Montag, 27. August 2012

Eels – Beautiful Freak





Eels – Beautiful Freak


Besetzung:

Marc Oliver Everett – vocals, guitar, Wurlitzer
Jonathan “Butch” Norton – drums, vocals
Tommy Walter – bass, vocals


Gastmusiker:

Mark Goldenberg – guitars, keyboards
Jon Brion – chamberlin, guitars, trombone
Jim Jacobsen – keyboards, loops


Label: Dreamworks Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Rock bis ArtPop


Trackliste:

1. Novocaine For The Soul (3:09)
2. Susan’s House (3:44)
3. Rags To Rags (3:53)
4. Beautiful Freak (3:34)
5. Not Ready Yet (4:47)
6. My Beloved Monster (2:13)
7. Flower (3:38)
8. Guest List (3:13)
9. Mental (4:01)
10. Spunky (3:11)
11. Your Lucky Day In Hell (4:28)
12. Manchild (4:05)

Gesamtspieldauer: 43:57



Wer gute, meist mit leisen Tönen gemachte Rockmusik mag und die Eels nicht kennt, der hat was verpasst. Eels ist eigentlich Marc Oliver Everett, das einzig feste Mitglied und der Hauptsonglieferant der Band. Hier, auf dem Debut (zwei Platten hat Everett vorher unter dem Pseudonym „E“ aufgenommen), sind in den Credits, unter dem Bandnamen, noch zwei weitere Musiker mit vermerkt. Bei späteren Veröffentlichungen handelt es sich dann meist um reine Soloprojekte Everetts, die mit Gastmusikern eingespielt wurden.

Das Album beginnt mit „Novocaine For The Soul“, einem Stück, mit dem die Band sogar fünf Wochen in den Top 100 der britischen Singlecharts vertreten war. Ein schönes und fast schon schwebendes Stück, bei dem es dann auch nicht verwundert, dass sich die Musiker im dazugehörigen Video ebenfalls der Erdanziehungskraft entledigten - und durch die Lüfte schweben. Klasse hier auch der Break, ziemlich in der Mitte des Stücks. Drei Sekunden Stille hört man nicht so oft in einem Lied, hier aber passt es perfekt. „Novocaine For The Soul“ ist ein Titel, der schön melodiös ist, gitarrenlastig und bei dem Everett auch mit seiner rauchigen Stimme überzeugen kann.

Deutlich abgefahrener wird es dann beim zweiten Stück „Susan’s House“, welches so gar nicht in irgendeine Schublade passen will. Der Text wird meist gesprochen, nur im Refrain gesungen. Das Lied klingt schräg und wird vornehmlich von den Keyboards oder dem Piano dominiert. Für viele Eels Fans stellt es dabei das Eels-Lied schlechthin dar. Bei der dritten Nummer „Rags To Rags“ sind wir dann wieder beim eingängigen und melodiösen Rock. Von der Machart her passt es zum ersten Lied. Aber sofort erfolgt wieder ein Stilbruch, „Beautiful Freak”, das Titellied, ist sehr getragen und ruhig. Ein Lied zum Träumen. Ein Liebeslied an das „Anderssein“.

Und schon wieder folgt auf eine ruhigere Nummer, ein in vielen Teilen etwas schnellerer Track. Bei „Not Ready Yet“ überzeugt vor allem die verzerrte Gitarre in Kombination mit dem schön rauchigen Gesang. Aber Achtung: Mit „schneller“ ist „schneller“ in Eels Verhältnissen gemeint, das Lied hat zwar Ansätze in Richtung Hard Rock, aber eben nur Ansätze.

Und so geht es weiter, auf „My Beloved Monster”, einer Nummer mit wieder etwas schrägeren Teilen, folgt „Flower“ - ein Wahnsinnstück. Die tieftraurige Stimmung erhält es durch den Hintergrundchor, der die Melancholie dieser Nummer perfekt transportiert. Dazu trägt natürlich auch der Text bei, stellvertretend dafür die ersten zwei Zeilen: „Turn the ugly light off god, Wanna feel the night” Ein klasse Song, den man sich besser nicht anhören sollte, wenn man gerade selbst vom “Blues” ergriffen ist.

Bei „Guest List” lässt sich Everett dann über diejenigen aus, die immer dabei sein wollen, die schönen Menschen, die auf keiner Gästeliste fehlen wollen und bemerkt: „But I don't know if you know what I mean, 'cause I'm never on your list”. „Mental“ ist im Anschluss daran erneut ein schönes Rocklied, welches durch den Bass und das Schlagzeug konsequent nach vorne getrieben wird. „Bei „Spunky” wird es abermals sehr ruhig und getragen, ein Lied zum Träumen. „Your Lucky Day In Hell” ist schließlich sehr elektronisch und eines der wenigen, nicht ganz so gelungenen Stücke auf dem Album. Die Nummer will nicht so recht greifen und überzeugen. Allerdings wartet mit „Manchild“ noch mal ein Höhepunkt am Ende der CD auf den Hörer. Wieder ein sehr ruhiges Lied, welches in der Lage ist, beim Zuhörer diese träumerische Stimmung zu erzeugen, die oftmals nur Musik erzeugen kann. Ein schöner Abschluss für das Album.

