Sonntag, 26. Februar 2012

The Verve – Urban Hymns





The Verve – Urban Hymnes


Besetzung:

Simon Jones – bass guitar
Peter Salisbury – drums
Richard Ashcroft – vocals, guitar
Nick McCabe – lead guitar
Simon Tong – guitar, keyboards


Label: Hut Recordings


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Brit Pop


Trackliste:

1. Bitter Sweet Symphony (5:58)
2. Sonnet (4:21)
3. The Rolling People (7:02)
4. The Drugs Don't Work (5:05)
5. Catching The Butterfly (6:27)
6. Neon Wilderness (2:38)
7. Space And Time (5:37)
8. Weeping Willow (4:50)
9. Lucky Man (4:53)
10. One Day (5:03)
11. This Time (3:51)
12. Velvet Morning (4:57)
13. Come On (15:15)




Sehr eingängigen Brit Pop präsentiert The Verve unter anderem auf ihrem Album „Urban Hymns“, aus dem Jahr 1997. Musik, die nicht lange Zeit benötigt, um ins Ohr zu gehen. Das fängt gleich beim ersten Stück „Bitter Sweet Symphony“, dem wohl bekanntesten Lied der Band aus Wigan, in der Nähe von Manchester, an. Es ist wahrlich fast eine Symphonie, die dort zu hören ist. Unterstützt durch das Andrew Oldham Orchestra wird hier ein unglaublich weicher und doch kraftvoller, eingängiger und interessanter Klangteppich erzeugt, der dieses Stück frei schweben lässt. Dieser wird durch die Violinen erzeugt, die eine kurze, sehr eingängige Melodie immer und immer wieder wiederholen. Leider hatten die Musiker um Richard Ashcroft jedoch finanziell nicht viel an dem Erfolg des Stücks, da sie die Tantiemen hierzu aufgrund eines verlorenen Rechtsstreits an die Rolling Stones abtreten mussten. Was bleibt ist eine sehr eingängige Nummer, die von den Violinen nahezu getragen und von The Verve klasse umgesetzt wird.

Auch der nächste Titel „Sonnet“ ist überaus ohrenkompatibel. Hier gibt zwar nicht ein Orchester den Weg vor, hier ist es die Gitarre, die eine wunderschöne Melodie entwickelt. Dazu Ashcrofts eindringlicher Gesang und fertig ist ein weiterer Höhepunkt des Albums. „The Rolling People“, Lied Nummer drei des Albums, wird eröffnet wie ein Rocksong Anfang der 70er Jahre. Eine Orgel ist da zu hören und ein sphärischer Sound entfaltet sich, der dann allerdings von der E-Gitarre getragen wird. Und auch wenn der Song nicht sofort ins Ohr geht, wie die beiden Vorgänger, so ist er doch eine klasse Nummer, die in ihren über sieben Minuten Länge nie Langeweile entstehen lässt. Gewundert hätte mich allerdings nicht, wenn sie auch wegen dieses Stücks einen Rechtsstreit verloren hätten, denn in dem Song gibt es eine Stelle, die fast schon unwirklich genau wie „The Four Horsemen“ von „Aphrodite’s Child“ klingt. Aber was auch hier bleibt: Ein richtig guter Song.

„The Drugs Don’t Work“ reiht sich dann in die Liste der ersten beiden Titel ein: Sehr eingängige Musik ist hier jetzt wieder zu hören, bei dem die Streicher wieder für die leicht melancholische bis sentimentale Stimmung sorgen. Und der Titel wurde ebenfalls ein Single-Hit. „Catching The Butterfly“ klingt dann manchmal ganz ähnlich wie „Radiohead“ auf „Ok Computer“. Völlig anders also, als die bisherigen Stücke des Albums. Eine nette Abwechslung, überzeugen kann das Stück allerdings nicht.

Und so geht es ein wenig weiter. Fast glaubt man, dass The Verve mit den ersten Stücken ihr Pulver auf „Urban Hymns“ schon verschossen haben. Die Lieder, die jetzt kommen sind auch nicht schlecht, allerdings erreichen sie nicht mehr die Klasse der Vorgänger. „Neon Wilderness“ ist sehr experimentell gehalten, zwar wieder Abwechslung, allerdings passt das Stück nicht so richtig zum Rest der Platte. „Space And Time“ ist anschließend wieder deutlich melodiöser ohne jedoch so richtig begeistern zu können. Selbiges gilt für „Weeping Willow“. Wie gesagt, dies sind alles keine schlechten Lieder, aber irgendwie klingt jetzt alles ein wenig glatt, Mainstream Pop eben.

Bei „Lucky Man“ haben die Streicher erneut ihren Auftritt und jetzt wird es wieder sehr viel melodiöser und eingängiger. Jetzt bewegt sich The Verve wieder auf dem Niveau der Ohrwürmer zu Beginn des Albums. Eine richtig gute Nummer. Das nachfolgende Stück „One Day“ klingt ein bisschen zu sehr nach Schmalz. Und damit sind sowohl die Musik, wie auch der Text gemeint. „This Time“ ist anschließend wieder ein wenig flotter, mit fast funkigen Ansätzen. „Velvet Morning“ klingt deutlich verträumter und auch ein bisschen langweiliger. Bliebe noch „Come On“. Das Lied ist natürlich keine 15 Minuten lang, sondern wieder mit einem „Hidden Track“ versehen, wie so oft bei Alben Ende der 90er Jahre. Das Stück läuft allerdings auch ohne Stille sechseinhalb Minuten und ist ein etwas härterer Titel. Dabei wissen die Wah-Wah-Effekte der Gitarre durchaus zu gefallen. Ganz am Ende, bei dem „Hidden Track“, handelt es sich um Sphäre pur, in die ein etwas bearbeitetes Babygeschrei eingebaut wurde.

Fazit: „Urban Hymns“ hat seine Stärke deutlich mehr in der ersten Hälfte des Albums. Dort gibt es mehrere richtig gute Songs zu hören, die sofort ins Ohr gehen. Der ganze Rest ist nicht schlecht, allerdings auch nicht mehr als Durchschnitt. Was bleibt ist trotzdem ein gutes Pop Album mit zehn Punkten.

Anspieltipps: Bitter Sweet Symphony, Sonnet, The Rolling People, The Drugs Don't Work, Lucky Man



Samstag, 25. Februar 2012

Circle – Alotus





Circle – Alotus


Besetzung:

Teemu Elo – guitars
Jyrki Laiho – guitars
Jussi Lehtisalo – bass
Janne Pettomäki – drums
Mika Rättö – keyboards, vocals


Label: Klangbad


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Elektronische Musik, Postrock


Trackliste:

1. Työlaisten Laulu (11:45)
2. Alotus (11:26)
3. Northern Sky (2:37)
4. Iopetus (11:10)
5. Potto (10:11)



Progressiven Rock und Krautrock im klassischen Sinne, sowie Spacerock à la Hawkwind, hört man auf „Alotus“ nur vereinzelt von den fünf Finnen. Die Musik klingt ein wenig nach Klaus Schulze. Aber auch nicht nach Klaus Schulze, wie man ihn kennt, sondern eher nach Klaus Schulze, wenn dieser versucht hätte, mal etwas „härter“ zu klingen.

Gleich das erste Lied „Työlaisten Laulu“ (wenn „mein Finnisch“ mich nicht ganz verlässt: „Arbeiterlied“) spiegelt das sehr gut wieder. Da werden Gitarrenläufe fast schon hypnotisierend wiederholt und bei lautem Hören des fast zwölfminütigen Stücks fehlt nicht viel und man hat sich in Trance versetzt. Es kann sich dabei also nur um sehr eintönige Arbeit am Fließband handeln, der Track selbst ist allerdings überhaupt nicht langweilig oder eintönig.

