Samstag, 31. März 2012

Oasis – Dig Out Your Soul





Oasis – Dig Out Your Soul


Besetzung:

Liam Gallagher – vocals
Noel Gallagher – vocals, electric guitar, drums, keyboards and electronics
Gem Archer – electric guitar, the bass and keyboards
Andy Bell – the bass, electric guitar, keyboards and tamboura
Zak Starkey – drums


Gastmusiker:

Jay Darlington – mellotron and electronics (7)
National In-Choir – backing vocals (track 2)


Label: Big Brother Recordings LTD.


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Brit-Pop, Rock


Trackliste:

1. Bag It Up (4:40)
2. The Turning (5:05)
3. Waiting For The Rapture (3:03)
4. The Shock Of The Lightning (5:00)
5. I'm Outta Time (4:10)
6. [Get Off Your] High Horse Lady (4:07)
7. Falling Down (4:20)
8. To Be Where There's Life (4:36)
9. Ain't Got Nothin' (2:15)
10. The Nature Of Reality (3:48)
11. Soldier On (4:51)

Gesamtspieldauer CD: 45:54


Bonus DVD:

1. Gold & Silver & Sunshine (Interview) (28:59)
2. The Making Of „The Shock Of The Lightning“ Video (4:15)
3. “The Shock Of The Lightning” Video (4:12)

Gesamtspieldauer DVD: 37:26




Im Jahr 2008 erschien das siebte und bisher letzte Studioalbum der Briten Oasis. Vieles spricht dafür, dass „Dig Out Your Soul“ auch die letzte Veröffentlichung der Band bleiben wird, denn nur ein Jahr nach dem Erscheinen der Platte, trennten sich die Wege der beiden Brüder Noel und Liam Gallagher 2009 im Streit. Während Noel Gallagher nun Solopfade begeht und auch schon ein Solo-Album veröffentlicht hat, ist sein Bruder unter dem Namen „Beady Eye“ aktiv, wobei ihn dabei auch, die an diesem Album hier beteiligten Gem Archer und Andy Bell unterstützen.

Für viele Fans war „Dig Out Your Soul“ nicht mehr die Band Oasis, die sie in den 90ern des letzten Jahrhunderts so zu lieben gelernt hatten. Und wenn man sich das Album anhört, verwundert das nicht unbedingt. Klar ist da immer noch Brit Pop zu hören, aber ein Pop, der sich sehr stark dem Rock angenähert hat. Was natürlich aber nichts über die Qualität der Musik aussagt. Denn die ist wahrlich nicht schlecht. Der erste Song „Bag It Up” ist gleich so eine flottere und härtere Nummer. Die E-Gitarre steht im Vordergrund, aber nichtsdestotrotz verfügt das Lied über eine schöne Melodie, für deren Entfaltung sich Oasis schon immer auszeichneten.

„The Turning“ kommt dann sehr viel relaxter daher. Das Lied lebt zu Beginn von den Drums und wird dann weiter von einem fetten Orgelsound getragen. Das klingt nicht schlecht und lässt Gedanken und Erinnerungen an längst vergangene Musikzeiten aufkommen. Aber nur „retro“ ist das nicht, das ist durchaus Musik aus diesem Jahrtausend. „Waiting For The Rapture” ist im Anschluss daran wieder ein eher “schwererer” Titel. Nicht ganz so melodisch, allerdings geht das Stück durch den immer wieder „erhöhten“ Gesang auch schnell ins Ohr. „The Shock Of The Lightning”, die vierte Nummer des Albums, war auch gleichzeitig die erste Singleauskopplung der Platte. Treibender Beat, schöne Melodie, dichter Sound. Das Lied groovt einfach richtig gut. Die Stimmung des Liedes wird dabei von der ersten bis zur letzten Sekunde kompromisslos durchgezogen. Unterbrochen nur von einem kurzen Instrumentalteil, bei dem man wieder dieser tollen Retro-Orgel lauschen kann. Richtig gut gemacht.

„I'm Outta Time“ bildet dann dazu einen sehr schönen Kontrast. Es ist das erste Lied der Platte, welches nicht von Noel Gallagher stammt. Hier hat sich Liam als Songwriter versucht und dabei eine wunderschön getragene Nummer geschrieben. Ich gebe jedem recht, der behauptet, dieses Stück klingt unglaublich nach Beatles oder noch besser: nach John Lennon. Genau so ist das. Und es klingt gut. Wieder ganz anders hört sich dann “[Get Off Your] High Horse Lady” an. Ein dezent stampfender Rhythmus, eine Telefonstimme und die fast schon hypnotisierend wirkende Musik von Bass und Gitarre. Das Ganze endet schließlich mit einem Strandspaziergang. Jede Menge Vielfalt wird dem Hörer des Albums von Oasis geboten.

„Falling Down“, ist das letzte Stück aus der Feder von Noel Gallagher auf diesem Album, der sich bisher, bis auf die eine Ausnahme, für alle Stücke verantwortlich zeigte. Und wieder zeigt sich, dass er ein richtig guter Songschreiber ist. Toller Rhythmus, klasse Melodie und hier bewegen wir uns jetzt wieder auf dem Terrain des Brit Pop, was in diesem Fall allerdings in keinster Weise bedeuten soll, dass das Lied seicht ist. Das ist es wahrlich nicht. “To Be Where There's Life” von Gem Archer klingt anschließend erneut sehr beatleslike. Hier allerdings wie eines der späteren Werke der Fab Four, wie ein George Harrison Song und das nicht nur wegen der Sitar.

„Ain't Got Nothin'“ stammt aus der Feder von Liam Gallagher. Ein kurzer Titel, recht rockig bis hart, der allerdings nicht so richtig greift und gegen die bisherigen Tracks ein wenig abfällt. Bei „The Nature Of Reality” durfte sich dann auch Andy Bell als Songschreiber versuchen. Auch dieser Song ist wieder eine härtere Nummer, die stampfend eingeführt wird. Dabei besteht die letzte Minute des Liedes aus, na, sagen wir mal „Chaos“ – in bester Live-Rock-Manier. Beschlossen wird das Album dann von „Soldier On”. Hier wird es wieder deutlich melodiöser allerdings auch sphärischer und ein wenig psychedelisch. Und auch dieser fette Orgeleinsatz findet hier wieder seine Rolle. Und so klingt die ganze Platte sehr psychedelisch aus und überrascht bis zum Schluss.

Es gibt neben der normalen Ausgabe auch noch die Limited Edition (neben der Deluxe Version) der CD. Diese Limited Edition kostet meist nicht mal einen Euro mehr und beinhaltet neben der CD noch eine DVD mit dem Video zu “The Shock Of The Lightning”, dessen „Making Of…“ sowie einem knapp dreißig minütigen Interview. Alles nicht essentiell, für Fans allerdings, bei dem Preis, unter Umständen eine lohnende Zugabe.

Nicht unerwähnt sollte hier auch die Verpackung bleiben. Denn da hat sich jemand richtig viel Gedanken gemacht und auch sehr viel Mühe gegeben. Die CD / DVD kommt nicht in Form einer Plastikhülle, sondern in Form eines Hardcover-Buches. Nur die äußere Form entspricht noch der CD. Das Booklet, beziehungsweise die einzelnen Seiten dieses Buches, sind sehr aufwendig und liebevoll gestaltet. Surreale Bilder gibt es da zu sehen, alle ziemlich in orange gehalten. Dazu sind die Texte der Lieder auf den Bildern abgedruckt. Sieht richtig gut aus.