Fazit: Gleich mit der ersten Veröffentlichung unter dem Namen „Eels“, ist Marc Oliver Everett ein klasse Album gelungen, welches jeder, der auch ruhigere Rockmusik mag, sein Eigen nennen sollte. Bleibt noch kurz zu erwähnen, wie dieser Name „Eels zustande kam. Nach Aussage Everetts, hatten sie einen Bandtitel gesucht, der in den Plattenläden gleich hinter „E“ kam, dem Pseudonym, welches er für seine ersten beiden Veröffentlichungen verwendet hatte. Leider mussten sie dann später, beim Besuch im Plattenladen feststellen, dass sich zwischen „E“ und den „Eels“ noch ein ganzer Haufen „Eagles-Platten“ befand… Jeder Titel der Platte hat einen Punkt verdient. Das macht bei zwölf Stücken, ganz klar, zwölf Punkte. Sehr empfehlenswert.

Anspieltipps: Novocaine For The Soul, Susan’s House, Flower, Mental







Sonntag, 26. August 2012

Billy Joel - The Nylon Curtain





Billy Joel
– The Nylon Curtain



Besetzung:

Billy Joel – vocals, pianos, synthesizers, hammond organ and melodica


Gastmusiker:

Liberty Devitto – drums and percussion
Doug Stegmeyer – bass
Russel Javors – electric and acoustic guitar (rhythm)
David Brown - electric and acoustic guitar (lead)
Dave Grusin – strings and horns arrangement
David Nadien – concertmaster
String Fever – strings on tracks 2 & 8


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: September 1982


Stil: Pop


Trackliste:

1. Allentown (3:52)
2. Laura (5:06)
3. Pressure (4:41)
4. Goodnight Saigon (7:04)
5. She’s Right On Time (4:15)
6. A Room Of Our Own (4:04)
7. Surprises (3:26)
8. Scandinavian Skies (6:01)
9. Where’s The Orchestra? (3:17)

Gesamtspieldauer: 41:47




„The Nylon Curtain“ ist Billy Joels achte Albumveröffentlichung und mit Sicherheit sein bestes Album in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Auf der CD befinden sich einige Perlen, die es zu entdecken gilt und einen Kauf des Albums überaus lohnenswert machen.

Aber der Reihe nach. Zunächst hört man das Pfeifen einer Eisenbahn und schon ist man drin im ersten Stück des Albums: „Allentown“. Das Lied hat einen schönen Rhythmus, reißt den Hörer zwar nicht vom Hocker, aber es ist und bleibt ein ganz netter Popsong. „Laura“ ist anschließend deutlich ruhiger gehalten und würde, wenn da nicht diese Slidegitarre an bestimmten Stellen wäre, sogar ein bisschen an die Beatles erinnern. Obwohl, das macht das Lied dann trotzdem.

In „Pressure“ schafft es Billy Joel dann, „Stress“ und „Druck“ auch musikalisch auszudrücken und durch das Tempo und die Instrumentierung auf das Lied zu übertragen. Und das ist in keiner Weise negativ gemeint. „Pressure“ ist ein fertiger, ausgereifter Song, der gerade auch durch seine Stimmung zu gefallen weiß. Anschließend folgt mit „Goodnight Saigon“ ein absoluter Höhepunkt der Platte. Und dieses Lied stellt auch ein absolutes Highlight im Schaffen des Billy Joels überhaupt dar. Die Nummer beginnt und endet mit Hubschraubergeräuschen und in diesem Stück verarbeitet der Sänger und Songschreiber die Eindrücke eines Vietnamveteranen im Krieg. Absolut dicht, traurig und bewegend, sowohl von der Instrumentierung, wie auch vom Text her. Ein Meisterwerk und mit Abstand das beste Lied, welches ich zu diesem Thema kenne.

Das folgende Stück, „She’s Right On Time“ fällt nun gegen den Vorgänger deutlich ab, was bei der hoch gelegten Latte allerdings auch nicht wirklich überraschen kann. Das Lied ist ein Popsong, der nicht weiter im Ohr bleibt – dieses Mal eben nichts Besonderes. „A Room Of Our Own“ ist anschließend eine Rock’n’Roll Nummer, die auch nicht positiv hervorsticht und sich sogar um den Titel „schlechtester Track des Albums“ bewirbt.

Weiter geht es mit „Surprises“, welches wieder einen sehr guten Track auf dem Album markiert. Eine wunderschöne Melodie, die durch Joels Gesang perfekt unterstrichen wird. Auch hier kann man wieder Einflüsse der Beatles heraushören. Hieran schließt sich dann ein weiterer Höhepunkt des Albums an: „Scandinavian Skies“. In diesem Lied spürt man richtiggehend die Weite des Himmels über Skandinavien. Wunderschön umgesetzt die ganze Stimmung. Bei diesem Stück spielen die Streicher sogar etwas schrägere Töne, die allerdings perfekt zum Rest der Nummer passen. Ein tolles Lied.

Das Album wird beschlossen durch „Where’s The Orchestra?“. Dieser letzte Track ist eine sehr ruhige Nummer, die zum großen Teil wieder vom dezenten Einsatz der Streicher und Bläser lebt. Sicherlich kein schlechtes Lied, allerdings in meinen Augen etwas zu ruhig und vor allem zu getragen.

Fazit: Für mich das letzte richtig gute Billy Joel Album. Alle darauffolgenden Alben zielten mit ihren Singleauskopplungen dann doch zu sehr auf den Charterfolg. „The Nylon Curtain“ aber ist ein Album, welches sehr viel Stimmung zu erzielen weiß und einige brillante Songs enthält. Und von mir gibt es dafür 11 Punkte.

