Montag, 30. April 2012

The Alan Parsons Project – Tales Of Mystery And Imagination





The Alan Parsons Project – Tales Of Mystery And Imagination


Besetzung:

Alan Parsons – vocals, projectron, new synths, new “cathedral” organ
Eric Woolfson – keyboards, backing vocals, harpsichord, keyboard loop, organ, new synth
Orson Welles – narration
Joe Puerta – bass
Stuart Tosh – drums, timps, backward cymbals
Billy Lyall – keyboards, recorders, piano, fender Rhodes, glockenspiel
Ian Bairnson – electric guitars, acoustic guitars
David Paton – acoustic guitars, bass, backing vocals
Leonard Whiting – vocoder, narration
Burleigh Drummond – drums
David Pack – guitars
Christopher North – keyboards
Bob Howes and The English Chorale – choir
Andy Powell – orchestra arrangement, keyboard loop, organ
Arthur Brown – vocals
Jack Harris – additional vocals
John Miles – vocals, guitars
Terry Sylvester – vocals, additional vocals
Francis Monkman – organ, harpsichord
Darryl Runswick – string bass
Laurence Juber – acoustic guitar
Kevin Peek – acoustic guitar
David Snell – harp
John Leach – cimbalom, kantele
Hugo D’Alton – mandolin
Westminster City School Boys Choir – choir


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: ArtPop, ArtRock


Trackliste:

1. A Dream Within A Dream (4:14)
2. The Raven (3:58)
3. The Tell-Tale Heart (4:39)
4. The Cask Of Amontillado (4:34)
5. (The System Of) Dr. Tarr And Professor Fether (4:21)
6. The Fall Of The House Of Usher
I. Prelude (7:03)
II. Arrival (2:40)
III. Intermezzo (1:00)
IV. Pavane (4:36)
V. Fall (0:51)
7. To One In Paradise (4:47)




Alan Parsons war Tontechniker in den Abby Road Studios und arbeitete dort mit den Beatles zusammen. Ein paar Jahre später produzierte er schließlich sogar „The Dark Side Of The Moon“ von Pink Floyd. Und in dieser Zeit muss wohl sein Wunsch entstanden sein, einmal selbst Musik zu komponieren und zu verfassen. Dies konnte er verwirklichen, als er seinen kongenialen Partner und Ideengeber Eric Woolfson kennengelernt hatte und mit ihm das Alan Parsons Project gründete.

Die Band gab es eigentlich gar nicht und war auch nicht darauf ausgelegt, Konzerte zu spielen. Mit jeder Menge Musiker sollten die Einfälle von Woolfson und Parsons im Studio umgesetzt und auf Platte gepresst werden. Und die erste Idee Woolfsons war jene, die Geschichten oder Gedichte von Edgar Allan Poe musikalisch umzusetzen. Und das Ergebnis lag schließlich 1976 vor, das erste Album des Alan Parsons Project mit dem Titel: „Tales Of Mystery And Imagination“.

Gleich eine Anmerkung zur remasterten CD-Version. Diese unterscheidet sich von der Platten-Ausgabe des Albums dadurch, dass hier bei den Stücken „A Dream Within A Dream“ und „The Fall Of The House Of Usher“ Orson Welles entsprechende Stellen aus den Werken Poes rezitiert. Die Angabe auf der CD, „Instrumental“, bei beiden Liedern, stimmt so also nicht mehr ganz.


Nun, die Umsetzung, also das Vertonen der Gedichte und Geschichten Edgar Allen Poes, kann als durchaus gelungen betrachtet werden. Immer wieder schaffen es die Musiker, diese düstere, mystische Stimmung zu transportieren, die vielen der Werke Poes anhängt. Als Beispiel sei hier die Nummer „The Raven“, welche sich auf das gleichnamige Gedicht Poes bezieht, genannt. Packend und rockig wird das Stück hier umgesetzt und wenn dann das berühmte „Nevermore“ des Raben immer wieder wiederholt wird und das Lied schließlich in getragenen Hintergrundgesang übergeht, kann man nur feststellen: Richtig gut gelungen.

Und auch bei „The Tell-Tale Heart“ hört man etwas heraus. Nämlich den Wahnsinn, dem der Protagonist der Geschichte anheimgefallen ist. Diese menschliche Verhaltensweise wird perfekt durch seinen Gesang Arthur Browns transportiert. Auch dieses Lied ist eine treibende Rocknummer und keineswegs synthesizerlastig, wie viele der späteren Veröffentlichungen des Alan Parsons Projects. Und der Gesang bedarf auch einer besonderen Erwähnung beim nächsten Stück: „The Cask Of Amontillado“. Dieses Stück wird zunächst orchestral instrumentiert und John Miles, der im selben Jahr auch noch mit „Music“ einen Welthit hatte, singt hier so wunderschön verzweifelt. Dabei versucht er sein Vorgehen in dieser Geschichte, in der er einen Widersacher lebendig einmauert, dem Zuhörer zu erklären und fassbar zu machen. Auch hier ist die Umsetzung bestens gelungen. Das Lied ist jetzt allerdings kein Rock-Stück mehr, sondern eher ein Lied für Orchester und Gesang. Ebenfalls durchaus eindrucksvoll.

Gerockt wird dann wieder, wenn es ums „Teeren und Federn“ in „The System Of Doctor Tarr And Professor Fether“ geht. Wieder eine groovende und treibende Rocknummer, die allerdings nicht ganz an die Klasse der vorherigen Stücke heranreicht.

Es folgt, mit über sechszehn Minuten Länge, das Hauptstück des Albums: „The Fall Of The House Of Usher“. Wohl auch mit das bekannteste Stück aus der Feder Edgar Allen Poes. In fünf Abschnitte unterteilt, beginnt das Lied orchestral. Ob dies gelungen ist sei mal so dahingestellt. Dieses Stück klassischer Instrumentalmusik wirkt zunächst irgendwie zäh und gewinnt erst dann an Klasse, wenn das Ende dieses ersten Teils naht und es von der Stimmung her spektakulärer und aufgeregter wird. Bei Teil 2, „Arrival“, handelt es sich dann allerdings wieder um Rockmusik, die jetzt ein wenig sphärisch und entspannt wirkt. Gut gelungen. Das kurze „Intermezzo“ ist erneut orchestral instrumentiert und dient zur Spannungssteigerung. Mit „Pavane“ geht es anschließend richtig gut weiter. Wunderschön melodiös und eingängig werden hier Mandoline, Cembalo, Kantele und Zymbal intoniert. Eine sehr packende und interessante Stimmung wird dadurch kreiert. Und schließlich endet das Lied im fünften und letzten Teil, „Fall“, bei dem, wie der Titel schon sagt, das Haus derer von Usher untergeht. Das dauert dann mit 51 Sekunden auch gar nicht mal so lange und wird über einige, mitunter atonale Synthesizer-Passagen, in die dann das gesamte Orchester einsteigt, umgesetzt. In einem lauten Grollen, Donnern, Knallen und Erbeben findet das Stück letztendlich sein Ende.

Es folgt mit „To One In Paradise“ das genaue Gegenstück. Zuckersüß fließt hier jetzt die Musik, ein eingängiger Pop-Titel, der leider auch überaus oberflächlich ist und keiner großartigen, weiteren Erwähnung bedarf.