Fazit: Die Platte ist anders, als die Platten früherer Zeiten von Oasis. Was allerdings nichts über die Qualität der Musik aussagt, denn die ist gut. Immer wieder muss sich der Hörer auf etwas Neues einstellen. Somit wird es nie langweilig. Und da dieses „Neue“, dieser andere Stil des nächsten Liedes, auch immer überzeugen kann, ist auch „Dig Out Your Soul“ eine gute Platte geworden, die lohnt, gehört zu werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Bag It Up, The Turning, Waiting For The Rapture, The Shock Of The Lightning, I'm Outta Time, [Get Off Your] High Horse Lady, Falling Down, Soldier On. Ja, das sind fast alle Stücke.



Freitag, 30. März 2012

Aereogramme – A Story In White





Aereogramme – A Story In White


Besetzung:

Craig B – vocals, guitar
Ian Cook – guitar, programming
Campbell McNeil – bass
Martin Scott – drums


Gastmusiker:

Callum Davidson – piano, track 1
Simon Neil – screaming, track 5
Alison Brown – strings, track 6
Sharon McVeigh – strings, track 6


Label: Chemikal Underground Records


Erscheinungsdatum: 2001


Trackliste:

1. The Question Is Complete (4:51)
2. Post Tour, Pre-Judgement (5:10)
3. Egypt (3:19)
4. Hatred (4:22)
5. Zionist Timing (5:30)
6. Sunday (4:56)
7. Shouting For Joey (3:27)
8. A Meaningful Existence (5:12)
9. Descending (4:31)
10. Will You Still Find Me? (4:13)

Gesamtspieldauer: 45:31




Da kennt man Aereogramme von späteren Veröffentlichungen mit wunderschönen schwebenden Melodien - und dann beginnt diese CD mit Industrial Tönen, an denen man erst mal zu knabbern hat. Der Opener, „The Question Is Complete“, beginnt genau so, wird im weiteren Verlauf zunächst wieder sanfter, aber kaum hat man sich auf die Ruhe und den zerbrechlichen Gesang eingestimmt, wird es erneut laut, sehr laut, fast schon dissonant und richtiggehend nervenaufreibend. Durch diese abrupten Lautstärke- und Tempiwechsel will sich bei dem Lied auch nie eine richtige Stimmung einstellen, es wirkt viel zu konstruiert.

Ähnlich aufgebaut ist auch Track 2. Dieses Mal wirkt das Ganze allerdings wesentlich durchdachter und melodiöser und damit kann dieser Titel dann punkten. Die letzten 30 Sekunden schreit Craig B allerdings auch bei diesem Stück alles raus, was ihm auf der Seele zu liegen scheint. „Egypt“ ist eine sehr ruhige Nummer, instrumentiert hauptsächlich mittels Piano und den Toms. Mit Klaviertönen beginnt auch „Hatred“, ein sanftes Lied, welches irgendwie so dahinschwebt, ohne einen mit auf die Reise zu nehmen. Bei „Zionist Timing“ hat dann die verzerrte Gitarre ihren Auftritt, ein Lied, bei dem wohl vor allem Heavy Metal Fans auf Ihre Kosten kommen. Einige Ähnlichkeiten zu Tool sind auch unverkennbar. Nach einem erneuten „Schreipart“ klingt das Lied dann zweieinhalb Minuten aus.

„Sunday“ ist ein Highlight der Platte. Vom Cello getragen entwickelt es sich in eine schöne Ballade, die endlich mal nicht durch Schreieinlagen unterbrochen wird und somit sehr viel mehr Wirkung beim Zuhörer hinterlässt. „Shouting For Joey“ ist im Anschluss daran wieder ganz wörtlich zu nehmen. Beginnt das Stück noch wie ein Tool-Titel, entwickelt es sich dann zu einem einzigen Gekreische. Dieses endet bei 1:45 und wieder mal klingt das Lied über einen längeren Zeitraum hinweg aus. Dieses Ende ist mit seinen undefinierbaren Geräuschen und einer schönen Pianomelodie zwar toll gemacht, zeigt aber einmal mehr die Schwierigkeit, sich auf dieses Album einzulassen. Denn auch bei diesem Track wollen Teil 1 und Teil 2 irgendwie nicht zusammenpassen.

“A Meaningful Existence” ist ein langsames und getragenes Stück, welches ebenfalls Steigerungen aufweist, denen der Zuhörer aber ohne weiteres folgen kann, da sie zum Rest des Songs passen. „Descending“ wird mit einer akustischen Gitarre eingeleitet und der Hörer sollte sich beim Hören keine größeren Sorgen bezüglich eines Tinitusanfalls machen. Der hier wahrzunehmende hohe Hintergrundton verschwindet bei 1:30 wieder, um dann bei 2:00 etwas dezenter wieder aufzutauchen. Und schließlich wird das Album mit „Will You Still Find Me?“ geschlossen. Letzter Titel wird sicher manchem zu brav und glatt daherkommen, setzt allerdings einen gelungenen Kontrastpunkt zum ersten Titel des Albums.

Fazit: Ein nicht ganz leichtes Debütalbum haben die vier Schotten hier vorgelegt. Nicht jeder wird mit den doch sehr unterschiedlichen Stimmungen und Stilschwankungen auf der Platte etwas anfangen können. Viele Bands schaffen es, gleich bei Ihrer ersten Veröffentlichung ein Meisterwerk abzuliefern, an dem sich alle folgenden Alben zu messen haben. Aereogramme ist das mit „A Story In White“ nicht gelungen. Mit dieser Veröffentlichung hatte die Band noch viel Spielraum nach oben, den sie glücklicherweise auch nutzte. Auf dem Album befinden sich ein paar wenige, richtig gute Lieder und auch ein paar sehr schöne Ansätze, mehr aber auch nicht. Ich kann dafür nur 6 Punkte vergeben.

Anspieltipps: Post Tour Pre-Judgement, Sunday, A Meaningful Existence



Donnerstag, 29. März 2012

Stefanie Hertel – Tausend Kleine Himmel




Stefanie Hertel – Tausend Kleine Himmel


Besetzung:

Stefanie Hertel – Gesang


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: East West Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. Tausend Kleine Himmel (3:24)
2. Nicht Jeder Kann Ein Mozart Sein (3:42)
3. Und Ich Liebe Diese Erde (2:57)
4. Als Noch Das Sandmännchen Kam (3:17)
5. Es War Einmal Ein Schwalbenkind (2:39)
6. Singen Macht Die Herzen Frei (3:30)
7. Lasst Die Weißen Tauben Fliegen (3:12)
8. Der Kleine Prinz Vom Anderen Stern (3:23)
9. Wenn Ich Den Ersten Walzer Tanz (3:23)
10. Träume Schlagen Purzelbäume (2:29)
11. Camping (2:58)
12. Ich Nehm Ein Bisschen Heimat Mit (3:31)

Gesamtspieldauer: 38:32



Das dritte Studioalbum der Stefanie Hertel heißt „Tausend Kleine Himmel“. Es erschien im Jahr 1993 auf dem Plattenlabel East West Records. Wie immer bei den Veröffentlichungen der Stefanie Hertel zur damaligen Zeit zeichnen sich auch hier wieder Jean Frankfurter für die Musik und Irma Holder für den Text verantwortlich. Man müsste sie noch im Nachhinein dafür bestrafen…

Auch auf diesem Werk hört man unfassbar schlechte Musik im Stile sehr schlechten Schlagers garniert mit Drum-Computern und mit Texten ausgestattet, die einem die Schamesröte ins Gesicht treiben. Erneut gibt es auch pseudo-sozialkritische Texte zu hören, die einen einfach nur noch kopfschüttelnd zurücklassen. Die Krönung dazu ist das Cover-Photo, auf dem man Stefanie Hertel mit einer weißen Taube im Arm sieht. Das Tier scheint tot zu sein, genau wie das dazu passende Lied „Lasst Die Weißen Tauben Fliegen“ und die restliche Musik auf der Platte. Dazu gesellen sich solch unfassbare Nummern, die mit dem „kleinen, süßen Mädchen-Image“ spielen wie, „Als Noch Das Sandmännchen Kam“. Es kann kaum peinlicher sein.

