Freitag, 22. Juni 2012

Barclay James Harvest – …And Other Short Stories





Barclay James Harvest – …And Other Short Stories


Besetzung:

John Lees – guitar, vocals
Stuart “Woolly” Wolstenholme – keyboards, vocals
Les Holroyd – bass, vocals
Mel Pritchard – drums, percussion


Gastmusiker:

Barclay James Harvest Symphony Orchestra


Label: Harvest


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Pop


Trackliste:

1. Medicine Man (3:58)
2. Someone There You Know (3:48)
3. Harry's Song (3:54)
4. Ursula (The Swansea Song) (2:54)
5. Little Lapwing (4:59)
6. Song With No Meaning (4:22)
7. Blue John's Blues (6:50)
8. The Poet (4:55)
9. After The Day (4:48)


Bonus Tracks:

10. Brave New World (Demo) (3:59)
11. She Said (BBC Session) (8:42)
12. Galadriel (BBC Session) (3:06)
13. Ursula (The Swansea Song) (BBC Session) (2:54)
14. Someone There You Know (BBC Session) (3:47)
15. Medicine Man (BBC Session) (7:48)



Lediglich neun Monate nach dem zweiten Studioalbum „Once Again“, veröffentlichte die britische Band Barclay James Harvest noch im November desselben Jahres bereits ihr drittes Album mit dem Titel „Barclay James Harvest And Other Short Stories“. So etwas nennt man wohl Kreativitätsphase, denn auch dieses neue Album ist überaus gelungen und hält einige Höhepunkte im Schaffen von Barclay James Harvest parat.

Das beginnt gleich mit dem Opener „Medicine Man“, ein Klassiker auf jedem Konzert der Band. Und hier bekommt man es gleich wieder zu hören, das, für was Barclay James Harvest im Allgemeinen steht: Wunderschöne und eingängige Melodien. Das Ganze wurde wieder unterstützend instrumentiert mit dem Barclay James Harvest Symphony Orchestra, welches sich aus Musikstudenten zusammensetzte. Und so ergibt sich dieser symphonische Klang, der so überaus eingängig den Weg zum Ohr des Hörers findet. Damit sei an dieser Stelle auch auf den letzten Bonus-Track der remasterten Version von 2002 verwiesen. Hier ist „Medicine Man“ ohne Orchester während einer BBC-Session eingespielt worden. Und das macht das Stück sehr viel druckvoller. Die Streicher und Bläserparts wurden durch das Mellotron Woolly Wolstenholmes ersetzt und Mel Prichard verleiht dem Stück, durch sein sehr viel intensiveres und druckvolleres Schlagzeugspiel, deutlich mehr Schwung. Eine überaus gelungene Alternative zum Original, welches zeitlich gesehen ein Jahr früher entstand.

“Someone There You Know”, das zweite Stück des Albums, ist ein eingängiger Popsong, der allerdings nicht ganz an die Klasse des Vorgängers heranreicht. „Harry's Song” ist dann sehr viel rhythmischer und besitzt erneut so eine Melodie, die man sich merkt, die sich einprägt. Ein richtig guter Song. “Ursula (The Swansea Song)” klingt anschließend nach den 60er Jahren. Erneut sehr eingängig, allerdings auch sehr zuckersüß mit Flöten und Streichern, schafft es das Lied doch, nicht kitschig zu wirken und wirkt auf seine Art sehr verträumt und ein wenig melancholisch.

Das fünfte Stück des Albums heißt „Little Lapwing“ und wurde genau wie das darauf folgende Stück „Song With No Meaning“, von Les Holroyd in alleiniger Regie geschrieben. Das wiederum hat er auf anderen Alben allerdings deutlich besser hinbekommen. Denn beide Stücke langweilen irgendwie. Ist “Little Lapwing” noch sehr orchestral instrumentiert und wirkt sehr getragen, so wird der Gesang Les Holroyds bei „Song With No Meaning“ von der Akustik-Gitarre begleitet. Allerdings wirkt gerade letzter Song so was von schwülstig, auch durch einen unglaublich schmalzigen Hintergrundgesang, sodass man am liebsten sofort die Fernbedienung der Stereoanlage zur Hand nehmen möchte, um das Lied zu überspringen.

Sehr viel interessanter wird es dann wieder mit „Blue John's Blues”. Das Lied beginnt sehr langsam und zeichnet sich sofort wieder durch eine schöne Melodie aus. Und schließlich rockt der Titel sogar mit dem Refrain richtig los. Eine schöne Abwechslung auf dem sonst doch so ruhigen Album. Und dieser Unterschied zu den anderen Stücken wird mit dem Verlauf des Liedes immer offensichtlicher beziehungsweise hörbarer, da hier nicht nur gerockt wird, sondern auch schrägere Töne Einzug halten und alles noch zusätzlich ein wenig aufpeppen.

Was folgt, ist „The Poet” und dieses Lied geht in eine ganz andere Richtung. Jetzt wird es fast schon zur Kammermusik, was man hier zu hören bekommt. Woolly Wolstenholme zeichnet sich für dieses Stück aus und das ist ihm überaus gelungen. Nur mittels des Orchesters instrumentiert wirkt hier alles so zerbrechlich und fast schon verletzlich. Richtig toll gemacht. Das Ende des Stücks stellt dann den Übergang zu “After The Day” dar, welches wie “Medicine Man” und “Blue John’s Blues” aus der Feder von John Lees stammt. Und auch „After The Day“ ist ein Höhepunkt des Albums. Von der orchestralen Instrumentierung geht es lückenlos in die Rockinstrumentierung über. Das Lied verfügt wieder über eine klasse Melodie, die einen packt. Ein Mellotron erfüllt den Raum und alles klingt – bis das Lied jäh endet.

Nun, die remasterte Fassung ist auch dieses Mal mit Bonus-Titeln versehen worden. Sechs an der Zahl sind es dieses Mal, wobei die alternative Version von „Medicine Man“ bereits erwähnt wurde. „Brave New World (Demo)“ ist eine Nummer mit Gesang und Akustik-Gitarre. Ruhig und ein wenig sentimental klingt das Lied. Dann folgen vier Versionen einer BBC Session, wobei „She Said“ und „Galadriel“ vom Vorgängeralbum „Once Again“ stammen und dort bereits zu den Höhepunkten gezählt werden konnten. Somit bleibt festzuhalten, dass auch diese vier Titel durchaus hörenswert sind.

Fazit: Barclay James Harvest haben noch mal eine Schippe draufgelegt und das gute Album „Once Again“ sogar noch getoppt. Auf „Barclay James Harvest And Other Short Stories“ kann man in Melodien schwelgen und sich treiben lassen. Das Gegenteil von Hard Rock, also Soft Rock ist dieses Album nicht. Auch Melodic Rock würde die Platte nicht richtig beschreiben. Orchestral Rock kommt dem Inhalt des dritten Barclay James Harvest Albums wohl am nächsten. Eine richtig gute Platte, die elf Punkte absolut verdient hat.

Anspieltipps: Medicine Man, Harry's Song, Ursula (The Swansea Song), Blue John's Blues, The Poet, After The Day, Medicine Man (BBC Session) und auch die anderen Zugaben.