Fazit: Etwas Spannendes ist den beiden hauptsächlichen Protagonisten dieses Projekts, Parsons und Woolfson, mit „Tales Of Mystery And Imagination“ gelungen. Einige Titel sind wirklich gut umgesetzt und die Musik schafft es, die Atmosphäre, die auch Edgar Allen Poe mit seinen Werken erzeugt, zu transportieren. Wer gerne mal etwas hören möchte, was nicht so ganz alltäglich ist, trotzdem aber noch schöne Melodien und treibende Rhythmen aufweist, der sollte sich dieses Erstlingswerk des Alan Parsons Projects mal zu Gemüte führen. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Raven, The Cask Of Amontillado, The Fall Of The House Of Usher



Sonntag, 29. April 2012

Electric Light Orchestra – Secret Messages





Electric Light Orchestra – Secret Messages


Besetzung:

Jeff Lynne – vocals, guitars, synthesizer, bass, piano, percussion
Kelly Groucutt – bass, background vocals
Richard Tandy – synthesizer, piano, harmonica
Bev Bevan – drums


Gastmusiker:

Dave Morgan – background vocals
Mik Kaminski – violin


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop


Trackliste:

1. Secret Messages (4:44)
2. Loser Gone Wild (5:27)
3. Bluebird (4:13)
4. Take Me On And On (4:58)
5. Time After Time (4:01)
6. Four Little Diamonds (4:05)
7. Stranger (4:27)
8. Danger Ahead (3:52)
9. Letter From Spain (2:51)
10. Train Of Gold (4:21)
11. Rock And Roll Is King (3:49)


Bonus Tracks:

12. No Way Out (3:28)
13. Endless Lies (3:27)
14. After All (2:24)

Gesamtspieldauer: 56:08




1983 brachte das Electric Light Orchestra sein elftes Studioalbum auf den Markt. Secret Messages“ heißt es und hier ist der Name auch Programm. Beim genauen Hinhören gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Rückwärts gesprochene Texte, Morsecodes, Verweise auf ältere Platten von ELO selbst oder zu anderen Bands. Nun und die Musik siedelt sich stilistisch passender Weise zwischen den beiden Alben an, zwischen denen sie auch entstanden ist, also zwischen „Time“ und „Balance Of Power“.

Das Album wird eröffnet durch den Titelsong „Secret Messages“. Ein eingängige Popnummer, bei der auch den Gitarren eine tragende Rolle zugedacht wurde. Wenn man das Stück drei bis viermal gehört hat, ist es zum Ohrwurm mutiert und verlässt einen so schnell nicht mehr. Gut gemachte Pop-Musik eben. Und noch ein Stückchen besser geht es dann mit „Loser Gone Wild“ weiter. Ist das Lied zunächst sehr relaxt, irgendwie schwebend und wird sogar ein wenig soulig gesungen, so wird es mit dem Refrain zum überaus eingängigen Stück, welches mitreißen kann. Und hier braucht man dieses Mal nicht mehrere Durchgänge, die Nummer ist sofort da und verankert sich zügig im Musikzentrum des Gehirns. Das Schreiben eingängiger Stücke hatte Jeff Lynne hier also noch nicht verlernt.

Es folgt mit „Bluebird“ wieder ein Pop-Song in bester ELO-Manier. Das ist einer der Songs, für die man keine Erklärung braucht, den schreibt man automatisch dem Electric Light Orchestra zu, auch wenn man die Nummer gerade zum ersten Mal hört. Das Stück selbst haut einen allerdings nicht weg, aber man hat schon deutlich schlechtere und flachere Stücke von ELO gehört. Mit „Take Me On And On“ wird es dann wieder deutlich ruhiger und bluesiger. Die Gitarre dominiert diesen Song erneut, der allerdings ein bisschen träge und langweilig wirkt.

„Time After Time“ ist dann eine völlig andere Kategorie. Pop-Musik, die wieder mit viel Liebe zum Detail arrangiert ist, wie man es von ELO schon von jeher kennt. Und das Stück klingt sehr viel experimenteller als fast alles zusammen, was man in den letzten Jahren von der Band gehört hatte. Von daher eine schöne Abwechslung. Diese geht mit dem nächsten Titel, „Four Little Diamonds” allerdings sofort wieder verloren. Einen Rock’n’Roll hört man da, der fatal an „Don’t Bring Me Down“ erinnert. Nichts Neues also und leider auch nichts besonders Gutes.

Und langweilig geht es jetzt auch irgendwie weiter. „Stranger“ ist ein langsamer Song, der so gar nicht nach ELO klingt und erneut nichts Besonderes darstellt. Mit „Danger Ahead“ folgt dann im Anschluss daran eine Rock-Pop-Nummer. Das Stück ist eingängig, allerdings belanglos. Auch nicht überzeugen kann „Letter From Spain“. Dieses dauernde „Letter-Gequatsche“ aus dem Hintergrund nervt schon nach kurzer Zeit. Zugute halten muss man der Nummer, dass sie völlig anders als der Rest der Platte ist. Sehr, sehr ruhig und schwebend. Das war es allerdings auch schon, überzeugend ist etwas anderes.

Mit „Train Of Gold“ wird es dann wieder deutlich poppiger. Was zunächst fast funkig beginnt, wird dann ein netter Pop-Song, mit allen Ingredienzien, die das Electric Light Orchestra immer wieder zur Verfügung stellt, wie mehrstimmigen Gesang, Tempo- und Rhythmuswechsel. Dann wird es noch mal schlimm. „Rock And Roll Is King“ heißt die ursprünglich letzte Nummer des Albums. Dieses Stück wurde auch als Single ausgekoppelt. Allerdings war Mitte der 80er Jahre der Rock’n’Roll out. Und wenn man dieses Lied hört, versteht man das auch sehr gut.

Auch dieses Mal gibt es wieder eine nette Zugabe auf der remasterten CD in Form von drei, bisher auf Alben unveröffentlichten Songs. Dies zu Tun gestaltete sich für Jeff Lynne auch nicht besonders schwierig, denn „Secret Messages“ war ursprünglich als Doppelalbum vorgesehen und wurde nur wegen des Vetos der Plattenfirma eine ganz normale Scheibe. Bonusmaterial war also vorhanden und drei dieser Stücke bekommt man hier nun zu hören. „No Way Out“ ist wieder ein wenig bluesig, nervt aber ungemein mit einem Fingergeschnippe, welches konsequent das ganze Lied über durchgezogen wird. „Endless Lies“, im Anschluss daran, ist dann wieder ein Popsong, der wächst. Während der Refrain mit dem pathetischen, fast schon opernhaften Gesang nervt, finden sich in dem Stück jede Menge Abschnitte, die wirklich gefallen können. Eine gute Pop-Nummer. Der Titel sollte dann eine CD später allerdings nochmals, dieses Mal als regulärer Track, auf „Balance Of Power“ erscheinen. Seltsam. Beschlossen wird das Album schließlich durch den Titel „After All“. Ein kurzes Instrumentalstück, sehnsüchtig, melancholisch und sphärisch sind diejenigen Adjektive, die die Nummer wohl am besten umschreiben. Nicht essentiell, aber ganz nett.

Fazit: Auch auf „Secret Messages“ gibt es noch gute Lieder zu entdecken. Diese sind zwar keine „Übersongs“ mehr und deutlich in der Unterzahl, aber es gibt sie eben noch. Für ELO-Fans ist dieses Album wahrscheinlich ein Muss, für diejenigen, die die ersten Veröffentlichungen der Band liebten, ist es entbehrlich. Genauso wie für jene, die den Höhepunkt des Schaffens der Band in den „Out Of The Blue“-, „Discovey“- und „Xanadu“-Platten sahen. Sieben Punkte, wegen der paar Highlights, die wirklich gelungen sind.