Fazit: Auch dieses Album gibt es für Cent-Beträge. Es ist definitiv nicht mehr wert. Aber ich gebe es zu, ich habe „Tausend Kleine Himmel“ wirklich durchgehört. Null Punkte.

Anspieltipps: Singen Macht Die Herzen Frei



Mittwoch, 28. März 2012

Pink Floyd – Meddle





Pink Floyd – Meddle


Besetzung:

David Gilmour –guitar & vocals
Nick Mason – percussion
Richard Wright – keyboards & vocals
Roger Waters – bass guitar & vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: November 1971 / 1994 / 2011


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. One Of These Days (5:57)
2. A Pillow Of Winds (5:07)
3. Fearless (6:05)
4. San Tropez (3:40)
5. Seamus (2:13)
6. Echoes (23:31)




Mit “Meddle” verhält es sich ähnlich, wie beim ein Jahr zuvor erschienenen Album “Atom Heart Mother”. Auch auf „Meddle“ gibt es wieder ein Stück, welches eine ursprüngliche LP-Seite vollständig füllt. Auf der zweiten Album-Seite waren dann noch etwas kürzere Songs untergebracht. Und auf „Meddle“ wird mit diesen kürzeren Songs allerdings begonnen.

Das erste Lied der Scheibe heißt „One Of These Days“. Es beginnt mit Windgeheul aus dem sich eine treibende, instrumentale Nummer entwickelt. Diese wird immer weiter gesteigert, bis sie in einen Part übergeht, der zum einen auf seine Weise „sphärisch“, wie auch verstörend, vibrierend und völlig unkonventionell ist. Dieser Teil wird beschlossen durch die verzerrte Aussage Nick Masons: “One of these days I'm going to cut you into little pieces.'' Dazu befragt antwortete Roger Waters, dass dieses Statement einem englischen Disc-Jockey gewidmet und „böse“ gemeint sei. Anschließend explodiert der Song quasi und geht in ein wundervolles, treibendes und nicht enden wollendes Solo David Gilmours über. Wahrlich ein beeindruckendes Lied, welches so wohl nur von Pink Floyd zur damaligen Zeit geschrieben werden konnte.

Es folgen einige deutlich weniger spektakuläre Titel. Den Anfang macht „A Pillow Of Winds”. Unspektakulär - ja, aber trotzdem auch ganz in der Tradition Pink Floyds. Dieses Stück hätte man so auch auf „More“ oder „Atom Heart Mother“ finden können. „A Pillow Of Winds” verfügt über eine nette Melodie und vor allem die Gitarre, die hier im Hintergrund fast schon weint, drückt dem Song diese wehmütige, melancholische Stimmung auf, die ideal für regnerische Tage scheint. „Fearless“ orientiert sich dann schon eher an der Musik, die auf „Obscured By Clouds“ zu finden sein wird. Wieder eine ruhige Nummer, die nichts Experimentelles oder Psychedelisches aufzuweisen hat und allein von dieser, auch wieder melancholischen bis sentimentalen Stimmung lebt. Legendär dabei auch das Ende des Liedes, bei dem Liverpool Fußballfans „You never walk alone“ anstimmen, ein Stück, welches heute auch in den Fußballstadien Deutschlands zur Einstimmung der Fans vor dem Spiel nicht fehlen darf.

„San Tropez“ swingt im Anschluss daran sogar. Ein Titel, völlig ungewöhnlich für Pink Floyd. Verständlich, dass viele Fans mit diesem Stück nur relativ wenig anfangen können, da es nur sehr wenig mit den anderen Veröffentlichungen der Band zu tun hat. Noch krasser wird das bei „Seamus“, der Name des Liedes und gleichzeitig der Name eines Hundes, der während des Stücks auch ausgiebig „zu Wort“ kommt. Dieser Hund hatte die Angewohnheit zur Musik zu jaulen und so wurde, inspiriert durch diese Tatsache, ein Lied daraus gestrickt. Es ist ein Blues geworden und dieser wird regelmäßig, bei Umfragen unter Fans welches denn das schlechteste Stück im Songkatalog von Pink Floyd wäre, auf die vorderen Plätze gewählt. Wahrlich seltsam.

Dann folgt die ehemalige zweite Seite der Platte und mit „Echoes“ ein Lied, welches bei Fans, jetzt genau andersherum, häufig zum besten Lied der Band gewählt wird. Und „Echoes“ ist wirklich ein unglaublich mitreißendes Stück Musik, das so überaus unkonventionell ist, sodass man es nur schwerlich mit anderen Liedern vergleichen kann. Am ehesten vielleicht noch mit „Atom Heart Mother“, aber das auch nur am Rande. „Echoes“ ist psychedelischer Rock in seiner reinsten Form. „Echoes“ verbreitet Atmosphäre wie kaum ein anderes Lied. „Echoes“ ist, in all seinen Schattierungen, keine leichte Kost sondern ein Stück, auf dass man sich einlassen können muss. Am ehesten ist es wohl mit Kopfhörern an seinem Lieblingsplatz zu konsumieren. Es beginnt mit einem Klavierton, der an ein Echolot eines U-Bootes erinnert. Dann entwickelt sich eine wunderschöne Melodie, die von David Gilmour und Richard Wright gemeinsam gesungen wird. Es folgt ein Part, der von einem Gitarrensolo dominiert wird und schließlich ein orgellastiger Abschnitt, der dann immer wirrer, skurriler, abgefahrener, sphärischer und verstörender wird. Schließlich klingt alles so, als ob man sich ganz allein in einem dunklen Wald befinden würde, in dem Eulen und Käuze ihre Schreie in das Dunkel hinausschreien, dass es einem eiskalt den Rücken herunterläuft. Hier gibt es jetzt keinen Rhythmus mehr, hier findet sich keinerlei Melodie, alles ist nur noch Atmosphäre und Stimmung. Alles ist nur noch ein Klanggebilde. Doch dann, langsam, ganz langsam setzt der Synthesizer Richard Wrights ein und erzeugt diese Stimmung, die man wenige Jahre später wieder auf „Shine On You Crazy Diamond“ hören wird. Man hört das Echolot erneut und langsam steigert sich das Lied erneut. Die schwebende Melodie wird unterstützt durch einen vibrierenden Generator-Sound, der sich steigert und steigert. Und alles mündet perfekt arrangiert wieder in den ersten, melodiösen Part des Liedes. Ganz, ganz großes Kino.

Fazit: Auf „Meddle“ gibt es zwei Stücke, die, wenn man sie nicht kennt - Pink Floyd nicht kennt. Und vor allem „Echoes“ ist so ein Stück, ohne welches die Musikgeschichte deutlich ärmer wäre. Dann gibt es zwei ganz „nette“ Stücke auf dem Album und zwei Nummern, die irgendwie weniger gelungen sind. Da diese allerdings auch die kürzesten Stücke darstellen, kann man das verschmerzen und das Album erreicht immer noch 14 Punkte.

