalls nicht überzeugen kann. Irgendwie langweilig. Schade. Sechs Punkte.

Anspieltipps: The Lie



Freitag, 30. Mai 2014

Crosby, Stills And Nash – CSN




Crosby, Stills And Nash – CSN


Besetzung:

David Crosby – vocals, rhythm guitar on "Fair Game" and "Dark Star", acoustic guitar on "Just A Song Before I Go" and "In My Dreams", string arrangements on "Cathedral" and "Cold Rain"
Stephen Stills – vocals, guitars on all tracks except "Carried Away", "Cathedral" and "Cold Rain", electric piano on "Anything At All", piano, string arrangements on "I Give You Give Blind", timbales on "Fair Game"
Graham Nash – vocals, piano on "Carried Away", "Cathedral", "Just A Song Before I Go" and "Cold Rain", harmonica on "Carried Away", string arrangements on "Cathedral" and "Cold Rain"


Gastmusiker:

Joe Vitale – drums on "Carried Away", "Fair Game", "Cathedral", "Dark Star", "Run From Tears" and "I Give You Give Blind", organ on "Shadow Captain", "Fair Game", "Anything At All", "Dark Star", electric piano on "Carried Away", "Just A Song Before I Go", percussion on "Cathedral", "I Give You Give Blind", flute on "Shadow Captain", tympani on "Cathedral", vibraphone on "In My Dreams"
Craig Doerge – piano on "Shadow Captain" and "Anything At All", electric piano on "Shadow Captain" and "Dark Star"
Mike Finnigan – organ on "Run From Tears"
George "Chocolate" Perry – bass on "Shadow Captain", "Fair Game", "Anything At All", "Cathedral", "Dark Star" and "I Give You Give Blind"
Jimmy Haslip – bass on "Carried Away"
Tim Drummond – bass on "Just A Song Before I Go"
Gerald Johnson – bass on "Run From Tears"
Russ Kunkel – drums on "Shadow Captain", "Anything At All", "Just A Song Before I Go" and "In My Dreams", congas on "Shadow Captain" and "Dark Star", percussion on "Just A Song Before I Go"
Ray Barretto – congas on "Fair Game"
Mike Lewis – string arrangements on "Cathedral", "Cold Rain" and "I Give You Give Blind"
Joel Bernstein – string arrangements on "Cathedral"


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Shadow Captain (4:35)
2. See The Changes (2:58)
3. Carried Away (2:32)
4. Fair Game (3:31)
5. Anything At All (3:06)
6. Cathedral (5:16)
7. Dark Star (4:46)
8. Just A Song Before I Go (2:13)
9. Run From Tears (4:02)
10. Cold Rain (2:35)
11. In My Dreams (5:11)
12. I Give You Give Blind (3:20)

Gesamtspieldauer: 44:06




Kurz „CSN“ nannten Crosby, Stills & Nash ihr drittes Album aus dem Jahr 1977. Wenn man es genau nimmt, ist es in dieser Formation sogar erst die zweite Platte, denn das letzte Album, welches vor der Auflösung der Band im Jahr 1971 entstand, „Déjà Vu“, war eine Zusammenarbeit mit Neil Young und trug dementsprechend als „Band-Titel“ den Namen Crosby, Stills, Nash & Young. 1977 hatten sich die drei Musiker also wieder zu dieser sogenannten „Super-Group“ zusammengefunden. Diesen Titel trug die Band, da alle drei Musiker bereits vorher mit anderen Bands sehr erfolgreich gewesen waren. David Crosby war Teil der Byrds gewesen, Stephen Stills war Songwriter, Sänger und Gitarrist bei Buffalo Springfield (wie übrigens auch Neil Young) und Graham Nash hatte mit seinem Kumpel Allan Clarke 1962 die Hollies gegründet.

Crosby, Stills & Nash waren gerade zu Beginn ihrer gemeinsamen Karriere überaus erfolgreich und auch stilprägend, was nicht zuletzt an den ausgefeilten mehrstimmigen Gesangspassagen der drei Protagonisten lag. Nach diversen Auseinandersetzungen zwischen den Musikern, gingen sie ab 1971 schließlich getrennte Wege und waren auch mit ihren Solo-Projekten überaus erfolgreich. Mitte der 70er war es dann soweit, dass man es wieder gemeinsam versuchen wollte und „CSN“ war das erste Werk des neuen Abschnitts der Bandgeschichte, der bis heute andauert.

Die Musik auf „CSN“ ist alles andere als einheitlich und wird hauptsächlich durch die bereits erwähnten Gesangspassagen mit dem gewissen Wiedererkennungswert zusammengehalten. Neben leider etwas langweiligen Folk-Rock-Stücken, die hauptsächlich die ursprünglich erste Seite der Platte zieren, gibt es auf „CSN“ auch solch einen Titel wie „Anything At All“, der schon sehr soulige Züge trägt. Überaus gewöhnungsbedürftig und so gar nicht zum Rest der Platte zu passen scheinend. Ebenfalls aus der Reihe tanzt auch das sechste Stück der CD, ehemals der letzte Titel auf Seite 1 der LP: „Cathedral“, aus der Feder von Graham Nash. Dieses Stück, auch das längste des Albums, ist allerdings ein absolutes Meisterwerk geworden und ein, wenn nicht der Höhepunkt im Schaffen der drei Musiker. Traurig und ergreifend verschafft sich dieser Titel Zugang zum Hörer. Melancholie pur, versehen mit einem sehr nachdenklich machenden Text, ist dies auch kein Folk Rock mehr. Die Orchester-Untermalung weist da schon in eine ganz andere Richtung. Ein wahrliches Highlight der Pop-Musik der 70er Jahre.

Die ehemalige Seite 2 der Platte rockt nun ein wenig mehr, als die ersten Titel. Jedoch nicht durchgehend, da gerade die beiden Graham Nash-Titel hier gegen den Strom schwimmen. „Just A Song Before I Go” beginnt zwar zunächst fast schon ein wenig funkig, wird dann aber wieder durch mehrstimmige und relativ ruhige Gesangspassagen bestimmt. Dieser Titel wurde auch als Single ausgekoppelt und stellt bis heute den erfolgreichsten „Hit“ der Band dar. „Cold Rain”, ebenfalls von Graham Nash geschrieben, ist eine wunderschöne, verträumte Nummer, die nur vom Piano und diversen Streichern untermalt wird. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch der letzte Titel des Albums, „I Give You Give Blind“. Hierfür zeigt sich dieses Mal Stephen Stills verantwortlich. Jetzt groovt die Musik mitreißend und man kommt gar nicht umhin, nicht mit dem Fuß mitzuwippen. Dazu gesellt sich wieder dieser mehrstimmige Gesang und fertig ist die überaus gelungene Abwechslung und ein würdiger Abschluss des Albums.