Anspieltipps: Secret Messages, Loser Gone Wild, Time After Time, Endless Lies, After All





 

Samstag, 28. April 2012

Hawkwind – Hall Of The Mountain Grill





Hawkwind – Hall Of The Mountain Grill


Besetzung:

Dave Brock – lead guitar, 12 string guitar, synthesizer, organ and vocals
Lemmy Kilmister – bass, vocals, rhythm and lead guitar on “Lost Johnny”
Simon House – keyboards, synthesizer and violin
Nik Turner – sax, oboe, flute and vocals
Del Dettmar – keyboards, synthesizer and kalimba
Simon King – drums and percussion


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock, Space Rock


Trackliste:

1. The Psychedelic Warlords (Disappear In Smoke) (6:50)
2. Wind Of Change (5:08)
3. D-Rider (6:15)
4. Web Weaver (3:15)
5. You'd Better Believe It (7:14)
6. Hall Of The Mountain Grill (2:25)
7. Lost Johnny (3:30)
8. Goat Willow (1:38)
9. Paradox (5:36)


Bonus Tracks:

10. You'd Better Believe It (Single Version Edit) (3:22)
11. The Psychedelic Warlords (Disappear in Smoke) (Single Version) (3:58)
12. Paradox (Remix Single Edit) (4:04)
13. It's So Easy (5:21)




Ganz so spacig klingen Hawkwind auf ihrem vierten Album “Hall Of The Mountain Grill” irgendwie nicht mehr. Alles ist einen Tick melodiöser geworden, was der Klasse der Musik allerdings keinen Abbruch tut. Ganz im Gegenteil sogar. Die Musik wirkt nun durchdachter und packt einen vom ersten Lied weg. Wenn, ja wenn man zumindest auch ein wenig auf Space Rock steht. Denn diese spacigen Gimmicks aus dem Weltraum, erzeugt auf dem Synthesizer und auf den letzten beiden Alben immer wieder mit Begeisterung in die Musik integriert, sind zwar weniger geworden, allerdings immer noch präsent.

Eröffnet wird das Album durch „The Psychedelic Warlords (Disappear In Smoke)”. Eine klasse treibende Nummer, die noch am ehesten auf eines der zwei Vorgängeralben passen würde. Der Track ist treibend, sphärisch und hat einen wahnsinnigen Groove. Und dann geht das Stück auch noch unglaublich schnell ins Ohr. Das passiert vielleicht nicht gleich beim ersten, jedoch wohl schon mit dem zweiten Hören. Richtig gut ist dieser Song, denn zu all diesem „Klang“ gesellt sich schließlich noch ein wahrlich „arbeitendes“ Saxophon. Und fertig ist es, dieses Lied, welches gar nicht mal so richtig psychedelisch, dafür aber umso mehr hypnotisierend wirkt.

Mit dem nächsten Track wird es nun ein wenig abgefahren, was allerdings nicht unbedingt an der Musik dieses Stückes liegt, sondern an seiner Art der Musik. „Wind Of Change“ ist eine Kopie von Pink Floyds „A Saucerful Of Secrets“. „A Saucerful Of Secrets“ besteht aus drei Teilen und kopiert wurde hier der letzte Teil, der mit einer Art Donnergrollen eingeleitet wird und sich dann zu einem der „schwebensten“ Lieder von Pink Floyd entwickelt. Und bei „Wind Of Change“ beginnt es auch mit Donnergrollen und einem fetten Keyboardteppich, genau wie beim Original. Darauf entwickelt sich dann ein aus „Aaaahs“ bestehender Gesang. Auch hier stimmen beide Songs noch überein. Und jetzt kommt die Variation. Bei Hawkwind setzt nun eine Violine ein und gibt dem Stück einen zusätzlichen Touch. Ich habe noch nie was dagegen gehabt, wenn tolle Musik imitiert wird. Und hier wird sie es auch – aber glücklicherweise auch ein wenig variiert. Das Ganze hört sich bei Hawkwind nun wunderschön psychedelisch und melodisch an. Und da hätten wir sie also, die nächste Gemeinsamkeit. Dass Hawkwind Pink Floyd mochten, das können sie hier nicht mehr verbergen. Allerdings ist dies hier auf „Hall Of The Mountain Grill“ die einzige offensichtliche Annäherung an die Kollegen.

Bei „D-Rider“ gibt es sie dann wieder, die für Hawkwind typischen, spacigen Töne. Aber auch dieses Mal ist das Lied melodiöser, als zum Beispiel die Titel auf dem Vorgängeralbum. Die Melodie wird noch untermalt mit einem Chorsound und so findet auch dieses Lied sehr schnell den Eingang in die musikalischen Gehirnwindungen und verfestigt sich dort. „Web Weaver“, im Anschluss daran, präsentiert sich als akustische Nummer, hauptsächlich instrumentiert mittels Gitarre und Piano. Die Synthesizer-Töne spielen hier nicht die Hauptrolle, untermalen die Stimmung allerdings schön. Erst gegen Ende des Stücks wird es dann wieder ein wenig experimenteller und auch „abgefahrener“.

“You'd Better Believe It” heißt Titel Nummer 6 auf „Hall Of The Mountain Grill”. Der Song beginnt zunächst reichlich seltsam, mit einem am Synthesizer erzeugten Ton, der in seiner Höhe variiert wird. Dann setzen schließlich Bass, E-Gitarre, Schlagzeug und letztendlich auch der Gesang ein. Es entwickelt sich wieder eine treibende Nummer, in die sich Simon House immer wieder mit seiner Violine einbringen kann. Das Stück wirkt im weiteren Verlauf wieder sehr sphärisch und spacig, sodass das Genre nicht anders als mit Space Rock umschrieben werden kann. Es folgt der Titeltrack „Hall Of The Mountain Grill”. Das Lied ist eine wunderschöne Pianonummer, so wie man sie bisher von Hawkwind nicht kannte. Diese Nummer erzeugt eine ganz eigene Atmosphäre, die von düster bis sehnsüchtig reicht. Wahrlich eine Bereicherung der Platte.

Mit „Lost Johnny“ folgt eine Rock-Nummer, die ein klein wenig langweilig wirkt. „Goat Willow“ ist dagegen ein kurzer, zunächst reiner Synthesizer-Titel, bei dem dann noch Nik Turners Flöte, sowie ein spinettartiger Keyboardsound ihren Auftritt haben. Beendet wurde das ursprüngliche Album schließlich mit dem Song „Paradox“. Die Nummer ist zunächst ein Rock Song mit eingängigem Gesang, bis es dann deutlich härter wird. Und so rockt das Stück dem ursprünglichen Ende der Platte entgegen. Mit Einsetzen des mehrstimmigen Gesangs wird auch dieses Stück wieder sehr melodisch und gegen Ende fast schon bombastisch und symphonisch. Ein wahrlich würdiger Abschluss für dieses Album.

Mit vier Bonus Titeln wurde die remasterte Version von 1996 versehen. Dabei handelt es sich bei „You'd Better Believe It”, “The Psychedelic Warlords” und „Paradox” um stark gekürzte Single-Versionen der jeweiligen Album-Tracks. „It's So Easy”, die letzte Nummer auf der CD, ist dann ein Rock-Titel, der zwar nicht nervt, an die Qualität, der ursprünglich auf dem Album befindlichen Titel, jedoch nicht heranreicht. Einfach eine nette Zugabe für Hawkwind Fans.

Fazit: „Hall Of The Mountain Grill“ ist ein richtig gutes Album geworden, welches sowohl Space Rock Anhänger wie Freunde progressiver Rockmusik begeistern kann. Hier ist vieles melodischer als auf den ersten Veröffentlichungen der Band – ohne dabei jedoch langweilig zu wirken. Für mich ist „Hall Of The Mountain Grill“ eine Steigerung in der bisherigen Discographie von Hawkwind. Die Platte legt, obwohl die Vorgängeralben auch schon nicht schlecht waren, noch mal eine Schippe drauf und macht richtig Spaß. Hoch verdiente zwölf Punkte gibt es dafür.