Anspieltipps: One Of These Days, Echoes



Dienstag, 27. März 2012

Marillion – Misplaced Childhood





Marillion – Misplaced Childhood


Besetzung:

Fish – vocals
Steve Rothery – guitar
Pete Trewavas – bass
Mark Kelly – keyboards
Ian Mosley – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: NeoProg, Pop


Trackliste:

1. Pseudo Silk Kimono (2:15)
2. Kayleigh (4:04)
3. Lavender (2:26)
4. Bitter Suite (7:57)
5. Heart of Lothian (4:02)
6. Waterhole (Expresso Bongo) (2:13)
7. Lords of the Backstage (1:53)
8. Blind Curve (9:29)
9. Childhood's End? (4:33)
10. White Feather (2:25)


Bonus CD:

1. Lady Nina (1998 Digital Remaster) (5:50)
2. Freaks (1998 Digital Remaster) (4:08)
3. Kayleigh (Alternative Mix) (4:03)
4. Lavender Blue (4:22)
5. Heart Of Lothian (Extended Mix) (5:54)
6. Pseudo Silk Kimono (Demo) (2:11)
7. Kayleigh (Demo) (4:06)
8. Lavender (Demo) (2:37)
9. Bitter Suite: Brief Encounter/Lost Weekend (Demo) (2:54)
10. Lords Of The Backstage (Demo) (1:46)
11. Blue Angel (Demo) (1:46)
12. Misplaced Rendezvous (Demo) (1:56)
13. Heart Of Lothian: Wide Boy/Curtain Call (Demo) (3:49)
14. Waterhole (Expresso Bongo) (Demo) (2:00)
15. Passing Strangers: Mylo/Perimeter Walk/Threshold (Demo) (9:17)
16. Childhood's End? (Demo) (2:23)
17. White Feather (Demo) (2:18)




Als ich 1985 “Kayleigh” zum ersten Mal im Radio hörte, da wusste ich, es ist passiert: Marillion haben ebenfalls den „etwas mehr kommerziellen“ Weg eingeschlagen. Und der Erfolg gab ihnen Recht, “Kayleigh” wurde ein Hit. Aber als Fan der ersten Stunde, musste man da natürlich ganz heftig schlucken. „Misplaced Childhood” ist ein glattgebügeltes, mehr auf das Radio angelegtes Werk. Und das fällt einem nicht nur dann auf, wenn man sich die Trackliste ansieht und feststellt, dass sich auf dem Album nur noch zwei Longtracks befinden. Aber der Reihe nach, da es sich hier um ein Konzeptalbum handelt, bei dem es immer schwierig ist, einzelne Nummern gesondert zu sehen… Ich mache es aber trotzdem!

Mit „Pseudo Silk Kimono” beginnt das Album schön sphärisch und Fish kann einen auch gleich wieder von seiner Sangeskunst überzeugen. Die Instrumentierung beschränkt sich bei diesem Track auf die Keyboards, die alles dominieren, sowie den Bass und eine Gitarre im Hintergrund. Fließend geht es dann über zu „Kayleigh“. Und ich kann mir nicht helfen, irgendwie gefällt mir das Lied nicht. Ich weiß nicht woran das liegt, ob ich es zu oft gehört habe oder ob es einfach nicht in mein „aurales Beuteschema“ passt. Das Lied klingt für mich viel zu sehr nach Popmusik und hat so gar nichts mehr mit den ersten beiden Alben zu tun.

Weiter geht es mit „Lavender“, ein weichgespültes Lied, bei dem mich der Refrain richtig kirre macht. Anschließend folgt das erste längere Lied auf dem Album „Bitter Suite“. Hier finde ich sowohl den ersten Teil bis 3:04 gelungen, der vom Keyboardhintergrund und dem Sprechgesang Fishs lebt. Richtig gut wird es dann aber im letzten Teil ab 5:36. Tolle Musik, schön getragen und ruhig. Der Mittelteil des Stücks ist fast zu einem „Lavender Reprise“ geworden und es ist richtig schade, dass dieser Teil hier reingefrickelt wurde.

Es folgt „Heart of Lothian”, ein Stück, welches mich nicht berührt. Dann wird es mit „Waterhole (Expresso Bongo)” etwas härter. Und dieses Lied ist klasse, nicht zuletzt durch seine Instrumentierung. Aber auch das „Auflockern“ der CD gelingt dieser Nummer. „Lords Of The Backstage“ passt anschließend ebenfalls in diese Kategorie und kann auch durch seine Abwechslung gefallen, die überzeugt.

Kommen wir zur längsten Nummer auf dem Album: „Blind Curve“. Hier hört man am deutlichsten die Prog-Ansätze heraus. Verschiedene Teile, überraschende Wechsel, ein fast schon bombastisches Ende. Das Stück ist variantenreich, wunderbar unkonventionell und wird nie langweilig.

Auch „Childhood's End?” ist ein schönes Stück Musik, allerdings in seinem Ablauf vorhersehbar, überzeugt aber mit dem für Marillion ungewohnten Gitarrensound zu Beginn und in der Mitte des Stücks. „White Feather” ist anschließend vom musikalischen her wieder ein Stück, welches nicht lange hängenbleibt, vom Text her aber der passende Abschluss dieses Konzeptalbums.

Mit der 1998 remasterten Version von „Misplaced Childhood“ gibt es noch eine Bonus-CD. Diese ist wahrlich üppig ausgestattet, enthält viele Demos und mit „Lady Nina“ und „Freaks“, meines Wissens nach zwei, bisher unveröffentlichte Songs. Somit lohnt sich der Griff zu dieser weit umfangreicheren Ausgabe.

Fazit: Einige gute Songs und gute Parts sind auf dem Album durchaus vorhanden, wenn auch nicht durchgängig. Die CD hat das Problem, dass sie immer mit den beiden Vorgängern, „Script Of A Jester’s Tear“ und „Fugazi“, verglichen wird. Trotzdem, bei allem Einzug des Mainstreams, so hört man hier doch noch Marillion-Musik. Und diese weiß immer noch zu gefallen. Dafür gibt es zehn Punkte.

Anspieltipps: Waterhole (Expresso Bongo), Lords Of The Backstage, Blind Curve, (Kayleigh kennt wahrscheinlich sowieso jeder).



Montag, 26. März 2012

Electric Light Orchestra – A New World Record





Electric Light Orchestra – Face The Music


Besetzung:

Jeff Lynne – lead vocals, guitar, e-piano
Richard Tandy – e-piano, piano, moog, mellotron, guitar, backing vocals
Kelly Groucutt – bass, backing vocals
Bev Bevan – drums, percussion, backing vocals
Melvin Gale – cello
Hugh McDowell – cello
Mik Kaminski – violin


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Symphonic Pop, Mainstream


Trackliste:

1. Tightrope (5:06)
2. Telephone Line (4:40)
3. Rockaria! (3:13)
4. Mission (A World Record) (4:26)
5. So Fine (3:55)
6. Livin' Thing (3:32)
7. Above The Clouds (2:17)
8. Do Ya (3:45)
9. Shangri-La (5:40)


Bonus Tracks:

10. Telephone Line (Alternate Vocal) (4:41)
11. Surrender (2:37)
12. Tightrope (Instrumental Early Rough Mix) (4:56)
13. Above The Clouds (Instrumental Rough Mix) (1:15)
14. So Fine (Early Instrumental Rough Mix) (4:16)
15. Telephone Line (Instrumental) (4:51)

Gesamtspieldauer: 59:12




„A New World Record“, die sechste Veröffentlichung des Electric Light Orchestras und kommt ganz in der Tradition seines Vorgängers, „Face The Music“, daher. Eingängige Poplieder, die sich dadurch von anderen Veröffentlichungen anderer Bands unterscheiden, da sie häufig orchestral arrangiert sind. So viel zu den Gemeinsamkeiten, allerdings gibt es auch einen Unterschied zum Vorgänger: Sie Songs sind zum Teil wieder interessanter als noch auf „Face The Music“.