Anspieltipps: Goodnight Saigon, Surprises, Scandinavian Skies



Sonntag, 19. August 2012

Live – Throwing Copper





Live – Throwing Copper


Besetzung:

Chad Taylor – guitar, background vocals
Edward Kowalczyk – lead vocals, guitar
Patrick Dahlheimer – bass guitar
Chad Gracey – drums, background vocals


Label: Radioactive Records


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. The Dam At Otter Creek (4:44)
2. Selling The Drama (3:26)
3. I Alone (3:51)
4. Iris (3:59)
5. Lightning Crashes (5:26)
6. Top (2:42)
7. All Over You (4:00)
8. Shit Towne (3:48)
9. T.B.D. (4:29)
10. Stage (3:08)
11. Waitress (2:49)
12. Pillar Of Davidson (6:06)
13. White, Discussion (6:08)
14. Horse (4:15)




“Live” war eine amerikanische Alternative Rockband aus York in Pennsylvania, die sich im Jahr 2009 offiziell auflöste. Erfolgreich war die Band vor allem in der ersten Hälfte der 90er jahre des letzten Jahrhunderts und mit dem Album „Throwing Copper“ veröffentlichte die Band 1994 nicht nur ihr kommerziell erfolgreichstes Album, sondern auch ihre beste und ausgereifteste Scheibe.

Und diese Platte beginnt gleich sehr überzeugend mit dem Titel „The Dam At Otter Creek“. Ein Song der ganz ruhig beginnt, um sich dann, im weiteren Verlauf, immer weiter und weiter zu steigern. Auch gesanglich wird das ganze klasse umgesetzt. Die Stimme Edward Kowalczyks wird immer verzerrter, aber schließlich geht es im Text auch darum, einen „toten Mann“ neben einem Damm zu versenken. Weiter geht es mit „Selling The Drama“, auf dem sich nun Edward Kowalczyks Stimme sehr nach Michael Stipe von R.E.M. anhört. Auch von der Stimmung her geht der Song sehr stark in die Richtung R.E.M., sodass er ohne weiteres auch als „forgotten song“ für „Automatic For The People“ hätte durchgehen können.

„I Alone“ beginnt mit einem sehr ruhigen Teil und wird dann beim Refrain deutlich schneller. Und was hier bereits auffällt: „Live“ besitzen auf diesem Album das Gespür für schöne Melodien und deren Steigerungen. Alles wirkt ausgereift, klasse durchkomponiert und auch in den härteren Teilen sehr melodiös. Nicht anders ist das dann bei „Iris“, auch wenn dieser Track von Anfang an härter aus den Boxen kommt. Ein klasse Rock Stück, welches mitzureißen versteht.

„Lightning Crashes” ist dann erneut eine sehr ruhige Nummer, die lediglich beim Refrain ein wenig gesteigert wird. Aber auch hier gilt: Klasse Lied, bestens komponiert und durcharrangiert. Das kurze „Top“ beginnt fast schon bombastisch und weist von Anfang an einen treibenden Rhythmus auf, der zum Mitwippen animiert. Ebenfalls härter kommt anschließend „All Over You“ daher, nur unterbrochen durch einen kleinen, ruhigeren Teil. Und auch hier gilt, was für die vorherigen Songs zu sagen ist: Tolle Melodie, ein Lied, das einfach packt.

Und so geht es immer weiter auf „Throwing Copper“. Irgendwie hat sich da kein schlechteres Lied auf die Platte verirrt. Da gibt es noch so schöne Stücke wie das sphärische „T.B.D.“ oder solch Kracher wie „Stage“, ein Stück in bester Hardrock Tradition. Da finden sich so langsame Tracks wie „Pillar Of Davidson“ oder solche Nummern, auf denen die vier Musiker alles rauslassen wie bei „White, Discussion“. Und dann ist da schließlich noch der Song „Horse“, der noch nicht einmal in den Credits abgedruckt ist. Auf dem letzten Stück können die vier dann ihre Herkunft nicht mehr verheimlichen, denn „Horse“ ist ein Country Song in bester Manier – und leider auch das mit Abstand schlechteste Stück des Albums.

Fazit: „Live“ haben hier wirklich ein tolles Rockalbum vorgelegt, was durch seine Eingängigkeit und tollen Arrangements punkten kann. Die CD kann man von vorne bis zum Ende durchhören, ohne, dass die Lieder schlechter werden. Und wer mal R.E.M. hören möchte, wie sie klingen würden, wenn sie ein wenig härter spielen, der macht mit diesem Album alles richtig. Von mir gibt es dafür elf Punkte.

Anspieltipps: The Dam At Otter Creek, Selling The Drama, I Alone und praktisch alle Lieder die danach kommen.



Freitag, 10. August 2012

The Byrds – Turn! Turn! Turn!





The Byrds – Turn! Turn! Turn!


Besetzung:

Roger McGuinn – guitars, vocals
Gene Clark – tambourine, vocals
David Crosby – guitars, vocals
Chris Hillman – bass, vocals
Michael Clarke – drums


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1965


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Turn! Turn! Turn! (3:49)
2. It Won’t Be Wrong (1:58)
3. Set You Free This Time (2:49)
4. Lay Down Your Weary Tune (3:30)
5. He Was A Friend Of Mine (2:30)
6. The World Turns All Around Her (2:13)
7. Satisfied Mind (2:26)
8. If You’re Gone (2:45)
9. The Times They Are A-Changin’ (2:18)
10. Wait And See (2:19)
11. Oh! Susannah (3:03)


Bonus Tracks:

12. The Day Walk (3:00)
13. She Don’t Care About Time (Original Single B-Seite) (2:29)
14. The Times They Are A-Changin’ (alternative Version) (1:54)
15. It’s All Over Now, Baby Blue (3:03)
16. She Don’t Care About Time (alternative Version) (2:35)
17. The World Turns All Around Her (alternative Version) (2:12)
18. Stranger In A Strange Land (Instrumental) (3:04)

Gesamtspieldauer: 49:14




„Turn! Turn! Turn!“ nannten die Byrds ihr zweites Album, welches ebenfalls wie die Debut-Platte noch im Jahr 1965 veröffentlicht wurde – gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Und um es vorweg zu nehmen, wer auf Folk Rock beziehungsweise Folk Pop steht und auch vom ersten Album „Mr. Tambourine Man“ bereits begeistert war, der wird auch hier voll auf seine Kosten kommen.