Anspieltipps: The Psychedelic Warlords, Wind Of Change, Web Weaver, Hall Of The Mountain Grill



Freitag, 27. April 2012

Pink Floyd – A Momentary Lapse Of Reason





Pink Floyd – A Momentary Lapse Of Reason


Besetzung:

David Gilmour – guitars, vocals, keyboards & sequencers
Nick Mason – electric & acoustic drums, sound effects
Richard Wright – piano, vocals, kurzweil & hammond organ


Gastmusiker:

Bob Ezrin – keyboards, percussion & sequencers
Tony Levin – bass guitar & stick
Jim Keltner – drums
Steve Forman – percussion
Jon Carin – keyboards
Tom Scott – alto & soprano saxophone
Scott Page – tenor saxophone
Carmine Appice – drums
Pat Leonard – synthesizers
Bill Payne – hammond organ
Michael Landau – guitar
John Halliwell – saxophone
Darlene Koldenhaven – backing vocals
Carmen Twillie – backing vocals
Phyllis St. James – backing vocals
Donnie Gerrard – backing vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. Signs Of Life (4:24)
2. Learning To Fly (4:52)
3. The Dogs Of War (6:04)
4. One Ship (5:09)
5. On The Turning Away (5:42)
6. Yet Another Movie (6:13)
7. Round And Around (1:13)
8. A New Machine Part 1 (1:46)
9. Terminal Frost (6:15)
10. A New Machine Part 2 (0:39)
11. Sorrow (8:47)




War das drei Jahre zuvor erschienene Album, “The Final Cut”, fast schon ein Roger Waters Solo Album, so kann man “A Momentary Lapse Of Reason”, nach der Demission des Pink Floyd Bassisten, auch irgendwie als David Gilmour Solo Album auffassen. 1985 hatte Roger Waters Pink Floyd offiziell für aufgelöst und damit zur Geschichte erklärt, doch die beiden verbleibenden Musiker, David Gilmour und Nick Mason, dachten gar nicht daran, dies zu akzeptieren und ließen die Band mit „A Momentary Lapse Of Reason“ neu aufleben. Und auch Richard Wright, der nach den Aufnahmen zu „The Wall“ die Band verlassen hatte, stieß wieder zur Formation hinzu. Er wurde allerdings in den Credits der ursprünglichen LP-Veröffentlichung nur als Gastmusiker aufgeführt, da Gilmour und Mason weitere rechtliche Schwierigkeiten mit Roger Waters befürchteten. Auf den späteren Ausgaben des Albums wird Richard Wright dann allerdings in den Credits doch wieder als vollwertiges Mitglied der Band Pink Floyd genannt.

Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass auf diesem Album Nick Mason und Richard Wright irgendwie doch auch nur Gastmusiker waren. Denn am Prozess des Komponierens waren beide nicht beteiligt. Alle Titel stammen aus der Feder David Gilmours, der sich lediglich auf den ersten sechs Stücken Unterstützung von Co-Autoren holte, während die letzten fünf Stücke komplett von ihm geschrieben wurden.

Bezüglich der Musik kann festgestellt werden, dass „A Momentary Lapse Of Reason“ kaum mehr etwas mit den beiden letzten („The Wall“ und „The Final Cut“), absolut von Roger Waters dominierten, Platten zu tun hat. Vielmehr erinnern die Stücke eher an die, Mitte der 70er Jahre entstandenen Werke der Band. Da gibt es diese Hintergrundchöre, zum Beispiel bei „Dogs Of War“, die Erinnerungen an „The Dark Side Of The Moon“ aufkommen lassen. Und da ist dieser „sphärische Sound“ beim Opener „Signs Of Life“, der stark an die Atmosphäre von „Shine On You Crazy Diamond“ auf „Wish You Were Here“ angelehnt ist.

Allerdings gibt es auf „A Momentary Lapse Of Reason“ auch so Pop-Songs wie „Learning To Fly“, die nur noch in Ansätzen, vielleicht noch durch die Stimme Gilmours und den Chor, an Pink Floyd erinnern. Auch in diese Pop-Rock-Schiene passt „One Slip“, dessen Zeile, „A Momentary Lapse Of Reason“, es sogar zum Album-Titel geschafft hat. Noch am nähesten der End-Waters-Ära kommt dann „On The Turning Away“, was nicht zuletzt an der Gitarre liegt. Und genau dieses Gitarrenspiel lässt bei „Yet Another Movie“ oder „Sorrow“ wiederum Erinnerungen an „Animals“ aufkommen.

Fazit: Es bleibt festzuhalten, dass „A Momentary Lapse Of Reason“ sich ganz stark und eindeutig nach Pink Floyd Musik anhört. Dies ist David Gilmour bestens gelungen. Und diese Musik ist auch nicht schlecht, allerdings ist es überhaupt kein Vergleich mehr zu den „Originalen“. Und damit wird sich wohl kaum ein Pink Floyd Fan finden, der dieses Album als das Beste im Schaffen der Band ansieht. Alles war schon mal besser da und dazu gibt es noch ein paar Pop-Anleihen, die dann zwar erneut irgendwie nach Pink Floyd klingen, allerdings deutlich weniger zu Pink Floyd passen. Aber, auf „A Momentary Lapse Of Reason“ befindet sich keine schlechte Musik, eben nur „gebrauchte“. Das wiederum macht das Album trotzdem nicht zu einem schlechten Album, allerdings auch zu keinem guten, dafür aber zu einem durchschnittlichen Pop-Rock-Album. Acht Punkte.

Anspieltipps: Signs Of Life, The Dogs Of War, On The Turning Away, Terminal Frost, Sorrow



Donnerstag, 26. April 2012

Heidi Happy - Hiding With The Wolves





Heidi Happy - Hiding With The Wolves




Da watet eine junge Frau im weißen Kleid durch den Matsch eines Flußufers. Sie zieht an einem Ruderboot, in dem ein heulender Wolf die Sonne anstarrt. “Hiding With The Wolves” ist der Titel des jüngsten Heidi Happy Albums. Wer beim Namen der Sängerin an lockere Hausmannskost und Spaßdudelei denkt, der sollte sich lieber wieder vor die DSDS Flimmerkiste setzen, das ist dann passender.

Heidi Happy ist eine junge Schweizerin, die auf ihren Vorgängerplatten herumexperimentierte. Zwischen traditionellen Alpenklängen, Country, Avantgarde, Pop. Das alles knüllte sie zusammen und fummelte es zu einem speziellen Musikmix zusammen. Doch diese neue Scheibe ist anders. Tief, nahegehend, zärtlich, gefühlvoll. Ja, auch hier wandert die 32jährige gekonnt durch die verschiedensten Genres. Aber irgendwie klingt das alles gewachsener, konzentrierter, ausgeruhter. Heidi Happy präsentiert sich auf “Hiding With The Wolves” als eine Songschreiberin, Sängerin und Musikerin, die sich gefunden hat. Irgendwas muß passiert sein, dass sie so einen Riesenschritt nach vorne getan hat und diesen auch konsequent gegangen ist. Ein wunderschönes Album, das mit Sicherheit in meinen Top Ten für 2012 landen wird.