„Alotus“ der Titeltrack, beginnt härter, geht aber schnell in einen Drumpart mit sphärischen Gitarren über. Und je länger das Stück dauert, desto eher fühlt man sich wieder an Klaus Schulze und mit Abstrichen an Tangerine Dream erinnert, nur wieder härter. Dann folgt ein Teil des Liedes, auf dem eine Art „Growling“-Sprechgesang zu hören ist, bis das Ganze in Töne mündet, die einen unweigerlich an einen Magen-Darm-Virus erinnern: Kurzzeitig übergibt sich da Jemand. „Nothern Sky“, das kürzeste Lied auf dem Album, ist ganz gitarrenorientiert und erinnert so gar nicht mehr an Schulze und Co. Eine schöne sphärische Gitarre schafft eine Stimmung, wie man sie wirklich haben kann (oder sich zumindest vorstellt), wenn man sich im Winter mal in den nördlicheren Gefilden Finnlands rumtreibt. Düster und melancholisch.

„Iopetus“ ist erneut ganz anders, sehr ruhig gehalten und bestimmt durch eine nicht alltägliche Gesangsspur, die mitunter sogar an die Stimme eines Klaus Nomi erinnert. Nur, das ist hier kein Pop, „Iopetus“ geht jetzt wirklich in die Richtung „sphärischer Krautrock“, bei dem der „Trance-Anteil“ auch wieder nicht zu kurz kommt. Gegen Ende des Stücks reißen einen schließlich verzerrte Gitarren aus allen Tagträumen. Den Abschluss bildet dann das Stück „Potto“. Dieses Lied beginnt absolut minimalistisch, bis nach drei Minuten der finnische und mehrstimmige Gesang einsetzt. Dabei wird das redundante Grundthema beibehalten. Nach 6:30 wird es dann richtig metal-mäßig und laut, wobei das Grundthema weitergeführt wird und klasse, den jetzt deutlich härteren Tönen, angepasst wurde.

Fazit: Ein interessantes und dichtes Album, welches trotz seiner Mantra artigen Wiederholungen nie langweilig wird, haben die fünf Finnen von Circle da vorgelegt. Und wer die Stimmung elektronischer Musik mal mehr von Gitarren dominiert hören möchte, kann hier wirklich nichts falsch machen. Von mir gibt es dafür neun Punkte.

Anspieltipps: Muss man wohl durchhören.



Freitag, 24. Februar 2012

Electric Light Orchestra – On The Third Day





Electric Light Orchestra – On The Third Day


Besetzung:

Jeff Lynne – vocals, guitars, synthesizer
Bev Bevan – drums and percussion
Richard Tandy – keyboards, guitar
Michael D'Albuquerque – bass
Mik Kaminski – violin
Mike Edwards – cello
Hugh McDowell – cello


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Art Rock, Pop


Trackliste:

1. Ocean Breakup / King Of The Universe (4:07)
2. Bluebird Is Dead (4:43)
3. Oh No Not Susan (3:07)
4. Ocean Breakup Reprise (4:05)
5. Showdown (4:09)
6. Daybreaker (3:51)
7. Ma-Ma-Ma Belle (3:57)
8. Dreaming Of 4000 (5:04)
9. In The Hall Of The Mountain King (6:38)


Bonus Tracks:

10. Auntie (Ma-Ma-Ma Belle) - Take 1 (1:19)
11. Auntie (Ma-Ma-Ma Belle) - Take 2 (4:05)
12. Mambo (Dreaming Of 4000) - Alternate Mix (5:05)
13. Everyone's Born To Die (3:43)
14. Interludes (3:41)

Gesamtspieldauer: 57:35



Es stimmt, hier, mit ihrem dritten Album, „On The Third Day“, ist das Electric Light Orchestra wieder einen Schritt weiter in Richtung Pop geschritten. Allerdings unterscheidet sich die Musik auf diesem Werk noch sehr stark von den Veröffentlichungen, die ELO um die 80er Jahre herum auf den Markt schmeißen sollte. Hier gibt es sie noch zu entdecken, die schönen und intelligenten Melodien, die noch so gar nicht mainstreammäßig klingen.

Der Opener „Ocean Breakup / King Of The Universe” beginnt wie ein Kammerstück. Wieder mal stehen auf einem ELO-Album die Streicher mit im Vordergrund und unterstützen die Stimmung des Stücks, das mit einer schönen Melodie aufwartet. Wohl so schön, dass Jeff Lynne davon nicht ablenken wollte, daher der Gesang zunächst nur bestehend aus „Aaaahs“ und „Ooohs“. Und so entsteht ein eingängiges und fast schon sanftes Stück Musik.

Es geht direkt weiter mit „Bluebird Is Dead”. Einer ziemlich traurigen Nummer, die einen irgendwie an die Beatles erinnert. Bei diesem getragenen Titel spielen ebenfalls wieder die Streicher eine große Rolle, was nicht weiter verwundert, denn unter den festen Bandmitgliedern der damaligen Zeit befinden sich unter anderem auch zwei Violinisten und ein Cellist. Und diese Zutaten, Streicher in Verbindung mit getragener Stimmung, kommen auch bei „Oh No Not Susan“ zum Tragen. Und die Ähnlichkeit in den Stilmitteln geht sogar so weit, dass man auch hier erneut glaubt, ein verschollenes Lied der Beatles entdeckt zu haben.

“Ocean Breakup Reprise” kommt dann schon deutlich eigenständiger daher und entspricht sehr viel mehr dem Sound des “Electric Light Orchestras” Anfang der 70er Jahre. Das Lied ist spannend, wieder mit einem sehr großen Part für Violine und Cello versehen und hat eine klasse, eingängige Melodie. Wirklich gut gemacht und ein Höhepunkt des Albums.

Poppiger, aber durchaus auch überzeugend wird es dann bei „Showdown”. Das Lied hat einen guten Groove und gerade das Zusammenspiel der Streicher mit dem Synthesizer erzeugt hier eine richtig interessante Stimmung. Würden alle Pop-Lieder so klingen, dann wäre Pop-Musik etwas durchaus Anspruchsvolles.

Es folgt eines der seltenen Instrumentalstücke des Electric Light Orchestras: “Daybreaker”. Was zunächst erneut mit Streichern beginnt, wird dann von einer Keyboard-Melodie getragen. Auch hier bewegen wir uns wieder in Pop-Gefilden. Eigentlich nicht weiter schlimm, allerdings ist dieses Stück schon deutlich weniger anspruchsvoll als seine Vorgänger. Nicht zuletzt der fast durchgängig stampfende Rhythmus erzeugt hier eher Langeweile als Aufgeregtheit oder Interesse.

Noch ein bisschen schlechter wird es dann bei „Ma-Ma-Ma Belle“. Wieder mal so ein irgendwie uninspiriert wirkender Rocker, der auch immer wieder auf den Scheiben von ELO auftaucht. Wäre das zehn Jahre später gewesen, würde das Stück mit Sicherheit zum Highlight der Scheibe werden. Aber hier, auf „On The Third Day“ aus dem Jahr 1973, gehört es zu den schlechteren Stücken.

Aber noch hatte Jeff Lynne sein Pulver auf dem dritten Album nicht ganz verschossen. Denn auf den Hörer wartet noch ein absolutes Highlight im Songkatalog des Electric Light Orchestras. „Dreaming Of 4000“ ist eine klasse Nummer. Wieder ruhiger gehalten, um dann doch noch Fahrt aufzunehmen und zu begeistern. Viele Rhythmuswechsel gibt es während dieses Stücks, das Ganze versehen mit wunderschönen Melodien. Und auch bei diesem Titel wird den Streichern wieder der nötige Raum zugestanden und auch sie tragen somit zu diesem schönen Hörerlebnis bei.