„Turn! Turn! Turn!“ ist dem Vorgängeralbum noch sehr ähnlich. Country Musik, für die die Byrds in späteren Jahren auch stehen sollten, findet man hier höchstens in Ansätzen im Stück „Satisfied Mind“, eine Coverversion, die Porter Wagoner bereits elf Jahre zuvor in den amerikanischen Country Charts platzieren konnte.

Und Coverversionen gibt es jede Menge auf „Turn! Turn! Turn!“. “Lay Down Your Weary Tune” und “The Times They Are A-Changin’” stammen aus der Feder Bob Dylans. Den Titeltrack und auch größten Hit des Albums „Turn! Turn! Turn!“ schrieb Pete Seeger, der sich dabei übrigens eines Textes aus dem Alten Testament bediente. Das wohl allseits bekannte „Oh Susanna“ stammt von Stephen Foster und hatte zur Zeit der Veröffentlichung durch die Byrds bereits 117 Jahre auf dem Buckel.

Auch „He Was A Friend Of Mine“ ist von der Melodie her ein traditioneller Folk-Song, der bereits von vielen Interpreten des Folk Genres in ihr Programm aufgenommen wurde. Bei den Byrds bekam das Lied allerdings einen neuen Text verpasst, den Roger McGuinn nach eigener Aussage in der Nacht schrieb, als Präsident John F. Kennedy in Dallas erschossen wurde.

Gene Clark zeichnete sich für die Kompositionen der Stücke „Set You Free This Time”, „The World Turns All Around Her” und “If You’re Gone” aus. Und schließlich steuerte Roger McGuinn noch die Nummern „It Won’t Be Wrong“ sowie „Wait And See“, einmal mit Hilfe von Harvey Gerst, das andere Mal mit Unterstützung von David Crosby bei. Und damit waren die ursprünglich 30 Minuten und 32 Sekunden Spieldauer auch schon beendet. Elf Folk Rock Stücke wurden dem Käufer hier präsentiert, alle in ähnlicher Machart, ganz nett anzuhören, die in heutiger Zeit jedoch deutlich an Attraktivität und Spannung verloren haben.

Auf der Wiederveröffentlichung 1996 wurden einige Bonus Tracks hinzugefügt. Interessant dürften dabei für den aufgeschlossenen Fan vor allem die Stücke „The Day Walk“ und „She Don’t Care About Time“ sein, beides Stücke von Gene Clark, wobei letztere Nummer die ursprüngliche B-Seite der Single „Turn! Turn! Turn!“ darstellte. “Stranger In A Strange Land” ist noch eine ganz nette Instrumentalnummer von David Crosby. Bei den anderen vier Titeln handelt es sich um alternative Versionen verschiedener, bereits auf dem offiziellen Album vorhandener Lieder.

Fazit: Nun, wie bereits erwähnt, wer auf Folk Musik steht, der wird hier Spaß haben. Auch Leute, die gerne mal Oldies anhören, werden mit „Turn! Turn! Turn!“ auf ihre Kosten kommen. Ansonsten ist diese Art der Musik inzwischen zur Hintergrundmusik geschrumpft. Alles ganz nett, aber wahnsinnig unaufgeregt. Aber Musik muss auch packen können, das erreichen die Byrds heute mit ihrem Album „Turn! Turn! Turn!“ jedoch nicht mehr. Wenn ich jetzt bewerten würde, welchen Stellenwert dieses Album in der Geschichte der Pop- beziehungsweise der Rock-Musik hat, dann würden da wohl zwölf bis dreizehn Punkte stehen. Aber ich bewerte hier die Musik – und die klingt irgendwie überholt und ist mir nur sieben Punkte wert.

Anspieltipps: Turn! Turn! Turn!, It Won’t Be Wrong, He Was A Friend Of Mine, Wait And See, The Day Walk, Stranger In A Strange Land



Donnerstag, 9. August 2012

Styx – Styx II





Styx – Styx II


Besetzung:

James Young – guitars, vocals
Dennis DeYoung – keyboards, synthesizers, vocals
John Curulewski – guitar, synthesizers, vocals
Chuck Panozzo – bass guitar, vocals
John Panozzo – drums, percussion, vocals


Label: Wooden Nickel


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Mainstream, Pop, Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. You Need Love (3:45)
2. Lady (3:00)
3. A Day (8:25)
4. You Better Ask (3:56)
5. Little Fugue in “G” (1:18)
6. Father O.S.A. (7:08)
7. Earl Of Roseland (4:42)
8. I’m Gonna Make You Feel It (2:27)
9. Unfinished Song (3:00)

Gesamtspieldauer: 37:40



Ein Jahr nach dem Debut veröffentlichte die amerikanische Band Styx im Jahr 1973 ihr zweites Album, welches kurz und passenderweise mit „Styx II“ betitelt wurde. Von einem irgendwie gearteten Ansatz, der die Musik auf Styx II in die Richtung der britischen progressiven Rockmusik der 70er Jahre rücken sollte, ist hier allerdings nur ab und an etwas auszumachen.