Fazit: Nicht alles kann auf „CSN“ überzeugen. Manches Mal klingen die Lieder ein bisschen zu selbstverliebt, soll heißen, bei all den ausgefeilten Gesangslinien wurde mitunter ein wenig die eigentliche Melodieführung in den Titeln vergessen. Aber es gibt auch die Höhepunkte auf der Platte, die das Album zu einer sehr lohnenden Anschaffung werden lassen, wenn man auf melancholische und traurige Elemente in der Musik steht – denn diese kennzeichnen die schönen Momente auf „CSN“. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Cathedral, Cold Rain, I Give You Give Blind



Donnerstag, 29. Mai 2014

David Bowie – Heroes




David Bowie – Heroes


Besetzung:

David Bowie – vocals, keyboards, guitars, saxophone, koto, backing vocals


Gastmusiker:

Carlos Alomar – rhythm guitar
Dennis Davis – drums, percussion
George Murray – bass guitar
Brian Eno – synthesisers, keyboards, guitar treatments
Robert Fripp – lead guitar
Tony Visconti – backing vocals
Antonia Maass – backing vocals


Label: RCA


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Art Rock, Experimental Rock, Elektronische Musik


Trackliste:

1. Beauty And The Beast (3:35)
2. Joe The Lion (3:09)
3. Heroes (6:09)
4. Sons Of The Silent Age (3:19)
5. Black Out (3:52)
6. V-2 Schneider (3:11)
7. Sense Of Doubt (4:00)
8. Moss Garden (5:03)
9. Neukölln (4:30)
10. The Secret Life Of Arabia (3:48)

Gesamtspieldauer: 40:35




Noch im selben Jahr wie das Vorgängeralbum „Low“, veröffentlichte David Bowie 1977 sein zwölftes Studio-Album „Heroes“, welches umrahmt von „Low“ und „Lodger“ den Mittelteil seiner sogenannten Berlin-Trilogie bildet. Ende der 70er Jahre hatte David Bowie seinen Lebensmittelpunkt in Berlin gefunden und zusammen mit Brian Eno diese drei Platten produziert.

Stilistisch schließt „Heroes“ unmittelbar an „Low“ an, denn auch hier gibt es, neben einigen etwas experimentelleren Art Pop Songs, viel elektronische Musik zu hören. Bekanntestes Lied auf „Heroes“ ist sicherlich der Titeltrack, der in unterschiedlichen Versionen veröffentlicht wurde. Dies bezieht sich auf den Text, denn diesen singt David Bowie neben der englischen Ausgabe zum Teil in deutscher Sprache ein. Eine französische Version gibt es davon ebenfalls, bei der entsprechend der deutschen Variante, die dritte Strophe in Französisch eingesungen wurde.

Allgemein ist „Heroes“ ein sehr „dunkles“ Album geworden, bei dem vor allem die Instrumentalstücke der ehemaligen zweiten Seite der LP zu dieser Stimmung beitragen. Die Grundatmosphäre der einzelnen Titel reicht hier von traurig bis hin zu verzweifelt. Viele der Lieder fanden auch Verwendung für den Soundtrack zum Film „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ über Christiane F., wobei das gleichnamige Buch heute sogar einen festen Bestandteil der Lektüre im Deutschunterricht darstellt – und diese Stimmung auf dem Album natürlich auch bestens zum Buch beziehungsweise Film passt.

Diese Atmosphäre auf „Heroes“ spiegelt ebenfalls die damalige Verfassung von David Bowie wider, der angeblich zu dieser Zeit selbst Heroin-abhängig war. Vor allem die drei Titel „Sense Of Doubt“, „Moss Garden“ und „Neukölln“ transportieren diese Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Aufgelöst wird dies alles ein wenig durch den letzten Titel des Albums „The Secret Life Of Arabia“, der gegen die vorherigen Songs fast schon fröhlich wirkt und die Passage: „The secret life of Arabia, You must see the movie the sand in my eyes, I walk through a desert song when the heroine dies“ enthält.

Fazit: Ein sehr eindrucksvolles Album ist „Heroes“ geworden, welches sich auch wieder viel erfolgreicher verkaufte, als noch der Vorgänger „Low“. Im Laufe der Platte wird die Musik immer intensiver und einnehmender und ist dann auch überhaupt nicht mehr radiokompatibel. Dafür ist sie umso besser dafür geeignet, auf dem Sofa oder sonst einem schönen Plätzchen in Ruhe genossen zu werden. Sicherlich keine Allerweltsmusik und auch nur am Rande, mit Ausnahme von „Low“, mit dem Rest in der Diskographie des David Bowie zu vergleichen. Hörenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Sons Of The Silent Age, Sense Of Doubt



Mittwoch, 28. Mai 2014

GTR – GTR




GTR – GTR


Besetzung:

Max Bacon – vocals
Steve Hackett – guitars, vocals, guitar synthesizer, bass
Steve Howe – guitars, guitar synthesizer, vocals
Phil Spalding – bass guitar, vocals
Jonathan Mover – drums, percussion


Label: Arista


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: AOR (Adult Orientated Rock)


Trackliste:

1. When The Heart Rules The Mind (5:35)
2. The Hunter (5:01)
3. Here I Wait (4:59)
4. Sketches In The Sun (2:36)
5. Jekyll & Hyde (4:48)
6. You Can Still Get Through (4:46)
7. Reach Out (Never Say No) (4:23)
8. Toe The Line (4:31)
9. Hackett To Bits (2:10)
10. Imagining (5:55)

Gesamtspieldauer: 44:44



Das war damals, im Jahr 1986, schon etwas Besonderes. Die beiden ehemaligen Gitarristen der stilgebenden Progressive Rock Bands Yes und Genesis hatten eine neue Band gegründet, die der Gitarre einen würdigen Platz einräumen wollte. Steve Howe, der gerade eine Pause bei Yes einlegte und Steve Hackett, der neun Jahre zuvor Genesis endgültig den Rücken gekehrt hatte, wollten der Rock-Gitarre also ein Denkmal setzen. Das Ergebnis dieses Unterfangens war dabei jedoch mehr als enttäuschend und ernüchternd, denn bei diesem handelte es sich um Stadion-Rock, auch mit AOR betitelt. Um Musik also, die eingängig auf den erwachsenen Rock-Freund zugeschnitten ist. Eingängig und sofort ins Ohr gehend, ohne jegliche Experimente. Bands dieser Art gab es in den 80ern jede Menge. Foreigner, Boston, Asia (auch mit Steve Howe) oder REO Speedwagon spielten zum Beispiel in der gleichen Liga.

Wer also irgendetwas Besonderes von dieser Formation erwartet hatte, der wurde bitter enttäuscht. 08/-15 Rock hört man auf dem gleichnamigen Album von GTR. Nichts, aber auch gar nichts wirklich Herausragendes. „The Hunter” ist ein guter Rock-Song, der sicherlich auch nach mehrmaligem Anhören noch seinen Reiz besitzt. Auch „Sketches In The Sun“ hat seinen Reiz, da man hier Steve Howe bei einer schönen Gitarren-Instrumentalnummer hört, genau wie „Hackett To Bits“, deutlich härter und ebenfalls ein Instrumental-Lied, nur dieses Mal eben aus der Feder von Steve Hackett.