Das ursprünglich letzte auf der Platte vorhandene Stück “In The Hall Of The Mountain King“ ist wieder mal eine Bearbeitung eines klassischen Stücks, wie es auf der Platte zuvor „Roll Over Beethoven“ war. Wenn man sich allerdings „In der Halle des Bergkönigs“ aus „Peer Gynt“ von Edvard Grieg anhören möchte, ist es eindeutig besser, diesem Stück in der richtigen, klassischen Instrumentierung zu lauschen. Das kommt einfach besser. Doch auch dieses Stück wurde zu einem festen Bestrandteil der Live-Auftritte der Band. Man fragt sich: „Warum?“ - bei dem restlichen, tollen Material auf dieser Platte.

Und auch auf dieser remasterten Version gibt es wieder einige Bonus Tracks zu hören. Dass diese dann allerdings, bis auf die letzte Nummer, identisch sind, mit den Bonus Tracks auf ELO 2, zeugt entweder von wenig Sorgfalt oder aber von wenig Interesse am Kunden beziehungsweise Konsumenten. Und dabei sind Bonus Track 3 und 4 sogar richtig gut – wenn auch doppelt. „Mambo (Dreaming Of 4000) - Alternate Mix” ist eine schöne Alternative zum offiziellen Track und bei „Everyone's Born To Die“ wundert man sich immer, dass dieses Stück nie ein offizielles Lied eines Album war oder wurde. Der einzige neue Bonus Track heißt „Interludes“ und ist eine gaaanz ruhige und sphärische Angelegenheit.

Fazit: Auch wenn „On The Third Day” irgendwie einen Mix aus den ersten beiden Platten und den späteren, poppigeren Alben darstellt, ist es ein gutes Album geworden. Hier klingen einige Lieder noch progressiv und die anderen, die Pop Stücke, sind Titel der besseren Sorte, die ebenfalls gefallen können. Auch diese Platte ist durchaus gelungen und hat noch so garnichts mit Disco und billigem Pop zu tun. Wem die ersten beiden ELO-Alben gefallen, der wird auch mit dem dritten „On The Third Day“ etwas anfangen können. Dafür gibt es zehn Punkte.

Anspieltipps: Ocean Breakup / King Of The Universe, Ocean Breakup Reprise, Showdown, Dreaming Of 4000







Donnerstag, 23. Februar 2012

Zee – Identity





Zee – Identity


Besetzung:

Richard Wright – keyboards, backing vocals, percussion, fairlight;
Dave Harris – guitars, lead vocals, keyboards, percussion, fairlight;


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: New Wave, Pop


Label: EMI


Trackliste:

1. Cönfüsiön (3:44)
2. Vöices (3:54)
3. Priväte persön (5:49)
4. Stränge rhythm (5:18)
5. Cüts like ä diämönd (5:55)
6. By töüching (5:21)
7. Höw dö yöü dö it (2:00)
8. Seems we were dreäming (4:53)




Rick Wright hatte gerade frei. Er war bei Pink Floyd entlassen und die Neuformierung unter der Leitung von David Gilmour hatte noch nicht begonnen. Die Rechtsstreitereien über die Rechte am Namen „Pink Floyd“ nahmen gerade an Fahrt auf, aber auch darin war Rick Wright zunächst nur am Rande involviert. Er genoss das süße Leben auf Rhodos und als er diesem überdrüssig wurde, nahm er mit Dave Harris, unter dem Projektnamen „Zee“, das Album „Identity“ auf. Er hätte besser auf Rhodos bleiben sollen…

Bereits die Aufmachung der CD, wie die der Platte, weist darauf hin, dass es sich hierbei wohl nicht um ein Album im Stile von Pink Floyd handelt. Die Außenhülle des Booklets ist schlicht in Silber und etwas Rosa gehalten. Die Innenseite ist dann völlig rosa. Alles sehr langweilig und so gar nichts erinnert hier an die zum Teil surreal gestalteten Pink Floyd Cover von Hipgnosis beziehungsweise Storm Thorgerson. Aber noch seltsamer erscheinen einem diese komischen „Ä’s“, „Ö’s“ und „Ü’s“, die sowohl die Songtitel wie auch die Credits verzieren.

Nun also Richärd Wright und Däve Härris zeichnen sich für die Musik auf „Identity“ verantwortlich. Aber genauso wenig, wie das Cover einem Pink Floyd Cover entspricht, genauso wenig entspricht die hier zu hörende Musik der von Pink Floyd oder einem der beiden Soloalben von Richard Wright.

Was man zu hören bekommt ist schlecht gemachter Synthie-Pop, so in der Art von New Order nur auf einem viel tieferen Niveau. Hier weiß gar nichts zu überzeugen, weder Gesang, noch die Texte, noch die zum Teil sogar fehlenden Melodien. Das, was man hier zu hören bekommt ist schlecht, abgrundtief schlecht sogar. Das Kreativste an der ganzen Scheibe sind wahrlich diese komischen Umlaute.

Auf dem Cover ist ein Sticker mit der Aufschrift: „Featuring Richard Wright ex Pink Floyd“. Ich nehme an, ohne diesen Aufkleber hätten sie keine einzige Platte oder CD davon verkauft. Alle Titel entstanden in Zusammenarbeit von Rick Wright und Dave Harris, wobei sich letzter als alleiniger Autor der Texte auszeichnete. Aber wie es Richard Wright schaffte, diese Art von Musik mit zu komponieren, bleibt mir ein Rätsel.

Fazit: Nun, dieser Synthi-Pop hat überhaupt nichts mit Pink Floyd und schon gar nichts mit Progressiver Rockmusik zu tun. Die Melodien sind, soweit überhaupt vorhanden, lahm, uninteressant und zum Teil richtig nervig. Alles wirkt absolut unausgewogen, als ob es in wenigen Stunden zusammengestöpselt worden wäre. Einzig das Lied „Voices“ (ich wehre mich irgendwie gegen dieses blöde „ö“), auf dem Wright auch den Gesang übernimmt, ist akzeptabel. Und dieses Lied ist es auch, weshalb ich diesem Werk doch noch einen Punkt mehr gebe, als dem absoluten Bodensatz. Ist aber wirklich nur was für Leute, die alles von Rick Wright oder im weitesten Sinne von Pink Floyd haben wollen. Sonst Finger weg. 2 Punkte.

Anspieltipps: Voices, der Rest ist ganz, ganz schlecht.



Mittwoch, 22. Februar 2012

Deep Purple – Deep Purple





Deep Purple – Deep Purple


Besetzung:

Rod Evans – vocals
Ritchie Blackmore – guitar
Jon Lord – organ
Nick Simper – bass
Ian Paice – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Rock, Progressive Rock, Klassik-Rock


Trackliste:

1. Chasing Shadows (5:33)
2. Blind (5:26)
3. Lalena (5:05)
4. Fault Line (1:46)
5. The Painter (3:51)
6. Why Didn't Rosemary? (5:04)
7. Bird Has Flown (5:35)
8. April (12:10)


Bonus Tracks:

9. The Bird Has Flown (Alternate A-Side Version) (2:54)
10. Emmaretta (3:01)
11. Emmaretta (BBC Top Gear Session) (3:09)
12. Lalena (BBC Sounds Like Tony Brandon Show Session) (3:33)
13. The Painter (Version One) [BBC Sounds Like Tony Brandon Show Session] (2:17)



Okay, die dritte Scheibe von Deep Purple, kurz nur mit “Deep Purple” bezeichnet, ist anders, als all die Platten, die man sonst von Deep Purple her kennt, beziehungsweise anders als das, für was die Band später stehen sollte: Hardrock, oftmals bluesig angehaucht. Auf „Deep Purple“ aus dem Jahr 1969, klingt die Band noch sehr progressiv und auch ein wenig experimentell. Zudem ist dieses dritte Album auch das letzte, was in der ursprünglichen Besetzung der Band aufgenommen wurde. Nach diesem Album wurden Nick Simper und Rod Evans durch Roger Glover und Ian Gillan ersetzt.