Mittwoch, 25. April 2012

The Killers – Day & Age




The Killers – Day & Age


Besetzung:

Brandon Flowers – vocals, keyboards, bass
Dave Keuning – lead-guitar, backing vocals
Mark Stoermer – bass, rhythm-guitar, backing vocals
Ronnie Vannucci – drums, percussion


Gastmusiker:

Daniel De Los Reyes – additional percussion on “Joy Ride” and “ I Can’t Stay”
Tommy Marth – saxophone on “Losing Touch”, “Joy Ride” and “ I Can’t Stay”


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Pop


Trackliste:

1. Losing Touch (4:15)
2. Human (4:05)
3. Spaceman (4:45)
4. Joy Ride (3:34)
5. A Dustland Fairytale (3:46)
6. This Is Your Life (3:41)
7. I Can't Stay (3:07)
8. Neon Tiger (3:05)
9. The World We Live In (4:40)
10. Goodnight, Travel Well ( 6:51)




“Day And Age”, aus dem Jahr 2008, ist das vierte Album der Killers. Eigentlich sogar erst die dritte reguläre Veröffentlichung, denn auf „Sawdust“, dem Vorgänger, befinden sich B-Seiten neben einigen Raritäten und nur wenigen neuen Liedern.

Und so legt man die Scheibe in den CD-Spieler ein und erwartet wieder diese Mischung aus Pop und Rock, diese keyboardunterstützte Gitarrenmusik, die immer wieder mal mit tollen Melodien aufwartet. Doch etwas ist anders auf „Day & Age“. Es fällt schnell auf: Irgendetwas fehlt auf diesem Album. Und dieser fehlende Teil in der Musik der Killers auf „Day And Age“ ist auch ziemlich schnell gefunden: Es ist der Rock, der fehlt.

Tatsächlich befindet sich auf „Day And Age“ Pop Musik. Und zwar nur noch Pop Musik. Die gab es zwar auch schon zum Teil auf früheren Liedern zu hören, aber längst noch nicht in dieser Konsequenz. Da warten einige Songs mit Discorhythmen auf, andere kommen dagegen ganz schlageresk daher. Der restliche Großteil sind eingängige Popnummern, wie man sie immer und unentwegt auf den „Wir-Wollen-Ja-Nur-Unterhalten“-Radiostationen dieser Welt hören kann. Und das ist in seiner Gesamtheit doch ein wenig schade und enttäuschend für ein Killers-Album.

Zwei Lieder sind es, die ein wenig aus diesem Mainstream-Pop-Sumpf herausragen. Die beiden „Hits“ der Platte „Human“ und „Spaceman“ sind nicht dabei, denn die sind Allerwelts-Pop pur. „A Dustland Fairytale“ kann allerdings mit einer interessanten und schönen Melodie aufwarten und die Nummer steigert sich auch. Das bedeutet Abwechslung, die dem Album einfach gut zu Gesicht steht.

Ebenfalls noch überzeugen kann der letzte Titel des Albums „Goodnight, Travel Well“. Auch dieses Lied hebt sich durch seine Steigerung angenehm vom Rest der Platte ab. Zudem beginnt es überhaupt nicht popmäßig, sondern eher sphärisch, experimentell. Dann wird das Stück mit jedem weiteren Takt bombastischer, die Bläser setzen ein und machen das Lied zu einer wohltuenden Ausnahme auf dem Album - zu einem guten und spannenden Song.

Fazit: Wer auf einfache Pop-Musik steht und am liebsten Radio „so nebenbei“ hört, dem wird dieses Album auch gefallen, denn man kann es ganz einfach „so nebenbei“ hören. Wer es allerdings ein wenig anspruchsvoller mag und die früheren Veröffentlichungen der Killers liebte, der könnte hier enttäuscht werden. Richtig schlecht ist auf „Day And Age“ ehrlich gesagt nichts. Allerdings auch überhaupt nichts Bewegendes. Sechs poppige Punkte.

Anspieltipps: A Dustland Fairytale, Goodnight, Travel Well



Dienstag, 24. April 2012

Stefanie Hertel – Heimatlieder zum Verlieben




Stefanie Hertel – Heimatlieder zum Verlieben


Besetzung:

Stefanie Hertel – Gesang


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Volkstümlicher Schlager, Volksmusik


Trackliste:

1. Zillertaler Hochzeitsmarsch (3:19)
2. Das Schwalbenlied (3:01)
3. Wer recht in Freuden wandern will (2:32)
4. Das Kufsteiner Lied (3:46)
5. Hoch auf dem gelben Wagen (2:50)
6. Jetzt kommen die lustigen Tage (2:42)
7. Das Rennsteiglied (3:00)
8. Aus Böhmen kommt die Musik (3:05)
9. Bergvagabunden (2:47)
10. Schneewalzer (2:51)
11. Lieder, die von Herzen kommen (3:21)
12. Der Vugelbeerbaam (2:46)
13. Es kann nicht immer nur die Sonne scheinen (2:18)
14. Du bist mein kleines Geheimnis (3:51)
15. Mein Märchenprinz sieht aus wie du (2:43)

Gesamtspieldauer: 44:59




Im Jahr 1996 hat Stefanie nicht nur das unsägliche Album „Hast Du Zeit für ein paar Träume?“ veröffentlicht, sondern auch eine Platte mit hauptsächlich alten Volksliedern, die den Titel „Heimatlieder zum Verlieben“ trägt. Nicht nur Volkslieder, jedoch hauptsächlich solche sind darauf enthalten. Das wiederum hatte zur Folge, dass man auf dieser Veröffentlichung nur bei den letzten beiden Bonus-Tracks etwas von den Grausamkeiten des Komponisten Jean Frankfurter und der Texterin Irma Holder hört. Erschienen ist „Heimatlieder zum Verlieben“ erneut auf dem Plattenlabel East West Records.

Natürlich ist das keine Musik für Freunde der Rock-Musik. Schlagerfreunde werden mit dem Album wohl schon eher „warm“ werden und noch viel besser dürfte die Scheibe all denjenigen gefallen, die gerne alte deutsche und österreichische Volkslieder hören. Titel wie „Zillertaler Hochzeitsmarsch“, „Das Schwalbenlied“, „Das Kufsteiner Lied“, „Hoch auf dem gelben Wagen“, „Jetzt kommen die lustigen Tage“, „Das Rennsteiglied“, „Aus Böhmen kommt die Musik“, „Bergvagabunden“ oder der „Schneewalzer“ sagen sogar mir etwas, obwohl ich mich in diesem Genre weder auskenne noch es aktiv höre.

Angenehm an dieser Scheibe ist auch, dass die Lieder zumindest zum Teil wieder mit „richtigen“ Instrumenten eingespielt wurden. Den Drum-Computer gibt es zwar auch zu hören, jedoch nicht mehr durchgängig. Massiv dann allerdings bei den letzten Titeln, die weder Volksmusik noch interessant sind. Klar, diese Nummern sind auch vom Duo Frankfurter / Holder verbrochen worden.

Fazit: Stefanie singt Volkslieder. Das hätte sie auch auf den Platten davor machen sollen, dann wäre es nicht ganz so schlimm geworden. Freundinnen und Freunde alter Volksweisen könnten an dieser Scheibe durchaus Gefallen finden. Für alle anderen ist das Ganze aber wohl eher weniger geeignet. Vier Punkte.