Das war es allerdings leider auch schon. Der ganze Rest ist meist ziemlich oberflächlicher Rock-Bombast, der radiotauglich möglichst schnell Verkaufszahlen generieren sollte. Sei den Jungs auch vergönnt, denn erfolgreich war die Scheibe und Geld wollten sie ja auch verdienen. Zum Großteil wurde die Platte aber wohl von „Genesis- und Yes-Jüngern“ gekauft, die sich beim Hören verwundert die Augen rieben beziehungsweise nicht so recht einordnen konnten, was sie da gerade hörten.

Fazit: 80er Stadion-Rock gibt es von GTR zu hören. Die Band löste sich im Anschluss daran auch ziemlich schnell wieder auf, da wohl vor allem Steve Howe und Steve Hackett so ihre Schwierigkeiten miteinander hatten. Und so blieb „GTR“ von „GTR“ die einzige Studio-Veröffentlichung dieser Band. Allzu viel hat man als Musikhörer aber deswegen wohl nicht verpasst. Sechs Punkte.

Anspieltipps: The Hunter, Hackett To Bits, Sketches In The Sun



Dienstag, 27. Mai 2014

The Cars – Heartbeat City




The Cars – Heartbeat City


Besetzung:

Ric Ocasek – rhythm guitar, synthesizer, lead vocals on 1, 2, 3, 6, 8, 9, 10
Elliot Easton – lead guitar, backing vocals
Greg Hawkes – keyboards, fairlight programming, backing vocals
Benjamin Orr – bass, lead vocals on 4, 5, 7
David Robinson – drums, percussion, fairlight programming


Gastmusiker:

Andy Topeka – additional fairlight programming


Label: Elektra


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Hello Again (3:48)
2. Looking For Love (3:52)
3. Magic (3:57)
4. Drive (3:54)
5. Stranger Eyes (4:26)
6. You Might Think (3:05)
7. It's Not The Night (3:49)
8. Why Can't I Have You (4:04)
9. I Refuse (3:16)
10. Heartbeat City (4:30)

Gesamtspieldauer: 38:40




Mit ihrem fünften Studioalbum „Heartbeat City“ legten die Cars 1984 eine Platte vor, auf der sie eindrucksvoll zeigten, wie gut und nachhaltig Pop-Musik klingen kann. Das Album ist angefüllt mit Titeln, die auch heute noch, dreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung, überaus überzeugend wirken und klingen. Fünf Singleauskopplungen schafften es damals in die Top 40 der Billboard-Charts, wobei „Drive“ und „You Might Think“ sogar bis in die Top Ten vordrangen.

Die einzelnen Lieder wurden für das aufstrebende MTV auch mit Musikvideos versehen, wobei Andy Warhol bei „Hello Again“ die Regie führte und sogar in dem Video als Barkeeper zu sehen ist. Ric Ocasek schrieb die zehn Titel fast im Alleingang und bekam lediglich bei „It’s Not The Night“ Unterstützung von Keyboarder Greg Hawkes. Neben den Pop-Songs sind es aber gerade auch diejenigen Titel, die eher rockig klingen und nicht als Single veröffentlicht wurden, die auf „Heartbeat City“ ebenfalls überzeugen können. Das ist zum Beispiel die gerade schon erwähnte Nummer „It’s Not The Night“ und zum Teil auch der Titelsong „Heartbeat City“ selbst, der jedoch sehr in die Richtung New Wave driftet. Wie der Rest der Platte sind dies ebenfalls Lieder mit Ohrwurm-Charakter, die auch absolut für die Zeit und das Gefühl der 80er Jahre stehen.

Ausfälle gibt es keine auf dem Album. Alles wirkt und klingt und geht schnell ins Ohr. Und trotz dieser Eingängigkeit kann man sich nur schwerlich an diesen Titeln überhören, soll heißen, auch nach vielen Jahren wird die Platte oder CD immer noch ein gern gesehener Gast auf dem Plattenteller beziehungsweise im CD-Player bleiben. Bei 80er Revival-Partys ist das Album sowieso ein fester Bestandteil der Playlist – und hierbei spielt es kaum eine Rolle, welcher der zehn Titel dabei gespielt wird. Alle Nummern sind bekannt und vermitteln dieses „80ies-Feeling“ in Perfektion.

Fazit: Ein wahrlich schönes Album mit jeder Menge an Höhepunkten. Musik für die gute Laune, für die Fahrt mit dem Auto oder bei entsprechendem Alter auch, um das Gefühl der Jugend wieder ein wenig zu spüren. Süße Melancholie mit einem Schuss Sentimentalität eben. Macht Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: Drive, Heartbeat City, You Might Think



Montag, 26. Mai 2014

Uriah Heep – Fallen Angel




Uriah Heep – Fallen Angel


Besetzung:

John Lawton – lead vocals
Trevor Bolder – bass guitar
Mick Box – guitars
Ken Hensley – keyboards, synthesizer, guitars, back-up vocals
Lee Kerslake – drums, back-up vocals


Gastmusiker:

Chris Mercer – saxophone


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Rock


Trackliste:

1. One More Night (4:04)
2. Falling In Love (2:53)
3. Woman Of The Night (3:31)
4. I'm Alive (4:08)
5. Come Back To Me (4:20)
6. Whad'Ya Say (3:40)
7. Save It (3:34)
8. Love Or Nothing (3:01)
9. Put Your Lovin' On Me (4:17)
10. Fallen Angel (5:03)


Bonus Tracks:

11. Cheater (4:04)
12. Gimme Love (Struttin') (3:17)
13. Right To Live (3:37)
14. Been Hurt (5:06)

Gesamtspieldauer: 54:35



„Fallen Angel“ heißt das zwölfte Studioalbum von Uriah Heep und es erschien im Jahr 1978. Und wenn man sich diese Scheibe so anhört, dann kann man kaum glauben, dass es sich hierbei um dieselbe Band handeln soll, die nur wenige Jahre zuvor tolle und abwechslungsreiche Rock-Musik zelebrierte. Uriah Heep hatte nun anscheinend den Versuch unternommen, zehn Titel auf Platte zu pressen, die alle eingängig und radiotauglich sind. Doch leider schlug dieses Unterfangen gründlich fehl, denn das, was man hier zu hören bekommt, ist zumeist sehr oberflächlicher und unausgegorener Rock, der mitunter sogar in die Pop-Schiene abdriftet.

Beim Lesen der einzelnen Titel beschleicht einen schon das ungute Gefühl, dass die Texte sich wohl sehr schmachtend um das Thema „Liebe“ drehen werden. Dieser erste Eindruck wird dann beim Hören der Musik bestätigt. Unglaublich seichte Texte à la „Please love me“, „Please don’t leave me“, „I love you forever“, „I felt in love with you“ und so weiter und so fort. Unsäglich und irgendwie fast schon an der Grenze zur Peinlichkeit. Leider wird es bei der Musik auch nicht viel besser. Bestes Beispiel hierfür ist der Titel „Save It“. Natürlich steht auch dieses Mal wieder das Thema „Liebe“ auf der Agenda und obwohl die Nummer noch ganz rockig beginnt, entwickelt sich das Lied dann ein wenig in die Boogie Woogie Schiene. Der Gesang klingt dazu gerade beim Refrain wie eine Mischung aus den Village People und einem Gospel-Chor. Hier benötigt man wahrlich starke Nerven, um dieses Lied durchhören zu können. Grauenvoll. Leider ist diese Nummer allerdings nicht der einzige Ausreißer nach unten. „Come Back To Me” soll wohl eine Ballade sein, klingt richtiggehend soulig und auch hier kommt zusätzlich noch der Text zum Tragen, der die Nummer fast schon unerträglich werden lässt.