Und es ist ein Lied, welches auf diesem Album ganz klar hervorsticht. Der „Übersong“ des Albums: „April“. Dieses Stück Musik ist ein wahrer Rausch für den Gehörssinn. Das Lied beginnt mit einem fetten Orgelsound, wird dann herrlich beschwingt, durch eine Akustikgitarre, getragen von einem breiten Orgelklangteppich. Schließlich wird die akustische Gitarre eine elektrische und Chöre füllen den Raum hintergründig aus. Anschließend kommen alle Stilmittel und Instrumente gleichzeitig zum Einsatz und es entsteht eine herrliche Symbiose aus allem, bisher Gehörtem. Dann folgt der klassische Abschnitt des Stücks, nur noch instrumentiert durch ein Orchester. Ein Kammermusikstück entfaltet sich hier und dieses hat wahrlich eine unglaubliche Qualität. Letzteres liegt nicht zuletzt daran, dass Deep Purple hier nicht den Fehler begehen, ein klassisches Musikstück zu adaptieren, wie es etwa ELO mit Beethovens Neunter oder Auszügen aus Peer Gynt von Grieg machten. Nein, hier entspringt die Idee zur Musik den Vorstellungen von Ritchie Blackmore und Jon Lord. Und diese Vorstellung kann wahrlich begeistern und überzeugen. Absolut klasse gemacht. Und die Qualität der Nummer wird anschließend auch im dritten Teil des Stückes fortgeführt, der sich nun dem Hard Rock annähert. Und so fragt man sich: Rock, Hard Rock und Klassik, kann das zusammenpassen? Ganz klares „Ja“. Mit „April“ hat Deep Purple selbiges bewiesen.

Nun zu den anderen Stücken auf dem Album, denn auch diese können überzeugen. „Chasing Shadows“ ist ein treibendes Rock-Stück, was vor allem bezüglich der Rhythmusfraktion außergewöhnlich ist. Der Gesang Evans ist hier langsam und getragen, ganz im Gegenteil zum Bass, Schlagzeug und diversen anderen Schlaginstrumenten, die loslegen, was das Zeug hält. Und dieses Zusammenspiel erzeugt eine ganz eigene Stimmung, die die Nummer ein wenig gehetzt wirken lassen, ohne dass dies in diesem Fall negativ gemeint wäre. Zudem beinhaltet der Titel noch ein wirklich gutes Orgelsolo von Jon Lord. Und auch das Ende des Stücks ist interessant, denn das kommt ganz unverhofft und unerwartet. „Blind“, Lied Nummer 3 auf dem Album, klingt dann wieder völlig anders. Spinettartige Klänge sind da zu hören, das Ganze in Kombination mit einer schönen Gesangsmelodie und fertig ist das getragene Lied, das so herrlich relaxt den Weg zum Ohr des Hörers findet.

„Lalena“ ist ein Donovan Cover. Ganz langsam und sehr zurückhaltend instrumentiert. Die Ballade des Albums, bei der Evans so schön sehnsüchtig singt. Die beiden folgenden Stücke „Fault Line“ und „The Painter“ waren auf der ursprünglichen CD, wie auf der originalen LP-Version des Albums, zu einem Track zusammengefasst. „Fault Line“ ist etwas experimentell, mit rückwärts abgespielten Orgelakkorden sowie einer sphärischen Gitarre, die dem Titel die Melodie verleiht. Das Stück ist auch nicht sonderlich lang und wird dann von „The Painter“ abgelöst. Eine Rock Nummer bei der man diese Hammond Orgel Jon Lords hört, die damals, Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre so in war und einfach klasse klang. Dazu gesellt sich ein Gitarrensolo Ritchie Blackmores, welches sich mit einem Orgelsolo abwechselt. Eine richtig gute und schnelle Nummer.

„Why Didn’t Rosemary“ präsentiert sich schließlich eher als Rock’n’Roll. Und auch dieses Lied beinhaltet wieder erstklassige Instrumentalpassagen, bestehend aus Orgel- und Gitarrensoli, die einfach mitreißend umgesetzt sind. „Bird Has Flown“ ist im Anschluss daran wieder eine etwas härtere Nummer. Von „richtigem“ Hard Rock kann man dabei allerdings noch nicht sprechen. Vielmehr ist das Stück ein gitarrendominierter Track, der dann ebenfalls mit einem Orgelsolo aufwartet und hier eine richtig progressive Stimmung erzeugt. Es folgt schließlich „April“, ein ursprünglich wahrlich würdiger Abschluss für dieses Meisterwerk von Deep Purple.

Auf der remasterten Version von 2000 sind nun noch fünf Zugaben enthalten. Dabei handelt es sich bei „The Bird Has Flown“ um eine alternative Version des Originals, welches an dieses jedoch nicht heraneicht. „Emmaretta“ ist ein kurzer Rocker, ganz im Stile der damaligen Zeit und deutlich einfacher aufgebaut, als die ursprünglichen Titel des Albums. Das Stück gibt es anschließend noch in einer BBC Top Gear Session Version. Auch von „Lalena“ ist eine weitere Version enthalten, die hier wunderschön klar klingt. Sonst sind die Bonus Tracks allerdings leider von etwas schlechterer Tonqualität. Zum Abschluss der remasterten Fassung gibt es dann noch eine Version von „The Painter“ mit ganz viel Wah-Wah-Effekten zu hören.

Fazit: „Deep Purple“ von „Deep Purple“ ist ungewöhnlich für „Deep Purple“. Das liegt nicht an der Qualität der Musik, sondern an deren Art. Mit „April“ findet sich auf dem Album ein Meilenstein im Songwriting der Band. Allerdings sind auch die anderen Stücke von hoher Qualität und auf der remasterten Version des Albums kommen die einzelnen Instrumente noch einen Tick besser zur Geltung. Ein nicht ganz alltägliches Rockalbum, welches man als Rockfan kennen sollte und welches auch für Fans progressiver Rock-Musik interessant ist. Dafür gibt es dreizehn Punkte.

Anspieltipps: April und all die anderen guten Titel.



Dienstag, 21. Februar 2012

Stina Nordenstam – Memories Of A Color





Stina Nordenstam – Memories Of A Color


Besetzung:

Stina Nordenstam – vocals, grand piano, keyboards


Gastmusiker:

Mats Persson – percussion
Magnus Persson – percussion
Christian Veltman – bass
Max Schultz – guitar
Henrik Janson – guitar, keyboards
Anders Persson – keyboards
Johan Ekelund – keyboards
Johan Hörlén – saxophone
André Ferarri – percussion
Christian Spering – bass
David Wilczewski – saxophone
Lasse Andersson – guitars, cither
Per Hammarström – violin
Charlotte Häggström – violin
Anna Harju – viola
Kerstin Isaksson – cello
Backa Hans Eriksson – bass
Rafael Sida – percussion
Ulf Janson – guitar
Staffan Svensson – trumpet
Ronnie Sjökvist – violin
Katarina Wassenius – cello
Johann Ahlin – french horn
Jan Lejonclou – french horn


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: ArtPop


Label: Warner Music UK Ltd.