Anspieltipps: Das Kufsteiner Lied, Jetzt kommen die lustigen Tage



Montag, 23. April 2012

Dire Straits – Alchemy





Dire Straits – Alchemy


Besetzung:

Mark Knopfler –guitar & vocals
John Illsley – bass
Alan Clark – keyboards
Hal Lindes – guitar
Terry Williams – drums


Gastmusiker:

Tommy Mandel – additional keyboards
Mel Collins – saxophone
Joop De Korte – percussion


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: gitarrenorientierter Pop


Trackliste:


CD1:

1. Once Upon A Time In The West (13:01)
2. Expresso Love (5:36)
3. Romeo And Juliet (8:16)
4. Love Over Gold (3:27)
5. Private Investigations (7:34)
6. Sultans Of Swing (10:58)


CD2:

1. Two Young Lovers (4:52)
2. Tunnel Of Love (14:23)
3. Telegraph Road (13:43)
4. Solid Rock (6:02)
5. Going Home (6:03)




Mit dem Live-Album „Alchemy“ haben Dire Straits eine Platte erschaffen, die wahrlich magisch ist. Unglaublich dicht und stimmungsvoll ist jedes, der auf dieser Live-Veröffentlichung enthaltenen Lieder. Gefühlvolle Gitarrenmusik, die zu ergreifen weiß. Auf „Alchemy“ wird solch eine beeindruckende Atmosphäre hergestellt, dass man in dieser Musik schwelgen, ganz darin aufgehen kann. Und dabei ist die Musik auf „Alchemy“ meist sehr ruhig, zurückhaltend, kann dann allerdings auch wieder an den richtigen Stellen grooven und rocken.

Letzteres trifft natürlich auf dem Song „Sultans Of Swing“ zu. Hier swingt und groovt es wirklich – und zwar mit jedem Ton. Und dabei ist das Stück in dieser Version fast doppelt so lang wie auf der ursprünglichen Studioaufnahme, die auf der ersten Platte der Band, kurz Dire Straits genannt, veröffentlicht wurde. Und in diesen elf Minuten Dauer des Liedes, gibt es keinen auch noch so kurzen Augenblick der Langeweile. Hier ist alles spannend. Das virtuose Gitarrenspiel des Mark Knopfler, immer schneller und schneller werdend, lässt den Zuhörer selbiges mit offenem Mund hören. Wahrlich beeindruckend.

Ebenso beeindruckend ist der knapp Achtminüter „Private Investigations“. Deutlich ruhiger als „Sultans Of Swing“, jedoch keinen Jota weniger fesselnd. Und auch hier steht sie natürlich wieder im Vordergrund, diese Gitarre, aus der Mark Knopfler so viel herauszuholen versteht. Stellvertretend kann das Stück „Private Investigation“ auch für das Songwriting Mark Knopflers stehen. Denn dieser verzichtet sehr oft auf den, im Pop- und Rockbereich üblichen Ablauf mit: Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe und dann, zum Abschluss, noch mal den Refrain. Alles entwickelt sich bei „Private Investigations“ hin, zu diesem einem Höhepunkt, um anschließend langsam auszuklingen. Und diese Herangehensweise an die Dramaturgie des Liedes wird so perfekt umgesetzt, dass man sich wundert, warum dies nur von so wenigen Bands umgesetzt wird.

In eine ähnliche Richtung geht auch das fast 14 minütige „Telegraph Road“. Und gleichzeitig ebenfalls ein Highlight, wenn nicht sogar der Höhepunkt des ganzen Albums. Ganz sphärisch beginnt das Lied mit Keyboard- und Synthesizer-Klängen um dann in einen ruhigen, vom Piano und der Gitarre dominierten Abschnitt überzugehen. Schließlich gesellt sich auch die Rhythmusfraktion dazu, um nur kurze Zeit später wieder einen Schritt zurück zu gehen. Und so ist es ein laufendes Spiel mit schnelleren und langsameren Abschnitten, lauteren und leiseren Tönen. Toll umgesetzt und dazu kredenzt Mark Knopfler seine Gitarrensoli - richtig klasse gemacht.

Und auch „Tunnel Of Love“ bedeutet Abwechslung im Überfluss. Hier, bei dieser Nummer, rockt es dann deutlich mehr, ohne jedoch den typischen Dire Straits Sound aus den Augen beziehungsweise Ohren zu verlieren. Auch hier lassen sich die typischen Ingredienzien aus lauten und leisen, schwebenden und treibenden Abschnitten finden. Uns auch hier wird alles durch diese markante Gitarrenspiel Mark Knopflers verknüpft und zusammengehalten

Auch unter den weiteren Stücken der beiden CD’s auf „Alchemy“ ist kein Ausfall auszumachen. Alle Lieder haben irgendwie etwas, reichen von der Klasse her allerdings nicht immer ganz an die vier bereits erwähnten Titel heran. Aber, ob man nun dem einen Stück etwas mehr als dem anderen abgewinnen kann, liegt einfach am Geschmack des Zuhörers, in diesem Fall nicht an der Qualität der Musik. Denn diese ist durchweg hoch angesiedelt und so wird sicherlich jeder Hörer unterschiedliche Höhepunkte auf dem Album für sich entdecken.

Bliebe noch der Gesang Mark Knopflers, der immer mal wieder auf der Agenda steht, wenn das Haar in der Suppe dieser Band gesucht wird. Klar, der beste und charismatischste Sänger ist er nicht mit seinem Genuschel. Aber kann man sich für Dire Straits einen anderen Sänger vorstellen? Eine andere Stimme, eine andere Stimmlage? Nein, das klappt nicht. Mark Knopflers Gesang passt zu Dire Straits, genau wie seine Gitarre. Das muss irgendwie so klingen. Und schon wird das Ganze auch wieder ein Stück „charismatisch“.

Fazit: „Alchemy“ stellt eines der besten Live-Alben dar, die es gibt. Und das liegt nicht nur an der Musik, sondern auch an der Tonqualität, die keine Wünsche offen lässt. Zudem wurden für „Alchemy“ mit die besten Stücke der Band zusammengetragen, sodass dieses Album auch irgendwie ein „Best Of Album“ darstellt. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt, denn „Brothers In Arms“ sollte erst ein Jahr später erscheinen. Von „Best Of Alben“ halte ich allerdings nicht allzu viel. Wenn mir eine Band gefällt, möchte ich auch möglichst viel von ihr hören und nicht nur das „Best Of …“, was oftmals auch gar nicht meinem „Best Of …“ entspricht. Aber hier, bei „Alchemy“, liegt das anders. Denn hier wurden die Stücke zum großen Teil noch veredelt und stellen sehr hörenswerte Alternativen zu den Studioaufnahmen dar. Tolle zwei Scheiben, 13 Punkte.

Anspieltipps: Private Investigations, Sultans Of Swing, Telegraph Road, Tunnel Of Love



Sonntag, 22. April 2012

Electric Light Orchestra – Time





Electric Light Orchestra – Time


Besetzung:

Jeff Lynne – lead vocals, backing vocals, guitars, piano, synthesizer
Bev Bevan – drums, percussion
Richard Tandy – piano, e-piano, synthesizer, guitar
Kelly Groucutt – bass, backing vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Pop


Trackliste:

1. Prologue (1:16)
2. Twilight (3:42)
3. Yours Truly, 2095 (3:12)
4. Ticket To The Moon (4:07)
5. The Way Life's Meant To Be (4:39)
6. Another Heart Breaks (3:49)
7. Rain Is Falling (3:55)
8. From The End Of The World (3:17)
9. The Lights Go Down (3:33)
10. Here Is The News (3:50)
11. 21st Century Man (4:03)
12. Hold On Tight (3:06)
13. Epilogue (1:36)


Bonus Tracks:

14. The Bouncer (3:15)
15. When Time Stood Still (3:33)
16. Julie Don't Live Here (3:42)

Gesamtspieldauer: 54:36




Nach dem völlig missglückten Soundtrack „Xanadu“ und den ebenfalls nicht berauschenden Platten „Discovery“ und „Out Of The Blue“, war es doch einigermaßen überraschend, dass das Electric Light Orchstra mit „Time“ doch wieder ein Album veröffentlichte, welches zwar ebenfalls Pop-Musik enthielt, aber auch deutlich bessere und schönere Kompositionen, als auf den Vorgängern.