Erträglich wird „Fallen Angel“ immer dann, wenn die Band das macht, was sie am besten kann, nämlich rocken. Rock-Musik gibt es bei den beiden ersten Titeln zu hören. „Whad'Ya Say“ klingt ebenfalls noch ganz okay, obwohl man hier bereits die gerade losbrechende Disco-Welle mit zu hören glaubt. „Put Your Lovin' On Me” stellt den Höhepunkt auf einem wahrlich nicht guten Album dar. Hier steht jetzt auch wieder der Rock im Vordergrund, der die Nummer zu einem hörenswerten Titel werden lässt. Die ersten beiden Bonus-Tracks passen sich dem Niveau der Platte bestens an. „Right To Live” ist dagegen wieder durchaus hörenswert. Gute Melodie, schönes Gitarren-Solo, den Text vergessen wir jetzt einfach mal. „Been Hurt” startet etwas funkig und natürlich war es auch hier wieder eine Dame, die Sänger John Lawton „verletzt“ hat. Schwierig.

Fazit: Ken Hensley, der sich für den Großteil der Kompositionen verantwortlich zeigt, schienen irgendwie die Ideen abhanden gekommen zu sein oder die Band glaubte mit flachen und unkomplizierten Stücken ihren Erfolg noch vermehren zu können. So wurde aus dem Album „Fallen Angel“ eine Aneinanderreihung von langweiligen und mitunter schmierigen Titeln, die man nicht zu oft hören muss. Musikalische Belanglosigkeit hat ihren Namen gefunden: „Fallen Angel“ von Uriah Heep. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Save It, Put Your Lovin' On Me



Sonntag, 25. Mai 2014

Genesis – And Then There Were Three




Genesis – And Then There Were Three


Besetzung:

Tony Banks – piano, organ, mellotron, synthesizers
Phil Collins – lead and backing vocals, drums, percussion
Mike Rutherford – basses, guitars, bass pedals


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock, Pop


Trackliste:

1. Down And Out (5:26)
2. Undertow (4:48)
3. Ballad Of Big (4:50)
4. Snowbound (4:31)
5. Burning Rope (7:10)
6. Deep In The Motherlode (5:16)
7. Many Too Many (3:32)
8. Scenes From A Night's Dream (3:30)
9. Say It's Alright Joe (4:21)
10. The Lady Lies (6:08)
11. Follow You Follow Me (3:57)

Gesamtspieldauer: 53:29




„And Then There Were Three” stellt sicherlich einen Einschnitt in der Musik von Genesis dar. Nicht nur, dass nach Peter Gabriel nun ebenfalls Gitarrist Steve Hackett die Band verlassen hatte, auch die Musik selbst war jetzt einem deutlichen Wandel unterzogen worden. Stand bisher immer der Progressive Rock im Vordergrund, so gibt es diese Ansätze zwar zumindest noch ansatzweise auf diesem neunten Studioalbum der Band zu hören, jedoch ist alles auch mit einem deutlichen und doch auch belanglosen Pop-Einschlag versehen.

Für alle Genesis-Fans der frühen Bandgeschichte war dieses Album natürlich ein wenig enttäuschend. Zwar erinnern immer wieder Passagen an frühere Tage, im Zentrum des Schaffens von Genesis steht jetzt jedoch ganz klar die eingängige Pop-Musik. Nicht weiter überraschend daher auch, dass die Band hier mit „Follow You Follow Me“ einen ersten Erfolg in den Single-Charts erzielte. Hilft allerdings auch irgendwie nichts, denn das Album wirkt auf seine Weise für Fans der früheren Veröffentlichungen überaus belanglos und läuft einfach so durch, ohne irgendwelche großartigen Spuren zu hinterlassen. War da was?

„Undertow” und „Say It's Alright Joe” klingen schon schwer nach dem Singsang und Gesäusel, mit dem Phil Collins kurze Zeit später eine überaus erfolgreiche Solo-Karriere starten sollte. Eingängiger und häufig auch schmachtender Pop, der wahrlich leicht anzuhören ist, oftmals allerdings schon nach kurzer Zeit überaus nervt. Am ehesten in die Richtung der vorherigen Platten geht da noch „Burning Rope“. Aus mehreren Passagen zusammengesetzt, kommt hier zumindest so eine gewisse Stimmung auf, die sich nicht nur beim ersten Hören als einnehmend herausstellt. Kein Vergleich zwar mehr zu den Platten mit Peter Gabriel, trotzdem noch der Höhepunkt des Albums.

Fazit: Schon schade, was aus diesem einstigen Flaggschiff der progressiven Rockmusik geworden war. Radiotaugliches Gedudel wurde nun die Spezialität der Band. Dabei soll hier allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die Verkaufszahlen von Genesis ab jetzt in bisher nicht gekannte Dimensionen vorstießen. Den Massenmarkt hatten sie also erobert, viele Fans der ersten Stunde jedoch verloren – aber letzteres wird die drei Musiker wohl eher weniger tangiert haben. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Burning Rope, Follow You Follow Me, Many Too Many



Samstag, 24. Mai 2014

Mahavishnu Orchestra – The Inner Mounting Flame




Mahavishnu Orchestra – The Inner Mounting Flame


Besetzung:

John McLaughlin – guitar
Rick Laird – bass
Billy Cobham – drums, percussion
Jan Hammer – keyboards, organ
Jerry Goodman – violin


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Jazz Fusion


Trackliste:

1. Meeting Of The Spirits (6:52)
2. Dawn (5:10)
3. The Noonward Race (6:28)
4. A Lotus On Irish Streams (5:39)
5. Vital Transformation (6:16)
6. The Dance Of Maya (7:17)
7. You Know, You Know (5:07)
8. Awakening (3:36)


Bonus Track:

Noonward Race [live] (15:23)

Gesamtspieldauer: 1:01:47




Man soll ja seinen Horizont immer wieder mal erweitern - auch musikalisch. Nun, also her mit John McLaughlins Mahavishnu Orchestra. Anfang der 70er Jahre eingespielt, schon mal ein gutes Zeichen, denn da gab es jede Menge gute Musik zu hören. Okay, Jazz Fusion ist natürlich etwas ganz Spezielles, trotzdem kann man in diversen Foren nachlesen, dass hier durchaus eine gewisse Nähe zum Progressive Rock gegeben ist, eindeutig meine Richtung.