Vielmehr hört man auf „Styx II“ meist Rockmusik, die manchmal sogar einen großen Schritt hin zum Hardrock begeht. Ein typisches Lied für diese Art der Musik ist gleich der Opener „You Need Love“. Einfach nur ein etwas schnellerer Rock-Song, der nicht weiter hängenbleibt und nur ein wenig durch seine Chorarrangements nach oben hin ausschlägt. Ebenfalls in die Kategorie „Rock-Lied“ fällt auch „Lady“. Obwohl dieses so ultra schnulzig beginnt: “Lady, when you with me I’m smiling. Give me, wouh, wouh, wouh you love!” Unsäglich! Zum schmalzigen Text passt der Gesang Dennis DeYoungs und eine Pianobegleitung, die sehr zurückhaltend ist. Etwa ab der Mitte wird dann allerdings wieder gerockt – ohne das Lied noch retten zu können. Wie „Lady“ beginnt, so endet auch das komplette Album: Mit einer Schnulze in Form des Liedes mit dem Titel „Unfinished Song“. Zwar nimmt auch dieses Lied in seinem Verlauf etwas Geschwindigkeit auf, begeistern kann das allerdings ebenfalls nicht.

Auch in die Richtung „härterer Rock“ gehen die Stücke „Earl Of Roseland“ und „I’m Gonna Make You Feel It“. „You Better Ask“ unterscheidet sich insofern noch von diesen beiden Titeln, dass es hier ein wenig mehr groovt. Ganz anders dagegen „Little Fugue in “G””. Ein kleine und kurze Orgelnummer, eine Klassik-Adaption, die ganz nett anzuhören ist.

Somit blieben noch die beiden etwas längeren Stücke „A Day“ und „Father O.S.A.“ Und diese beiden Nummern stellen dann auch gleichzeitig die Höhepunkte des Albums dar. Progressive Rockmusik ist das zwar auch nicht wirklich, aber die Richtung stimmt schon. Langsam und getragen beginnt „A Day“, ganz nett gemacht und auch sehr melodiös. Im Zwischenteil gibt es ein schönes Gitarren- und Orgelsolo zu hören, wobei letzteres sehr an Jon Lord von Deep Purple erinnert. Schließlich endet die Nummer, wie sie begann, ruhig, sowie ein bisschen verspielt und verträumt. „Father O.S.A.“ ist nicht weniger melodiös, mitunter klingt es hier sogar ein bisschen bombastisch. Bereits nach ein wenigen Malen hören, glaubt man, dieses Stück bereits ewig zu kennen. Auch hier steht immer wieder ein schwerer Orgelsound im Vordergrund, der durchaus zu gefallen weiß. Genau wie der mehrstimmige und bestens abgestimmte Gesang, der die Nummer dann endgültig bombastisch werden lässt und auch nachhält.

Fazit: Viel Füllmaterial hat sich auf „Styx II“ versammelt. Aber immerhin gibt es auch zweieinhalb ganz gute Stücke auf dem Album, die es letztendlich doch noch hörenswert machen. Keine Überplatte, aber auch keine ganz schlechte. Wer Rock mag, findet hier auf jeden Fall was für sich, wer progressive Rockmusik liebt, zumindest ab und an. Sieben Punkte.

Anspieltipps: A Day, Little Fugue in “G”, Father O.S.A.



Mittwoch, 8. August 2012

David Bowie – Never Let Me Down





David Bowie – Never Let Me Down


Besetzung:

David Bowie – vocals, guitar, keyboards, tambourine, backup vocals


Gastmusiker:

Carlos Alomar – guitar, guitar synthesizer, tambourine, backup vocals
Erdal Kizilcay – keyboards, drums, bass, trumpet, backup vocals, violins
Peter Frampton – lead guitar
Phillipe Saisse – piano, keyboards
Carmine Rojas – bass
Crusher Bennett – percussion
Laurie Frink – trumpet
Earl Gardner – trumpet, flugelhorn
Stan Harrison – alto saxophone
Steve Elson – baritone saxophone
Lenny Pickett – tenor saxophone
Robin Clark, Loni Groves, Diva Gray, Gordon Grodie – backing vocals
Sid McGinnis – Lead guitar on tracks 1, 2, 10
Mickey Rourke – mid song rap on “Makin’ My Love”


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Mainstream Pop


Trackliste:

1. Day-In Day-Out (5:35)
2. Time Will Crawl (4:18)
3. Beat Of Your Drum (5:04)
4. Never Let Me Down (4:04)
5. Zeroes (5:45)
6. Glass Spider (5:31)
7. Shining Star (Makin’ My Love) (5:04)
8. New York’s In Love (4:32)
9. ’87 And Cry (4:19)
10. Bang Bang (4:30)

Gesamtspieldauer: 48:42




David Bowie schaffte es in den siebziger Jahren sehr gute Platten zu veröffentlichen, einschließlich 1980, mit dem „Scary Monsters“ Album. Und er schaffte es auch wieder in den Neunzigern, bis hinein in das neue Jahrtausend, tolle Musik zu schreiben und auf Platte zu pressen. Was er allerdings sonst in den achtziger Jahren produzierte, das war meist übelster Mainstream Pop. Richtig schlecht. Und in diese Zeitspanne fällt auch das siebzehnte Studio-Album „Never Let Me Down“.

