Dienstag, 31. Juli 2012

Haindling - Muh








Haindling – Muh


Besetzung:

Hans-Jürgen Buchner – Gesang, Flügel, Tenor-, Alt- und Sopransaxophon, Flügelhorn, Trompete, Tenor-Horn, Tuba, Akkordeon, Xylophon, Schlagzeug, Perkussion


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Popmusik mit Volksmusikanleihen


Trackliste:

1. Über Alle Meere (3:25)
2. Aja (2:47)
3. Alles Gute (3:35)
4. 145 Mark (0:38)
5. Auf Jeden Fall (3:18)
6. Uns Geht Es Gut (1:45)
7. Kleiner Mensch (2:25)
8. Blasmusik In Moll (2:14)
9. Muh (3:13)
10. Alabama (3:41)
11. Männer Hart Wie Stahl (3:13)
12. Aus Dem Poesiealbum (3:27)
13. Danke! (3:02)
14. Ich Bin Ganz Ruhig (4:46)

Gesamtspieldauer: 41:30



1989 veröffentlichte Haindling alias Hans-Jürgen Buchner unter der Überschrift „Muh“ sein bisher fünftes Studio-Album. Und wieder einmal hat es der Multiinstrumentalist geschafft, ganz viele verschiedene Eindrücke und Stimmungen auf eine Platte beziehungsweise CD zu pressen. Da gibt es das Nachdenkliche, das Skurrile, das Ergreifende, das Poppige und auch das einfach nur schön Melodiöse.

Doch trotz dieser unterschiedlichen Stimmungen, herrscht eine dabei deutlich vor, sticht besonders aus dem Rest heraus. Das ist auf „Muh“ diese Melancholie, die mitunter in deutliche Traurigkeit übergeht. Stellvertretend hierfür stehen die drei Instrumentalstücke etwa in der Mitte des Albums, die vorher das letzte Lied der ersten Plattenseite und die beiden ersten Stücke der zweiten Seite zierten. „Blasmusik In Moll“, „Muh“ und „Alabama“ heißen diese drei traurigen Nummer. Ganz instrumental sind die Stücke auch nicht gehalten. Zumindest nicht der Titelsong „Muh“. Da hört man während dem Läuten von Kirchenglocken und zwischen einer irgendwie entrückten Trompete Hans-Jürgen Buchner sagen: „Vater ziag Dein Anzug o, es wird Zeit für Di“. Wenn ich mich recht erinnere, hat Hans-Jürgen Buchner Ende der 80er Jahre mal in einem Interview erwähnt, dass er mit diesem Lied die Beerdigung seines Vaters verarbeitete beziehungsweise nochmals durchlebte. Wenn dem wirklich so ist, dann ist die gedrückte Stimmung zumindest bei diesen drei Liedern durchaus nachvollziehbar und die Empfindungen wurden beeindruckend umgesetzt.

Das Kritische, welches auch immer wieder in den Liedern von Haindling enthalten ist, hat seinen Auftritt beim Opener „Über Alle Meere“ und bei den ebenfalls traurig gehaltenen „Alles Gute“ und „Kleiner Mensch“, sowie beim eher poppigen „Männer Hart Wie Stahl“. Skurril wird es in allerbester Manier bei „Aja“ und „145 Mark“, wohingegen „Aus Dem Poesiealbum“ ebenfalls sehr traurig gehalten ist, man aber irgendwie nicht genau weiß, ob das wirklich ernst gemeint ist, was da gesungen wird.

Poppig wird die Musik mit „Auf Jeden Fall“ und bei „Danke“. Blieben noch zwei Nummern, die erneut hauptsächlich instrumental gehalten sind. Da ist zum einen das kurze, aber durchaus ausnahmsweise mal fröhliche „Uns Geht Es Gut“ und das letzte Stück des Albums „Ich Bin Ganz Ruhig“, mit dem uns Hans-Jürgen Buchner einen fast schon sphärisch zu bezeichnenden Abschied von diesem Album ermöglicht.

Fazit: Die Melancholie siegt auf „Muh“. Sie ist der dominierende Faktor des Albums. Und diese Melancholie wurde von Haindling perfekt umgesetzt. Hier hört man keine Party-Musik, sondern nachdenkliche Lieder, die auch ohne Text sehr gut wirken. Etwas für dunkle Tage und zehn Punkte wert.

Anspieltipps: Über Alle Meere, Aja, Blasmusik In Moll, Muh, Alabama



Sonntag, 29. Juli 2012

R.E.M. – Out Of Time





R.E.M.
– Out Of Time



Besetzung:

Michael Stipe – vocals
Mike Mills – bass, vocals, organ, piano
Bill Berry – drums, percussion, congas
Peter Buck – guitar, mandolin


Gastmusiker:

Peter Holsapple – bass, acoustic guitar
Mark Bingham – string arrangements
Kid Jordan – tenor & alto & baritone saxophones, clarinet
Scott Litt – echo-loop feed
Cecil Welch – flugelhorn
Kate Pierson – vocals
John Keane – pedal steel guitar


Label: Warner Bros. Records Inc.


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Alternative / Pop


Trackliste:

1. Radio Song (4:16)
2. Losing My Religion (4:29)
3. Low (4:57)
4. Near Wild Heaven (3:20)
5. Endgame (3:51)
6. Shiny Happy People (3:46)
7. Belong (4:07)
8. Half A World Away (3:28)
9. Texarkana (3:40)
10. Country Feedback (4:10)
11. Me In Honey (4:07)



Die Veröffentlichung ihres siebten Albums, “Out Of Time” bedeutete für die vier Amerikaner von R.E.M. den weltweiten Durchbruch. Bis heute hat sich das Album bereits über zehn Millionen mal verkauft und ist damit ihr zweiterfolgreichstes Werk. Und das Album bedeutete auch einen Wechsel in der Stilrichtung der Band. War sie in den früheren Veröffentlichungen noch im Alternative Rock beheimatet, so handelt es sich bei „Out Of Time“ um ein Pop Album.

Und auch Pop kann unterhaltend und gut sein, zumindest wenn dieser so gemacht wird wie von R.E.M. Stellvertretend dafür steht wohl der Song „Losing My Religion“, inzwischen bereits ein Klassiker. Und wenn irgendein DJ irgendwo auf der Welt seine Tanzfläche füllen möchte, so legt er dieses Lied auf…

Aber auch sonst befinden sich einige tanzbare Popstücke auf dem Album: „Radio Song“, „Near Wild Heaven“ und „Shiny Happy People“. Okay, zugegeben, alles drei keine besonders anspruchsvollen Nummern, aber manchmal genügt ja auch das Adjektiv „nett“.

Was hat das Album noch zu bieten? Da ist zum einen die schöne und schwebende Instrumentalnummer „Endgame“ oder aber „Half A World Away“, was für mich sogar in Richtung „Losing My Religion“ geht. Toll auch „Country Feedback“, welches eine schöne melancholische Stimmung transportiert. Den Abschluss bildet dann „Me In Honey“, klasse Rhythmus und Groove, ein würdiges letztes Lied auf der Scheibe.

