Donnerstag, 28. Februar 2013

Renaissance – Prologue




Renaissance – Prologue


Besetzung:

John Tout – keyboards, vocals
Annie Haslam – vocals, assorted percussion
Rob Hendry – guitars, mandolin, chimes, vocals
John Camp – bass, tampoura, vocals
Terry Sullivan – percussion


Gastmusiker:

Francis Monkman – vcs3 solo in “Rajah Khan”


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Prologue (5:39)
2. Kiev (7:39)
3. Sounds Of The Sea (7:08)
4. Spare Some Love (5:11)
5. Bound For Infinity (4:24)
6. Rajah Khan (11:31)

Gesamtspieldauer: 41:32




„Prologue“ war der Aufgalopp, der Prolog zur klassischen und erfolgreichsten Phase der britischen Band Renaissance. Alle Mitglieder der Formation hatten nach dem letzten Album „Illusion“ die Band verlassen. Die Verbindung zur vorherigen Besetzung der Band hält Michael Dunford, der hier in den Credits „Mick“ genannt wird. Er schrieb bereits einen Song auf der letzten Platte und trat dort auch bei der Einspielung dieses Liedes als Gastmusiker in Erscheinung. Jetzt fungierte er bei Prologue“ als der Songschreiber der Band, der bis auf „Kiev“ und “Bound For Infinity“ alle Lieder komponierte. Diese beiden Stücke stammen noch aus der Feder Jim McCartys, dem Drummer der ersten beiden Platten. Er spielt die Lieder hier jedoch genauso wenig ein, wie Michael Dunford, der auf „Prologue“ tatsächlich nur als Songlieferant in Erscheinung trat. Zu vier der sechs Lieder steuerte Betty Thatcher die Texte hinzu, die ebenfalls das erste Mal in den Credits auf dem vorherigen Album in Erscheinung trat.

Auf „Prologue“ hat nun erstmalig auch Annie Haslam ihren Auftritt, deren Gesang die Musik der Band in den nächsten Jahren prägen sollte und sie unverwechselbar werden ließ. Allerdings ist der Auftritt Annie Haslams hier noch nicht so dominant, wie er es auf den folgenden Alben sein wird. Ansonsten gibt es sie auf „Prologue“ aber schon alle, diese Zutaten zur Schaffung einer Renaissance-Scheibe angefüllt mit melodiösem Progressive Rock: Wunderschöne Harmonien, ausgedehnte Soli, vor allem geprägt durch das Piano, wenig Einsatz der E-Gitarre und alles in allem überaus eingängige Lieder.

Am eindrucksvollsten wirkt dieses Album am Ende, auf dem längsten Titel: „Rajah Khan“. Hier klingt die Band orientalisch verknüpft mit Klassik-Adaptionen. Dazu singt Annie Haslam ohne Text bis in die höchsten Höhen. Wahrlich kein alltägliches Lied, ein Musikstück, welches Seinesgleichen sucht.

Das Album beginnt mit einem schönen Piano-Part, zu dem sich weitere Instrumente gesellen und Annie Haslam schließlich, erneut textlos, jede Menge „Doo-doo-doos“ singt. Das Ganze hat durchaus einen Groove und so etwas nannte man Anfang der 70er Jahre dann „Beat-Musik“ – einzig das Piano, welches immer wieder seinen Auftritt hat, entspricht diesem „Genre“ nicht so ganz. Wie eine klassische Piano Suite beginnt „Kiev“, entwickelt sich im weiteren Verlauf immer poppiger, bis schließlich auch in diesem Lied ein klassischer Anstrich herausgearbeitet wurde – erneut klasse inszeniert vom Piano des John Tout. Mit Möwengekreische und Meeresrauschen wird im Anschluss daran passenderweise „Sounds Of The Sea“ eingeleitet. Eine sentimentale Nummer, erneut geprägt durch viel Klavier, die vielleicht ein wenig zu lieblich klingt.

„Spare Some Love“ startet überraschenderweise mit akustischer Gitarre und es entwickelt sich ein Pop-Song, der einen wenig erbaulichen, dem Titel entsprechenden Text aufweist. Zwar gibt es in diesem Stück auch Abwechslung in Form eines Perkussion-dominierten Parts und einer schönen Choreinlage der Band-Mitglieder, aber so richtig zünden will das Lied dennoch nicht. Bliebe als vorletzter Titel noch „Bound For Infinity“. Erneut unterlegt mit einer schönen Pianomelodie lebt das Lied auch vom hellen und reinen Gesang Annie Haslams. Eine ruhige und schöne Nummer, die ein wenig zum Träumen einlädt.

Fazit: „Prologue“ erreicht noch nicht ganz die Qualität der späteren Alben. Viele der Lieder sind hier noch nicht so durchdacht, so einprägsam, so melodiös und eingängig wie auf den späteren Veröffentlichungen von Renaissance. Aber hören lässt sich das alles schon sehr gut, zumal auf diese Schmachtfetzen des letzten Albums fast vollständig verzichtet wurde. Noch nicht richtig gut, aber der Weg war jetzt bereits ganz klar vorgegeben, da alle Zutaten zu den weiteren Kompositionen bereits vorhanden waren. Sie mussten nun nur noch verfeinert werden. Neun Punkte.