Trackliste:

1. Memories Of A Color (4:46)
2. The Return Of Alan Bean (6:29)
3. Another Story Girl (3:38)
4. His Song (7:17)
5. He Watches Her From Behind (3:03)
6. I’ll Be Cryin’ For You (5:21)
7. Alone At Night (5:50)
8. Soon After Christmas (6:57)
9. A Walk In The Park (3:41)




Man könnte meinen, bei solch einer Anzahl von Gastmusikern, dass es sich beim ersten Album der Schwedin Stina Nordenstam um ein orchestrales Werk handelt, auf dem den Instrumenten ein besonders großer Raum eingeräumt wird. Doch weit gefehlt, „Memories Of A Color“ ist ein absolut minimalistisches Album, welches hauptsächlich von der unglaublich zerbrechlich wirkenden und oftmals nur flüsternden Stimme Stina Nordenstams lebt. Und diese Stimme erzeugt Melancholie.

Das erste Stück der CD ist zugleich das Titelstück des Albums. „Memories Of A Color“ ist eine TripHop Nummer und könnte so ähnlich wohl auch auf einem Portishead-Album zu finden sein. Das folgende Stück, „The Return Of Alan Bean“ swingt dagegen sogar ein wenig und zeigt eine weitere Facette des Songwritings der Schwedin. Erneut in eine andere Richtung geht „Another Story Girl“, ein Lied welches mit einer wunderschönen Gesangsmelodie aufzuwarten weiß und von dem Zusammenspiel zwischen Gitarre und Zither getragen wird. Dieses Lied wurde auch als Single ausgekoppelt und lief seinerzeit sogar als Video auf MTV und ist auch der Höhepunkt des ganzen Albums.

Das nächste Stück, „His Song“, geht dann schon sehr in die jazzige Richtung, solche Anleihen kann man ebenso bei den folgenden Liedern „He Watches Her From Behind“ und „I’ll Be Cryin‘ For You“, entdecken. Gänzlich minimalistisch wird es dann in den letzten drei Tracks des Albums. Diese sind nur noch spärlich instrumentiert und leben in ihrer Stimmung allein von der Stimme Stina Nordenstams. So ist das letzte Lied, „A Walk In The Park“, fast ein a capella Stück, bei dem man nur ganz kurz, das in den Credits angegebene Keyboard wahrnehmen kann.

Fazit: Alles was man auf „Memories Of A Color“ zu hören bekommt, wird man lieben oder hassen, einen Mittelweg gibt es da kaum. Das fängt bei der Stimme an und setzt sich im Einsatz der Instrumentierung fort. Daher auch die Empfehlung, in diese CD vor dem Kauf unbedingt einmal reinzuhören, ob man mit dieser Art Musik auch etwas anfangen kann. Für mich ist es bis auf das Stück „Another Story Girl“ etwas zu minimalistisch und zu zerbrechlich. Und so gibt es von mir dafür nur 5 Punkte.

Anspioeltipps: Another Story Girl, der Rest ist ganz anders.




Montag, 20. Februar 2012

Frank Black And The Catholics – Frank Black And The Catholics





Frank Black And The Catholics – Frank Black And The Catholics


Besetzung:

Frank Black – vocals, guitar left
Scott Boutier – drums
David McCaffrey – bass, backing vocals
Lyle Workman – guitar right


Label: Cooking Vinyl


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Rock, Punk


Trackliste:

1. All My Ghosts (3:32)
2. Back To Rome (3:26)
3. Do You Feel Bad About It? (2:08)
4. Dog Gone (3:01)
5. I Gotta Move (3:37)
6. I Need Peace (5:13)
7. King & Queen Of Siam (2:51)
8. Six-Sixty-Six (3:04)
9. Solid Gold (4:19)
10. Steak 'N' Sabre (3:47)
11. Suffering (2:58)
12. The Man Who Was Too Loud (3:32)




Als Frank Black, manchmal auch Black Francis, gebürtig allerdings Charles Thompson, der Ex-Sänger der Pixies, 1998 mit seiner neuen Begleitband, „The Catholics“ ein neues Album auf den Markt brachte, konnte man gespannt sein. Denn es war eine Live-Aufnahme im Tonstudio, die hier mit einem Zweispurgerät aufgenommen wurde. Dieser Live-Sound wird durch diverse Einzählungen in die Titel auch immer wieder betont. Man kann es sogar in den Credits nachlesen, Frank Blacks Gitarre kommt aus dem linken, die von Lyle Workman aus dem rechten Lautsprecher. Und auch wenn die Becken irgendwie scheppern, so bleibt am Sound des Albums nicht viel auszusetzen. Denn der klingt durchaus gelungen.

Anders sieht es da leider ein wenig bei den Songs des Albums aus. Die wirken mitunter nach Schnellschuss, manchmal auch etwas uninspiriert. Da gibt es zum Beispiel die Country Adaption „Six Sixty-Six“, ein Stück, welches unglaublich langweilig klingt. Und wenn Frank Black dann auch zu schreien anfängt, dann wird es richtig unangenehm. Dass der Mann nicht unbedingt begnadet singen kann, das weiß man. Dass dieser „Mangel“ allerdings so „zur Schau“ gestellt werden muss, ist zumindest skurril. Und beim Hören dieses Stückes denkt man auch nicht an Ironie, die mit dem Gesang vielleicht vermittelt werden sollte. Irgendwann klingt es nur noch schlecht.

Glücklicherweise ist dieser Titel allerdings der tiefste Ausschlag nach unten. Der Rest der Lieder ist meist ziemlich nichtssagend, manchmal noch ganz guter Rock, allerdings nichts, was einen packt, womit man sich länger und öfters beschäftigen möchte. Irgendwie ein Einheitsbrei. Allgemein lockert es Musik auch immer wieder auf, wenn da mal ein „falscher“ Ton eingestreut wird. Das kann spannend sein. Wenn es aber so wirkt und klingt, dass das nicht beabsichtigt war (was es aber natürlich doch war), dann klingt es einfach nicht mehr gut. Und das kommt immer wieder vor.

Ganz gelungen sind „Back To Rome“, ein guter Rocker, der groovt und nett anzuhören ist. Selbiges gilt für „Do You Feel Bad About It?“ Schöne, eingängige Melodie und ein Rhythmus, der zum Mitwippen animiert. „Dog Gone“, im Anschluss daran, wird dann fast schon balladenartig vorgetragen. Auch ein guter Track, der sogar richtig ins Ohr geht. „Steak ‚n‘ Sabre“ macht dies ebenfalls. Hier muss man sich mit dem Gesang Frank Blacks allerdings schon arrangieren können. Trotzdem bleibt es ein guter Song, der dieses gewisse Etwas hat, was hängenbleibt.

Der Rest der Nummern ist, naja, „nicht schlecht“. Aber der Rest der Nummern ist auch nichts Besonderes. Ganz nett anzuhören, aber das bewegt nicht weiter. Wenn man es gut meint, kann man sagen, die anderen Titel spiegeln den „ehrlichen“ Rock wider, den Rock, der ein wenig rocken will - sonst nichts.

Fazit: Wer auf straighten, ehrlichen Gitarrenrock steht, der sich seinen Weg schnörkellos zum Ohr bahnt, der könnte mit dieser Platte einen richtigen Treffer landen. Wenn man sich dazu noch für die Texte der Lieder interessiert, die alle was haben, dann spricht dies auch für den Kauf dieser CD. Wer allerdings auf Melodien steht, auf Musik, die länger beschäftigt und nicht dadurch vergangen ist, dass man den CD-Player ausgeschaltet hat, den könnte diese CD von Frank Black ein wenig langweilen. Und sorry, ja ein wenig geht es mir auch so. Deshalb auch nur fünf Punkte.