Das Album wird ganz unspektakulär mit „Prologue” eröffnet. Ein kurzes Stück, bei dem am ehesten die Computerstimme hängenbleibt. Es folgt mit „Twilight“ ein Popsong, der zwar nicht die Krone des Schaffens von ELO darstellt, aber es gab schon deutlich schlechtere Lieder. „Yours Truly, 2095” ist dann der erste Höhepunkt des Albums. Beginnt das Stück noch wie eine Synthie-Pop-Nummer, wird es im weteren Verlauf allerdings zu einem richtig guten Popsong mit einer klasse Melodie, flottem Rhythmus und schönen Tempowechseln. Dazu die immer wieder eingestreuten „Gimmicks“ in Form verschiedener Stimmen. Richtig gut gemacht.

Und es geht gleich so weiter. „Ticket To The Moon” ist eine wunderschöne ruhige Nummer. Und bei diesem Song kommt endlich wieder Jeff Lynnes Gespür für geniale Melodien zum Tragen. Dazu noch ein, häufig sehnsüchtig wirkender, Gesang und fertig ist ein Lied, welches ein bisschen melancholisch wirkt und zum Träumen einlädt. Wunderbar getragen das Ganze. Die Nummer 5 auf dem Album, „The Way Life's Meant To Be“ überrascht dann etwas. Das Lied wird mit Synthesizer-Streichern und anschließender Akustikgitarre eingeleitet, klingt dann aber sowas von nach „Living Next Door To Alice“ von Smokie, dass man sich nicht sicher sein kann, ob Jeff Lynne nicht am Ende noch Tantiemen zu diesem Lied abtreten musste. Das gilt allerdings nur für den Beginn des Songs, der sonst durchaus auch gefallen kann. Es ist alles nicht ganz so bombastisch und die Akustik-Gitarre steht der Musik von ELO gar nicht schlecht.

Es folgt „Another Heart Breaks”, eines der wenigen Instrumentalstücke im Schaffen des Electric Light Orchestras. Und auch dieses Stück ist durchaus gelungen. Es transportiert eine entspannte, relaxte Stimmung, die so auf den späteren Alben von ELO überhaupt nicht mehr zu hören war. „Rain Is Falling” beginnt passenderweise mit Regengeräuschen und Donnergrollen. Dazu noch die Synthesizer-Streicher und auch hier ist wieder eine Akustik-Gitarre zu hören. Ein nettes und unaufgeregtes Pop-Lied hat sich so entwickelt.

“From The End Of The World” kommt dann ganz anders, nämlich im Disco-Gewand daher, wohingegen „The Lights Go Down“, nach einer recht witzigen Einleitung, zu einem Popsong mutiert, der für das Electric Light Orchestra typisch ist – ohne dabei allerdings überzeugen zu können. Irgendwie kommen beim Hören des Songs auch Assoziationen zu Jamaika auf. Reggae ist es aber trotzdem nicht.

Dann folgt der absolute Höhepunkt des Albums. „Here Is The News“ ist eines jener Stücke, für die sicherlich nicht wenige Musiker Jeff Lynne Anerkennung zollen. Perfekt arrangiert und versehen mit einer Melodie, die sich bereits nach dem ersten Hören in die Gehirnwindungen brennt und diese nicht mehr verlässt. Ein absoluter Ohrwurm von allererster Güte. So kann auch Pop-Musik richtig begeistern. „21st Century Man“, im Anschluss daran, klingt dann sehr nach den Beatles. Und noch etwas klingt. Nämlich der Gesang, der hört sich seltsamerweise in der Strophe so an, als würde er von einem Kind gesungen werden. Das tut dem Lied aber keinen Abbruch, ein netter Song ist das.

So, dann gibt es noch den größten Hit auf dem Album zu hören. „Hold On Tight“ heißt dieser, ist ein Rock’n’Roll und hätte auch auf einer der drei vorherigen Alben gepasst. Das sagt schon einiges über seine Qualität aus. Aber wie gesagt, das war der größte Hit des Albums, Jeff Lynne hat mal wieder alles richtig gemacht, um Geld zu verdienen. Das ursprüngliche Album wird durch „Epilogue“ beendet. Wieder eine kurze Nummer, ein wenig Sphäre, ein bisschen Gefühl und der Hörer wurde aus diesem Konzeptalbum verabschiedet.

Drei Bonus Tracks haben es auf die remasterte Version des Albums geschafft. „The Bouncer“ ist eine langsame Rock- bis Popnummer, die mit vielen E-Gitarren aufwartet. „When Time Stood Still“ ist dagegen ein trauriges Lied, welches melancholisch aus den Lautsprechern strömt. Eine wirklich nette Zugabe. „Julie Don't Live Here“ ist dagegen deutlich flotter und ganz vom Synthesizer dominiert. Nicht der ganz große Knaller, aber ein Lob hat Jeff Lynne für die drei, auf Alben bisher unveröffentlichten Titel, dann doch verdient.

Fazit: Nach dem Grauen der vorangegangenen Veröffentlichungen endlich wieder ein besseres Pop-Album des Electric Light Orchestras. Die Musik darauf hat zwar auch überhaupt nichts mehr mit den ersten Werken der Band zu tun, schlecht gemacht ist sie allerdings beileibe nicht. Wer auf gut gemachte Pop-Musik steht, kann hier bedenkenlos zugreifen, denn ein paar richtig gute Songs gibt es auf „Time“ zu entdecken. Zwar auch ein paar weniger gute beziehungsweise nichtssagende Titel, allerdings ist das Album allemal neun Punkte wert.

Anspieltipps: Yours Truly, 2095, Ticket To The Moon, Here Is The News, 21st Century Man, When Time Stood Still



Samstag, 21. April 2012

Pink Floyd – The Final Cut




Pink Floyd – The Final Cut


Besetzung:

Roger Waters – bass guitar, guitar, vocals
David Gilmour – guitar, vocals
Nick Mason – drums


Gastmusiker:

Michael Kamen – piano harmonium
Andy Bown – hammond organ
Ray Cooper – percussion
Andy Newmark – drums on “Two Suns In The Sunset”
Raphael Ravenscroft – tenor sax
National Philharmonic Orchestra


Label: EMI


Erscheinungsdatum: November 1983/ 2004 / 2011


Stil: ArtRock, Melodic Rock


Trackliste:

1. The Post War Dream (3:00)
2. Your Possible Pasts (4:26)
3. One Of The Few (1:12)
4. When The Tiger Broke Free (3:17)
5. The Hero's Return (2:43)
6. The Gunners Dream (5:18)
7. Paranoid Eyes (3:41)
8. Get Your Filthy Hands Of My Desert (1:17)
9. The Fletcher Memorial Home (4:12)
10. Southampton Dock (2:11)
11. The Final Cut (4:46)
12. Not Now John (4:56)
13. Two Suns In The Sunset (5:21)




Ist “The Final Cut” aus dem Jahr 1983 eigentlich noch ein richtiges Pink Floyd Album? Richard Wright hatte endgültig die Band verlassen, um erst auf dem nächsten Album, nach Roger Waters‘ Demission, wieder zurückzukehren. Nun, das beantwortet sicherlich nicht die obige Frage. Vielleicht aber der Umstand, dass man in den Credits zu „The Final Cut“ nachlesen kann, dass das Copyright für das Album nicht etwa bei Pink Floyd, sondern bei „Roger Waters Music Overseas Ltd.“ liegt. Und noch etwas aussagekräftiger sind da die ersten beiden Sätze, die im Booklet abgedruckt wurden: „A requiem for the post war dream by Roger Waters. Performed by Pink Floyd“. Dies heißt nichts anderes als, dass die beiden verbliebenen Bandmitglieder Gilmour und Mason anscheinend zu Studiomusikern degradiert wurden, die am schöpferischen Prozess der Kompositionen nicht mehr beteiligt waren. Kein Wunder also, dass dies der endgültige Todesstoß dieser genialen Band, in ihrer bisherigen Zusammensetzung war. Somit handelt es sich also wirklich mehr um ein Roger Waters Soloalbum, als um das zwölfte Studioalbum der Band. Allerdings läuft „The Final Cut“ dann doch noch unter der Überschrift „Pink Floyd“ und stellt damit letztendlich schon noch ein reguläres Album der Band dar. Grund hierfür dürfte auch gewesen sein, dass sich Roger Waters Sorgen über den Erfolg des Albums gemacht hatte. Wäre dieses genauso erfolgreich unter seinem Namen, wie unter dem Markenzeichen „Pink Floyd“? Sicherlich nicht und diese Tatsache sollte durch seine weiteren, dann wirklich folgenden Soloalben bestätigt werden.