Anspieltipps: Prologue, Kiev, Rajah Khan





Mittwoch, 27. Februar 2013

The Stranglers – Feline




The Stranglers – Feline


Besetzung:

Hugh Cornwell – vocals, guitar
Jean-Jacques Burnel – bass, vocals
Jet Black – drums
Dave Greenfield – keyboards, backing vocals


Gastmusiker:

Anna Von Stern – backing vocals on „Paradise“
France Lhermitte – backing vocals on „Paradise“


Label: EPIC Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Midnight Summer Dream (6:13)
2. It's A Small World (4:34)
3. Ships That Pass In The Night (4:07)
4. European Female (In Celebration Of...) (3:59)
5. Let's Tango In Paris (3:12)
6. Paradise (3:47)
7. All Roads Lead To Rome (3:51)
8. Blue Sister (3:57)


Bonus Tracks:

9. Never Say Goodbye (4:11)
10. Savage Breast (3:18)
11. Pawsher (4:57)
12. Permission (4:53)
13. Midnight Summer Dream / European Female (Live) (10:19)
14. (The strange Circumstances Which Lead To) Vladimir And Olga (3:54)
15. Aural Sculpture Manifesto (3:21)

Gesamtspieldauer: 1:08:33




„Feline“ nannte die britische, ehemalige Punk-Rock-Band ihr siebtes Studioalbum, welches 1983, zwei Jahre nach „La Folie“ erschien und die erste Platte darstellte, die auf ihrem neuen Label „Epic-Records“ veröffentlicht wurde. Und wenn jemand mal wissen möchte, wie sich englischer New Wave der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts anhört, dann ist er mit der Platte absolut bestens bedient. Dies liegt nicht zuletzt am Drum-Sound, den Jet Black den Hörern hier kredenzt. Dieser ist nun nämlich elektronisch geworden und das hört man auch deutlich. Klar, das ist keine Drum-Machine, trotzdem klingt die ganze Platte irgendwie künstlich.

„Feline“ war sogar erfolgreich, durchaus vergleichbar mit dem Vorgänger. So richtig überzeugen kann mich das Album allerdings nicht mehr ganz. Dazu fehlen ihm einfach diese tollen Lieder, die auf „La Folie“ noch vorhanden waren, von einem „Golden Brown“ ganz zu schweigen. Noch am meisten gelungen sind die Titel fünf und sechs: „Let's Tango In Paris“ und „Paradise“. Schöne eingängige Melodien mit Wiedererkennungswert. Der ganze Rest, der plätschert irgendwie so dahin. War da was? Zumindest nicht allzu viel.

Positiv zu vermerken ist auf jeden Fall noch die reichhaltige Fülle der Bonus-Tracks. Da wurde nicht gegeizt. Allerdings hält sich die Qualität der Lieder, damit ist nicht der Sound gemeint, in Grenzen und schließt sich ohne große Unterschiede dem Rest der Platte an. Nicht richtig schlecht, aber eben auch nichts Besonderes mehr. „Never Say Goodbye“ hätte das sogar werden können, das Besondere. Wenn der Auftakt des Liedes beigehalten worden wäre: akustische Gitarre und schöne Melodie. Doch dann fängt es wieder an: „Tak“, „Tak“, Tak“ – das Elektro-Drumkit hat uns wieder.

Fazit: Es ist dieser künstliche Sound, der einem mit der Zeit auf den Senkel geht. Dazu zünden die einzelnen Titel auch nicht mehr so wie auf „La Folie“. So ein richtig tolles Lied, welches man nicht mehr missen möchte, wenn man es einmal gehört hat, das gibt es überhaupt nicht auf „Feline“. Somit ist das alles ganz nett anzuhören, wenn man sich mit dem elektronischen Schlagzeug mal arrangiert hat, allerdings in keinster Weise nachhaltig. Trotzdem für Freunde des New Wave lohnenswert, obwohl es da allerdings auch bessere Beispiele gibt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Midnight Summer Dream, It's A Small World, Let's Tango In Paris, Paradise, Never Say Goodbye, Permission




Dienstag, 26. Februar 2013

Leonard Cohen – Recent Songs




Leonard Cohen – Recent Songs


Besetzung:

Leonard Cohen – vocals


Gastmusiker:

Raffi Hakopian – violin
Charles Beck – bass
John Bilezikjian – guitar, oud
Earl Dumler – oboe
Jim Gilstrap – vocals
Bill Ginn – keyboards
Ricardo Gonzalez – guitar
Garth Hudson     – keyboards
Abraham Laboriel – bass
John Lissauer – keyboards
Steve Meador – drums
John Miller – bass
Paul Ostermayer – saxophone
Jose Perez – trumpet
Roger St Kennerly – vocals
Everado Sandoval – guitar
Pablo Sandoval – trumpet
Stephanie Spruill – vocals
Julia Tillman Waters – vocals
Randy Waldman – keyboards
Jennifer Warnes – harmony, vocals
Mitch Watkins – guitar
Maxine Willard Waters – vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Folk


Trackliste:

1. The Guests (6:37)
2. Humbled In Love (5:13)
3. The Window (5:54)
4. Came So Far For Beauty (4:01)
5. The Lost Canadian (Un Canadien Errant) (4:39)
6. The Traitor (6:13)
7. Our Lady Of Solitude (3:12)
8. The Gypsy's Wife (5:12)
9. The Smokey Life (5:17)
10. Ballad Of The Absent Mare (6:20)

Gesamtspieldauer: 53:26




Das sechste Album des kanadischen Sängers und Songschreibers Leonard Cohen erschien 1979 unter dem Titel „Recent Songs“. Diese Platte stellte wieder eine völlige Abkehr zum vorherigen Album dar und ist eher in der Tradition der ersten vier Veröffentlichungen zu sehen. Sehr ruhige Musik gibt es nun erneut auf „Recent Songs“ zu hören, wobei dieses Mal einer Violine ein sehr großes Betätigungsfeld eingeräumt wurde. Genau hierin liegt auch der große Unterschied zu den früheren Alben, auf denen dieses Instrument noch nicht, zumindest nicht in der Solo-Variante, präsent war. Dieser Umstand bringt es allerdings auch mit sich, dass man sich so manches Mal beim Hören der Platte oder CD an Zigeunermusik erinnert fühlt.