Anspieltipps: Back To Rome, Do You Feel Bad About It?, Dog Gone, Steak ‘n’ Sabre



Sonntag, 19. Februar 2012

Fugazi - End Hits





Fugazi - End Hits


Besetzung:

Ian Mckaye: guitar, vocals
Guy Picciotto: guitar, vocals
Joe Lally: bass
Brendan Canty: percussion


Label: Dischord Records


Erscheinungsdatum: 1997


Trackliste:

1. Break (2:12)
2. Place Position (2:45)
3. Recap Modotti (3:51)
4. No Surprise (4:12)
5. Five corporations (2:29)
6. Caustic Acrostic (2:01)
7. Closed Captioned (4:53)
8. Floating Boy (5:46)
9. Forman’s Dog (4:21)
10.Arpeggiator (4:29)
11. Guilford Fall (2:57)
12. Pink Frosty (4:09)
13. F/D (3:42)



Fugazi gründete sich 1987 in Washington DC. Zunächst begann die Band als Trio, bestehend aus Ian Mackaye an der Gitarre und als Sänger, Joe Lally am Bass, und Brendan Canty am Schlagzeug.

Am Anfang spielten Fugazi nur live, ohne eine CD aufgenommen zu haben. Sie traten an der Ost- wie Westküste der USA sowie in Europa auf. Bei diesen Shows stieß der Roadie Guy Picciotto zur Band. Er schrieb auf der Tournee einige Songs für die Band und war bald ein vollwertiges Mitglied von Fugazi.

Fugazi versuchten dann ihre „Live-Energie“ ins Tonstudio zu übertragen. So nahmen sie 1988 zwei EP's mit den Namen Fugazi und Margin Walker auf. Schon bald wurde die Band auch außerhalb von Washington DC immer bekannter. War der Stil der Band zunächst im Post Hardcore angesiedelt, so wurden spätestens mit dem 5. Album „End Hits“ neue Wege beschritten. Die Musik wurde nun deutlich experimenteller, verschachtelter und proggiger.

Das fünfte Album der US-Amerikaner war ein Einschnitt in der Geschichte von Fugazi. Und das lag nicht nur am Titel „End Hits“, der für zahlreiche Spekulationen sorgte. Doch die Band hatte den Titel nicht gewählt, um ihre bevorstehende Demission anzukündigen, sondern der Titel sollte mehr auf das Ende des Jahrtausends hinweisen, wie Ian Mckaye in einem Interview klarstellte.

Beim Hören des Albums gibt es viel zu entdecken. Gleich zu Beginn kann man sich eines Vergleichs mit King Crimson Anfang der Achtziger nicht erwehren. „Break“ und „Place Position“ erinnern in ihren Gitarren- und Bassläufen zu sehr an Discipline. Nur der Gesang unterscheidet sich deutlich von dem des Adrian Belew.

Auch “No surprise” passt in diese Kategorie, wenn es auch deutlich härter gespielt wird. Das Lied ist immer wieder von Breaks unterbrochen, die allerdings den Songverlauf in keinster Weiser negativ beeinflussen. Bei den Tracks „Five corporations” und “Caustic Acrostic” können die vier Musiker ihre ursprüngliche Herkunft aus dem Punk dann nicht mehr verbergen. Aber mit „Closed Captioned” wird es anschließend schon wieder schön schräg, wohingegen „Floating Boy“ sehr experimentell ist und die Melodieführung nicht immer ganz leicht zu finden ist.

Ganz im Gegenteil zu „Forman’s Dog“, das kraftvoll mit verzerrten Gitarren beginnt. Aber auch hier gibt es wieder überraschende und schön schräge Ansätze. „Arpeggiator” ist dann ein härteres Instrumentalstück, auf dem ein Gitarrenlauf im Mittelpunkt steht, der zu gefallen weiß.

Der Track „Pink Frosty” ist Experiment pur. Sehr langsam und spärlich instrumentiert bildet es allerdings eine schöne Abwechslung, bis mit F/D ein wieder härteres Lied das Album beschließt. „F/D“ ist nur 2:07 Minuten lang, was dann folgt ist ein Hidden Track, den die vier Musiker auch gerne weglassen hätten können.

Fazit: Ein Album, was zu Beginn an King Crimson erinnert und immer wieder Überraschungen bereithält. Wer auf Rockmusik mit Progeinschüben steht, der wird diese CD immer wieder gerne einlegen wollen. End Hits erhellt neun Punkte

Anspieltipps: Break, Place Position, No Suprise



Samstag, 18. Februar 2012

Joe Jackson – Night And Day





Joe Jackson – Night And Day


Besetzung:

Joe Jackson – piano, fender Rhodes and Yamaha electric pianos, Hammond organ, gem organ, prophet-5 and minimoog synthesizers, alto saxophone, vibes and lead vocals


Gastmusiker:

Graham Maby – bass, vocals, percussion
Larry Tolfree – drums, timbales, percusssion
Sue Hadjopoulos – congas, bongos, timbales, orchestra bells, xylophone, miscellaneous percussion, flute and vocals
Ricardo Torres – bongos, cowbell and clave on “Target” and “Cancer”
Ed Rynesdal – violins on “Real Man” and “A Slow Song”
Al Weisman – background vocals
Grace Millan – background vocals


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop


Trackliste:

1. Another World (4:00)
2. Chinatown (4:04)
3. T.V. Age (3:44)
4. Target (3:50)
5. Steppin' Out (4:23)
6. Breaking Us In Two (4:531)
7. Cancer (6:01)
8. Real Men (4:05)
9. A Slow Song (7:02)




Eine ganze Menge Musikstile gibt es auf Joe Jacksons viertem Album, „Night And Day“ aus dem Jahr 1982 zu hören. Pop, Calypso, Swing, Jazz-Anleihen, New Wave und manchmal auch ein ganz klein wenig Rock werden dem Hörer da in einer sehr lockeren und beschwingten Art und Weise präsentiert. Textlich gesehen ist „Night And Day“ sogar eine Art Konzeptalbum, denn die auf dem Album enthaltenen Titel beschäftigen sich alle mehr oder weniger mit New York, beziehungsweise den Menschen und dem Leben in New York.

Auf „Night And Day“ ist kein Allerwelts-Pop zu hören und die Titel sind auch nicht immer richtig eingängig, mitunter sogar ziemlich schräg. Das ist sicherlich keine Musik für jeden, beziehungsweise die große Masse der Musikhörer. Und das, obwohl sich auf „Night And Day“ der einzige größere Hit des Joe Jackson befindet. „Steppin‘ Out“. Das wiederum ist eine richtig gute Nummer. Schön beschwingt entfaltet sich hier ein Gute-Laune-Lied, welches melodisch und auch rhythmisch zu gefallen weiß. Ein Titel, den man immer wieder hören kann.

Aber „Steppin‘ Out“ das ist noch nicht der absolute Höhepunkt des Albums. Dieser verbirgt sich hinter dem Titel „Real Men“. Wunderschöne Musik ist das, ein wenig getragen und durch das Piano und eine Violine genial instrumentiert. Es nervt lediglich ein bisschen die Drum-Machine, die zur Rhythmusgebung ausgesucht wurde. Zu der tollen Musik gesellt sich noch ein schöner und eindringlicher Text über das „Schwulsein“. Zwei weitere ruhige Titel verbergen sich noch hinter „Breaking Us In Two“ und „A Slow Song“. Beide erreichen jedoch nicht die Klasse von „Real Men“, da sie sich dem Schmalz bereits gefährlich nahe annähern.