Das Album startet mit „Tightrope“. Was hier zunächst ganz getragen beginnt nimmt dann mit einem schönen Streichereinsatz an Fahrt auf. Dazu gesellt sich ein männlicher Bass-Chor im Hintergrund. Interessanter Beginn. Schließlich wird das Stück zwar poppig, verfügt allerdings über einen treibenden Groove und eine eingängige Melodie. Dazu wird immer wieder das Streicherthema aufgegriffen, ein weiterer Chor wird integriert und alles zusammen ergibt es so ein schönes und abwechslungsreiches Pop-Lied.

Die Nummer zwei des Albums, „Telephone Line“, wurde sogar eine ganz erfolgreiche Singleauskopplung. Und auch hier stimmen die Zutaten für einen guten Pop Song wieder: Eingängige Melodie, die ins Ohr geht, sowie verschiedene Parts, die schön und passend miteinander verbunden sind. Das „Dobedodoah“ nervt zwar ein wenig, trägt aber wohl mit zum Wiedererkennungswert bei. Schließlich noch der mehrstimmige Gesang und man hat den radiotauglichen Song kreiert. „Rockaria!“, Titel Nummer drei, fällt dann dadurch auf, dass es ein Rock’n’Roll ist, der immer wieder mit einer sehr hohen Stimme kombiniert wird. Wenn man an die vielen Rock’n’Roll-Stücke von ELO denkt, so ist dieser hier einer von den besseren Nummern.

„Mission (A World Record)“ ist eine überaus eingängige, hauptsächlich ruhige Nummer. Die Stimmung des Stücks wird durch einen nicht zu knappen Streichereinsatz noch unterstrichen. Das Stück wirkt ein wenig traurig bis melancholisch, hat was und gehört mit zu den Höhepunkten des Albums. „So Fine“ fängt dagegen fast schon fröhlich an. Hier finden sich deutlich treibendere Beats, die die Nummer neben der Melodie zu einem richtigen Mainstream-Stück werden lassen. Musik, die keinem weh tut. Dann gibt es in der Mitte noch einen eingeschobenen rhythmischen Part, der für Auflockerung sorgt, bis es wieder in den Anfangsteil übergeht.

Es folgt „Livin‘ Thing“. Das Stück beginnt mit einer nach Zigeunermusik klingenden Violine und wird dann ebenfalls zu einem Mainstream Popsong. Auch hier gibt es wieder Auflockerungen, die dieses Mal im Gewand der schon erwähnten Violine daherkommen. Dazu gesellt sich noch ein schön arrangierter, mehrstimmiger Gesang – Radiofreund, was willst Du mehr? „Above The Clouds” fällt dagegen ein wenig ab. Das Stück ist trotz seiner Kürze von nur etwas mehr als zwei Minuten irgendwie ein bisschen langweilig - und gleich wieder vergessen.

Die vorletzte Nummer auf der ursprünglichen Platte heißt „Do Ya“ und ist ein Rocktitel. Ziemlich gerade und ohne Schnörkel wird hier durchgerockt. Klar gibt es auch bei diesem Lied wieder ein paar Streichersequenzen und mehrstimmigen Gesang, aber sonst präsentiert sich dieser Track durchaus etwas kraftvoller als die restlichen Songs der Platte. Zum Ende gibt es schließlich noch „Shangri-La“ zu hören. Und hier werden sich die Geister mal wieder scheiden. Die einen werden es als schöne Ballade auffassen, die anderen als allzu schmalziges Werk. Geschmackssache – wie so häufig in der Musik, denn auch dieses Werk kann mit einer eingängigen Melodie aufwarten und es liegt am Ohr des Hörers, wie er diese eingruppiert. Als gelungen kann man allerdings auf jeden Fall das Ende des Stücks bezeichnen. Nicht weil es dann zu Ende ist, sondern eine wirklich gelungene Steigerung aufweist.

Sechs Bonus Tracks gibt es auf der remasterten Fassung zu hören. Eine Version mit alternativer Gesangsspur ist da von „Telephone Line“ zu hören, sowie vier instrumentale Mixe von „Tightrope“, „Above The Clouds“, „So Fine“ und erneut „Telephone Line“. Dazu gesellt sich mit „Surrender“ noch ein völlig neuer Song. „Surrender“ ist ein kurzes Lied, welches sogar ein wenig mehr in die Richtung Rock, als in die Popecke geht. Auf jeden Fall eine Bereicherung für das Album.

Fazit: Auf „A New World Record“ bekommt man Pop Musik zu hören. Nicht mehr und nicht weniger. Unter den Titeln befinden sich allerdings auch Stücke, die richtig gut ins Ohr gehen und somit dieses Album ein wenig über seinen Vorgänger herausheben. Während einer unaufgeregten Autofahrt macht das Album sicher Laune. Aber auch mit Kopfhörern auf dem Sofa gibt es hier einiges zu entdecken. Acht Punkte.

Anspieltipps: Tightrope, Telephone Line, Mission (A World Record), Livin‘ Thing







Sonntag, 25. März 2012

Genesis - Foxtrot





Genesis – Foxtrot


Besetzung:

Peter Gabriel – lead voice, flute, bass drum, tambourine, oboe
Tony Banks – organ, mellotron, piano, electric piano, 12 string, voices
Michael Rutherford – bass, bass pedals, 12 string guitar, voices, cello
Steve Hackett electric guitar, 12 string and 6 string solo
Phil Collins – drums, voices, assorted percussion
Richard Macphail – equipment and stage sound (sound friend)


Label: Charisma


Erscheinungsdatum: Oktober 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Watcher Of The Skies (7:24)
2. Time Table (4:48)
3. Get ‘Em Out By Friday (8:38)
4. Can-Utility And The Coastliners (5:48)
5. Horizons (1:44)
6. Supper’s Ready (22:58)
    I. Lover’s Leap
    II. The Guaranteed Sanctuary Eternity Man
    III. Ikhnaton And Itsacon And Their Band Of Merry Men
    IV. How Dare I Be So Beautiful
    V. Willow Farm
    VI. Apocalypse in 9/8 (Co-Starring The Delicious Talents Of Gabble Rachet)
    VII. As Sure As Eggs Is Eggs (Aching Men’s Feet)

Gesamtspieldauer: 51:20


 
Wenn über Alben gestritten wird, die den Titel erhalten sollen „das Progressive Rock Album aller Zeiten“ zu sein, dann belegt bei diesen Diskussionen Foxtrot von Genesis immer einen der ganz vorderen Plätze - wenn nicht den ersten Platz. Und das nicht nur wegen des knapp 23 minütigen „Supper’s Ready“, dem Genesis Klassiker der ersten Generation schlechthin.

Das Album beginnt mit „Watcher Of The Skies”, einem Stück, in dem Außerirdische auf der Erde landen und diese total verwüstet und menschenleer vorfinden. Vielleicht „häutet noch eine Eidechse ihren Schwanz“, aber der Mensch hat definitiv sein Ende gefunden. „This is the end of man's long union with Earth“. Klasse hier der Mellotron-Einsatz und das treibende Bassspiel Michael Rutherfords, die dem Stück eine tolle Stimmung verleihen.

In „Time Table“ wird es dann ganz abstrus, denn hier erzählt ein alter Eichentisch von Zeiten, als Könige und Königinnen ihren Wein noch aus goldenen Bechern nippten. Und auch in diesem Track findet sich wieder eine klasse Melodie, bei der Peter Gabriel im Refrain sein „Why?“ so wundervoll verzweifelt singt.