Wenn man ihn im Booklet mit seiner Haartolle lächeln sieht, weiß man bereits, was gespielt werden wird. Und das, was man dann zu hören bekommt, ist schlecht  wirklich schlecht. Und so erspare ich es mir alle Lieder einzeln durchzugehen, das wäre fast immer gleich vernichtend. Ich verstehe auch nicht, wie sich Peter Frampton dazu hergeben konnte da mitzuspielen. Auch der Mickey Rourke Einsatz auf „Shining Star“: Unter aller Kanone! Der wollte aber zumindest mal auf eine Platte.

Nun, ich will aber mal nicht so ganz pauschal sein, denn immerhin zwei Lieder ragen dann doch noch etwas aus dem restlichen Sumpf hervor. Zum einen ist das „Time Will Crawl“. Sicherlich auch ein Pop-Lied, aber immerhin mit schöner Melodie und ohne überbordenden Bläser- wie Hintergrund-Chor-Einsatz. Dafür kann Peter Frampton hier zumindest mal seine Gitarre adäquat einsetzen. Das zweite, ebenfalls noch erträgliche Stück, ist gleichzeitig auch die letzte Nummer auf dem Album und ein Track, den Bowie noch nicht einmal selbst geschrieben hat: „Bang Bang“. Bei diesem weiß auch wieder Peter Frampton zu überzeugen, denn man hört hier tatsächlich ein ganz kurzes Gitarrensolo.

Fazit: Die beiden erwähnten Stücke lassen das Punktekonto bei dieser Veröffentlichung Bowies auch nicht sonderlich anschwellen. Ich bekomme da nur drei Stück zusammen und das mit viel Verbiegen. Wer den Bowie der 70er mag, wird hiermit dicke Schwierigkeiten bekommen beziehungsweise haben.

Anspieltipps: Time Will Crawl, Bang Bang (Vor dem Kauf sollte man aber unbedingt erst mal alle Lieder durchhören.)



Dienstag, 7. August 2012

Eels – Electro-Shock Blues






Eels – Electro-Shock Blues


Besetzung:

Marc Oliver Everett – vocals, guitar, wurlitzer
Jonathan “Butch” Norton – drums, vocals


Gastmusiker:

Jim Jacobsen –keyboards, bass, clarinet
Parthenon Huxley – guitar
Bill Liston – saxophones
Cynthia Merrill – backwards cello
Grant Lee Philips – electric guitar, banjo, harmony
T-Bone Burnett – danelectro-shock bass
Jon Brion – chamberlin, organ
Lisa Germano – violin
John Leftwich – upright and bowed bass
Stuart Wylen – ½ rhodes, guitar, alto and bass flutes


Label: Dreamworks Records


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: ArtPop, Psychedelic Pop


Trackliste:

1. Elisabeth On The Bathroom Floor (2:09)
2. Going To Your Funeral, Part I (2:37)
3. Cancer For The Cure (4:47)
4. My Descent Into Madness (3:55)
5. 3 Speed (2:45)
6. Hospital Food (3:24)
7. Electro-Shock Blues (2:30)
8. Efils’ God (3:20)
9. Going To Your Funeral, Part II (1:30)
10. Last Stop: This Town (3:27)
11. Baby Genius (2:04)
12. Climbing To The Moon (3:39)
13. Ant Farm (2:12)
14. Dead Of Winter (2:59)
15. The Medication Is Wearing Off (3:52)
16. P.S. You Rock My World (3:09)

Gesamtspieldauer: 48:17




Ein absolut verstörendes Album ist diese zweite Veröffentlichung von den Eels aus dem Jahr 1998. Die Texte handeln vom Tod, von Selbstmord und von Krebs. Das ganze Album ist tieftraurig, da Marc Oliver Everett auf ihm seine Verluste verarbeitete. Sein Vater erlitt einen Herzinfarkt und verstarb, seine Schwester hatte sich selbst das Leben genommen und schließlich erlag seine Mutter noch einer Krebserkrankung. Dabei lagen der jeweilige Tod seiner Schwester und seiner Mutter zeitlich ziemlich eng zusammen.

Unter diesen Eindrücken entstanden die sechszehn Songs, die zum Teil sehr „abgefahren“ sind. Stellvertretend für diese nicht ganz leichte Musik seien hier „Cancer For The Cure“, und „Hospital Food“ genannt. Keine leicht zu verdauende Kost tischt uns Herr Everett da auf.

Aber es gibt auch jede Menge eingängige Highlights auf dem Album. Gleich der erste Song „Elisabeth On The Bathroom Floor” erzählt von einem Erlebnis, als er seine Schwester nach einer ihrer Selbstmordversuche auf dem Badezimmerboden findet. Musikalisch ist das tieftraurig und sehr ergreifend umgesetzt. „3 Speed“, ist ebenfalls ein sehr ruhiges Lied, welches durch seine Melancholie punktet, die es ausstrahlt. Man hört Mr. Everett einfach gerne zu, wenn er seine Geschichten erzählt. „Going To Your Funeral, Part I“ ist noch sehr schräg umgesetzt, „Part II“ klingt dagegen wie ein Sonnenschein, nach vielen Tagen Regen. Klasse hier der Klarinetteneinsatz. Und dann gibt es auf „Electro-Shock Blues” natürlich so Klassiker wie „Last Stop: This Town“. Obwohl auch dieser Song mit den Worten: „You‘re dead, but the world keeps spinning“ beginnt, so ist er doch, von der Stimmung her, eine Auflockerung und kommt fast fröhlich aus den Boxen. Das Video sollte man sich auch mal ansehen, gut und witzig gemacht.