Um es vorweg zu nehmen, man kann mit dieser Musik nicht unbedingt etwas anfangen, wenn man kein begeisterter Jazz-Fan ist. Gefallen zu finden an etwas „schrägeren Tönen“ à la Emerson, Lake & Palmer oder King Crimson hilft da wirklich nicht viel weiter. Man muss als Hörer das Chaos und die Hektik lieben, sonst hat man hier definitiv keine Chance. „Hektik“ ist ein gutes Stichwort, denn das ist diese Art von Musik überaus. Nichts zum Entspannen oder zum Zurücklehnen. Mitunter stellt sich einem auch die Frage, ob die fünf Musiker gerade auch wirklich dasselbe Lied spielen, oftmals scheinen die diversen Töne der einzelnen Musikinstrumente nämlich überhaupt nicht zusammen zu passen. Von Melodiösität kann daher schon mal gar nicht die Rede sein.

Dies gilt für den Großteil der Musik, die oftmals in die Richtung Free Jazz abdriftet - ohne Limits, ohne Strukturen, ohne jegliche Eingängigkeit. Ausnahmen dieses Ablaufs gibt es allerdings auch auf „The Inner Mounting Flame”. Zum einen wäre da der Opener „Meeting Of The Spirits”. Zwar ebenfalls ruhelos und hektisch, jedoch mit Ansätzen, die durchaus auch beim Progressive Rock zu finden sind. „A Lotus On Irish Streams” fällt sogar völlig aus der Rolle. Sanfte Musik, Violine, Klavier und spanische Gitarre bilden hier die ruhende Insel des Albums. Verträumt und melancholisch klingt das, was noch am ehesten für das Ohr des Durchschnittsmusikhörers gedacht ist. Ein schönes Lied. Nun, dann bliebe da lediglich noch „You Know, You Know“. Auch dieser Titel ist sehr ruhig gehalten und wirkt überaus verspielt. Diese Nummer klingt deutlich eher nach progressivem Rock, als nach Free Jazz. Irgendwie eine Wohltat.

Die restlichen Titel sind laut, knallen irgendwie atonal aus den Boxen. Man fängt an nervös zu werden, sodass dieser Musik beim Autofahren definitiv ein gewisses „Crash-Potential“ innewohnt. Schwierig.

Fazit: Wieder mal ist der Punkt erreicht, dass eine Rezension hier sehr, sehr subjektiv ausfällt. Die Musiker sind nämlich allesamt Meister ihres Faches und wenn man sich überlegt, dass diese dieses Chaos auch noch auf diversen Bühnen reproduzieren konnten, dann ist das schon aller Ehren wert. Nichtsdestotrotz, wie sagen die Engländer so schön: „Definitely not my cup of coffee“ – ausgenommen der drei oben angeführten Ausnahmen. Für Freunde des experimentellen Jazz‘ jedoch mit Sicherheit eine Offenbarung. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Noonward Race, A Lotus On Irish Streams, The Dance Of Maya



Freitag, 23. Mai 2014

Klaus Schulze – Picture Music




Klaus Schulze – Picture Music


Besetzung:

Klaus Schulze – Synthesizer, Orgel, Schlagzeug, Perkussion


Label: Brain Metronome


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Totem (23:52)
2. Mental Door (23:02)

Gesamtsapieldauer: 46:54




Im Jahr 1975 veröffentlichte der Berliner Klaus Schulze sein viertes Album unter dem Titel „Picture Music“. Und auf diesem Album gibt es einmal mehr elektronische Musik in Reinform zu hören. Der Synthesizer steht ganz klar im Vordergrund und erzeugt vielschichtige Klangteppiche. Beide Titel haben in etwa dieselbe Länge und die Musik auf „Picture Music“ klingt absolut hypnotisch. Setzt man die Kopfhörer auf und macht es sich auf einem gemütlichen Plätzchen bequem, fangen unter diesen Eindrücken die Gedanken an zu zirkulieren und man gelangt auch ohne weitere „Zutaten“ in andere Sphären.

Beim Titel „Totem“ passiert zunächst erst mal wenig. Wabernde Synthesizer-Teppiche breiten sich aus, werden nur sehr wenig variiert und im Hintergrund pulsiert eine weitere Synthesizer-Tonspur. Alles wirkt hier sehr meditativ bis hypnotisierend. Erst nach etwas mehr als zwölf Minuten scheint der Titel so ein wenig Fahrt aufzunehmen. Dieser wabernde Rhythmus wird fordernder und auch die Synthesizer-Linie im Vordergrund wird nun deutlich mehr variiert. Der Einfluss auf die Psyche des Hörers bleibt dabei jedoch aber durchaus erhalten. Schließlich läuft das Lied einige Minuten lang aus. Zunächst gurgelnd, schließlich absolut sphärisch.

„Mental Door“ startet ebenfalls etwas sphärisch, um dann jedoch in einen düsteren und irgendwie schwer gearteten Teil überzugehen. Die Synthesizer-Musik klingt nun dunkel und traurig, um dann in einen sehr viel treibenderen Abschnitt zu münden. Zwitschernde Geräusche begleiten diese Klangwelten, die schließlich noch mit Schlagzeug unterlegt werden. Und das zieht sich jetzt ein wenig, nein, sogar sehr lange, nämlich über achteinhalb Minuten lang. Alles wirkt hier nun ein wenig hektisch, von Melodie kann man da auch nicht mehr unbedingt sprechen. Schließlich endet alles erneut in sphärischen Bereichen, die dieses Mal allerdings ebenfalls mit einem Schlagzeug unterlegt wurden.

Fazit: Nun, man muss mit elektronischer Musik etwas anfangen können, ansonsten wirkt diese Platte wohl sehr langweilig, da die einzelnen Themen sich ziehen und ziehen und ziehen. Zur Entspannung taugt solche Musik allerdings sehr gut. Wer also mal den Versuch unternehmen möchte, seine Gedanken einfach auf Reisen zu schicken, unabhängig von der Ungewissheit, wo diese landen könnten, der wird mit „Picture Music“ von Klaus Schulze einiges erleben. Acht Punkte.

Anspieltipps: Totem



Donnerstag, 22. Mai 2014

Eloy – Floating




Eloy – Floating


Besetzung:

Frank Bornemann – vocals, guitar
Manfred Wieczorke – organ, guitar
Luitjen Janssen – bass
Fritz Randow – drums


Label: Harvest


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Floating (4:01)
2. The Light From Deep Darkness (14:40)
3. Castle In The Air (7:17)
4. Plastic Girl (9:10)
5. Madhouse (5:20)


Bonus Tracks:

6. Future City (Live) (5:01)
7. Castle In The Air (Live) (8:11)
8. Flying High (Live) (3:31)

Gesamtspieldauer: 57:11



„Floating“ heißt das dritte Album der deutschen Progressive Rock Band Eloy. Im Jahr 1974 veröffentlicht, gestaltet sich die Musik darauf ein wenig anders, als noch auf dem Vorgängeralbum „Inside“. Und diese Platte diese Platte auch deutlich anders, als jene Alben, die Eloy ab der folgenden Scheibe „Power And The Passion“ veröffentlichen sollte und mit deren Sounds der Band der Durchbruch gelang. Der Unterschied liegt im Rock selbst, den Eloy hier sehr viel härter zelebriert, als auf allen anderen Platten der Band davor und danach. 