Allerdings hört man auf „Recent Songs“ natürlich keine Zigeuner-Musik beziehungsweise steht diese nicht im Vordergrund, sondern die Violine erweckt nur bei einzelnen Titeln diese Assoziation. Allgenmein gibt es sie hier wieder diese leichte und sanfte und auf ihre Art tiefe Folk-Musik zu hören, mit der Leonard Cohen auch schon in früheren Zeiten überzeugen konnte. Doch Überraschungen kommen auch zum Vorschein, wenn zum Beispiel beim Titel „The Lost Canadian (Un Canadien Errant)“ eine Mariachi Band in das Lied einleitet und Leonard Cohen das Stück in Französisch zum Besten gibt. Die Sprache weniger, aber die Instrumentierung ist in diesem Fall schon ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Fazit: Es gibt sie wieder, die sanften und ruhigen Töne des Leonard Cohen. Diese können auf „Recent Songs“ durchaus sehr intensiv und packend sein. So ist dieses Album hier auch wieder ein sehr nachdenkliches und melancholisches geworden, welches sich allerdings durch die Instrumentierung von den früheren Werken Leonard Cohens abgrenzt. Auf dem sechsten Album des Kanadiers gibt es nun mehr als nur die sanften Gitarrenklänge zu hören. Okay, eine Mariachi-Band, das musste nicht unbedingt sein, aber der Versuch eine Solo-Violine in die Lieder mit einzubinden hat durchaus was. Die absoluten Überstücke fehlen jedoch leider. Allerdings ist dieses Album wieder um Klassen besser, als der völlig überinstrumentierte Vorgänger. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Guests, The Traitor, The Gypsy's Wife, Ballad Of The Absent Mare





Montag, 25. Februar 2013

Black Widow – Sacrifice




Black Widow – Sacrifice


Besetzung:

Jim Gannon – lead guitar, vibes, spanish guitar
Zoot Taylor – organ, piano
Kip Trevor – vocalist
Clive Jones – flute, saxophone, clarinet
Bob Bond – bass guitar
Clive Box – drums & percussion


Label: Repertoire Records (ursprünglich CBS)


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. In Ancient Days (7:38)
2. Way To Power (3:54)
3. Come To The Sabbath (4:53)
4. Conjuration (5:40)
5. Seduction (5:35)
6. Attack Of The Demon (5:35)
7. Sacrifice (11:11)


Bonus Track:

8. Come To The Sabbath (Single Edit) (3:18)

Gesamtspieldauer: 47:49




1970 brachte die Band Black Widow, die aus der 1967 gegründeten Formation „Pesky Gee!“ hervorgegangen war, ihr erstes Album auf den Markt. Liest man Rezensionen über dieses Album im Internet, so wird die Musik oftmals mit der von Black Sabbath verglichen. Dies trifft jedoch in keinster Weise zu, denn Heavy Metal bekommt der Hörer hier wahrlich nicht geboten. Die Musik erinnert mich ein wenig an eine Fusion von den jeweils frühen Wishbone Ash mit Barclay James Harvest und Jethro Tull. Ähnlichkeiten zu Black Sabbath gibt es allenfalls in Bezug auf die Texte der Band, denn Satanismus ist ein zentrales Thema der Platte.

Richtig gerockt wird auf der Scheibe lediglich beim etwas über elfminütigen „Sacrifice“. Allerdings gibt es hier auch lange Instrumentalparts, bei der Clive Jones sich mit der Querflöte so richtig ausleben darf. Noch sehr viel mehr nach Progressive Rock hört es sich da schon beim Opener „In Ancient Days“ an, dem stärksten Stück der Platte. Eine sehr eingängige und abwechslungsreiche Nummer, bei der sowohl dem Saxophon als auch erneut der Querflöte schöne Parts zugedacht wurden. Stimmungsvoll wird hier eine dichte Atmosphäre geschaffen, die sich zu genießen lohnt.

Auch die anderen Titel haben durchaus ihren ganz eigenen Reiz. Da gibt es zum Beispiel das Lied „Come To The Sabbath“ bei dem die Textzeile „Come To The Sabbath – Satan’s There“ mantraartig wiederholt wird. Bedrohlich wirkt das dabei jedoch nicht, eher irgendwie fast schon fröhlich und erneut sehr eingängig, was nicht zuletzt durch diverse Streicher vermittelt wird, die mal, wie der Name schon sagt, den Bogen streichen, ein anderes Mal die Saiten zupfen. Dieses Lied stellt zudem die Single-Auskopplung des Albums dar. Auch sehr eindringlich und gelungen der Titel „Conjuration“, der eine irgendwie melancholisch geartete Aufbruchsstimmung vermittelt, die sehr melodisch dargeboten wird. Mit Hard Rock hat dies allerdings alles nichts zu tun und noch sehr viel weniger beim Titel „Seduction“, der an vielen Stellen auch die Hintergrundmusik zu einer schmalzigen Szene eines Liebesfilms darstellen könnte. Dann klingt es in dem Song sogar ein klein wenig jazzig, um schließlich wieder in das ursprüngliche Fahrwasser hinüberzugleiten.

