Sonntag, 18. Februar 2018

The Flower Kings – Back In The World Of Adventures




The Flower Kings – Back In The World Of Adventures


Besetzung:

Michael Stolt – bass guitar
Roine Stolt – guitars, vocals, keyboards
Tomas Bodin – hammond organ, piano, mellotron, synthesizers, flute
Hasse Bruniusson – percussion & drumkit
Jaime Salazar – drumkit


Gastmusiker:

Ulf Wallander – soprano saxophone


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Progressive Rock, RetroProg


Trackliste:

1. World Of Adventures (13:37)
2. Atomic Prince / Kaleidoscope (7:49)
3. Go West Judas (7:47)
4. Train To Nowhere (3:49)
5. Oblivion Road (3:47)
6. Theme For A Hero (8:32)
7. Temple Of The Snakes (1:23)
8. My Cosmic Lover (6:46)
9. The Wonder Wheel (4:17)
10. Big Puzzle (13:34)

Gesamtspieldauer: 1:11:27



„Back In The World Of Adventures“ heißt das erste Studio-Album der schwedischen Progressive Rock Band The Flower Kings und erschien im September des Jahres 1995. Doch so ganz stimmt das irgendwie nicht, denn Roine Stolt hatte bereits im Jahr zuvor eine Platte mit dem Titel „The Flower King“ veröffentlicht, damals jedoch noch unter seinem Namen. Der Erfolg dieser Scheibe bewog ihn, gleich seine Band danach zu benennen und fortan unter der Überschrift „The Flower Kings“ zu veröffentlichen. „Back In The World Of Adventures“ erschien auf dem Plattenlabel InsideOut Music und wurde von Fans wie von Kritikern sehr positiv aufgenommen.

Auf „Back In The World Of Adventures“ hört man verspielten und fast schon fröhlichen RetroProg, der praktisch zu jeder Zeit und an jeder Stelle des Albums sehr eingängig klingt, sich niemals zu kompliziert gebiert und dabei doch sehr abwechslungsreich aus den Boxen strömt. Zudem benötigt man noch nicht einmal viele Durchgänge, um dieses Album für sich zu erschließen. Soll heißen, auf „Back In The World Of Adventures“ klingen viele Titel deutlich weniger kopflastig, wie manch andere Nummer auf anderen Platten der Flower Kings. Vor allen Dingen die erste Hälfte des Albums zündet ziemlich schnell, geht sofort ins Ohr.

Zu Beginn der Platte befinden sich die meisten Höhepunkte auf „Back In The World Of Adventures“. Hier hört man die Lieder „Atomic Prince / Kaleidoscope“, „Go West Judas“ sowie „Train To Nowhere“. Alles drei sehr melodische Nummern, im Progressive Rock verwurzelt, sehr abwechslungsreich in ihrer Gesamtheit, spannend und eingängig klingend. Das kann man auch noch für das letzte Lied der Platte „Big Puzzle“ sagen. RetroProg in seiner sehr gelungenen Ausprägung. Lediglich das Stück „My Cosmic Lover“ hat nicht nur einen schwachsinnigen Namen, sondern fällt auch musikalisch gesehen ziemlich ab und klingt vor allem im Refrain stark nach langweiligem Mainstream Rock.

Fazit: Insgesamt ist „Back In The World Of Adventures“ ein überzeugendes RetroProg-Album geworden. Die Musik ist melodiös und abwechslungsreich, die einzelnen Titel muss man sich auch nicht großartig „erarbeiten“, um diese richtig genießen zu können. Zu frickelig oder kompliziert klingt nichts auf „Back In The World Of Adventures“, sehr viel eher ist die Musik eingängig. Da auch fast alle Lieder von überzeugender Qualität, sowohl musikalisch wie textlich sind, lohnt „Back In The World Of Adventures“ für Freundinnen und Freunde des Progressive Rock. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Atomic Prince / Kaleidoscope, Go West Judas, Train To Nowhere, Big Puzzle



Samstag, 17. Februar 2018

Kraan – Andy Nogger




Kraan – Andy Nogger


Besetzung:

Peter Wolbrandt – guitar, vocals
Jan Fride – drums, percussion
Helmut Hattler – bass
Johannes Pappert – alto saxophone


Label: Intercord / EMI


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Jazzrock / Fusion, Krautrock


Trackliste:

1. Stars (5:26)
2. Andy Nogger (3:48)
3. Nam Nam (5:50)
4. Son Of The Sun (5:03)
5. Holiday am Marterhorn (7:42)
6. Home (5:44)
7. Yellow Bamboo (4:25)

Gesamtspieldauer: 38:02



Kraan ist eine deutsche Jazzrock-Band, die von 1970 bis 1990 und dann wieder ab dem Jahr 2000 aktiv war und ist. Gerade in den 70er Jahren veröffentlichte die Band regelmäßig Alben und galt damals mit als genreprägend. „Andy Nogger“ ist ihre dritte Veröffentlichung. Die Platte erschien im Jahr 1974 zunächst auf Intercord, wurde später auf dem Plattenlabel EMI wiederveröffentlicht.