Und der Rest? Wie bereits geschrieben hört man dort Pop mit Calypso-Anleihen, jazzigen Abschnitten und Bereichen, die dem New Wave der 80er Jahre entsprechen. Alles nichts besonders Bewegendes. Nichts was länger hängenbleibt oder einen ein wenig mehr beschäftigt. Dazu sind die restlichen Songs zusätzlich auch nur wenig eingängig und schaffen es irgendwie nicht so ganz zu überzeugen.

Fazit: Ein Pop-Album hat Joe Jackson mit „Night And Day“ vorgelegt. Und dieses Album enthält mit „Steppin‘ Out“ und „Real Men“ zwei richtig gute Songs. Das war es dann allerdings leider auch schon. Für Joe Jackson Fans ist die Platte natürlich ein Muss, für alle anderen bin ich mir da nicht so sicher. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Steppin' Out, Real Men, A Slow Song



Freitag, 17. Februar 2012

Dredg - The Pariah, The Parrot, The Delusion





Dredg - The Pariah, The Parrot, The Delusion


Besetzung:

Gavin Hayes – vocals, guitar
Mark Engles – guitar
Dino Campanella – drums, piano
Drew Roulette – bass


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Alternative, Progressive Rock


Trackliste:

1. Pariah (4:07)
2. Drunk Slide (1:27)
3. Ireland (3:41)
4. Stamp Of Origin: Pessimistic (0:50)
5. Light Switch (3:30)
6. Gathering Pebbles (4:59)
7. Information (5:45)
8. Stamp Of Origin: Ocean Meets Bay (0:30)
9. Saviour (3:56)
10. R U O K ? (2:12)
11. I Don't Know (3:45)
12. Mourning This Morning (5:41)
13. Stamp Of Origin: Take A Look Around (0:58)
14. Long Days And Vague Clues (1:52)
15. Cartoon Showroom (4:18)
16. Quotes (6:04)
17. Down To The Cellar (3:41)
18. Stamp Of Origin: Horizon (2:20)



Dredg wurde 1993 in der San Francisco Bay Area gegründet und hat bis heute (2011) fünf Studioalben veröffentlicht. Bei dem Album „The Pariah, The Parrot, The Delusion” handelt es sich um die vierte Veröffentlichung aus dem Jahr 2009. Standen zu Beginn der Bandgeschichte meist die „härteren Töne“ im Vordergrund, so hielten mit der Fortdauer des Bestehens der Formation immer mehr unterschiedliche Stilrichtrungen Einfluss in die Musik von Dredg. Diese reichen von Jazz über Rock bis hin zu Ambiente. Auf einer Fanseite findet sich der Begriff „Audio-Landschaft“ zur Beschreibung der Musik. Nicht ganz passend, denn mit der Veröffentlichung von „The Pariah, The Parrot, The Delusion“ haben die vier Kalifornier einen größeren Schritt in die Richtung Prog getan.

Das wird auch gleich beim ersten Lied der CD, „Pariah“, deutlich, was nicht nur aufgrund der verzerrten Gesangsstimme Erinnerungen an „The Court Of The Crimson King“ von King Crimson aufkommen lässt. In Verbindung mit einem Kinderchor im Hintergrund wirkt das Ganze noch nicht einmal abgekupfert, sondern irgendwie „in Teilen angelehnt“. Eine Reminiszenz eben. Etwas schräger geht es dann mit „Drunk slide“ weiter, einem kurzen Instrumentalstück, stilistisch eher den King Crimson Werken der frühen 80er zuzuordnen. Beim nächsten Lied „Ireland“ kommen wieder Assoziationen zu Greg Lake der früheren Jahre auf. Bleibt dem Hörer nur die Entscheidung, ob man diese Erinnerungen eher Emerson, Lake and Palmer oder doch King Crimson zuordnen soll. Und so ergeht es einem bei einigen Titeln. Manches scheint man so ähnlich vor vielen Jahren schon mal gehört zu haben, aber trotzdem wirken die einzelnen Stücke nicht abgekupfert, sondern ganz geerdet und diesem Jahrtausend zugehörig.

Und Dredg bietet viel Abwechslung in diesen 18 Stücken, von denen das längste 6:05, das kürzeste lediglich 0:31 Minuten lang ist. Sphärische Töne wie in „RUOK?“ oder eine orchestrale Instrumentierung wie in dem genialen „Long Days And Vague Clues“, was mit seinen knapp zwei Minuten viel zu kurz ist. Bei „Saviour“ sind härtere Töne angesagt, die an den Erstling "Leitmotif" erinnern. „Mourining This Morning“ lebt wiederum vom treibenden Zusammenspiel von Gitarre, Bass und Percussion.

Weniger zu diesem Album passend, da allzu sehr nach Mainstream klingend, sind die Lieder 7 und 15, „Information“ und „Cartoon Showroom“. Dabei sind die beiden Stücke gar nicht mal schlecht gemacht, fallen jedoch von der Stimmung her gegenüber den anderen Tracks ab und hätten sehr gut auf eine der ersten Asia Veröffentlichungen gepasst.

Das Album ist teilweise inspiriert von Salman Rushdies Essay “Imagine There's No Heaven: A Letter To The 6 Billionth Citizen”. Am deutlichsten wird das bei den vier mit „Stamp Of Origin“ betitelten Stücken, die lediglich mit einem Wurlitzer Piano und dem fast schon beschwörenden Gesang von Gavin Hayes instrumentiert sind und dadurch eine ganz besondere Stimmung hervorrufen.

Nun, Dredg hat hier mit Sicherheit keine neue Musikrichtung erfunden und alles war auch irgendwie schon mal da. Trotzdem ist „The Pariah, The Parrot, The Delusion” ein klasse Album, was von seiner Abwechslung und den Erinnerungen an lang vergangene Prog-Zeiten lebt, die es hervorzurufen vermag. Dafür gibt es elf Punkte.

Anspieltipps: Pariah, Light Switch, Long Days And Vague Clues, Down To The Cellar, Stamp Of Origin (alle vier Stücke)



Donnerstag, 16. Februar 2012

Rainbow - Rising





Rainbow - Rising


Besetzung:

Jimmy Bain – bass
Ritchie Blackmore – guitar
Tony Carey – keyboards
Ronnie James Dio – vocals
Cozy Powell – drums


Erscheinungsjahr: 1976


Stil: Rock, Hard Rock


Label: Polydor


Trackliste:

1. Tarot Woman (6:04)
2. Run With The Wolf (3:43)
3. Starstruck (4:08)
4. Do You Close Your Eyes (3:02)
5. Stargazer (8:32)
6. A Light In The Black (8:12)



Nach seinem ersten Ausstieg bei „Deep Purple“ gründete Ritchie Blackmore im Jahr 1975 die Hard Rock Formation „Rainbow“. Dazu bediente er sich vierer Musiker der New Yorker Band „Elf“, die sich gerade aufgelöst hatte. Und einer dieser Musiker war glücklicherweise der Sänger Ronnie James Dio, der mit seiner Stimme auch zum Erfolg der ersten drei „Rainbow-Scheiben“ beitrug. Mit „Rising“ legte die Band 1976 bereits ihr zweites Album vor. Nur Blackmore und Dio waren zu diesem Zeitpunkt noch von der ursprünglichen Formation übrig geblieben. Und diese Platte „Rising“ sollte auch den Höhepunkt im Schaffen von „Ritchie Blackmore’s Rainbow“, wie die Band zunächst hieß, darstellen.