„Dead Of Winter“ ist ein wunderschöner, auch wieder ruhiger Titel, der hauptsächlich mit der Akustikgitarre eingespielt wurde, genau wie „The Medication Is Wearing Off“. Nur, dass bei letzterem Stück dem Keyboard ein wesentlich größerer Spielraum eingeräumt wurde. Fast schon symphonisch, durch seine Instrumentierung, kommt der letzte Titel „P.S. You Rock My World“ daher. Und hier verströmt der Text dann die Hoffnung, die in allen vorherigen Liedern vollkommen abhanden gekommen zu sein schien: “Sitting down on the steps at the old post office, the flag was flying at half mast, and i was thinking 'bout how everyone is dying, and maybe it is time to live”.

Fazit: “And maybe it is time to live” ist die letzte Aussage des Albums, eines Albums, welches sehr traurig und depressiv ist. Eigentlich das traurigste Album, welches ich kenne. Aber „Electro-Shock Blues“ hat eben, neben verstörenden Momenten, diese vielen wunderschönen, wenn auch melancholisch depressiven Stellen, die das Album so ungemein hörenswert machen. Für alle, die nicht nur auf 08/15-Pop stehen. Von mir gibt es dafür 11 Punkte.

Anspieltipps: Elisabeth On The Bathroom Floor, 3 Speed, Last Stop: This Town, P.S. You Rock My World





Donnerstag, 2. August 2012

Archive – Noise





Archive – Noise


Besetzung:

Craig Walker – vocals
Danny Griffiths – guitar, harmonica, percussion
Darius Keeler – bass, programming


Gastmusiker:

Smiley – drums
Steve “Keys” Watts – hammond
Lee Pomeroy –bass
Steve Harris – guitar
Archive and Graham Preskett – strings
Carl Holt – bass
Pete (Cluff) – guitar
James Tonkin – guitar


Label: Warnermusic


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Progressive Rock


Trackliste CD:

1. Noise (6:44)
2. Fuck U (5:14)
3. Waste (9:58)
4. Sleep (6:51)
5. Here (1:03)
6. Get Out (4:30)
7. Conscience (4:17)
8. Pulse (4:50)
9. Wrong (0:57)
10. Love Song (6:21)
11. Me And You (7:57)

Gesamtspieldauer: 58:42


Trackliste DVD:

1. Again (Video)
2. Men Like You (Video)
3. Gangsters (Video)
4. Conscience (Video)
5. St Malo (Video)



Rechnet man den Soundtrack zu dem Film „Michel Vaillant“ mit hinzu, so ist „Noise“ bereits das fünfte Album der drei Engländer. Und es bleibt gleich festzuhalten: Wieder konnten sie sich steigern.

Die CD beginnt gleich mit dem Titeltrack, „Noise“. Das Stück ist richtiggehend hypnotisierend und lebt von seinem Gitarrenspiel. Immer wieder wird das Grundthema wiederholt. Dazu passt perfekt der Gesang Craig Walkers, der hier seine Botschaft rau hinaussingt. Viel Abwechslung gibt es nicht in diesem fast siebenminütigen Song, muss es auch nicht, denn das Grundthema wird perfekt gesteigert, sodass niemals Langeweile aufkommt.

Der nächste Track „Fuck U“ ist ein Klassiker und wurde bereits von Placebo gecovert. Während einer schönen Melodie wird da über jemanden ziemlich hergezogen, dass diesem die Ohren klingeln müssen. Der Text ist dabei so eindeutig, dass man ihn noch nicht einmal deutschen acht- oder neunjährigen Kindern vorspielen kann, denn den verstehen sogar diejenigen, die des Englischen nicht so mächtig sind. Klasse hier auch wieder die Steigerungen im Stück.

„Waste“ ist dann ein weiteres Highlight der Silberscheibe. Fängt das längste Stück der CD noch ganz langsam und getragen an, so verändert sich die Instrumentierung bei 3:35 ein wenig, ein Synthesizer setzt ein, bis dann bei 4:08 ein knallharter Drumssound einsetzt und das Lied Fahrt aufnimmt. Die Becken werden dabei völlig übersteuert wiedergegeben, um noch einen größeren Abstand zum bisherigen Lied zu erzielen. Schließlich setzt Craig Walker wieder ein und schreit seine Botschaft, „Waste on you, I’ve got time to waste on you“, heraus. Absolut genial umgesetzt. Ein klasse Lied und ein großes Highlight im Schaffen der Band Archive.

Der nächste Track „Sleep“ kommt dann zunächst wie ein Schlaflied daher. Nur ganz zart instrumentiert und mit einem fast schon geflüsterten Gesang. Dann setzen die Streicher ein und das Lied steigert sich weiter, bis es richtig orchestral wird. Nach dem kurzen „Here“, kommt dann ein weiterer Höhepunkt der Platte. „Get Out“ Ein Track, der auch von seinen manchmal „schrägen Tönen“ lebt und ebenfalls das aufweist, was Archive hier auf der Platte absolut perfektioniert haben: Eine tolle Steigerung. Klingt es in der Strophe noch ein wenig dumpf und verzerrt, so wird es beim Refrain ganz klar und hell. Toll gemacht.

Was folgt, sind weitere fünf Lieder, die zwar nicht mehr die Genialität der ersten Stücke erreichen, aber immer noch gut und vor allem hörenswert sind. Da ist das fast schon verstörende „Pulse“ oder aber das sehr ruhige „Me and You“. Da gib es den etwas experimentellen „Love Song“, genau wie das meist schwebende „Conscience“. In der Edition mit DVD kann man sich dann noch fünf Videos ansehen. Da diese Ausgabe meist nur wenige Euro mehr kostet, als die einfache Edition, lohnt sich auch hier der Kauf.