Fazit: „Out Of Time“ ist ein schönes Album, was man auch sehr gut nebenbei oder aber während des Autofahrens hören kann. Es ist kein weltbewegendes Album, aber es enthält den Track „Losing My Religion“, was fast schon für sich alleine eine Kaufempfehlung darstellt. Wenn, ja wenn man eben auch ab und zu gerne Musik hört, die Mainstream ist und auch genau für die Masse produziert wurde. Mit ist das Album mit allen seinen tollen aber auch belanglosen Stücken acht Punkte wert.

Anspieltipps: Losing My Religion, Endgame, Half A World Away, Country Feedback, Me In Honey



Samstag, 28. Juli 2012

Nektar – Down To Earth




Nektar – Down To Earth


Besetzung:

Derek Moore – bass
Ron Howden – drums, percussion
Allan Freeman – keyboards, vocals
Roye Albrighton – guitars, lead vocals


Gastmusiker:

P.P Arnold – vocals
Phil Brown – tuba
Bob Calvert – ringmaster
Ron Carthy – trumpet
Kenneth Cole – vocals
Steve Gregory – saxophone
Butch Hudson – trumpet
Chris Mercer – saxophone
Chris Pyne – trombone
Stephen Wick – tuba
The Chipping Norton Mandies – choir


Label: Bellaphon


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Astral Man (3:13)
2. Nelly The Elephant (4:55)
3. Early Morning Clown (3:24)
4. That's Life (6:52)
5. Fidgety Queen (4:07)
6. Oh Willy (4:01)
7. Little Boy (3:04)
8. Show Me The Way (5:57)
9. Finale (1:36)

Gesamtspieldauer: 37:04




Es stimmt wirklich, dass man einem Cover oftmals bereits ansehen kann, welche Musik sich auf der dazugehörigen Platte oder CD wohl sehr wahrscheinlich nicht befindet. Genau so verhält es sich auch bei „Down To Earth“ von Nektar aus dem Jahr 1974, der fünften Veröffentlichung der Band. Auf dem Cover sieht man einen englischen Doppeldeckerbus und davor vier Clowns und einen Zirkusdirektor. Nun und Clowns und Zirkusdirektoren haben noch nie Progressive Rockmusik gemacht. Zumindest nicht, dass ich wüsste. Und somit hat die Musik auf „Down To Earth“ auch nur wenig mit der der Vorgängeralben zu tun.

„Down To Earth“ rockt mehr. Meist sehr geradlinig. Dabei kann es sich wie beim Auftaktstück “Astral Man” um eine Art Rockabilly-Adaption handeln, für die man schon eine ganz gehörige Menge an Toleranz aufbringen muss, um hier nicht die „Ein-Lied-Weiter“-Taste zu drücken. Oder aber es sind Rocker der Marke „Fidgety Queen“, ein wenig härter und mit Massen an Bläsern unterlegt. Allerdings groovt es hier und lässt sich jetzt auch gut anhören.

Sehr gelungen ist auch „Nelly The Elephant“. Man hört Nelly tröten, dann gibt es ein paar Begrüßungsworte unter anderem in Denglisch zu hören, was wiederum dem Umstand geschuldet ist, dass die Musiker zur damaligen Zeit in Hessen lebten. Das Orgelspiel des Stückes ist klasse, die Bläser und das Gitarrensolo sind bestens eingebettet, sodass der Titel während seines langen Instrumentalteils sogar in die Richtung Psychedelic Rock abdriftet.

Mit „Early Morning Clown” bewegen sich Nektar dann auf der Schiene „netter und eingängiger Pop“, wohingegen „That’s Life“, die längste Nummer des Albums, mit uninteressanten Melodien und seltsamen Choreinlagen aufwartet. Zwar kommt dieses Stück dem Genre „Progressive Rock“ immer wieder relativ nah, allerdings aufregend ist das wahrlich nicht.

„Oh Willy“ ist schließlich zunächst ein Rocker im Stile von „Fidgety Queen“, weist im weiteren Verlauf allerdings einen Stilbruch auf und entwickelt sich hin zu einer relaxten, fast schon funkigen Nummer, um dann wieder in den ersten Part zu münden. „Little Boy“ ist erneut eine eingängige Popnummer, wohingegen sich „Show Me The Way“ gefährlich nahe der Überschrift „Hier packen wir mal alles rein“ nähert. Und man hofft inständig bei diesem dauernden weinerlichen „Show Me The Way“-Gesinge, dass sich doch endlich mal jemand erbarmt und Sänger Roye Albrighton den Weg zeigt, damit er nicht weiter danach rufen muss. Das letzte Stück, „Finale“ hat man bereits gehört und ist ein Teil von „Nelly The Elephant“, welches hier einfach noch mal recycelt wurde.

Fazit: Das ist kein Prog mehr, den Nektar hier fabriziert hat. Pop und Rock hört man auf „Down To Earth“. Manchmal ist dieser sogar ganz spannend gemacht, allzu oft allerdings auch einfach nur belanglos. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Nelly The Elephant, Early Morning Clown, Fidgety Queen



Freitag, 27. Juli 2012

Blue October – The Answers





Blue October – The Answers


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, acoustic and electric guitar, drums on track 13, piano after track 13
Jeremy Furstenfeld – drums, percussion
Liz Mullally – bass guitar, piano on “For My Brother” and “Black Orchid”
Ryan Delahoussaye – violin, mandolin


Label: Scoop LLC.


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Pop, Rock, Folk


Trackliste:

1. The Answer (5:57)
2. Two A.M. Lovesick (3:08)
3. The 21st (4:09)
4. Breakfast After Ten (3:01)
5. Italian Radio (3:53)
6. For My Brother (5:28)
7. Sweet And Somber Pigeon Wings (5:14)
8. Weaknesses (4:12)
9. Blue Sunshine (4:39)
10. Mr. Blue's Menu (3:25)
11. Darkest Side Of Houston's Finest Day (4:13)
12. Tomorrow (3:47)
13. Black Orchid (6:10)

Gesamtspieldauer: 57:13



1998 veröffentlichte die amerikanische Band Blue October ihr Debutalbum. Und mit dieser Platte war die Band um den Songschreiber und Texter Justin Furstenfeld zunächst vor allem in ihrer Heimat rund um Houston, Texas erfolgreich.

Die Stücke auf „The Answers“ sind durch die Bank weg alle eingängig und melodiös. Und klar, das ist Pop-Musik, die man hier hört. Natürlich mit Rockanteilen. Allerdings mischen sich auch immer wieder leichte Country-Anleihen unter die einzelnen Stücke, sodass die Musiker ihre geographische Herkunft gar nicht verheimlichen können.