Nun, ganz stimmt das auch nicht. Genauer müsste es heißen: Die ehemals zweite Seite der Platte „Rising“ mit den Titeln „Stargazer“ und „A Light In The Black” stellt den Höhepunkt der Kreativität der Band „Rainbow“ dar. Dies ist damit zu begründen, dass die vier Titel, die ehemals die erste Seite der Schallplatte zierten, zwar wahrlich keine schlechten Nummern sind, jedoch auch nichts absolut Umwerfendes darstellen. Gut gemachter Hard Rock eben, den so oder so ähnlich, allerdings auch andere Bands zu fabrizieren in der Lage gewesen waren und auch heute noch sind.

„Tarot Woman“ beginnt ganz spannend mit einer Keyboardeinleitung, die das ganze Lied zunächst sphärisch erscheinen lässt. Dann entwickelt sich die Nummer zu einem guten Rock-Titel, der groovt, der ins Ohr geht, ein schönes Ritchie Blackmore Solo aufweist und den Höhepunkt auf der ehemaligen ersten Seite darstellt. Und hier muss man ihn gleich loben, den Gesang Ronnie James Dios, der 2010 leider im Alter von 67 Jahren verstorben ist. Es gibt nicht viele Sänger, die den Hard Rock so in der Stimme haben wie er. Sicherlich noch Ian Gillan und wohl ebenfalls noch David Coverdale.

Die folgenden drei Nummern, „Run With The Wolf“, „Starstruck“ und „Do You Close Your Eyes” sind alle drei ebenfalls gut gemachte Hard Rock Nummern, die abrocken, die allerdings nur in geringerem Maße hängenbleiben. Wären alle Titel auf der CD so wie diese, wäre „Rising“ ein vielleicht gerade mal durchschnittliches, härteres Album geworden, welches heute vielleicht sogar als Rarität durchgehen würde, da es schon lange nicht mehr aufgelegt worden wäre.

Aber „Rising“ von Rainbow lebt auch heute noch und die CD gibt es auch heute noch überall zu erwerben. Und „Schuld“ daran sind die beiden Achtminüter „Stargazer” und “A Light In The Black“. Selten, nur ganz selten bekommt man irgendwo anders Hard Rock zu hören, der so kracht, einschlägt, begeistert, packt und gleichzeitig so überaus melodiös, harmonisch, entspannt, bombastisch, episch und eingängig ist. Bei beiden Stücken passt einfach alles. Der kraftvolle, keine Grenzen zu kennende Gesang Ronnie James Dios. Das schnelle, packende und begeisternde Melodien hervorzaubernde Gitarrenspiel Ritchie Blackmores, welches nicht mit mitreißenden Soli geizt. Dieses, dem Sound Fülle und ebenfalls Melodiösität verleihende Keyboard, sowie die treibenden Rhythmusparts von Bass und Schlagzeug, die immer alles auf den Punkt bringen. Und Cozy Powell sticht hier wahrlich als Meister seines Faches heraus. Unübertrieben, zwei Meisterwerke sind den fünf Musikern hier gelungen, die in den Weiten des Hard Rock nur wenig Gleichwertiges um sich herum wissen.

Fazit: Wer auf treibenden Hard Rock steht und nicht überrascht ist, dass diese Musik sowohl melodiös als auch bombastisch sein kann, der wird mit „Rising“ bestens bedient. Ist auf der ehemaligen ersten Seite der Platte noch Durchschnittsware zu hören, so erschließen sich dem geneigten Zuhörer mit den letzten beiden Stücken begeisternde Welten des Rock. Und so gibt es für die ersten vier Songs die Note „befriedigend“, für die letzten beiden die Auszeichnung „absolute Klasse“. Und das macht summa summarum zwölf Punkte.

Anspieltipps: Stargazer, A Light In The Black



Mittwoch, 15. Februar 2012

Lilium – Felt






Lilium – Felt


Besetzung:

Pascal Humbert – acoustic guitars, acoustic bass, electric bass, bowed bass, thunderbird bass. piano, dobro, melodica, mental travelling machine, leo’s drum, qy70;


Gastmusiker:

Hugo Race – vocals, track 1, 5, 8, 10; twanguitar solo track 8
Marta Collica – vocals track 1
Kal Cahoone – vocals Track 2, 6
Christian Lechevettel – trumpet
Vassilli Caillosse – pedal steel; dobro track 4, 5
Thomas Belhom – drums, percussion
Bruno Green – electric guitar, distorded guitar, loops


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2010


Trackliste:

1. Right Where You Are (4:38)
2. Mama Bird (3:46)
3. Open (1:34)
4. Felt (2:39)
5. Her Man Has Run (3:11)
6. Lily Pool (3:20)
7. Amsterdam – Paris (6:53)
8. Miracle (3:49)
9. One Bear With Me (3:11)
10. Believer (5:18)



Aus der Band 16 Horsepower gingen die beiden „Nachfolger“ "Woven Hand" und "Lilium" hervor. Für Lilium zeichnet sich Pascal Humbert verantwortlich. Dieser hatte sein Projekt bereits zu Zeiten von 16 Horsepower gepflegt und Alben veröffentlicht. Wurde er zu Zeiten von 16 Horsepower bei Lilium noch von dessen Schlagzeuger Jean-Yves Tola unterstützt, so zeigt er sich nach der Auflösung, bei Lilium, alleine für die musikalische Ausrichtung verantwortlich.

Nein, Lilium macht keine eingängige Musik. Dazu ist die Musik mitunter zu schräg und in Teilen auch zu minimalistisch. Das eine Drittel der Ex-Mitglieder von 16 Horsepower, Pascal Humbert, hat mit „Felt“ ein sehr ruhiges Album vorgelegt, in dem man viele Stile entdecken kann und welches einen nach dem ersten Hören etwas ratlos zurücklässt.

Das erste Lied „Right Where You Are“ kommt schön getragen daher und die mitverwendete Pedal-Steel-Gitarre lassen fast schon Assoziationen zur amerikanischen Countrymusik aufkommen, obwohl das Lied weit davon entfernt ist, ein solches zu sein. Vor allem der Wechselgesang zwischen Hugo Race und Marta Collica, sowie die unaufdringliche Trompete im Hintergrund, lassen eine ganz eigene Stimmung entstehen. „Mama Bird“ quillt dann ebenfalls sehr ruhig aus den Lautsprechern und das Stück ähnelt in seiner Art auch dem ersten Track.

Bei „Open“, dem dritten Track, den Pascal Humbert völlig alleine eingespielt hat, kann der Musiker dann seine Herkunft bezüglich 16 Horsepower nicht mehr verbergen. Tieftraurig wird hier jede Note gesetzt und obwohl das Ganze sehr minimalistisch eingespielt wird, fehlt hier kein Instrument, ist keine Note zu wenig gespielt worden.

Abwechslungsreich geht es auf dem Album weiter. Man kann sich nie sicher sein, was als nächstes auf einen wartet. „Felt“ zum Beispiel, der Titelsong, weiß ebenso als Instrumentalstück zu überzeugen, wie „One Bear With Me“, wobei letzterer Titel als Höhepunkt des ganzen Albums gesehen werden kann.

Klasse auch immer wieder der schön traurige und getragene Gesang von Hugo Race in Verbindung mit der dezent eingesetzten Instrumentierung. „Amsterdam – Paris“ stellt dann einen sehr sphärischen Klangteppich dar, der zum Teil an deutsche, elektronische Musik der 70er erinnert. Einmal mehr Abwechslung.

Fazit: Ein schönes und ruhiges Album ist Pascal Humbert da gelungen, traurig und melancholisch und mitunter auch minimalistisch, ohne, dass Letzteres dabei negativ zu bewerten wäre. Wer auf schräge Töne steht, die hier aber ausschließlich leise wiedergegeben werden, wird an diesem Album Gefallen finden. Und somit erhält „Felt“ hochverdiente acht Punkte.

Anspieltipps: One Bear With Me, Open, Felt