„Get ‘Em Out By Friday” nimmt dann im Songkatalog von Genesis einen ganz besonderen Platz ein, da es sich hierbei um ein sozialkritisches Lied handelt. Der Text des Liedes besteht aus den vertonten Aussagen einer gewissen Mrs. Barrows und diverser Protagonisten der fiktiven Firma „Styx Enterprises“, die Mrs. Barrow auf die Straße setzten wollen. Absolut genial dabei die Stimme Peter Gabriels, der die Aussagen Mrs. Barrows und die der anderen Mitwirkenden stimmlich umsetzt.

Die ursprünglich erste Seite der Platte wurde abgeschlossen durch „ Can-Utility And The Coastliners“. Ein wunderbar schwebendes Lied, auf dem die etwas schrägeren Töne allerdings auch nicht fehlen und es so zu einem weiteren Highlight von Foxtrot werden lassen. Sicherlich auch eines der Höhepunkte im Schaffen von Genesis in der Besetzung zusammen mit Peter Gabriel und Steve Hackett. Wunderschön melodiös ist hier alles, Musik in die man eintauchen kann, die zum Genießen geschrieben wurde. Und damit auch ein weiterer Leuchtturm des progressiven Rocks.

Das fünfte Lied auf der Platte ist das kurze Instrumentalstück „Horizons“, bei dem sich Steve Hackett zum ersten Mal als alleiniger Songschreiber auszeichnete. Das Lied erinnert wirklich an weite Horizonte und ist als Akustikstück geradezu dazu geschaffen, das nächste, viel komplexere Lied, „Supper’s Ready“, einzuläuten.

Was soll man zu „Supper’s Ready“ noch schreiben? Wenn Foxtrot „DAS progressive Album“ schlechthin ist, dann ist „Supper’s Ready“ sicherlich „DAS progressive Rock Lied“. Die sieben Teile der Nummer passen einfach perfekt zusammen. Jeder Ton, jeder Akkord, jedes Instrument und jeder Gesangspart, ob von Peter Gabriel und Phil Collins oder Banks, Collins, Gabriel und Rutherford im Chor, hier stimmt einfach alles. Und so verwundert es nicht, dass selbst Tony Banks dieses Lied als das beste ansieht, welches Genesis jemals geschrieben haben. Bei „Supper’s Ready“ hört man die filigranen Töne neben den bombastischen. Die schwebenden Passagen neben den geerdeten Parts. Die leisen Stellen neben den druckvollen. Und immer ist dieses Lied dabei umwerfend harmonisch und melodisch. Es ist abwechslungsreich und spannend, berührend und berauschend. Kurzum ein wahres Meisterwerk. Der seltsame Text handelt dabei übrigens von einem spirituellen Erlebnis, welches Peter Gabriel zusammen mit seiner damaligen Frau durchlebte. Es bringt gar nichts, die sieben Teile einzeln durchzugehen oder aber zu bewerten, da sie nur als Gesamtprodukt wirken und dies in einem Maße, wie es danach nie wieder geschehen sollte. Absolut genial.

Fazit: Das ist eines der wenigen 15 Punkte Alben, welches ich kenne. Ein an Musikalität und Einfallsreichtum nicht zu überbietendes Meisterwerk. Und dies in allen seinen Schattierungen, an allen seinen Stellen.

Anspieltipps: Supper’s Ready und alle anderen Titel



Samstag, 24. März 2012

Pink Floyd – Ummagumma





Pink Floyd – Ummagumma


Besetzung:

David Gilmour –guitar & vocals
Nick Mason – percussion
Richard Wright – keyboards
Roger Waters – bass guitar & vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1969 / 1994 / 2011


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

CD1:

1. Astronomy Domine (8:30)
2. Careful With That Axe, Eugene (8:51)
3. Set The Controls For The Heart Of The Sun (9:12)
4. A Saucerful Of Secrets (12:48)

CD2:

1. Sysyphus Part 1 (Richard Wright) (1:06)
2. Sysyphus Part 2 (Richard Wright) (3:25)
3. Sysyphus Part 3 (Richard Wright) (1:48)
4. Sysyphus Part 4 (Richard Wright) (6:56)
5. Grantchester Meadows (Roger Waters) (7:28)
6. Several Species Of Small Fury Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict (Roger Waters) (4:57)
7. The Narrow Way Part 1 (David Gilmour) (3:29)
8. The Narrow Way Part 2 (David Gilmour) (2:53)
9. The Narrow Way Part 3 (David Gilmour) (5:52)
10. The Grand Vizier's Garden Party Part 1 (Nick Mason) (0:59)
11. The Grand Vizier's Garden Party Part 2 (Nick Mason) (7:06)
12. The Grand Vizier's Garden Party Part 3 (Nick Mason) (0:40)




Gerade mal drei Monate nach dem Soundtrack “More” brachten Pink Floyd mit „Ummagumma“ ihr viertes Werk auf den Markt. Der Titel „Ummagumma“ ist ein Slangwort und bedeutet nichts anderes als Sex. Und genau so ungewöhnlich wie der Titel, so ist auch die Musik auf diesem Album – ungewöhnlich und absolut nicht alltäglich. Das liegt zum einen daran, dass das Album aus zwei Tonträgern besteht. Auf der ersten Platte beziehungsweise CD sind vier live eingespielte Titel zu hören, die zweite Platte beinhaltet dann eine Studio-LP. Aber auch darin liegt etwas Besonderes, denn hier sollte jedem Bandmitglied Raum gelassen werden. Jedem der vier Musiker stand eine halbe LP Seite zur Verfügung, die er mit seiner Musik füllen konnte. Und daraus resultiert mit „Ummagumma“ ein Album, welches eine halbe Live-Platte ist, zum anderen jedoch einen sehr experimentellen Ritt durch die Inspirationen der vier Pink Floyd Mitglieder Ende der 60er Jahre darstellt.

CD 1 oder Platte 1 wurde an drei Orten live eingespielt. Das waren Manchester, Birmingham und Bromley Common, eine kleine Gemeinde südlich von London. Die Songauswahl setzte sich dabei aus „Astronomy Dominé“ von „The Piper At The Gates Of Dawn“, sowie aus zwei Stücken von „A Saucerful Of Secrets“ zusammen. Dies sind die Lieder „Set The Controls For The Heart Of The Sun“, sowie der Titeltrack des zweiten Albums „A Saucerful Of Secrets“. Dazu gesellte sich als neuer Titel „Careful With The Axe Eugene“, ein Lied, welches bisher noch auf keiner LP erschienen war.

Nun die Stücke, soweit sie bisher auf Platten veröffentlicht waren, klingen „live“ sehr viel kräftiger und druckvoller, rockiger eben. Es sind Variationen der ursprünglichen Nummern, wobei beide, die ursprünglichen Studioaufnahmen auf den ersten beiden Platten Pink Floyds, wie diese Live-Einspielungen, ihren Charme haben. „Careful With The Axe Eugene“, bis dorthin nur als B-Seite der Single „Point Me At The Sky“ erschienen, ist ein kraftvolles Stück, welches durchaus auch melodiös klingt. Allerdings schwebt über der Nummer durchgängig diese psychedelische Atmosphäre, bei der es einem in der Mitte des Stücks eiskalt den Rücken runterläuft, wenn man bemerkt, dass der gute Eugen doch nicht so vorsichtig mit der Axt hantiert hat. Die Live-Atmosphäre hört man den vier Stücken übrigens nur jeweils ganz am Ende an, wenn man den Applaus des Publikums mehr wahrnimmt als hört.