Dieser Umstand an sich wäre sicherlich noch nichts Negatives, denn amerikanische Country-Einflüsse hört man auch bei Bands wie „16 Horsepower“ oder aber der schwedischen Combo „Hyacinth House“. Und hier sind diese Anleihen perfekt und spannend umgesetzt, sodass auch ein Hörer, der sonst nicht viel mit dieser Art von Musik anfangen kann, hier etwas für sich entdeckt. Aber genau das gelingt Blue October auf „The Answers“ leider nicht. Diese Assoziationen zur amerikanischen Volksmusik entstehen immer dann, wenn die Violine Ryan Delahoussayes erklingt. Allerdings hört man dieses Musikinstrument auch, wenn das Lied ein reines Pop-Lied oder aber ein Rock-Lied ist und so gar nichts mit Country Musik zu tun hat.

Diese Violine ist immer dabei. Bei jedem einzelnen Stück. Dass so etwas ein Lied aufpeppen kann und durchaus auch in der Rockmusik seine Daseinsberechtigung hat, weiß man nicht erst seit „Kansas“. Richtig eingesetzt ist das ein tolles Stilmittel. Auf diesem Album hier ist die Violine jedoch allgegenwärtig. Auf „The Answers“ ersetzt diese Geige häufig sogar die Gitarre und man kann es drehen und wenden wie man will, irgendwann nervt das. Irgendwann geht einem dieses Gefiedel fürchterlich auf den Senkel, da es auch immer und immer wieder ähnlich ist. Sehr ähnlich sogar.

Fazit: Die Musik auf „The Answers“ ist eigentlich eine gute, wenn auch diese ganz mitreißenden Titel, wie man sie immer wieder auf den weiteren Veröffentlichungen von Blue October findet, hier fehlen. Allerdings einzeln betrachtet sind die Stücke interessant und meist auch überzeugend. Jedoch in Summe gesehen durch diesen Violineneinsatz zu ähnlich, da sie sich alle auch in einem sehr begrenzten Fenster bezüglich des Tempos bewegen. Dieses ist meistens gemächlich. Nun somit bleiben gerade mal noch sieben Punkte, da diese einheitliche und durchgängig gleiche Instrumentierung mit der Violine den ganz großen Hörspaß nicht nur ein wenig schmälert.

Anspieltipps: The Answer, Italian Radio, For My Brother, Black Orchid und alle anderen Titel auch, es klingt meist so ähnlich.



Donnerstag, 26. Juli 2012

Spock’s Beard – X





Spock’s Beard – X


Besetzung:

Nick D’ Virgilio – drums, vocals, additional guitar, timpani, xylophone
Alan Morse – guitar, vocals
Ryo Okumoto – keyboards
Dave Meros – bass, vocals, additional keyboards


Gastmusiker:

John Boegehold – additional keyboards, guitar, voices
Jimmy Keegan – backing vocals
Danielle Ondarza – french horn
Denis Jiron – trombone, bass trombone
Eric Gorfain – violin
Daphne Chen – violin
Lauren Chipman – viola
Richard Dodd – cello


Label: Music Theories Recordings


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: RetroProg


Trackliste:

1. Edge Of The In-Between (10:32)
2. Kamikaze (4:14)
3. The Emperor's Clothes (6:02)
4. From The Darkness (17:10)
Part 1: The Darkness
Part 2: Chance Meeting
Part 3: On My Own
Part 4: Start Over Again
5. The Quiet House (9:15)
6. The Man Behind The Curtain (7:46)
7. Jaws Of Heaven (16:23)
Part 1: Homesick For The Ashes
Part 2: Words Of War
Part 3: Deep In The Wondering
Part 4. Whole Again

Gesamtspieldauer: 71:20



Spock’s Beard sind mit „X“ aus dem Jahr 2010 ein bisschen einen Schritt zurückgegangen in Richtung ihrer Anfänge in den 90er Jahren. Oder soll man etwa sagen in Richtung der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts? Aber genau in diesem Dunstkreis bewegt sich „X“. Natürlich hätte es dieses Album zur damaligen Zeit nicht so geben können, denn jede Menge neuere Einflüsse lassen sich ebenfalls entdecken. Da wird einmal fast schon gerappt und ganz allgemein ist die Platte auch deutlich härter als vergleichbare Alben der 70er. Trotzdem gibt es auf dieser Platte immer wieder Stellen, die einen unweigerlich an King Crimson, Genesis oder Yes denken lassen, die einen an die Musik in der Hochphase der progressiven Rockmusik erinnern.

Ja, dieses Album rockt! Und in diesem Umstand liegt auch der größte Unterschied zu den oben genannten Bands und ihrer damaligen Musik. Gar nicht selten bekommt man auf „X“ die härteren Gitarrenklänge kredenzt, immer bleibt es dabei allerdings melodisch und eingängig. Gerade Letzteres ist eine Stärke dieser Platte. Spock’s Beard schaffen es auf „X“ wunderschöne Melodien zu kreieren. Melodien, die sich langsam entwickeln und herauskristallisieren und schließlich richtiggehend mitreißend werden. Dazu tragen tolle Gitarrenläufe bei, ein anderes Mal ein kurzes Piano-Solo oder aber die Streicher, die alles so wundervoll episch und voll klingen lassen.

Spock’s Beard ist es hier perfekt gelungen eine Melange aus Härte und Eingängigkeit zu erzeugen, die niemals aufgesetzt, gekünstelt oder aber konstruiert klingt. Vielmehr hört sich dieses Album so an, als müsste es sich genau so und kein bisschen anders anhören. Und wenn man all dies kumuliert genießen möchte, dann sei derjenigen Hörerin oder demjenigen Hörer das letzte Stück „Jaws Of Heaven“ empfohlen. Dieser Titel kann quasi stellvertretend für die Musik auf „X“ stehen, denn alle Zutaten der Platte sind in diesem Lied vereinigt. Treibende Parts, melodiöse und ruhige Abschnitte, härtere Töne, kurze, etwas frickelige Anleihen und ganz viele Ideen. Der Höhepunkt des Albums.

Fazit: „X“ von Spock’s Beard ist ein großes Album geworden, wenn man auf Progressiven Rock oder Retro Prog steht. Alle Ingredienzien dieser Musikrichtung sind auf „X“ enthalten und werden hier in bester Qualität präsentiert. Ein tolles Album - 13 Punkte.