Fazit: „Sacrifice“ von Black Widow ist eine richtig gute Platte einer weitgehend unbekannten Band. Progressive Rock kombiniert mit Soft Rock und einer kleinen Brise Jazz, der allerdings immer sehr harmonisch klingt. Die Hammond Orgel sorgt für den Drive, Flöte, Klarinette und Saxophon für sehr viel Abwechslung. Eingängige und weitgefächerte Rockmusik der frühen 70er Jahre, die es lohnt, entdeckt zu werden, wenn man denn mit den seltsamen Texten über den Teufel keine Probleme hat. Elf Punkte.

Anspieltipps: In Ancient Days, Come To The Sabbath, Conjuration, Sacrifice





Sonntag, 24. Februar 2013

Queen – The Miracle




Queen – The Miracle


Besetzung:

Freddie Mercury – lead and backing vocals, piano, keyboards, synthesizers, programming
Brian May – electric and acoustic guitars, backing vocals, lead vocals on "I Want It All", synthesizers, programming
Roger Taylor – drums, electronic drums, backing vocals, lead vocals on "The Invisible Man", synthesizer, programming
John Deacon – bass guitar, electric guitars, backing vocals on "The Miracle", "I Want It All" and "Breakthru", keyboards, synthesizers, programming


Gastmusiker:

David Richards – additional keyboards


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Pop, Mainstream


Trackliste:

1. Party (2:24)
2. Khashoggi's Ship (2:47)
3. The Miracle (5:01)
4. I Want It All (4:40)
5. The Invisible Man (3:57)
6. Breakthru (4:08)
7. Rain Must Fall (4:23)
8. Scandal (4:42)
9. My Baby Does Me (3:22)
10. Was It All Worth It (5:47)

Gesamtspieldauer: 41:24




Drei Jahre nach „A Kind Of Magic“ erschien 1989 das dreizehnte Studioalbum von Queen. Gleichzeitig war es die sechste Studio-Platte, die Queen in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts veröffentlichte. Und leider sollte sich auch mit dieser Veröffentlichung bestätigen, dass Queen in den 80er Jahren zwar durchaus kommerziell erfolgreich war, jedoch musikalisch mit keinem Album mehr an die überzeugenden Platten der 70er Jahre heranreichte.

Etwas Neues gab es allerdings mit der Veröffentlichung von „The Miracle“ festzustellen, etwas, worauf das Cover bereits hinweist. Dort verschwimmen nämlich die Gesichter der vier Musiker zu einem einzigen. Und somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass in den Credits nur noch „Queen“ als Autor der einzelnen Stücke angegeben wird. Alle Lieder stellen also eine Gemeinschaftsproduktion aller Bandmitglieder dar.

Musikalisch hat sich leider nicht viel getan in Bezug zu den vorherigen Alben. Auf „The Miracle“ hört man Mainstream Pop bis Rock, wenn auch die etwas besseren Lieder hier wieder ein wenig an Anzahl zugelegt haben. Aber es gibt auch noch solch Tiefschläge wie „Rain Must Fall“. Und nein, ich mag meine Hüften nicht schwingen, wenn ich eine Queen Platte auflege oder die CD in den Player schiebe. Auch solche Nummern wie „My Baby Does Me“ oder „Party“ treiben mir Tränen des Entsetzens in die Augen.

Somit bleiben als etwas bessere Stücke „The Miracle“, das kraftvolle „I Want It All“, das überaus eingängige „Breakthru“, das wirklich gelungene „Scandal“ und „Was It All Worth It“. Letzter Song ist wieder ein wenig härter und kann vor allem über den Text punkten. Ob Freddie Mercury hier bereits seine Krankheit thematisiert?

Fazit: Queen war in den 80ern einfach nicht überzeugend. Da gibt es immer mal etwas, was einen aufhorchen lässt, aber dann auch wieder Stücke, die einen fast schon entsetzen - zumindest dann, wenn man mit Queen-Musik groß wurde. Dass es allerdings auch anders geht, das bewiesen die Musiker auf dem nächsten und letzten Album, was zu Freddie Mercurys Lebzeiten veröffentlicht wurde. Aber das waren dann schon die 90er Jahre und das ist eine andere, weitere Geschichte. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Miracle, I Want It All, Breakthru, Scandal, Was It All Worth It




Samstag, 23. Februar 2013

Tori Amos – Little Earthquakes




Tori Amos – Little Earthquakes


Besetzung:

Tori Amos – acoustic & electric pianos, lead vocals, background vocals (tracks 2, 3, 4, 6, 10 & 12, sampled strings (tracks 2 & 8)


Gastmusiker:

Steve Caton – guitar (tracks 2, 4, 10 & 12), bass (track 2), background vocals (tracks 4 & 12)
John Chamberlain – mandolin (track 1)
Paulinho da Costa – percussion (tracks 1 & 6)
Jake Freeze – rat pedal (track 4), saw (track 12)
Stuart Gordon – violin (track 7)
Ed Green – drums (track 1)
Will Gregory – oboe (track 7)
Tina Gullickson – background vocals (track 1)
Chris Hughes – drums (track 7)
David Lord – string arrangement (track 7)
Will McGregor – bass (tracks 4, 10 & 12)
Carlo Nuccio – drums (tracks 4 & 10)
Philly – finger cymbal (track 3)
David Rhodes – guitar (track 7)
Eric Rosse – drum and keyboard programming (tracks 2, 4 & 12), background vocals (tracks 4 & 12), Irish war drum (track 5)
Jef Scott – bass (tracks 1 & 8)
Mathew Seligman – bass (track 7)
Nancy Shanks – background vocals (tracks 1 & 12)
Phil Shenale – keyboard programming (track 6)
Eric Williams – ukulele (track 1), dulcimer (track 6)
Nick Caro – orchestra arrangement and conduction (tracks 3 & 5)


Label: WEA International


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Pop


Trackliste:

1. Crucify (5:00)
2. Girl (4:08)
3. Silent All These Years (4:12)
4. Precious Things (4:27)
5. Winter (5:42)
6. Happy Phantom (3:15)
7. China (5:00)
8. Leather (3:12)
9. Mother (6:59)
10. Tear In Your Hand (4:39)
11. Me And A Gun (3:45)
12. Little Earthquakes (6:53)

Gesamtspieldauer: 57:11




1992 erschien das erste Studioalbum Tori Amos‘, welches auch unter ihrem Namen veröffentlicht wurde. Davor gab es zwar bereits eine Veröffentlichung, die jedoch nur in sehr kleiner Auflage erschien und unter der Überschrift „Y Kant Tori Read“ lief. Somit stellt „Little Earthquakes“ das erste offizielle Album der Amerikanerin dar. Und wenn es etwas zu bemängeln gibt an diesem Debut, dann vielleicht, dass die Qualität der Lieder gegen Ende der Platte etwas abnimmt. Allerdings kann dies durchaus auch bereits als „Jammern auf hohem Niveau“ bezeichnet werden.

Zu Beginn des Albums reiht sich nämlich „Perle“ an „Perle“. Egal ob man hier „Crucify“, „Girl“, „Silent All These Years“ oder das alles überstrahlende „Winter“ nennt, durchgängig Lieder, die einfach Spaß machen. Alles Titel, die sehr melodiös, eindringlich und einfach schön sind. Definitiv allerdings keine Musik für „Rocker“, eher was für Träumer.

Auch der etwas flottere Titel „Happy Phantom“ sowie das erneut ein wenig ruhigere und wieder pianodominierte „Leather“ stellen Höhepunkte der Platte dar, auf der Tori Amos es schafft Atmosphäre und Stimmungen zu erzeugen, die süße Melancholie beim Hörer hervorrufen. Und genau so funktioniert das Lied für Lied, immer wieder gibt es etwas Neues zu entdecken, wohlig warme Musik, die einen einhüllt, das Ohr umschmeichelt und die absolut stressfrei aus den Boxen quillt.

Fazit: Wer der Stimme Tori Amos‘ etwas abgewinnen kann und zudem an sehr pianolastiger Musik Gefallen findet, der wird mit „Little Earthquakes“ ein Album hören, das sie oder ihn begeistern wird. Melancholische bis sentimentale Musik, ausdrucksstark und immer eingängig, wird dem Hörer auf diesem Debut-Album der Amerikanerin geboten. Keine Stimmungsmusik für Partys, sondern Klänge für die ruhigeren Augenblicke des Lebens. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Girl, Silent All These Years, Winter, Happy Phantom, Leather





Freitag, 22. Februar 2013

Efterklang – Parades




Efterklang – Parades


Besetzung (Parades):

Mads Brauer – ohne Instrumentenangabe
Casper Clausen – ohne Instrumentenangabe
Thomas Husmer – ohne Instrumentenangabe
Rune Mølgaard – ohne Instrumentenangabe
Rasmus Stolberg – ohne Instrumentenangabe


Gastmusiker (Parades):

Josefine Lidstrand – female vocal & choir
Melianne Blais – violin
Yorrick Troman – violin
Mina Fred – viola
Tobias Wallin – cello
Niels Skovmand – violin
Nils Grøndahl – violin
Edda Rún Ólafsdottir – viola
Morten Svenstrup – cello
Andreas Bennetzen – double bass
Max Median – additional percussion
Niklas Antonson – trombone
Bo Rande – trumpet & flügelhorn
Thomas Caudery – trumpet & flügelhorn
Jeppe Skjold – bass clarinet, tenor & bass saxophone
Tine Vitkov – clarinet & bass clarinet
Erik Levander – clarinet, noise
Øivind Slaatto – tuba
Jennifer Dill – flute
Chris Taylor – flute & additional vocals
Rosalinde Solskin – harp
Czeslaw Mozil – accordion
Sofia Feuer – female choir
Maya Agnas – female choir
Clara Luise Bryld – female choir
Dubbelgänger Mens Choir with Frederic Teige and Niklas Antonson – choir
Joachim Bertelsen – boys choir
Niels Skovgaard Andersen – boys choir
Søren Rosendahl Eriksen – boys choir
Niklas De Fries – boys choir


Besetzung (Under Giant Trees) Efterklang Live Band:

Niklas Antonson – ohne Instrumentenangabe
Peter Broderick – ohne Instrumentenangabe
Mads Brauer – ohne Instrumentenangabe
Anna Brønsted – ohne Instrumentenangabe
Casper Clausen – ohne Instrumentenangabe
Thomas Husmer – ohne Instrumentenangabe
Rasmus Stolberg – ohne Instrumentenangabe
Frederic Teige – ohne Instrumentenangabe


Gastmusiker (Under Giant Trees):

Niklas Antonson – trombone
Thomas Caudery – trumpet
Qarin Wikström – vocals
Josefine Lindstrand – vocals
Dubbelgänger Men's Choir – choir
Hélianne Blais – violin
Hildur Ársælsdóttir – violin
Edda Rún Ólafsdóttir – viola, violin
Morten Svenstrup – cello
Andreas Bennnetzen – double bass


Label: The Leaf Label LTD.