Nun zur zweiten Platte beziehungsweise CD. Da ist mit Sicherheit nicht unbedingt für jeden etwas dabei. Das ist schon zum Teil sehr experimentell, sehr abgefahren, sehr avantgardistisch oder wie auch immer man diese Werke der vier Musiker nennen will. Rick Wrights Komposition macht den Anfang. „Sysyphus“ heißt sie, der griechischen Mythologie Gestalt entsprechend und ist in vier Teile untergliedert. Sehr kraftvoll und bombastisch beginnt das Stück mit einem dicken Orgelteppich und einer durchaus eingängigen Melodie. Teil 1 ist allerdings bereits nach etwas über einer Minute beschlossen und geht in einen Piano Solo Part über. Ist dieser zu Beginn noch sehr melodiös, so wird er im weiteren Verlauf des Stückes immer atonaler. Mit Händen, Armen und Ellenbogen scheint Rick Wright sein Piano hier zu bearbeiten, welches mit dumpfen und verstörenden Klängen darauf antwortet. Teil 3 von „Sysyphus“ ist dann völlig atonal und klingt mehr nach einer Aneinanderreihung von Tönen, als an Musik. Dazu gesellen sich seltsame hohe, schreiartige Laute und eines der ungewöhnlichsten Musikstücke ist perfekt. Im vierten und letzten Teil, der sieben Minuten dauert, geht es dann wieder sehr viel ruhiger zu. Sphärisch klingt es hier, fast so, als ob erneut eine Szene aus dem Film „More“ untermalt werden sollte, was durch die zeitliche Nähe beider Veröffentlichungen auch nicht weiter verwundern dürfte. Und so bleibt der Sound schwebend, bis etwa zur Mitte des Stücks die „Hölle losbricht“, kurz wieder ruhiger und atonal wird, um schließlich wieder in den ersten Part zu münden.

„Grantchester Meadows” heißt der erste Beitrag von Roger Waters. Mit Vogelgezwitscher beginnt das Stück und erinnert ein wenig an eine Folk-Nummer. Ein schöner und entspannter Titel entwickelt sich hier, der nur durch Gesang, mittels einer akustischen Gitarre und durch das bereits erwähnte Vogelgezwitscher instrumentiert ist. Legendär das Ende des Songs. Da hört man dann eine Fliege Brummen, jemand kommt die Treppe heruntergerannt und macht der Fliege lautstark den Garaus. Der zweite Beitrag Roger Waters’ heißt „Several Species Of Small Fury Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict”. Und genauso abgefahren wie der Titel, so ist auch die Musik in diesen fünf Minuten ihrer Dauer. Alles ist rhythmisch, alles huscht irgendwie herum und man kann diese kleinen, zornigen Viecher fast schon auf dem Boden herumwuseln sehen. Das Stück besteht nur aus bearbeiteten Stimmen, auf Instrumente wurde völlig verzichtet, lässt man mal das rhythmische Fingerklappern zu Beginn der Nummer außen vor. Wahrlich eines der seltsamsten Stücke der Musikgeschichte.

David Gilmour hat sich mit „The Narrow Way” auf Ummagumma verewigt. Aus drei Teilen besteht dieses Stück, das nun wieder sehr melodiös und harmonisch klingt. Die Akustikgitarre steht in „Part One“ im Vordergrund, es entwickelt sich eine angenehme Stimmung, die erst gegen Ende des Stücks durch manchmal sphärische, manchmal verspielte Töne angereichert wird. Im zweiten Teil wird es dann härter. Jetzt hat die E-Gitarre ihren Auftritt. Bis die Handlung vom Synthesizer übernommen wird. Nun wabert die Musik sphärisch bis weltraummäßig aus den Boxen, eine Melodieführung ist nicht mehr zu erkennen und die Atmosphäre des Stücks steht im Vordergrund. Der dritte Teil von „The Narrow Way“ ist schließlich der eingängigste Abschnitt des Stückes. Das Lied ist ganz klassisch mit Strophe und Refrain aufgebaut und erinnert in all seiner Stimmung irgendwie schon sehr an „Meddle“.

„The Grand Vizier's Garden Party” von Nick Mason ist ebenfalls in drei Abschnitte untergliedert. Teil 1 dauert eine Minute und besteht aus einem Querflötensolo, wobei hier zwei dieser Instrumente zu hören sind. Dann gibt es einen Trommelwirbel, der gleichzeitig auf den nächsten Part überleitet. Hier kann sich Nick Mason jetzt austoben. Im zweiten Teil gibt es Rhythmusparts, gefolgt von einem sehr schwebenden, mit dem Synthesizer instrumentierten Abschnitt, bis wieder die Rhythmusgeräte die Oberhand gewinnen und alles in einem heillosen Durcheinander mündet. Abschließend gibt es noch „Part Three“ zu hören, ein wahrer Kontrast, denn hier haben die Querflöten erneut ihren Auftritt und führen das Lied zu einem lieblichen Ende.

Fazit: „Ummagumma“ ist ein beeindruckendes Album. Sicherlich nichts für jeden, für Pink Floyd Fans allerdings ein absolutes Muss. Die erste CD ist eine interessante Alternative zu den Studioaufnahmen, da es aus dieser Zeit auch nur sehr wenige Live-Einspielungen von Pink Floyd gibt. Die zweite CD ist dann eine Achterbahnfahrt aus schönen und verstörenden Klängen. Und dabei sind hier Stücke oder zumindest Teile von Liedern enthalten, die man so bis dahin noch nie, danach allerdings auch nicht mehr gehört hat. Beeindruckend, allerdings nicht immer ganz überzeugend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Die erste CD, Sysyphus Part I und IV, Several Species Of Small Fury Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict, The Narrow Way Part III



Freitag, 23. März 2012

Rainbow – Long Live Rock’n‘Roll





Rainbow – Long Live Rock’n‘Roll


Besetzung:

Ritchie Blackmore – guitar, bass
Ronnie James Dio – vocals
Cozy Powell – drums
Bob Daisley – bass
David Stone – keyboards


Gastmusiker:

Bavarian String Ensemble – strings on “Gates Of Babylon”
Ferenc Kiss – 1st violin on “Rainbow Eyes”
Nico Nicolic – 2nd violin on “Rainbow Eyes”
Ottmar Machan – viola on “Rainbow Eyes”
Karl Heinz Feit – cello on “Rainbow Eyes”
Rudi Risavy – flute on “Rainbow Eyes”
Max Hecker – recorder on “Rainbow Eyes”


Erscheinungsjahr: 1978


Stil: Rock, Hard Rock


Label: Polydor


Trackliste

1. Long Live Rock N Roll (4:25)
2. Lady Of The Lake (3:39)
3. L.A. Connection (5:02)
4. Gates Of Babylon (6:51)
5. Kill The King (4:31)
6. The Shed (Subtle) (4:48)
7. Sensitive To Light (3:08)
8. Rainbow Eyes (7:27)




Und wieder gab es eine Umbesetzung bei Rainbow. Blackmore und Dio blieben der Band natürlich erhalten und glücklicherweise auch Cozy Powell, der mit seinem Schlagzeug bereits auf „Rising“ Maßstäbe gesetzt hatte. Bass und Keyboard wurden allerdings auch auf „Long Live Rock’n’Roll“ erneut neu besetzt. Dieses Mal durften sich Bob Daisley und David Stone an diesen Instrumenten betätigen. Und festzustellen bleibt: Alle fünf haben ihre Sache richtig gut gemacht, denn mit „Long Live Rock’n’Roll“ schaffte es Rainbow erneut, ein überzeugendes Rock-Album abzuliefern. Ein Album, welches auch heute immer noch Spaß macht gehört zu werden. Und ein Album, welchem man seine, inzwischen 34 Jahre, in keinster Weise anmerkt.