Anspieltipps: The Emperor's Clothes, From The Darkness, The Man Behind The Curtain, Jaws Of Heaven



Mittwoch, 25. Juli 2012

Haindling – Höhlenmalerei





Haindling – Höhlenmalerei


Besetzung:

Hans-Jürgen Buchner – Gesang, Konzertflügel, Synthesizer, Tenor-, Alt- und Sopransaxophon, Tenor-Horn, Tuba, Klarinette, Bass-Klarinette, Kornett, Akkordeon, Xylophon, Schlagzeug, Congas, Perkussion


Gastmusiker:

Ulrike Böglmüller – Stimme
Heinz Josef Braun – Stimme


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Popmusik mit Volksmusikanleihen


Trackliste:

1. Höhlenmalerei (3:43)
2. Es geht wieder auf (3:10)
3. Der rote Fluss (3:51)
4. Du siehst gut aus! (2:11)
5. Germoney (3:07)
6. Irgendwie und sowieso (2:03)
7. Bergnot (3:16)
8. Indien? (3:10)
9. Telefon (3:18)
10. Hallo mein Freund (4:00)
11. Im Zwiebelsud (2:38)
12. Ich habe Sehnsucht (2:48)



1987 veröffentlichte Hans-Jürgen Buchner unter dem Band-Namen „Haindling“ seine vierte Platte mit dem Titel „Höhlenmalerei“. Und dieses neue Album ist wieder ein ganz typisches für Haindling geworden. Hier gibt es sie wieder diese wunderschönen Melodien, die nachdenklichen Texte und auch die etwas skurrilen Stücke, die man sonst wohl so nirgendwo hört. Allerdings etwas Neues gibt es dann doch auf „Höhlenmalerei“. „Neu“ ist vielleicht sogar nicht ganz richtig. Es geht nämlich um die kritischen Texte, die nun sehr viel ausgeprägter sind als noch auf den Veröffentlichungen zuvor. Nicht „neu“ also, sondern vielmehr „deutlicher“.

Und das beginnt sofort mit dem ersten Stück, welches gleichzeitig auch den Titelsong darstellt - „Höhlenmalerei“. Hier ist vom „Ast absägen, auf dem wir sitzen“ die Rede. Genau in dieselbe Richtung entwickelt das Stück „Der rote Fluss“. Von der Umweltzerstörung und dem Profit ist da die Rede. Aber auch „Germoney“ handelt von der Gier des Menschen nach Geld. So kommt es auch zu dem kleinen Wortspiel im Titelnamen „Germoney“. Nun man kann zu diesem leicht erhobenen Zeigefinger stehen wie man will, was man den Titeln „Der rote Fluss“ und „Germoney“ allerdings nicht absprechen kann, das sind ihre packenden Melodien.

Die Skurrilität einiger Lieder wurde bereits angesprochen und kommt in den Stücken „Du siehst gut aus“ und „Im Zwiebelsud“ bestens zu Tage. Gerade ersteres Lied weiß dabei durch die tollen Stimmenarrangements zu überzeugen. Und bei „Hallo mein Freund“ liegt die Pointe im letzten gesprochenen Satz. Eine richtig tolle Instrumentalnummer ist „Irgendwie und sowieso“, die auch die Titelmelodie der gleichnamigen Serie des bayerischen Rundfunks darstellte. Und dann gibt es da auch wieder so ein depressives Lied, welches irgendwie auch zu einem Haindling Album dazugehört. Dieses Mal ist es das letzte Stück mit dem Titel „Ich habe Sehnsucht“. Ich kenne kein anderes Lied, welches noch maroder und depressiver klingt. Diese Nummer kann Hans-Jürgen Buchner nur in einer sehr traurigen Lebensphase geschrieben haben. Packend.

Und auch die Stücke, die ein wenig in die Richtung Schlager tendieren (ohne dieses Genre freilich zu erreichen) gibt es auf „Höhlenmalerei“ in Form der Titel „Es geht wieder auf“ und „Telefon“. Muss man nicht unbedingt haben, aber eingängig sind die beiden Nummern dann doch irgendwie.

Fazit: Es ist alles drin auf „Höhlenmalerei“. Das Nachdenkliche, das ein wenig Abgefahrene, das überaus Eingängige und auch das immer wieder Spannende. Die absoluten Übersongs sind allerdings nicht zu häufig vorhanden, am ehesten noch in dem Instrumentalstück „Irgendwie und sowieso“ und dem traurigen „Ich habe Sehnsucht“. So bleibt ein Album ganz in der Tradition des Vorgängers „Spinn I“ und dafür gibt es neun Punkte.

Anspieltipps: Der Rote Fluss, Du siehst gut aus!, Germoney, Irgendwie und Sowieso, Bergnot, Indien?, Ich habe Sehnsucht



Dienstag, 24. Juli 2012

Blind Passengers – Neosapiens





Blind Passengers – Neosapiens


Besetzung:

Lars Rudell – riffing
Nik Page – the helmsman
Rayner Schirner – vocals, machines
Andy Laaf – drums
Andre Jorgens – bass


Label: BMG


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Industrial Metal, Gothic Metal


Trackliste:

1. Lost Inside A Maze (3:59)
2. Insane (4:14)
3. Grey Sunday (3:29)
4. Troops Of Tomorrow (4:35)
5. Why (3:38)
6. Walk On (3:47)
7. Shake The Lie (3:58)
8. Desertland (3:58)
9. Puppetbirthmachine (2:04)
10. Beast (4:14)
11. One Day (3:46)
12. Permutation (1:56)
13. Hall Of Pain (5:23)



Nachdem die Blind Passengers bereits 1987 in Ost-Berlin gegründet wurden, veröffentlichten sie 2001 ihre fünfte und damit auch schon letzte offizielle Platte. Vom Synthi-Pop der Anfangsjahre ist auf „Neosapiens“ nichts mehr übrig geblieben. Knallharten Industrial Metal bekommt der geneigte Hörer und Rockfreund auf diesem Album der Blind Passengers kredenzt. Schwere Gitarren dominieren die Platte, die mit düsteren Synthesizerklängen unterlegt worden sind. Das Schlagzeug kracht, der Bass treibt an und dieses Gemisch aus düsterer und knallharter Stimmung lässt nicht selten die Assoziation der Fusion von Rammstein und Marilyn Manson aufkommen.

Aber es gibt auch Überraschungen. Denn plötzlich schleicht sich da ganz unvermittelt so ein Pop-Song wie „Shake The Lie“ unter all diese düstere und knallharte Atmosphäre und bricht dieses Gebilde aus schweren Riffs, Industrial-Klängen und mitunter auch Growling-ähnlichen Lauten ein wenig auf. Hier und da schleicht sich zudem auch in die etwas härteren Stücke eine poppige Melodie, die die jeweilige Nummer dann ein wenig eingängiger gestaltet.

Mit „Puppetbirthmachine“ wird es schließlich sogar ein klein wenig experimentell. Die Synthesizer können sich hier ganz frei ausleben, ohne sich an ein Konzept oder Raster halten zu müssen. Und auch bei dem zweiten kurzen Instrumentalstück, „Permutation“, wird viel Wert auf Atmosphäre gelegt - nur, dass diese dieses Mal auch sehr melodisch ist. Schließlich wartet am Ende des Albums nochmals eine Überraschung auf den Hörer. „Hall Of Pain“ beginnt mit Streichern. Es entwickelt sich ein eingängiges Pop-Rock-Lied, ein Song, der durchaus länger hängenbleibt und vom Wechselspiel der sanften mit den härteren Passagen lebt. Schön und spannend gemacht.