Das Keyboard hat auf „Floating“ nicht die Dominanz, wie auf den anderen Veröffentlichungen von Eloy und der Synthesizer wurde hier nur sehr sparsam und zum ersten Mal in der Bandgeschichte eingesetzt. Das wirkt ein wenig so, als ob man mal ausprobieren wolle, wie so ein „Teil“ eigentlich klingt. Die Platte ist also Gitarren-lastiger und härter im Sound. So verwundert es auch nicht weiter, dass mit „Castle In The Air“ und „Madhouse“ sogar zwei Titel auf dem Album vertreten sind, die völlig ohne Tasteninstrumente auskommen. „Floating“ klingt sehr viel mehr nach Krautrock, als andere Scheiben der Band. Der Progressive Rock-Anteil ist hier zwar vorhanden, jedoch deutlich weniger ausgearbeitet.

Nun, dies sagt natürlich alles nichts über die Qualität die Musik aus. Diese kann sich allerdings sehen beziehungsweise hören lassen. Sehr abwechslungsreich ist das Ganze gestaltet, meistens zwar relativ treibend im Rhythmus, jedoch immer wieder sind die Lieder mit sehr schönen Melodien ausgestattet, die sich ziemlich schnell im Ohr festsetzen. Und dann gibt es hier auch noch einige wahrlich gelungene Gitarren-Soli des Frank Bornemann zu hören und auch – wenn er mal darf – wunderschöne Läufe auf der Orgel, die von Manfred Wieczorke bedient wurde. Zusätzlich hat man diese remasterte Fassung der CD noch mit drei Bonus-Titeln ausgestattet, die alle 1973 live eingespielt wurden. Okay, die Klangqualität ist dabei wahrlich nicht berauschend, trotzdem ein schönes Zeitdokument aus den Anfängen der Band.

Fazit: Eine sehr rockige Platte ist „Floating“ geworden. Damit ist die Scheibe etwas untypisch für Eloy. Nichtsdestotrotz macht das Gehörte jedoch sehr viel Spaß. Alles groovt, alles klingt. Und wenn auch nicht diese absoluten „Übersongs“ auf der Scheibe enthalten sind, so sind doch alle Titel sehr hörenswert und wirken nach. Ausfälle gibt es überhaupt keinen, sodass sich dieses Album für alle Freunde des Krautrock-angehauchten Progressive Rock unbedingt lohnt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Light From Deep Darkness, Castle In The Air



Mittwoch, 21. Mai 2014

Led Zeppelin – Physical Graffiti




Led Zeppelin – Physical Graffiti


Besetzung:

John Bonham – drums, percussion
John Paul Jones – bass guitar, organ, acoustic and electric piano, mellotron, guitar, mandolin, vcs3 synthesiser, hohner clavinet, hammond organ, string arrangement
Jimmy Page – electric, acoustic, lap steel and slide guitar, mandolin, production
Robert Plant – lead vocals, harmonica, acoustic guitar on "Boogie With Stu"


Gastmusiker:

Ian Stewart – piano on "Boogie with Stu"


Label: Swan Song Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Rock


Trackliste:

1. Custard Pie (4:14)
2. The Rover (5:37)
3. In My Time Of Dying (11:06)
4. Houses Of The Holy (4:02)
5. Trampled Under Foot (5:37)
6. Kashmir (8:29)
7. In The Light (8:47)
8. Bron-Yr-Aur (2:06)
9. Down By The Seaside (5:16)
10. Ten Years Gone (6:33)
11. Night Flight (3:38)
12. The Wanton Song (4:10)
13. Boogie With Stu (3:53)
14. Black Country Woman (4:33)
15. Sick Again (4:43)

Gesamtspieldauer: 1:22:43



„Physical Graffiti“, das sechste Studioalbum von Led Zeppelin aus dem Jahr 1975, ist schon eine besondere Scheibe. Acht Titel stellte die Band für das Album zusammen, um dann festzustellen, dass diese aufgrund ihrer Länge nicht auf eine LP passen würden. Die Band setzte sich nun aber nicht zusammen, um Titel zu kürzen oder zu streichen. Die Musiker komponierten auch keine weiteren Lieder, sondern sie griffen auf früheres Material zurück – auf Songs, die es nicht auf vorherige Alben geschafft hatten und veröffentlichten kurzerhand ein Doppelalbum. So wurden ein „Outtake“ von Led Zeppiln III, drei von Led Zeppelin IV sowie ebenfalls drei nicht veröffentlichte Lieder von „Houses Of The Holy“ der ursprünglichen Doppel-LP beigemischt.

Nicht zuletzt diese Herangehensweise bewirkte, dass die Platte musikalisch gesehen diejenige in der Diskographie der Band ist, welche das breiteste Spektrum an verschiedenen Musikstilen beinhaltet. Hier gibt es harten Rock zu hören, Folk, Blues, Instrumentalmusik, Funk, etwas Progressive Rock sowie das mit Orchester unterlegte „Kashmir“, welches schwierig einem speziellen Musikgenre zuzuordnen ist. Und obwohl diese Zusammenstellung, sowie die Tatsache der Verwendung von ursprünglicher „Ausschussware“ nichts Gutes vermuten lässt, ist „Physical Graffiti“ ein richtig gutes Album geworden.

Höhepunkt der Platte ist sicherlich der Titel „Kashmir“, eine Nummer, die viele Jahre später von Puff Daddy für den Soundtrack zum Film Godzilla gecovert wurde. Allerdings schafft es diese Version in keinster Weise, sich mit dem Original auf „Physical Graffiti“ zu messen. „Kashmir“ von Led Zeppelin ist Kraft und Ausdrucksstärke pur. Ein Lied, welches sofort ins Ohr geht, groovt und auch durch den etwas orientalisch angehauchten Touch eine gewisse Magie verströmt. Ein absoluter Höhepunkt im Schaffen von Led Zeppelin. Doch es gibt noch einiges mehr auf dieser Scheibe zu entdecken. „In The Light” ist zum Beispiel eine überaus abwechslungsreiche Nummer, die schon ein wenig in die Richtung des Progressive Rock driftet. Spannend und eingängig, mal mit etwas sphärischeren Abschnitten versehen, ein anderes Mal rockig, entfaltet sich hier eine wahrlich hörenswerte Nummer, die vollgestopft mit Ideen, auf über acht Minuten immer zu überzeugen weiß.

Das kurze „Bron-Yr-Aur“ ist dagegen eine wunderschöne Gitarren-Akustik-Nummer, die Melancholie aufkommen lässt. Wieder ganz anders klingt „The Rover“. Hier wird jetzt gerockt, wobei vor allem der Refrain sofort ins Ohr geht. Sehr viel ruhiger gestaltet sich dagegen „Ten Years Gone“. Meist sanft und sentimental klingend, wird hier nur ab und an das Tempo ein wenig angezogen. Auch die weiteren Titel haben etwas, was sich durchaus lohnt gehört zu werden und zusätzlich zeigt sich einmal mehr, dass gute Musik mitunter auch Zeit benötigt, um im Ohr des Hörers „reifen“ zu können, denn die Musik auf „Physical Graffiti“ wächst mit jedem weiteren Durchlauf.