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Post Rock


Trackliste:


Disk 1: Parades

1. Polygyne (6:58)
2. Mirador (5:08)
3. Him Poe Poe (2:21)
4. Horseback Tenors (5:49)
5. Mimeo (1:23)
6. Frida Found A Friend (5:18)
7. Maison De Réflexion (5:34)
8. Blowing Lungs Like Bubbles (2:47)
9. Caravan (4:59)
10. Illuminant (4:33)
11. Cutting Ice To Snow (4:13)

Spieldauer: 49:03


Disk: 2: Under Giant Trees

1. Falling Horses (7:13)
2. Himmelbjerget (7:37)
3. Hands Playing Butterfly (4:31)
4. Towards The Bare Hill (3:10)
5. Jojo (6:58)
6. Mirador (Live) (5:44)
7. Cutting Ice To Snow (Live) (6:33)

Spieldauer: 41:45

Gesamtspieldauer: 90:48




In Dänemark wohnen die glücklichsten Menschen der Erde heißt es immer wieder, wenn diverse Umfragen zu den Lebensbedingungen in den verschiedenen Ländern der Welt ausgewertet werden. Und dann kommt da diese Band Efterklang aus Kopenhagen daher und präsentiert auf ihrem zweiten Album „Parades“ aus dem Jahr 2007, wunderschöne, aber tieftraurige und melancholische Musik, die zu beschreiben gar nicht so einfach ist, da sie irgendwie in kein Schema passen möchte.

Auf „Parades“ hört man Musik, die aus viel Chorgesang, Streichern und Blechblasinstrumenten besteht. Gitarre, Bass und Schlagzeug bekommt man nur ab und an zu Gehör. Alles wirkt sehr stimmungsvoll, orchestral und manches Mal fast schon richtiggehend symphonisch. Über allem schwebt dabei eine gewisse Traurigkeit, wie sie häufig auf Werken skandinavischer Künstler zu vernehmen ist. Ein Umstand, der nicht nur für Musiker, sondern auch für Buchautoren gilt. Trotz des „glücklichen Lebensgefühls“ scheint auch die etwas dunklere Seite des Lebens in den Ländern Skandinaviens ausgelebt werden zu wollen.

Die Musik auf „Parades“ klingt mitunter etwas „schräg“ und benötigt einige Zeit zum Reifen im Ohr des Hörers, andererseits wirkt das Ganze bereits beim ersten Hören doch immer melodiös und harmonisch. Es gibt viele „Aaaahs“ und „Oooohs“ zu belauschen, die hier jedoch absolut perfekt zur Art der Musik passen. Eine dichte Atmosphäre umgibt die einzelnen Stücke, die den Hörer einhüllt und weich bettet. Musik zum Augenschließen und Träumen, die manchmal auch sehr gut zu einer Dokumentation über die Dünenlandschaft Dänemarks passen würde. Dazu gesellt sich ein sehr zurückhaltender, mitunter eher gehaucht gesprochener Gesang, der die etwas düstere Stimmung nochmals verstärkt.

2010 wurde nun die Deluxe-Version der CD veröffentlicht, die als Zugabe die ursprünglich ebenfalls im Jahr 2007 erschienene EP „Under Giant Trees“ enthält - ergänzt um zwei Live-Einspielungen („Mirador“ und „Cutting Ice To Snow“). Die Musik auf dieser zweiten CD passt stilistisch hervorragend zu den Titeln auf „Parades“. Die Stimmung ist dieselbe, diese wohlige Wärme wird auch mit diesen fünf Nummern transportiert. Insgesamt erhält man so, für gar nicht mal großes Geld, über anderthalb Stunden sehr eindringliche Musik. Dazu gibt es noch ein schönes Booklet sowie ein Poster mit der Stadt, die in dem sehr gelungenen Video zu „Mirador“ eine Hauptrolle spielt.

Fazit: Efterklang machen ganz andere Musik. Musik die von der Atmosphäre lebt, die melodiös und eindringlich ist, immer unaufgeregt bleibt und nie hektisch zu werden droht. Musik, mit der sich trefflich entspannen lässt, die einen in den ruhigen Momenten des Tages begleitet. Musik die wirkt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Polygyne, Mirador, Cutting Ice To Snow, Falling Horses, Himmelbjerget





Donnerstag, 21. Februar 2013

Ufo – Ufo 2 - Flying




Ufo – Ufo 2 - Flying

Besetzung:

Mick Bolton – Lead Guitar
Pete Way – Bass Guitar
Andy Parker – Drums
Phil Mogg – Vocals


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1971 (Wiederveröffentlicht: 2008)


Stil: Psychedelic Blues Rock


Trackliste:

1. Silver Bird (6:54)
2. Star Storm (18:54)
3. Prince Kajuku (3:56)
4. The Coming Of Prince Kajuku (3:43)
5. Flying (26:32)


Bonus Track:

6. Galactic Love (2:57)

Gesamtspieldauer: 1:02:55




Irgendwie konnten sich die vier Londoner bei ihrem zweiten Album nicht so richtig auf einen Titel einigen. Zumindest erscheint das so, wenn man sich das Cover der zweiten Veröffentlichung ansieht: „Ufo 2“ oder „Flying“ ist da zu lesen. Und um dem ganzen noch eins draufzusetzen wurde der Platte zusätzlich noch mit dem Untertitel „One Hour Of Space Rock“ versehen. Dieser Untertitel löst allerdings einen gewissen Einspruch aus, denn wer hier Space Rock à la Hawkwind erwartet, der wird enttäuscht werden. Denn auch wenn „Ufo 2“ ursprünglich im selben Jahr wie Hawkwinds „In Search Of Space“ erschien, welches wirklich „Space Rock“ beinhaltete, so ist die Musik auf dem Ufo-Album eine andere. Die Musik auf „Ufo 2 – Flying“ ist wohl am besten mit dem Label „Psychedelic Blues Rock“ zu versehen, wenn es dieses Genre denn wirklich geben sollte.

Aber ganz genau so klingt die Musik auf diesem Album. Hier wird selten hart gerockt, eher liegt über den Liedern eine schwere, manchmal traurige, blueslastige und immer gitarrenorientierte Stimmung, die sehr häufig in die Richtung Psychedelic Rock abdriftet. Dazu gibt es ellenlange Instrumentalpassagen, repetitive Abschnitte, die in die Richtung „Förderung des transzendenten Zustands“ gehen, wobei hierzu keine weitere Medikation von Nöten ist. Manches Mal klingt das auch fast schon improvisiert, was dem Hörer hier serviert wird. Dies ist vor allem bei dem tollen „Star Storm“ und dem Titellied „Floating“ zu wahrzunehmen.

Richtig schön melodisch wird es selten, am ehesten wohl bei der Nummer „The Coming Of Prince Kajuku“. Allerdings stört dieser Umstand nicht weiter, denn die Musik lebt von der Atmosphäre, der mitunter vorhandenen Eindringlichkeit und dieser Grenzenlosigkeit, die sich in der Länge der Lieder ausdrückt, welche gespielt werden und wirken, gespielt werden und wirken, gespielt werden und wirken. Mit sechzig Minuten Laufzeit war die Platte ursprünglich für die damalige Zeit fast schon unglaublich lang, durch den Bonus Track „Galactic Love“, eine nicht ganz ungewöhnliche Rock-Nummer, die man leicht der damaligen Zeit zuordnen kann, wird diese Stunde sogar noch ein wenig überboten.

Fazit: Wer gitarrenorientierten Blues mag, wird diese Platte lieben. Wer Gitarrenimprovisationen etwas abgewinnen kann, der kommt hier ebenfalls auf seine Kosten. Und auch jene werden belohnt, die der psychedelischen Rock-Musik etwas abgewinnen können. Für Hit-Radio-Hörer definitiv die falsche Kost. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Star Storm, The Coming Of Prince Kajuku, Flying



Mittwoch, 20. Februar 2013

Porcupine Tree – On The Sunday Of Life…




Porcupine Tree – On The Sunday Of Life…


Besetzung:

Steven Wilson – vocals and all instruments


Gastmusiker:

John Marshall – drums on “Third Eye Surfer”
Solomon St. Jemain – additional guitar and voice on “Queen Quotes Crowley”
Master Timothy Masters – oboe


Label: Snapper


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Music For The Head (2:42)
2. Jupiter Island (6:12)
3. Third Eye Surfer (2:48)
4. On The Sunday Of Life (2:12)
5. The Nostalgia Factory (7:27)
6. Space Transmission (2:59)
7. Message From A Self-Destructing Turnip (0:27)
8. Radioactive Toy (10:01)
9. Nine Cats (3:57)
10. Hymn (1:14)
11. Footprints (5:52)
12. Linton Samuel Dawson (3:04)
13. And The Swallows Dance Above The Sun (4:04)
14. Queen Quotes Crowley (3:57)
15. No Luck With Rabbits (0:47)
16. Begonia Seduction Scene (2:20)
17. This Long Silence (5:01)
18. It Will Rain For A Million Years (10:50)

Gesamtspieldauer: 1:15:53




Als „On The Sunday Of Life…“ 1991 unter der Überschrift „Porcupine Tree“ veröffentlicht wurde, da gab es diese „Band“ im Grunde genommen noch überhaupt nicht. Porcupine Tree war zu diesem Zeitpunkt eine One-Man-Show, das erste Solo-Werk Steven Wilsons, der die Musik zu allen Stücken auf dem Album schrieb. Bei den Texten ließ er sich noch von einem ehemaligen Schulfreund, Alan Duffy, unterstützen. Eingespielt wurde das Album von Steven Wilson dann wieder fast im Alleingang. Nur bei wenigen Titeln holte er sich diesbezüglich Unterstützung. Die einzelnen Lieder auf „On The Sunday Of Life…“ waren dabei noch nicht einmal neu, denn sie entstammen Kassetten-Veröffentlichungen („Tarquin's Seaweed Farm“, 1989 und „The Nostalgia Factory“, 1990), die Wilson in Kleinstauflage selbst produzierte und veröffentlichte. Das restliche Material, welches sich auf diesen Kassetten befand und nicht auf „On The Sunday Of Life…“ Verwendung fand, wurde schließlich 1994 unter dem Titel „Yellow Hedgerow Dreamscape“ veröffentlicht.