Fazit: Wer auf Industrial Metal steht, der wird mit vielen Stücken der Platte seinen Spaß haben, denn die werden oftmals konsequent durchgezogen. Die poppigeren Stücke müssen dann eben auch mal „ertragen“ werden. Wer allerdings auf Pop-Musik steht, der kommt hier auf „Neosapiens“ nur zweimal so richtig zum Zuge und dürfte mit dem Rest so seine Probleme bekommen. Und somit bleibt festzuhalten, dass Fans der bereits erwähnten Bands Marilyn Manson oder aber auch Rammstein mehr für sich entdecken werden. Das Album ist nicht schlecht, die Überfliegersongs fehlen allerdings auch. Somit bleibt eine durchschnittliche Scheibe, für die es sieben Punkte gibt.

Anspieltipps: Lost Inside A Maze, Grey Sunday, Why, One Day, Hall Of Pain




Montag, 23. Juli 2012

Kate Bush – Hounds Of Love





Kate Bush – Hounds Of Love


Besetzung:

Kate Bush – vocals, fairlight, piano


Gastmusiker:

John Williams – guitar, cello
Alan Murphy – guitar
Brian Bath – guitar
Eberhard Weber – bass
Youth – bass
Danny Thompson – double bass
Stuart Elliott – drums
Charlie Morgan – drums
Morris Pert – percussion
Paddy Bush – didgeridoo, violin, fujara, vocals
Del Palmer – fairlight bass, vocals
Kevin McAlea – synthesizer
Donal Lunny – bouzouki
John Sheahan – flute
Liam O’Flynn – flute
The Medicci Sextet – string arrangements
The Richard Hickox Singers – choir
Michael Kamen – orchestral arrangements


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Pop bis Progressive Rock


Trackliste:

1. Running Up That Hill (A Deal With God) (5:04)
2. Hounds Of Love (3:03)
3. The Big Sky (4:41)
4. Near Wild Heaven (3:09)
5. Mother Stands For Comfort (5:10)
6. Cloudbusting (2:46)
7. And Dream Of Sheep (2:22)
8. Under Ice (4:19)
9. Waking The Witch (4:07)
10. Jig Of Life (4:04)
11. Hello Earth (6:13)
12. The Morning Fog (2:35)

Gesamtspieldauer: 47:33




Mit “Hounds Of Love” hat Kate Bush eines ihrer bestes Alben vorgelegt. Dieses ist thematisch in zwei Teile geteilt. Der erste, die ehemalige A-Seite der Platte, ist wie das Ganze Album mit „Hounds Of Love“ betitelt und enthält dabei die vier Singleauskopplungen der Platte. Die ehemalige B-Seite der LP, mit „The Ninth Wave“ überschrieben, geht dagegen eher in Richtung progressiver Rockmusik. Inhaltlich werden dabei die Träume und Visionen einer Frau „aufgearbeitet“, die gerade einem Schiffsunglück entgangen ist und einen Tag im Wasser treibt.

„Running Up That Hill“ ist der erste Titel des Albums und ein richtig guter Popsong. Besonders interessant dabei die Rhythmusfraktion, die man so auch noch nicht allzu oft gehört hat. Ebenfalls toll: Der Hintergrundgesang Kate Bushs, der hier eine unglaublich dichte und fesselnde Atmosphäre erzeugt und dem Lied somit eine ganz spezielle Stimmung verpasst.

Der nächste Track, „Hounds Of Love“, lebt dann von seinen Streicherarrangements und wird durch die Drums schön vorangetrieben. Klasse hier auch wieder Kate Bushs wandlungsfähige Stimme, bei der man sich auch überhaupt keinen anderen Hintergrundsänger als sie selbst, vorstellen kann. „The Big Sky“, der dritte Track auf der Platte und gleichzeitig auch die dritte Singleauskopplung, ist dann allerdings auch das schwächste Stück. Allzu poppig kommt die Nummer aus den Boxen und belegte von den vier Singleauskopplungen auch die schlechtesten Plätze.

Es folgt „Mother Stands For Comfort“, ausnahmsweise mal keine Single. Schön feenhaft klingt hier Kate Bushs Gesang erneut, wohingegen die Instrumentierung reichlich abgefahren ist. Man hört so etwas wie Fensterscheibenbersten, einen Perkussionspart, der fast wie Schüsse klingt und einen sehr sphärischen Synthesizersound. „Cloudbusting heißt schließlich das fünfte Lied auf der „Hounds Of Love“ Seite, gleichzeitig die vierte Singleauskopplung ganz sicher eines der besten Stücke auf der Platte. Wunderschön gelungen hier das Zusammenspiel der Streicher mit der Stimme Kate Bushs. Dazu noch eine Melodie zum Dahinschmelzen. Ein perfektes Pop-Lied.

Auf der „The Ninth Wave“ Seite wird es dann nicht mehr so eingängig. Noch mehr Wert wird jetzt auf den ausdrucksstarken Gesang Kate Bushs gelegt, der nun zudem auch noch ein Stückchen mehr im Mittelpunkt steht. Das zeigt sich gleich bei „And Dream Of Sheep“ und noch deutlicher wird es bei „Under Ice“, eine Nummer, die zusätzlich von ihrem beeindruckenden Cellopart lebt. Ein sehr gutes Stück Musik, welches man so oder so ähnlich, kaum vorher oder aber danach gehört hat.

„Waking The Witch“ klingt dann fast schon verstörend. Zunächst nur aus Klavier und Wortfetzen bestehend, entwickelt es sich schließlich zu einem Song mit Kirchenglocken, einer männlichen “Growling-Stimme“, dem zum Teil stakkatohaften Gesang Kate Bushs und reichlich Samples. „Watching You Without Me“ kommt anschließend erneut sehr schön „schwebend“ daher, ohne groß eine Melodie zu haben. Und bei „Jig Of Life“ wird es ganz Irisch. Ein toller Song, klasse Rhythmus, klasse Instrumentierung und man wird fast dazu verleitet, es dem „Lord of the Dance“ gleichzutun.

„Hello Earth“, im Anschluss daran, ist erneut ein schöner und ruhiger Song, bei dem vor allem wieder Kate Bushs Stimme und ein männlicher Hintergrundchor überzeugen können. Man hört schließlich ein Echolot und dann die Aussage auf Deutsch: „Tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht“ Die Dame scheint nun kurz vor dem Ertrinken zu sein. Warum Kate Bush sich dazu der deutschen Sprache bemächtigte, darüber fehlt mir allerdings die Information. „The morning Fog“ ist dann wieder ein fröhliches Lied, in dem Kate Bush aufzählt, wem sie alles noch sagen will, dass sie ihn liebt.

Fazit: „Hounds Of Love“ ist ein richtig gutes Album geworden, bei dem der Titel „Poplieder“ nur auf die ersten fünf Stücke zutrifft. Ab Lied Nummer 6 wird es schließlich deutlich experimenteller, aber auch interessanter. Dabei steht Kate Bushs Stimme über allem. Und wer mal ein anspruchsvolleres Album aus den 80ern hören möchte, der sollte hier zugreifen. Mir ist das Album zehn Punkte wert.

