Samstag, 21. April 2012

Pink Floyd – The Final Cut




Pink Floyd – The Final Cut


Besetzung:

Roger Waters – bass guitar, guitar, vocals
David Gilmour – guitar, vocals
Nick Mason – drums


Gastmusiker:

Michael Kamen – piano harmonium
Andy Bown – hammond organ
Ray Cooper – percussion
Andy Newmark – drums on “Two Suns In The Sunset”
Raphael Ravenscroft – tenor sax
National Philharmonic Orchestra


Label: EMI


Erscheinungsdatum: November 1983/ 2004 / 2011


Stil: ArtRock, Melodic Rock


Trackliste:

1. The Post War Dream (3:00)
2. Your Possible Pasts (4:26)
3. One Of The Few (1:12)
4. When The Tiger Broke Free (3:17)
5. The Hero's Return (2:43)
6. The Gunners Dream (5:18)
7. Paranoid Eyes (3:41)
8. Get Your Filthy Hands Of My Desert (1:17)
9. The Fletcher Memorial Home (4:12)
10. Southampton Dock (2:11)
11. The Final Cut (4:46)
12. Not Now John (4:56)
13. Two Suns In The Sunset (5:21)



Ist “The Final Cut” aus dem Jahr 1983 eigentlich noch ein richtiges Pink Floyd Album? Richard Wright hatte endgültig die Band verlassen, um erst auf dem nächsten Album, nach Roger Waters‘ Demission, wieder zurückzukehren. Nun, das beantwortet sicherlich nicht die obige Frage. Vielleicht aber der Umstand, dass man in den Credits zu „The Final Cut“ nachlesen kann, dass das Copyright für das Album nicht etwa bei Pink Floyd, sondern bei „Roger Waters Music Overseas Ltd.“ liegt. Und noch etwas aussagekräftiger sind da die ersten beiden Sätze, die im Booklet abgedruckt wurden: „A requiem for the post war dream by Roger Waters. Performed by Pink Floyd“. Dies heißt nichts anderes als, dass die beiden verbliebenen Bandmitglieder Gilmour und Mason anscheinend zu Studiomusikern degradiert wurden, die am schöpferischen Prozess der Kompositionen nicht mehr beteiligt waren. Kein Wunder also, dass dies der endgültige Todesstoß dieser genialen Band, in ihrer bisherigen Zusammensetzung war. Somit handelt es sich also wirklich mehr um ein Roger Waters Soloalbum, als um das zwölfte Studioalbum der Band. Allerdings läuft „The Final Cut“ dann doch noch unter der Überschrift „Pink Floyd“ und stellt damit letztendlich schon noch ein reguläres Album der Band dar. Grund hierfür dürfte auch gewesen sein, dass sich Roger Waters Sorgen über den Erfolg des Albums gemacht hatte. Wäre dieses genauso erfolgreich unter seinem Namen, wie unter dem Markenzeichen „Pink Floyd“? Sicherlich nicht und diese Tatsache sollte durch seine weiteren, dann wirklich folgenden Soloalben bestätigt werden.

Zur Musik auf „The Fianl Cut“. Alben von Pink Floyd standen immer in der Tradition, dass sie komplett anders klangen, als die jeweiligen Vorgänger. Ob das die früheren Werke waren oder aber die Sprünge von „The Dark Side Of The Moon“ zu „Wish You Were Here“ zu „Animals“ und dann zu „The Wall“. Pink Floyd haben sich häufig neu erfunden und wussten immer wieder zu überraschen. Diese Kontinuität in der Veränderung wurde mit „The Final Cut“ durchbrochen. Mit wenigen Ausnahmen könnte „The Final Cut“ als dritte Platte von „The Wall“ durchgehen. Zu ähnlich sind hier Atmosphäre und Stimmung der Lieder. Dies trifft gleich auf die ersten sechs Stücke zu, erst mit „Paranoid Eyes“, dem siebten Titel, eröffnet sich dem Hörer da etwas „Neues“, bisher so noch nicht auf „The Wall“ gehörtes. Das Lied ist ein ganz leises und sehr gefühlvolles Stück, sehr traurig und melancholisch, nur äußerst zurückhaltend instrumentiert und ein Höhepunkt des Albums.

Unter den ersten sechs Titeln der remasterten Fassung befindet sich übrigens auch das Lied „When The Tiger Broke Free“, eine Nummer, die auf der LP-, wie der ersten CD-Ausgabe, noch nicht enthalten war. Dabei handelt es sich um ein Stück, das bereits in der filmischen Umsetzung zu „The Wall“ zu hören war.

Erwähnenswert ist auch das Lied „The Fletcher Memorial Home“, zu dessen Gelingen David Gilmour auch ein klasse Solo hinzusteuern durfte. Eindringlich hierbei der Text, bei dem sich „unheilbare“ Tyrannen und Könige (genannt werden dabei Reagan, Begin, Thatcher, Breschnew, der „Geist“ McCarthys und die „Gedanken“ Nixons) im Fletcher Memorial Home versammeln. Und am Ende des Stücks wird dann nach der Endlösung dieser Versammlung gesucht…

Völlig aus der Reihe fällt „Not Now John“. Das schnellste und „lauteste“ Stück des Albums groovt und lädt zum Mitwippen ein. Toll arrangiert dabei der Hintergrundchor, der sogar Erinnerungen an „The Dark Side Of The Moon“ aufkommen lässt. Und auch hier begeistert wieder David Gilmours Gitarrenspiel und weiß einfach zu überzeugen.

Fazit: Auf „The Final Cut“ beschäftigen Roger Waters ein weiteres Mal seine Kindheitserlebnisse. „Inspiriert“ durch den Falkland-Krieg verarbeitet der Musiker hier den frühen Tod seines Vaters, der 1944 im Zweiten Weltkrieg gefallen war. Begeisternd und sehr intensiv sind dabei wieder die Texte, die Roger Waters unglaublich packend niederzuschreiben versteht. Die Musik allerdings, die ist zu Beginn des Albums noch zu sehr an „The Wall“ angelegt und wird erst im weiteren Verlauf des Albums eigenständiger. „The Final Cut“ ist ein sehr intensives, ruhiges und melancholisches Album geworden. Musikhörern, denen „The Wall“ gefallen hat, dürfte auch dieses zwölfte Werk der Band zusagen. Irgendwie ergreifend in seiner traurigen Stimmung ist es auf jeden Fall und damit zehn Punkte wert.

Anspieltipps: Paranoid Eyes, The Fletcher Memorial Home, Not Now John