Fazit: Klar wird man als Hörer auf dem Album sofort seine Höhepunkte und Favoriten entdecken, was durch die Vielfalt der Stile auch nicht weiter verwunderlich ist. „Kashmir“ hat da schon eine gewisse und besondere Position inne, denn dieser Titel ist ein absoluter Meilenstein in der Musik von Led Zeppelin. Bei vielen anderen Nummern muss man sich ein wenig reinhören und ein bisschen auf Zeit spielen, aber dann entfalten auch diese Songs das gewisse „Etwas“, was Musik zu etwas Besonderem und Hörenswerten werden lässt. Sehr empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Kashmir, In The Light, Bron-Yr-Aur



Dienstag, 20. Mai 2014

The Beatles – Let It Be


 


The Beatles – Let It Be


Besetzung:

George Harrison – lead and rhythm guitars, acoustic guitar on "For You Blue" and "I Me Mine", tambura on "Across The Universe", tuned-down six-string electric guitar on "Two Of Us" and "Maggie Mae", lead vocals on "I Me Mine" and "For You Blue", backing vocals
John Lennon – lead and backing vocals, rhythm guitar, lead guitar on "Get Back", lap steel guitar on "For You Blue", acoustic guitar on "Two Of Us", "Across The Universe" and "Maggie Mae", six-string bass guitar on "Dig It", "Let It Be" and "The Long And Winding Road", whistling on "Two Of Us"
Paul McCartney – lead and backing vocals, bass guitar, acoustic guitar on "Two Of Us" and "Maggie Mae", piano on "Dig It", "Across The Universe", "Let It Be", "The Long And Winding Road", and "For You Blue", hammond organ and electric piano on "I Me Mine", maracas on "Let It Be"
Ringo Starr – drums, percussion on "Across The Universe"


Gastmusiker:

Richard Anthony Hewson – string and brass arrangements on "I Me Mine" and "The Long And Winding Road"
John Barham – choral arrangements on "Across The Universe", "I Me Mine" and "The Long And Winding Road"
George Martin – shaker on "Dig It", string and brass arrangements on "Let It Be"
Linda McCartney – backing vocals on "Let It Be"
Billy Preston – electric piano on "Dig A Pony", "I've Got A Feeling", "One After 909", "The Long And Winding Road" and "Get Back", hammond organ on "Dig It" and "Let It Be"
Brian Rogers – string and brass arrangements on "Across the Universe"


Label: Apple


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Two Of Us (3:37)
2. Dig A Pony (3:55)
3. Across The Universe (3:49)
4. I Me Mine (2:26)
5. Dig It (0:50)
6. Let It Be (4:03)
7. Maggie Mae (0:41)
8. I've Got A Feeling (3:38)
9. One After 909 (2:56)
10. The Long And Winding Road (3:38)
11. For You Blue (2:33)
12. Get Back (3:07)

Gesamtspieldauer: 35:13
 



„Let It Be“ nannten die Beatles ihr zwölftes und letztes Studioalbum. Zumindest ist es das zuletzt veröffentlichte Album, denn größtenteils waren die Lieder bereits vor „Abbey Road“ eingespielt worden, welches im September 1969 veröffentlicht worden war. Für „Let It Be“, das zunächst den Arbeitstitel „Get Back“ trug, war zunächst ein Konzertfilm geplant. Die ständigen Querelen in Band vereitelten aber diesen Vorschlag von Paul McCartney. Schließlich einigte man sich auf eine Dokumentation über den Entstehungsprozess eines Beatles-Album. Diesen Film gibt es auch unter dem Titel „Let It Be“. Sehr sehenswert. Die Fertigstellung des Albums selbst brachte allerdings noch so einige Schwierigkeiten mit sich. So hatte George Harrison zwischenzeitlich sogar schon mal den Austritt aus der Band erklärt, kehrte allerdings ein paar Tage später wieder zurück und John Lennon schien sowieso jeglichen Spaß an der Band verloren zu haben. Zwei verschiedene Versionen der Platte wurden als Doppelalbum produziert, das Ergebnis überzeugte die Musiker allerdings nicht und so wurden diese Versionen wieder verworfen. Schließlich übergab man das ganze Material im März 1970 an Phil Spector, der daraus endlich ein Album zaubern sollte.

Was bei dieser, von Phil Spector als Produzent bearbeiteten Platte auffällt, ist zweierlei. Zum Teil sind die Lieder manchmal durch diverse, oftmals sinnfreie Aussagen John Lennons miteinander verbunden, die dieser während der Aufnahmen zum Film oder beim legendären und letzten Auftritt der Beatles auf dem Dach der Abbey Road Studios tätigte. Das verleiht dem Album ein wenig Live-Studioatmosphäre. Die zweite Auffälligkeit liegt in der Tatsache begründet, dass es Spector mit seiner orchestralen Untermalung einzelner Songs mitunter ein wenig übertrieb. Sehr deutlich wird dies vor allem bei den Titeln „Across The Universe“ und „The Long And Winding Road“. Beides tolle Nummern, erstere von John Lennon, die zweite von Paul McCartney. Sehr gefühlvolle und eingängige Lieder, bei denen nur eben die orchestrale Untermalung ein bisschen zu dick aufgetragen wurde, was Paul McCartney später auch immer wieder bemängelte.

Nun, dieses Album ist bei Fans oftmals ziemlich umstritten, da man angeblich bereits heraushört, dass sich die vier Musiker nicht mehr viel zu sagen hatten. Keine Ahnung ob man das heraushören kann, ich zumindest höre da nichts. Der Produktionsprozess war zwar ziemlich chaotisch, was die Beatles auf „Let It Be“ allerdings an Ideen, Melodien und intelligenten Texten ablieferten, wirkt in keinster Weise so, dass sie hier „ihr Pulver verschossen“ zu haben schienen und diese Platte musikalisch nichts mehr zu bieten hätte. Neben den beiden schon erwähnten und beeindruckenden Nummern ist sicherlich auch der Titelsong „Let It Be“ zu nennen, den Paul McCartney schrieb. Dieser gehört mit zu den bekanntesten Stücken der Band und stellt durchaus auch einen Höhepunkt im Songkatalog der Beatles dar. Tolle melodiöse Nummer, die einen bewegt. Auch der Harrison-Titel „I Me Mine” ist ein sehr überzeugendes, etwas rockigeres Lied geworden. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll hier „I’ve Got A Feeling“, welches Paul McCartney und John Lennon wieder mal zusammen schrieben und bei dem beide auch gemeinsam beim Gesang zu hören sind. Die rockigste Nummer des Albums und ein schöne Abwechslung.

Fazit: „Let It Be“ ist längst nicht so schlecht, wie es häufig gemacht wird. Die Platte enthält einige richtig tolle Nummern, die durchaus zu den Höhepunkten im Schaffen der Beatles gehören. Zwar ist nicht alles durchweg überzeugend, denn so ein Titel wie zum Beispiel „One After 909“ klingt ganz schwer nach den Anfängen der Band - Anfang der 60er. Trotzdem bleibt der Gesamteindruck dieser Platte gut. Es macht Spaß das Album einzulegen und ihm zu lauschen. Dazu gesellt sich auf ein wenig Wehmut, dass dies das letzte offizielle Studioalbum der Band war. Elf Punkte.