Die Musik auf „On The Sunday Of Life…“ ist noch sehr uneinheitlich und hat nur wenig mit den Klängen zu tun, die man in letzter Zeit auf einem Porcupine Tree Album serviert bekommt. Hier, auf diesem Debut, schwankt die Spannbreite der Musik von Psychedelic Rock über Ambient und elektronischer Musik zu Pop bis hin zu sehr experimentellen Stücken. Der Hörer bekommt also jede Menge geboten - nur einheitlich ist das Ganze nicht besonders.

Höhepunkte sind das zehnminütige „Radioactive Toy“, bei dem die Musik dem Genre „Progressive Rock“ schon recht nahe kommt und „Nine Cats“, eine eingängige Nummer, die folkig beginnt und im weiteren Verlauf etwas psychedelischer wird. Der Rest der Platte hat einige Überraschungen zu bieten, die von Sphäre pur bis hin zum Mickey Mouse Gesang in Verbindung mit Synthie-Pop reichen.

Fazit: Für Porcupine Tree Fans ist diese Platte natürlich ein „Must Have“, um die Anfänge der Band, die Wurzeln der späteren Platten auch mal kennenzulernen. Für alle anderen dürfte diese Scheibe etwas weniger interessant sein, da sie so unglaublich uneinheitlich ist. Es fällt einem als Hörer schwer, sich auf eine bestimmte Stimmung einzustellen, da diese ziemlich schnell wieder vergangen ist und man sofort etwas Neues, völlig anderes dargeboten bekommt. Ein paar schöne Stellen gibt es allerdings, genauso wie die etwas langweiligeren und deutlich gewöhnungsbedürftigeren Passagen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Radioactive Toy, Nine Cats, Footprints, And The Swallows Dance Above The Sun, Begonia Seduction Scene





Dienstag, 19. Februar 2013

Curved Air – Second Album




Curved Air – Second Album


Besetzung:

Sonja Kristina – vocals
Darryl Way – vocals, electric violin, piano on “Puppets”
Francis Monkman – guitars, keyboards, vcs3 synthesizer
Ian Eyre – bass guitar
Florian Pilkington-Miksa – drums


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Young Mother (5:57)
2. Back Street Luv (3:38)
3. Jumbo (4:09)
4. You Know (4:13)
5. Puppets (5:29)
6. Everdance (3:08)
7. Bright Summer's Day '68 (2:52)
8. Piece Of Mind (12:52)

Gesamtspieldauer: 42:17




1971 veröffentlichte die britische Band Curved Air ihr zweites Album, passenderweise unter dem Titel „Second Album“. Erneut bekommt der Hörer progressive Rock-Musik zu hören, bei der die elektrische Violine des Darryl Way eine ganz zentrale Rolle einnimmt. Es wird zudem gerockt, jedoch kommen die sanften Töne kommen auf „Second Album“ ebenso nicht zu kurz.

Die Musik von Curved Air ist nicht ganz so eingängig wie jene der Kollegen von Renaissance, die sich zur selben Zeit am Progressive Rock versuchten. Bei Curved Air gibt es durchaus auch mal den „schrägeren“ Ton, der dort zuerst gar nicht so richtig hinpassen will und erst nach dem mehrmaligen Hören seinen Platz doch genau an der richtigen Stelle gefunden hat.

Es gibt die melodiöseren Abschnitte neben den etwas rockigeren Parts, die immer spätestens durch den klaren Gesang Sonja Kristinas zusammengeführt werden. Nicht alle Titel schaffen es den Hörer zu bewegen, aber gerade am Anfang, wie am Ende des Albums, befinden sich die Höhepunkte der Platte, die durchaus auch längerfristig wirken und auch haften bleiben. „Young Mother“ kann gleich zu Beginn der Platte mit melodiösen, wie auch fast schon jazzigen Parts punkten. Das ist wahrlich sehr abwechslungsreich und nie langweilig. Der nächste Titel „Back Street Luv“ schaffte es sogar bis auf Platz 4 der britischen Single Charts. Sehr viel rockiger und mit einem schönen Groove ausgestattet, lädt der Song zum Mitwippen ein.

Nun folgen ein paar Lieder, die irgendwie nicht so ganz überzeugen können. „Jumbo“ ist ein wenig zu lieblich geraten und versinkt fast schon in Süße, wohingegen die weiteren Stücke deutlich rauer wirken, auch mal etwas schräger, jedoch trotzdem nicht so richtig zünden können. Dies liegt manches Mal an der fehlenden Eingängigkeit, ein anderes Mal schlicht und ergreifend an der dem Titel zugrundeliegenden Idee.

Aber da gibt es noch die letzte Nummer des Albums, das Magnus Opus auf „Second Album“. „Piece Of Mind“ heißt das Stück, ein Titel in bester, progressiver Rock Tradition. Aus mehreren Teilen bestehend, die manchmal melodiös, ein anderes Mal etwas schräger klingen. Rhythmus- und Tempowechsel sind genauso vorhanden wir lautere und leisere Abschnitte. Das ist wirklich wieder gelungen.

Fazit: Für ein Curved Air Album benötigt man einige Durchläufe. Erst dann erschließt sich einem viel mehr an der Musik. Dann erst registriert man auch diese Feinheiten, die Lieder eben auch ausmachen können. Der Orchestereinsatz und die Instrumentierung stimmen und lassen Atmosphäre entstehen. Allerdings sind neben den Höhepunkten auch einige Füller mit auf der Platte. Neun Punkte.

Anspieltipps: Young Mother, Back Street Luv, Piece Of Mind