Anspieltipps: Running Up That Hill, Cloudbusting, Under Ice, Jig Of Life, Hello Earth



Sonntag, 22. Juli 2012

Pete Townshend – White City: A Novel





Pete Townshend – White City: A Novel


Besetzung:

Pete Townshend


Gastmusiker – Steve Barnacle, Mark Brzezicki, John (Rabbit) Bundrick, Tony Butler, Peter Hope-Evans, David Gilmour, Simon Clarke, Roddy Lorimer, Dave Sanders, Tim Sanders, Peter Thoms, Chucho Merchan, Pino Palladino, Simon Phillips, Clem Burke, Phil Chen

Backround Sänger – Jackie Challenor, Mae McKenna, Lorenza Johnson, Emma Townshend


Label: SPV


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Rock


Trackliste:

1. Give Blood (5:47)
2. Brilliant Blues (3:06)
3. Face The Face (5:54)
4. Hiding Out (3:02)
5. Secondhand Love (4:13)
6. Crashing By Design (3:17)
7. I Am Secure (4:00)
8. White City Fighting (4:41)
9. Come To Mama (4:43)


Bonus Tracks:

10. Night School (Bonus) (3:24)
11. Save It For Later (Bonus) (4:59)
12. Hiding Out (12" Mix) (Bonus) (5:51)




Das Album „White City: A Novel“ war bereits das sechste Soloalbum, welches der Gitarrist und hauptsächliche Songschreiber der „The Who“, Pete Townshend, 1986 veröffentlichte. Und dieses Album ist ein großes Album geworden. Perfekte Rock-Musik, die immer wieder mal „angepoppt“ ist, bekommt der Hörer hier zu hören. Perfekt arrangierte Songs, die sofort ins Ohr gehen, die mitreißen können, die sich im Musikzentrum des Gehirns festsetzen und sich von dort einfach nicht mehr verabschieden wollen.

Auf „White City“ gibt es die ruhigeren Stücke (I Am Secure) gleichberechtigt neben den treibenden Nummern (Give Blood, Face The Face). Hier gibt es solch Ohrwürmer wie den Titeltrack „White City“, für den sich David Gilmour von Pink Floyd mitverantwortlich zeigt. Dies ist allerdings die Ausnahme, alle anderen Stücke wurden von Pete Townshend alleine komponiert.

Und auch all die anderen Titel des Albums haben was. Sie klingen nach – und dies ohne Ausnahme. Kein Lied unterschreitet eine gewisse Qualität. Das gilt zumindest für die neun „offiziellen“ Titel, die auch auf der ursprünglichen Plattenversion vorhanden waren. Die erste Zugabe „Come To Mama“ ist da dann schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Das Stück soll wohl funkig klingen, aber das ist einfach nicht das Metier des Pete Townshend. „Save It For Later“ ist da schon wieder sehr viel besser. Eine ruhige Nummer, die auch perfekt zu den ersten neun Titeln des Albums passt. „Hiding Out“ ist schließlich noch eine etwas aufgepeppte Version des vierten Stücks, wobei das Original dann doch noch besser klingt

Fazit: „White City: A Novel“ ist so eine Art „Wohlfühlalbum“. Man kann damit nichts falsch machen, die Lieder sind allesamt klasse und es gibt sogar auch richtige Highlights, die die Zeiten überdauern werden. Ich kenne das Album seit dem Erscheinen und immer wieder landet es bei mir auf dem Plattenteller oder im CD Player. Zeitlos gut gemachte Musik, an der man sich nicht überhören kann. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Give Blood, Face The Face, I Am Secure, White City Fighting




Samstag, 21. Juli 2012

Styx – Styx





Styx – Styx


Besetzung:

James Young – guitars, vocals
Dennis DeYoung – keyboards, synthesizers, vocals
John Curulewski – guitar, synthesizers, vocals
Chuck Panozzo – bass guitar, vocals
John Panozzo – drums, percussion, vocals


Label: Wooden Nickel


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Mainstream, Progressive Rock, Pop, Rock


Trackliste:

1. Movement For The Common Man (13:14)
a. Children Of The Land (5:15)
b. Street Collage (1:56)
c. Fanfare For The Common Man (0:46)
d. Mother Nature's Matinee (5:19)
2. Right Away (3:42)
3. What Has Come Between Us (4:57)
4. Best Thing (3:16)
5. Quick Is The Beat Of My Heart (3:52)
6. After You Leave Me (4:05)

Gesamtspieldauer: 33:05



1972 wurde das erste Album der amerikanischen Band Styx mit dem gleichnamigen Titel veröffentlicht. Und es ist sehr interessant zu sehen beziehungsweise zu hören, wie die Anfänge dieser Band klangen, die später, im weiteren Verlauf ihrer Karriere, eigentlich ein Synonym für das Label „AOR“, also Adult Orientated Rock darstellte.

Auf dem ersten Album der Chicagoer Band klingt es noch nicht so glattgeschliffen, so rund, wie auf vielen der späteren Alben. Hier gibt es noch diese Ecken und Kanten, die ein Lied auch mal ausmachen können. Die Platte beginnt mit dem sehr ambitionierten „Movement For The Common Man“. Über dreizehn Minuten ist dieses Stück lang und besteht aus insgesamt vier Teilen. Diese einzelnen Parts wirken allerdings sehr unabhängig voneinander, sodass das Ganze ein klein bisschen zusammengestückelt wirkt. Gerade so, als wäre der Grund für diesen Song gewesen, dass man eben „mal ein langes Lied machen wollte“, weil Lieder über zehn Minuten Länge Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts gerade en vogue waren.

Der erste Teil des Stücks „Children Of The Land“ klingt zunächst wie ein ganz normales Mainstream Rock-Lied und wird dann richtig gut, wenn der Gesang endlich schweigt und die musikalischen Ideen in den Vordergrund rücken. Hier klingt die Nummer dann sogar richtig progressiv. „Street Collage“ ist eine Soundcollage aus Alltagsgeräuschen. Man hört einer Unterhaltung zu und verschiedenen Verkehrsgeräuschen. Diese Einlage mündet in dem kurzen „Fanfare For The Common Man“, einer Copeland-Adaption, die ein paar Jahre später von Emerson, Lake And Palmer auf „Works“ in einer knapp zehnminütigen Version zu hören sein wird. „Movement For The Common Man“ endet mit dem Part „Mother Nature's Matinee“. Hier bewegen sich Styx dann auf einer Grenzlinie zwischen Mainstream-Rock und wieder progressiveren Abschnitten. Allerdings sehr schön gemacht, denn hier klingen die Amerikaner richtig gut.

„Right Away“ ist eine eingängige Nummer, die schon sehr in die Richtung abzielt, in die man Styx in den späteren 70ern hantieren sehen wird. Melodiös und ziemlich geradlinig. Mit „What Has Come Between Us” wird es aber sogleich wieder deutlich spannender. Zumindest zu Beginn des Stücks. Hier wird “Hektik” am Piano produziert, bis das Lied in eine elegische und überaus melodiöse Ballade mündet, die zum Schluss sogar rockt. Den Text lassen wir mal außen vor. „Best Thing“ war der erste „Hit“ von Styx. Radiotauglich und bereits mit dem für Styx auch später so typischen Chorgesang ausgestattet. In die gleiche Richtung geht „Quick Is The Beat Of My Heart“. Ganz nett ohne großartigen Eindruck zu hinterlassen. Wobei die beiden Soli von Orgel und Gitarre sogar sehr hörenswert sind. Beschlossen wird das Album durch „After You Leave Me“. Textlich erneut unterste Kajüte, rockt der Song aber nicht schlecht.