Anspieltipps: Across The Universe, I Me Mine, Let It Be, The Long And Winding Road



Montag, 19. Mai 2014

Gentle Giant – Octopus




Gentle Giant – Octopus


Besetzung:

Gary Green – guitars, percussion
Kerry Minnear – all keyboards, vibraphone, percussion, cello, moog, lead and backing vocals
Derek Shulman – lead vocals, alto saxophone
Philip Shulman – saxophones, trumpet, mellophone, lead and backing vocals
Raymond Shulman – bass, violin, guitar, percussion, vocals
John Weathers – drums, percussion, xylophone


Label: Phonogram


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock, Experimental Rock


Trackliste

1. The Advent Of Panurge (4:45)
2. Raconteur, Troubadour (4:03)
3. A Cry For Everyone (4:06)
4. Knots (4:11)
5. The Boys In The Band (4:34)
6. Dog's Life (3:13)
7. Think Of Me With Kindness (3:31)
8. River (5:53)

Gesamtspieldauer: 34:16




Gentle Giant unterscheiden sich in ihrer Musik zum Teil sehr stark von anderen Progressive Rock Bands. Ihr viertes Album „Octopus“, ist dafür das perfekte Beispiel. Die Band hatte nun ihren Stil gefunden und sollte diesen auch auf den nächsten Veröffentlichungen beibehalten. Wahrlich ist das keine ganz leicht zu verdauende Kost, mitunter klingen die Lieder ein wenig dissonant, sind geprägt durch sehr abwechslungsreiche und ausgetüftelte Gesangspassagen. Dazu gesellen sich Anleihen an die mittelalterliche Musik, die Arrangements sind überaus komplex gehalten und auch die Instrumentierung ist beileibe nicht alltäglich für eine Rockband.

Oftmals scheint es auch so zu sein, als ob die Instrumente und der Gesang unterschiedliche Lieder spielen beziehungsweise singen würden. Die Melodiebögen umspielen sich, um schließlich wieder ineinander zu münden. Das klingt kompliziert und ist es auch, sodass sich diese Musik dem Hörer sicherlich nicht gleich beim ersten Durchlauf eröffnet. Am eingängigsten sind da noch die Titel im zweiten Teil der Platte. „The Boys In The Band” ist eine instrumentale Rocknummer, „Dog's Life” klingt dagegen ein wenig wie Musik aus dem Mittelalter und ist überaus eingängig und melodiös. Sicherlich einer der Höhepunkte der Platte. Und schließlich ist da noch die sanfte Ballade „Think Of Me With Kindness“. Ein Lied welches ebenso schnell ins Ohr geht.

Ganz anders klingt dagegen „Knots“. Hochkomplizierte und verschachtelte Gesangsarrangements, minimalistische und verschoben klingende Instrumentierung mittels des Xylophons und der Violine, immer wieder unterbrochen von „volleren“ Passagen. Das klingt zugegebenermaßen richtiggehend abgefahren. Die restlichen Titel sind zwar alle deutlich mehr instrumentiert, allerdings nicht weniger verschachtelt. Musik, die erarbeitet werden will.

Fazit: Sicherlich nicht die Musik, die jeder uneingeschränkt genießen kann. Die Musik von Gentle Giant ist etwas Spezielles, was man entweder liebt oder aber gar nichts damit anfangen kann. Für alle Hörer, die das Vertrackte, Konstruierte und Schwierige in der Musik suchen, die werden hier fündig. Elf Punkte.

Anspieltipps: Knots, Dog‘s Life



Sonntag, 18. Mai 2014

Annett Louisan – Bohème




Annett Louisan – Bohème


Besetzung:

Annett Louisan – Gesang


Gastmusiker:

Frank Ramond – Schlagwerk, Bass
Jürgen Kumlehn – Gitarre
Hardy Kayser – Mandoline, Gitarre
Matthias Haß – Streicher, Keyboard, Gitarre, Piano
Christoph Buse – Schlagwerk
Olaf Casimir – Kontrabass
Geoff Peacey – Hammond B3
Katie Vitalie – Violine
Rick Vito – Dobro, Slide
Werner Becker – Streicher


Label: 105 Music


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Swing, Pop


Trackliste:

1. Das Spiel (3:02)
2. Die Lüge (3:30)
3. Die Dinge (2:35)
4. Das Gefühl (2:48)
5. Daddy (4:09)
6. Die Katze (3:03)
7. Der Schöne (4:04)
8. Die Gelegenheit (3:26)
9. Der Blender (3:30)
10. Die Trägheit (3:45)
11. Die Formel (3:43)
12. Das Liebeslied (3:27)
13. Das Spiel (Remix) (3:00)

Gesamtspieldauer: 44:00




Zwei Dinge sollte man zumindest mögen, um etwas mit „Bohème“, dem ersten Album von Annett Louisan aus dem Jahr 2004, anfangen zu können. Zum einen wäre das Swing-Musik, welche hier immer wieder zu hören ist, das andere wäre diese kindlich-süßliche Stimme der Annett Louisan, die das Markenzeichen der Sängerin ist.

Neben dem bereits erwähnten Swing gibt es auf dem Album auch noch leichte und zurückhaltende Pop-Musik zu hören, die in diesem Fall sehr viel eher überzeugen kann, als diese Swing-Nummern. Exemplarisch dafür stehen auch die beiden Single-Veröffentlichungen der Platte „Das Spiel“ und „Das Gefühl“. Ebenfalls in diese Richtung tendiert die Nummer „Das Liebeslied“, welche genau wie die beiden Singles durch eine sehr schöne Melodieführung einnehmend wirkt. Nun, beim Rest der Platte wird es dann schon sehr viel schwieriger. Dieser manchmal bluesige und häufig beswingte Sound kann da schon deutlich weniger überzeugen. Die entsprechenden Titel rauschen irgendwie durch, unaufgeregt und ohne jegliche Nachhaltigkeit.

Überaus gelungen sind allerdings die Texte, für die sich Frank Ramond verantwortlich zeigt. Intelligent und oftmals witzig transportiert Annett Louisan hier nette Geschichten, die sich zwar hauptsächlich um die Liebe drehen, aber eben nicht nur. Diesbezüglich macht das Zuhören dann schon wieder wesentlich mehr Spaß.

Fazit: Nicht so richtig mein Ding, muss ich zugeben. In der Musik von Annett Louisan wird das Kindchenschema von der Optik auf die Akustik übertragen. Alles klingt weich, süßlich, lieblich. Man könnte dieses leichte bis seichte Gesäusel natürlich auch mit „Entspannungsalbum“ umschreiben, was es sicherlich auch ist, doch da gibt es deutlich bessere Alternativen, die nicht so einen zuckrigen Beigeschmack hinterlassen. Trotzdem drei schöne Lieder – ebenfalls überaus süß – gibt es auf der Platte, dazu noch die bereits erwähnten Texte. Es gibt sicherlich schlechtere Musik. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Das Spiel, Das Gefühl, Das Liebeslied