Fazit: „Noise“ ist ein tolles Album mit vielen klasse Liedern. Es gibt keinen richtigen Ausfall auf der Scheibe (es ist kein Hip Hop Track dabei), sogar ganz im Gegenteil, einige der besten Stücke von Archive befinden sich auf diesem Silberling. Klasse Musik, die den Kauf der CD lohnt. Von mir gibt es dafür 13 Punkte.

Anspieltipps: Fuck U, Waste, Get Out



Mittwoch, 1. August 2012

Blue October – History For Sale





Blue October – History For Sale


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, guitars, piano
Jeremy Furstenfeld – drums
Dewayne Casey – bass
C.B. Hudson – guitars, backing vocals
Ryan Delahoussaye – strings, backing vocals, mandolin


Gastmusiker:

Matt Novesky – bass
David Castell – programming, flute


Label: Universal Records


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Alternative


Trackliste:

1. Ugly Side (4:22)
2. Clumsy Card House (3:21)
3. Razorblade (3:19)
4. Calling You (4:00)
5. Chameleon Boy (5:49)
6. Sexual Powertrip (One Big Lie) Bla Bla (3:05)
7. A Quiet Mind (4:09)
8. 3 Weeks, She Sleeps (1:49)
9. Inner Glow (4:25)
10. Somebody (3:26)
11. Come In Closer (5:26)
12. Amazing (14:23)

Gesamtspieldauer: 57:33



Mit dem 2003 erschienenen Album „History For Sale“, dem insgesamt dritten Studioalbum der texanischen Band, hatte Blue October seinen Stil endgültig gefunden. Und dieser Stil, geprägt durch den Hauptkomponisten Justin Furstenfeld, ist durchaus abwechslungsreich. Gut gemachte Rockmusik bekommt man auf „History For Sale“ zu hören. Mal ein wenig ruhiger und nachdenklicher, ein anderes Mal deutlich treibender und temperamentvoller.

Das Album startet mit „Ugly Side“ einer sehr eingängigen Nummer, die mit jedem weiteren Hören noch wächst und sich fester im Gehirn eingräbt. Ein richtig gut gemacht Pop-Rock-Song. Deutlich härter, aber nicht weniger fesselnd, hört sich „Razorblade“ an. Der Song pulsiert immer wieder und lebt auch von der ab und an verzerrten beziehungsweise übersteuerten Stimme Justin Furstenfelds.

„Calling You“ wurde schließlich sogar ein Hit für die Band, da das Lied im Soundtrack des dritten Teils von „American Pie“ mit dem Titel „American Wedding“ oder auf Deutsch „American Pie – Jetzt wird geheiratet“ Verwendung fand. Den Film habe ich nicht gesehen und das will ich auch gar nicht, das Lied ist allerdings ganz nett, so ein gute Laune Song, eingängig und mit Wiedererkennungswert. „Chameleon Boy“, im Anschluss daran, ist wieder eine deutlich ruhigere Nummer, ebenfalls eingängig, allerdings auch nicht besonders aufregend.

Klasse wird es erneut mit „3 Weeks, She Sleeps“, gerade weil dieses Lied so aus dem Rahmen fällt. Klasse wird hier in ganz kurzer Zeit eine schöne Melodie entwickelt, die in einem Flötenspiel mündet, welches nicht anders zu beschreiben ist als: das klingt! Und genauso melodiös geht es mit „Inner Glow“ weiter. Dieses Mal ein wenig treibender und irgendwie ganz typisch für die Musik von Blue October.

„Somebody“ ist dann gar nicht mehr so „typisch“. Denn das Lied kracht los und zieht dies auch ununterbrochen durch. Der Aufdruck auf dem CD-Booklet „Explicit Content“ wurde auch nicht zuletzt wegen dieses Liedes erforderlich. „Come In Closer“ lebt von der Atmosphäre die es vermittelt. Diese relaxte und manchmal sogar irgendwie mystische Stimmung wird perfekt umgesetzt, sodass auch dieses Lied zu den Höhepunkten des Albums gezählt werden kann.

„Amazing“ bildet schließlich den Abschluss der Platte. Und dieses Lied ist eine richtig schöne und getragene Akustiknummer, die allerdings nur knapp fünf Minuten währt und nicht die angegebenen vierzehneinhalb. Wieder mal so ein Hidden Track Ding, mit dem man seine Gesamtlaufzeit nach oben puschen kann. Ab etwa Minute 10 tut sich dann akustisch wieder etwas. Ein Liebeslied ohne Titel wird einem hier akustisch dargeboten. Und wer sich wundert, dass er dieses Lied doch schon mal gehört hat, der kommt spätestens beim Refrain darauf, dass es sich hierbei um eine Akustikversion der vierten Nummer „Calling You“ handelt.

Fazit: Ganz klar, dieses Album ist gelungen und hat seine Höhepunkte. Es kommt nicht ganz an die beiden Nachfolger heran, aber viel fehlt dazu nicht. Wer auf gut gemachten Pop-Rock steht, der immer wieder mal sehr eingängig und melodiös ist, der kann mit „History For Sale“ von Blue October aber gar nichts falsch machen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Ugly Side, Razorblade, Calling You, 3 Weeks She Sleeps, Inner Glow, Come In Closer, Amazing (Der Beginn bis Minute 5)