Fazit: Es ist interessant zu hören, welche Wurzeln späteren Veröffentlichungen der Band Styx zugrunde liegen. Mit Sicherheit ist dies nicht das beste Debutalbum einer Band, aber man hat auch schon deutlich schlechtere Einstiege gehört. Für Styx-Fans natürlich ein „Muss“ und wer auf guten gemachten, nicht immer ganz geradlinigen Rock steht, der kann hier durchaus auch mal ein Ohr riskieren. Die ganz großen Höhepunkte fehlen dem Album allerdings und blitzen nur hier und da in den einzelnen Liedern auf. Daher auch nur acht Punkte.

Anspieltipps: Movement For The Common Man, What Has Come Between Us



Freitag, 20. Juli 2012

Haindling – Spinn I





Haindling
– Stilles Potpourri



Besetzung:

Hans-Jürgen Buchner – Gesang, Piano, Synthesizer, Tenor-Horn, Tuba, Klarinette, Tenor-, Alt- und Sopran-Saxophon, Akkordeon, Xylophon, Perkussion, Vocoder


Gastmusiker:

Ulrike Böglmüller – Gesang
Heinz Josef Braun – Bass
Peter Enderlein – Schlagzeug
Christian & Christian, Gunnar, Markus und Michael aus Tutzing – Kinderstimmen bei „Schwarzer Mann“


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Popmusik mit Volksmusikanleihen


Trackliste:

1. Spinn I (3:27)
2. I hob heid frei (2:42)
3. Schwarzer Mann (3:21)
4. Wos Wuist'n du (2:24)
5. Unicum (2:24)
6. Walzer (3:00)
7. Aber Du (3:13)
8. Ganz alloans (3:58)
9. Gemein (2:31)
10. Bleib (2:31)
11. Sauerstoff (2:59)
12. Ich bin zufrieden (2:03)
13. Buchstabennudelsuppenweisheit (2:40)
14. Hollaro (0:33)



1985 veröffentlichten Haindling, alias Hans-Jürgen Buchner, bereits ihr drittes Album mit dem Titel „Spinn I“. Und auf dieser Platte war nun ganz deutlich eine Entwicklung zu beobachten beziehungsweise zu erhören. Eine Entwicklung in Richtung zum Pop, der zwar immer noch niederbayrisch unterfüttert wurde, allerdings nicht mehr dieses Alleinstellungsmerkmal hat, wie es noch auf den ersten beiden Veröffentlichungen zu hören war.

Ein gutes Beispiel hierfür ist gleich der Opener und das Titellied „Spinn I“. Eine fast schon discopopartige Nummer, die nur noch durch den Gesang an die vorherigen Platten erinnert. Die immer wieder eingesungenen oder eingesprochenen italienischen Sätze runden das Bild noch ein wenig mehr in Richtung: „Leider nicht besonders hörenswert“ ab. Und auch die Stücke „I hob heid frei“ und „Wos Wuist'n du“ sowie „Aber du“ sind allzu eingängig und erinnern schon sehr an Schlagermusik.

Aber es gibt sie auch auf „Spinn I“, diese Höhepunkte, die die Musik des Hans-Jürgen Buchner zu etwas ganz Besonderem werden lassen. Da ist zum Beispiel das, vom Text her wieder etwas skurrile, „Schwarzer Mann“. Dazu gesellt sich eine nette Melodie, die sogar groovt und fertig ist eines der Höhepunkte des Albums. Dies ist auch das Lied „Ganz alloans“. Hier ist sie wieder diese melancholische Traurigkeit, die immer wieder in den Liedern von Haindling auftaucht und diese Musik nun wirklich doch zu etwas ganz Besonderem macht. Bei Depressionen sollte man diese Art von Liedern des Niederbayern allerdings unbedingt meiden.

Absolut witzig und mit einer schönen Melodie ausgestattet ist „Ich bin zufrieden“. Dazu gesellt sich noch ein verfremdeter und wirklich überraschender Gesang. Klasse gemacht. In dieselbe Kategorie „witzig“ passt auch das Lied „Gemein“. Solche Art der Musik, mit diesen Texten, habe ich bisher noch von keiner anderen Band gehört. Das Lied ist jetzt nicht gerade der Höhepunkt der musikalischen Kreativität, ein wenig hektisch sogar, aber überaus beeindruckend. Schön verträumt klingt dagegen die Nummer „Bleib“, wohingegen „Buchstabennudelsuppenweisheit“ wiederum eines dieser schönen Klavierstücke darstellt, die man auch immer wieder von Haindling hört. Und nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle auch das Lied „Unikum“. Mitreißend wie hier Musikstile verschiedener Regionen der Erde miteinander verwoben werden.

Fazit: „Spinn I“ bietet immer wieder ein uneinheitliches Bild. Da gibt es richtig schöne Nummern, die mal sentimental klingen, ein anderes Mal wiederum packend sind. Und dann gibt es da auch ein paar Stücke, die sich allzu sehr anbiedern, zu sehr auf die Hitparaden abzielen. Allerdings überwiegen doch die „besseren“ Stücke auf der Platte, die das Album wirklich lohnenswert machen. Es sind zwar vielleicht nicht mehr ganz so außergewöhnliche Höhepunkte auf der Platte, wie auf den beiden vorherigen Alben, trotzdem ist „Spinn I“ wahrlich kein schlechtes Album und für Fans der „verbayerischten Pop-Musik“ sowieso ein uneingeschränktes Muss. Dafür gibt es neun Punkte.

Anspieltipps: Schwarzer Mann, Unicum, Ganz alloans, Gemein, Bleib, Ich bin zufrieden, Buchstabennudelsuppen-weisheit




Donnerstag, 19. Juli 2012

Elbow – Build A Rocket Boys!





Elbow – Build A Rocket Boys!