Die Platte beginnt gleich mit dem Titeltrack „Long Live Rock’n’Roll“. Eine kraftvolle und treibende Nummer, die das Herz eines jeden Hard-Rock-Fans höher schlagen lässt. Und da sieht man dann schon mal darüber hinweg, dass das komplette letzte Drittel des Stücks nur noch aus dem immer wieder gesungenen Satz „Long Live Rock’n’Roll“ besteht. Kleiner Schönheitsfehler, es wird allerdings sofort wieder besser mit „Lady Of The Lake“. Hier beweist Ritchie Blackmore einmal mehr sein Gespür für klasse Melodien, die packen und fesseln. Und dies alles im Gewand eines Hard-Rock-Songs.

Auch der nächste Track „L.A. Connection“ weiß zu überzeugen. Die Nummer war ursprünglich die B-Seite der Single mit „Kill The King“ auf der Vorderseite und stellt mit diesem Song die härteste Nummer auf dem Album dar. Und dann kommt er, der Stilbruch. Mit einer Art Keyboardfanfare wird „Gates Of Babylon“ eingeleitet. Schwebend und sphärisch, doch dann rockt auch diese Nummer los. Sicherlich ein Höhepunkt des Albums. Das Lied klingt fast schon ein wenig bombastisch, ohne jedoch in irgendeiner Art und Weise überladen zu wirken. Alles ist hier treibend und packend und mit Hilfe der Streicher wird es sogar, trotz der Härte, richtiggehend symphonisch. Dazu noch das klasse Solo Blackmores - ein absolut toller Song war geboren.

Aber das war nur das Einläuten des Höhepunktes. Denn dieser folgt mit „Kill The King“ sofort im Anschluss. Bei kaum einem anderen Song wird die Bezeichnung „Rock“ in dieser Konsequenz umgesetzt. Hier vibriert alles. Dieses Lied strotzt so was von „dermaßen“ vor Kraft, dass man sich im Bereich des Hard Rock eigentlich keine Steigerung mehr vorstellen kann. Das ist Rock von seiner allerbesten Seite - in Hochgeschwindigkeit. Wahrlich ein Meisterwerk des Hard Rock.

Und so wird es mit „The Shed“ fast schon ein wenig heimelig. Das Lied wird mit einem sehr sphärischen Gitarrensolo Blackmores eingeleitet, bevor es dann an Fahrt aufnimmt und sich auch zu einem guten „Rocker“ entwickelt, der allerdings gegen den Vorgänger deutlich abfällt. Nicht anders ergeht es da „Sensitive To Light“. Eine allzu einfache Melodie macht es zu dem wohl schlechtesten Track auf der Scheibe. Obwohl, schlecht ist das auch nicht, nur eben Durchschnitt und nichts Besonderes.

Das Besondere wartet dann allerdings noch im letzten Titel der Platte auf den Hörer. Da ist sie, die Ballade, die wirklich schön ist. „Schön“ ist tatsächlich das wohl richtige Wort an dieser Stelle. Fast lieblich klingen hier Querflöte und Streicher und man kann es kaum glauben, dass es eine Band schafft, auf ein und dasselbe Album „Kill The King“ und „Rainbow Eyes“ aufzunehmen. Aber Rainbow haben das im Jahre 1978 hinbekommen. Schön.

Fazit: „Long Live Rock’n’Roll“ ist ein richtig gutes Album. Für jeden, der auch etwas mit härterem Rock anfangen kann, besteht fast die Pflicht, dieses Album sein Eigen zu nennen. Auf dieser Platte wird Härte mit tollen Melodien vereint. Und auf dieser Scheibe gibt es den Song „Kill The King“, ein Stück Musik, das man gehört haben sollte. Deutlich zu schnell zum „Headbanging“, lässt es die anderen Körperteile mitzucken. Leider hört man auf „Long Live Rock’n’Roll“ das letzte Mal Ritchie Blackmore und Ronnie James Dio zusammen musizieren. Danach gingen beide getrennte Wege. Schade, denn auf das, auf was wir uns noch hätten einstellen dürfen – ach, wir werden es nie erfahren, denn Blackmore wollte mit Rainbow kommerzieller werden. Und das wurde er auch, wie man leider auf den nächsten Scheiben hören konnte. „Long Live Rock’n’Roll“ erhält elf Punkte.

Anspieltipps: Lady Of The Lake, Gates Of Babylon, Kill The King, Rainbow Eyes



Donnerstag, 22. März 2012

Marillion – Holidays In Eden





Marillion – Holidays In Eden


Besetzung:

Steve Hogarth – vocals
Steve Rothery – guitar
Mark Kelly – keyboards
Richard Wright – keyboards, vocals
Pete Trewavas – bass
Ian Mosley – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: September 1991


Stil: Mainstream Rock und Pop


Trackliste:

1. Splintering Heart (6:52)
2. Cover My Eyes (Pain And Heaven) (3:56)
3. The Party (5:37)
4. No One Can (4:40)
5. Holidays In Eden (5:28)
6. Dry Land (4:43)
7. Waiting To Happen (4:56)
8. This Town (3:19)
9. The Rakes Progress (1:54)
10. 100 Nights (6:42)




„Holidays In Eden“ heißt die zweite Veröffentlichung von Marillion, nachdem ihr ehemaliger Sänger Fish die Band verlassen hatte. Steve Hogarth hat diesen Part nun also zum zweiten Mal übernommen und er macht seine Sache nicht schlecht. Klar, die Musik wirkt jetzt anders, aber das ist wohl immer so, wenn ein charismatischer Sänger mit einer eindringlichen Stimme eine Band verlässt.

Es liegt wirklich nicht an Steve Hogarth, dass ich mit diesem Album nichts anfangen kann. Es packt mich einfach nicht. Alles ist so schön glattgebügelt, da gibt es keine Ecken und Kanten mehr, keine überraschenden Einfälle, alles ist vorhersehbar. Die Musik mag ganz nett zum nebenbei Anhören sein, aber sie langweilt. Warum „Holidays In Eden“ hören, wenn es doch so viel bessere Musik von Marillion gibt. Klar, jedes Marillion Album muss sich mit den ersten beiden Veröffentlichungen der Band messen, aber dieses hier, diese CD hält keinerlei Vergleich stand. Marillion sind hier endgültig im Mainstream Rock, manchmal sogar auch im Mainstream Pop angekommen. Dass sie das aber immer noch besser konnten, zeigten sie dann manchmal noch auf späteren Veröffentlichungen.

Fazit: Wie gesagt, auf „Holidays In Eden“ gibt es nicht wirklich schlechte Musik zu hören. Aber all diesen Liedern, die hier auf die CD gepresst wurden, fehlt das „gewisse Etwas“. Sie schaffen es nicht den Hörer zu packen, zu begeistern und größtenteils noch nicht mal, in Erinnerung zu bleiben. Das Album wurde für den breiten Musikmarkt produziert, sodass auch wirklich jeder Hörer etwas Eingängiges für sich finden kann. Das funktioniert allerdings leider nie. So werden keine großen Alben produziert. Das Album schafft es einfach nicht, einen großartig zu interessieren. Deshalb vergebe ich dafür auch nur vier Punkte.

Anspieltipps: Es ist noch nicht einmal einfach Anspieltipps zu nennen, da alle Lieder irgendwie belanglos sind. Kein Stück kristallisiert sich aus diesem Popbrei heraus, dass es besonderer Beachtung bedürfe. Am besten einfach mal alles durchhören, vielleicht findet ein anderer Hörer ja seine persönlichen Highlights, die ich einfach nicht entdecken kann.