Zur Musik auf „The Fianl Cut“. Alben von Pink Floyd standen immer in der Tradition, dass sie komplett anders klangen, als die jeweiligen Vorgänger. Ob das die früheren Werke waren oder aber die Sprünge von „The Dark Side Of The Moon“ zu „Wish You Were Here“ zu „Animals“ und dann zu „The Wall“. Pink Floyd haben sich häufig neu erfunden und wussten immer wieder zu überraschen. Diese Kontinuität in der Veränderung wurde mit „The Final Cut“ durchbrochen. Mit wenigen Ausnahmen könnte „The Final Cut“ als dritte Platte von „The Wall“ durchgehen. Zu ähnlich sind hier Atmosphäre und Stimmung der Lieder. Dies trifft gleich auf die ersten sechs Stücke zu, erst mit „Paranoid Eyes“, dem siebten Titel, eröffnet sich dem Hörer da etwas „Neues“, bisher so noch nicht auf „The Wall“ gehörtes. Das Lied ist ein ganz leises und sehr gefühlvolles Stück, sehr traurig und melancholisch, nur äußerst zurückhaltend instrumentiert und ein Höhepunkt des Albums.

Unter den ersten sechs Titeln der remasterten Fassung befindet sich übrigens auch das Lied „When The Tiger Broke Free“, eine Nummer, die auf der LP-, wie der ersten CD-Ausgabe, noch nicht enthalten war. Dabei handelt es sich um ein Stück, das bereits in der filmischen Umsetzung zu „The Wall“ zu hören war.

Erwähnenswert ist auch das Lied „The Fletcher Memorial Home“, zu dessen Gelingen David Gilmour auch ein klasse Solo hinzusteuern durfte. Eindringlich hierbei der Text, bei dem sich „unheilbare“ Tyrannen und Könige (genannt werden dabei Reagan, Begin, Thatcher, Breschnew, der „Geist“ McCarthys und die „Gedanken“ Nixons) im Fletcher Memorial Home versammeln. Und am Ende des Stücks wird dann nach der Endlösung dieser Versammlung gesucht…

Völlig aus der Reihe fällt „Not Now John“. Das schnellste und „lauteste“ Stück des Albums groovt und lädt zum Mitwippen ein. Toll arrangiert dabei der Hintergrundchor, der sogar Erinnerungen an „The Dark Side Of The Moon“ aufkommen lässt. Und auch hier begeistert wieder David Gilmours Gitarrenspiel und weiß einfach zu überzeugen.

Fazit: Auf „The Final Cut“ beschäftigen Roger Waters ein weiteres Mal seine Kindheitserlebnisse. „Inspiriert“ durch den Falkland-Krieg verarbeitet der Musiker hier den frühen Tod seines Vaters, der 1944 im Zweiten Weltkrieg gefallen war. Begeisternd und sehr intensiv sind dabei wieder die Texte, die Roger Waters unglaublich packend niederzuschreiben versteht. Die Musik allerdings, die ist zu Beginn des Albums noch zu sehr an „The Wall“ angelegt und wird erst im weiteren Verlauf des Albums eigenständiger. „The Final Cut“ ist ein sehr intensives, ruhiges und melancholisches Album geworden. Musikhörern, denen „The Wall“ gefallen hat, dürfte auch dieses zwölfte Werk der Band zusagen. Irgendwie ergreifend in seiner traurigen Stimmung ist es auf jeden Fall und damit zehn Punkte wert.

Anspieltipps: Paranoid Eyes, The Fletcher Memorial Home, Not Now John



Freitag, 20. April 2012

Talk Talk – The Party’s Over





Talk Talk – The Party’s Over


Besetzung:

Mark Hollis – vocals
Simon Brenner – keyboards
Paul Webb – bass
Lee Harris – dums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: New Wave, Pop


Trackliste:

1. Talk Talk (3:20)
2. Serious (3:19)
3. Today (3:28)
4. The Party`s Over (6:10)
5. Hate (3:56)
6. Have You Heard The News (5:05)
7. Mirror Man (3:18)
8. Another Word (3:12)
9. Candy (4:40)




1982 brachte die englische Band Talk Talk ihr erstes Album mit dem Titel „The Party’s Over“ heraus. Die Platte kam also Anfang der 80er Jahre auf den Markt und nichts anderes hört man auch auf dieser ersten Veröffentlichung der Band: Synthie Pop bis New Wave, wie man es auch von solchen Bands wie Visage oder der deutschen Band Alphaville in dieser Zeit präsentiert bekommen hat. Das Überraschende an dieser Platte hier ist allerdings, dass sich daraus in den Jahren eine Band um Mark Hollies entwickelte, die sich mit jeder Veröffentlichung radiounkompartibler präsentierte und mit ihren letzten beiden Veröffentlichungen sogar den Freunden der progressiven Rockmusik ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

Nun zur Musik auf „The Party’s Over“. Die ist vom ersten Stück an sehr melodisch, geht ins Ohr und beschallt einen mit dem Anspruch: „Wenn Du jetzt noch keine Gute Laune hast, dann warte mal ab, bis ich mit Dir fertig bin!“ Eingängige Melodien und Rhythmen strömen da aus den Boxen, die zwar nicht übermäßig anspruchsvoll sind, einen Hörer jedoch trotzdem länger begleiten können.

Der Titeltrack „The Party’s Over“ gefällt zum Beispiel mit seiner Abwechslung, die hier geboten wird. Das Lied ist sehr eingängig, aus mehreren Teilen zusammengesetzt, wobei es manchmal sogar ein wenig asiatisch klingt. Der nächste Track „Hate“ ist anschließend sogar für Talk Talk Verhältnisse richtig treibend und fast schon „hart“ zu nennen. Auch mal eine nette Variation.

Und der letzte Song, „Candy“, zeigt schließlich schon sehr gut auf, wohin die Reise für Talk Talk gehen würde. Das ist natürlich noch kein richtig progressives Lied, aber beileibe auch keine 08/15 Popnummer mehr. Da hat sich jemand schon richtig viel Gedanken gemacht über Stimmungen, Rhythmen und Melodien.

Fazit: Dieses Debut-Album von Talk Talk wird nie auch nur im Geringsten langweilig. Vielmehr fängt es den Hörer immer wieder ein. Klar, solch ein Hit wie „Such A Shame“, der dann auf dem Nachfolger zu finden ist, der fehlt auf „The Party’s Over“. Und es ist auch noch ganz andere Musik auf diesem Album zu hören, wie auf den letzten beiden Veröffentlichungen der Band. Wer allerdings auf „It’s My Life“ und auf „The Colour Of Spring“ Ansätze für sich findet, der dürfte ebenfalls auf „The Party’s Over“ ab und zu das Passende für sich entdecken. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Talk Talk, Today, The Party’s Over, Hate, Candy