Besetzung:

Guy Garvey – vocals
Mark Potter – guitars
Craig Potter – keyboards
Pete Turner – bass
Richard Jupp – drums


Gastmusiker:

Margit Van Der Zwan – cello
Adrianne Wininsky – cello
Hallé Youth Choir – additional vocals
Gregory Batsleer – Your Choir Director
Joe Duddell – Choir Conduction
Stella Page – viola, violin
Bob Marsh – trumpet, flugelhorn
John Mosely – vocals


Label: Fiction Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. The Birds (8:04)
2. Lippy Kids (6:06)
3. With Love (4:12)
4. Neat Little Rows (5:40)
5. Jesus Is A Rochdale Girl (3:18)
6. The Night Will Always Win (4:25)
7. High Ideals (5:39)
8. The River (2:51)
9. Open Arms (4:54)
10. The Birds (Reprise) (1:32)
11. Dear Friends (5:01)




Der Minimalismus steht ein wenig im Vordergrund auf dem fünften Studioalbum von Elbow aus dem Jahr 2011 mit dem Titel „Build A Rocket Boys!“. Minimalismus mit einem Hang zur Monotonie. Monotonie, die fast schon ein wenig hypnotisierend wirkt, wenn ein Ton oder aber ein Lauf immer und immer wiederholt beziehungsweise nur ganz zart variiert wird. Und dieser Minimalismus, diese Monotonie ist wahrlich perfekt gesetzt ohne, dass dies auch nur im Mindesten negativ gemeint wäre. Diese Wiederholungen einzelner Parts sind so perfekt gesetzt, sodass hier nie auch nur der Hauch von Langeweile entstehen kann. Im Gegenteil, es entwickelt sich Spannung. Dazu gesellt sich die Stimme Guy Garveys, die immer im Vordergrund steht und die dieser wieder trefflich verzweifelt und melancholisch einzusetzen weiß.

Sehr schön beginnt das Album mit dem achtminütigen “The Birds“, welches sich langsam, ganz langsam steigert. Ab etwa Minute 3:30 erinnert das Lied dann ein wenig an Kompositionen Peter Gabriels auf dessen dritter und vierter Platte. Hier wird allerdings nichts kopiert, hier werden nur Erinnerungen musikalischer Art erzeugt. Schön und ein wenig elegisch ist anschließend „Lippy Kids“, welches als Textzeile auch den Titel des Albums „Build A Rocket Boys!“ enthält. Dazu gesellt sich ein summender Hintergrundchor und obwohl in diesem Stück ein Piano-Ton immer und immer wiederholt wird, klingt hier alles wunderschön eingängig und melodiös.

Im weiteren Verlauf des Albums gibt es noch jede Menge zu entdecken. Und dabei sind ausdrücklich Texte wie Melodien gemeint. Die Stücke sind meist ruhig gehalten und bestechen immer wieder durch diese wunderbare Klarheit und Einfachheit, durch die Redundanz an Text und Musik, die dann doch mit Monotonie so gar nichts mehr gemeinsam hat. Das, was man zu hören bekommt ist gerade deswegen beeindruckend, weil es auf den ersten Blick (aber nur auf den ersten!) so schlicht wirkt.

„Build A Rocket Boys!“ ist perfekt arrangiert und genauso gut abgemischt. Die Qualität der Lieder kann allerdings gegen Ende des Albums nicht ganz gehalten werden. Hier wird es dann nicht mehr ganz so einprägsam, auch wenn noch die ein oder andere Überraschung auf den Hörer wartet (The Birds (Reprise), Open Arms).

Fazit: Ein schönes und eindrucksvolles Album ist Elbow da gelungen. Ein Album der leisen Töne, welches immer wieder durch seine Schlichtheit besticht. Alles passt wunderbar zusammen, ist perfekt aufeinander abgestimmt. „Build A Rocket Boys!“ ist eines der Höhepunkte im Schaffen von Elbow geworden. Sehr empfehlenswert und dafür gibt es elf Punkte.

Anspieltipps: The Birds, Lippy Kids, With Love, Open Arms, The Birds (Reprise)



Mittwoch, 18. Juli 2012

Foo Fighters – The Colour And The Shape





Foo Fighters – The Colour And The Shape


Besetzung:

Dave Grohl – vocals, guitar, drums
Pat Smear – guitar
Nate Mendel – bass
William Goldsmith – drums


Gastmusiker:

Lance Banks, Chris Bilheimer, Ryan Boesch – handclaps


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Rock, Alternative


Trackliste:

1. Doll (1:23)
2. Monkey Wrench (3:51)
3. Hey, Johnny Park! (4:08)
4. My Poor Brain (3:33)
5. Wind Up (2:30)
6. Up In Arms (2:16)
7. My Hero (4:20)
8. See You (2:26)
9. Enough Space (2:36)
10. February Stars (4:50)
11. Everlong (4:09)
12. Walking After You (5:04)
13. New Way Home (5:40)



Bis 1994 war Dave Grohl noch Schlagzeuger bei Nirvana. Nach dem tragischen Tod von Kurt Cobain und der Auflösung der Band, gründete Grohl die Foo Fighters, bei denen er sich nun für den Gesang und die Gitarren zuständig sah. „The Colour And The Shape“ ist das zweite Album der Foo Fighters, welches 1997 veröffentlicht wurde und die Band noch in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung zeigt, auch wenn Schlagzeuger William Goldsmith die Foo Fighters noch während den Aufnahmen verließ.

„Grunge“ ist das nicht mehr, was man auf „The Colour And The Shape“ hört. Somit unterscheidet sich die Musik der Foo Fighters schon deutlich von der aus Nirvana Zeiten. Das Ganze geht mehr in die Richtung geradliniger Rock, der mitunter etwas punkig angehaucht ist. Und dabei handelt es sich um gut gemachten Rock. Auf dem zweiten Album der Foo Fighters gibt es kein Stück, welches von der Qualität her nach unten ausreißt. Alles passt zusammen und man kann die Dauer der Laufzeit durchgängig genießen.

Ruhigere Stücke wie „February Stars“ (welches gegen Ende allerdings deutlich an Fahrt aufnimmt) oder „Walking After You“ werden genauso klasse umgesetzt, wie zum Beispiel einer der „Hits“ der Band „Everlong“. Ebenso mitreißend klingt „Hey, Johnny Park!“, ein Lied, welches von seinem Wechselspiel zwischen lauteren und leiseren Abschnitten lebt. Und wer es lieber gerade durchgerockt mag, der kommt zum Beispiel bei den Titeln „Monkey Wrench“ und „Wind Up“ auf seine Kosten.

Eine schöne Abwechslung stellt die Nummer „See You“ dar, die irgendwie sogar ein wenig schräg klingt und das ganze Album ein bisschen auflockert. Und nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle auch der letzte Track „New Way Home“. Überaus eingängig weist dieses Stück im Mittelteil eine wirklich klasse arrangierte Steigerung auf. Da wippt der Fuß automatisch mit, ob man will oder nicht.

Fazit: Das erste Album, welches Dave Grohl zusammen mit einer Band und nicht in Eigenregie eingespielt hat, ist wahrlich gut geworden. Geradlinigerer Rock wird hier geboten, verpackt in immer wieder hörenswerten Melodieläufen. Und sogar für die Headbanging-Fraktion wird hier einiges geboten, genau wie für die Freunde des eingängigen Rocks. Dave Grohl hat mit seinen Foo Fighters auf „The Colour And The Shape” die Musik nicht neu erfunden, aber eine Platte vorgelegt, die man immer wieder gerne anhört, wenn man auch mit etwas härterem Rock etwas anfangen kann. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Monkey Wrench, Hey, Johnny Park!, Everlong, Walking After You, New Way Home