Auf „Andy Nogger“ hört man sehr rhythmusbetonten Jazz Rock, der dabei auch immer wieder gut ins Ohr geht. Besonders hervorzuheben ist dabei das Saxophon-Spiel des Johannes Pappert, welches auf „Andy Nogger“ den Part der Keyboards übernimmt. Das klingt äußerst spannend und gibt es in dieser Art und Weise auch nicht allzu häufig zu hören. Die einzelnen Titel grooven und machen Spaß, der Fuß muss hier automatisch immer wieder mal mitwippen. Die Titel auf dem Album gehen dabei sogar durchaus auch ins Ohr. Zu frickelig, wie Jazz Rock auch mitunter sein kann, ist auf „Andy Nogger“ nichts. Das Genre Rock scheint immer wieder durch, in die einzelnen Lieder hinein – zumindest auf diesem Album. Dabei muss an dieser Stelle auch unbedingt erwähnt werden, dass die Musik von Kraan einiger Durchläufe bedarf, um wirklich anzukommen. Manches erschließt dich der Hörerin beziehungsweise dem Hörer erst nach dem vierten oder fünften Mal des Hörens – dann allerdings umso lohnender.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings doch auf „Andy Nogger“. Dies ist der Gesang, der einfach nicht zur Musik passen möchte und auch stimmlich absolut nicht überzeugt. Somit sind die Instrumentalpassagen auf dem Album deutlich besser gelungen, als jene, die mit Gesang verbunden sind. Höhepunkte auf „Andy Nogger“ sind das längste Lied der Scheibe, „Holiday am Marterhorn“ und die letzte Nummer des Albums „Yellow Bamboo“. Erstgenanntes Stück ist ein jazzig-rockiger Instrumentaltitel, welcher groovt, aus mehreren Teilen aufgebaut ist und dabei auch melodiös ins Ohr geht. Hier glaubt man die Spielfreude der Musiker von Kraan wunderschön heraushören zu können. „Yellow Bamboo“ hat einen leichten orientalischen Einschlag. Bei diesem Lied scheinen die Musiker fast zu jammen und wenn der Gesang gerade aussetzt, klingt das Lied durch die Saxophon-Linie nochmal überzeugender.

Fazit: Eine schöne Jazz Rock Platte ist Kraan mit dem Album „Andy Nogger“ gelungen. Jazz und Rock verschmelzen hier und die Eigenarten beider musikalischer Genres kommen in Kombination gut zum Tragen. An keiner Stelle der Platte klingt es zu kompliziert, in vielen Passagen hört sich die Musik von Kraan sogar eingängig an. Dazu ein netter Groove und fertig ist die überzeugende Jazz Rock Platte. Neun Punkte.

Anspieltipps: Holiday am Marterhorn, Yellow Bamboo



Freitag, 16. Februar 2018

PJ Harvey – Let England Shake




PJ Harvey – Let England Shake


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, guitar (2, 3, 5, 7, 8, 11, 12), autoharp (1, 4, 5, 12), saxophone (1, 2, 4, 5, 8), zither (6), violin (7)


Gastmusiker:

John Parish – guitar (2–4, 6, 9, 10, 12), drums (1, 2, 5, 7–9, 12), percussion (3, 4, 6, 11), trombone (1, 2, 4, 5, 8), rhodes (1, 8, 11), mellotron (1, 7, 12), xylophone (1), backing vocals (2–6, 8, 9, 11, 12)
Mick Harvey – vocals (12), guitar (8, 9, 11), bass (4), drums (2, 4, 11), percussion (4, 6, 11), bass harmonica (1, 4, 5, 8, 9), piano (1, 6, 10), organ (2, 5, 7, 8), rhodes (3, 6), xylophone (9), backing vocals (2–6, 8–12)
Jean-Marc Butty – drums (3, 6, 8, 10, 12), backing vocals (3, 5, 6, 8)
Sammy Hurden – backing vocals (8, 12)
Greta Berlin – backing vocals (8, 12)
Lucy Roberts – backing vocals (8, 12)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Let England Shake (3:09)
2. The Last Living Rose (2:21)
3. The Glorious Land (3:34)
4. The Words That Maketh Murder (3:45)
5. All And Everyone (5:39)
6. On Battleship Hill (4:07)
7. England (3:11)
8. In The Dark Places (2:59)
9. Bitter Branches (2:29)
10. Hanging In The Wire (2:42)
11. Written On The Forehead (3:39)
12. The Colour Of The Earth (2:33)

Gesamtspieldauer: 40:15




„Let England Shake“ nannte die englische Musikerin Polly Jean Harvey ihr zehntes Studioalbum. Wie alle ihre Platten seit dem zweiten Album „Rid of Me“, so erschien auch „Let England Shake“ auf dem Plattenlabel Island Records. Direkt nach der Veröffentlichung ihres neunten Albums „White Chalk“ begann PJ Harvey erste Texte und Musik zu „Let England Shake“ zu schreiben, welches schließlich am 14. Februar im Jahr 2011 veröffentlicht wurde. Die Aufnahmen zum Album fanden in einer Kirche nahe Dorset im April und Mai 2010 statt.

War das Album „White Chalk“ noch sehr Piano-lastig, so vollzog die Musikerin auf „Let England Shake“ eine Abkehr von dieser Art der Musik. Auf ihrem neuen Album pendelt PJ Harvey musikalisch zwischen den Genres Rock und Folk hin und her. Das lässt sich alles gut hören, geht ins Ohr und die Musik ist dabei überaus abwechslungsreich, sodass Langeweile keineswegs aufkommen mag. Der Platte wurden zahleiche Auszeichnungen von Seiten der Kritiker zugesprochen und nach dem bereits erwähnten „Rig Of Me“ aus dem Jahr 1993, ist es PJ Harveys zweites Album, welches bis in die englischen Top Ten klettern konnte. Man hört auf „Let England Shake“ keinen Einheits-Rock, sondern immer wieder auch fast schon experimentell anmutende Klänge. Viele der Lieder schaffen es sich festzusetzen, mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe umso mehr.

Auch wenn sich „Let England Shake“ wahrlich lohnt gehört zu werden, so besitzt es allerdings nicht den Zauber in der Musik, den noch „White Chalk“ verströmte. Die Musik unterscheidet sich natürlich auch stark. Trotzdem gibt es viele schöne Momente auf dieser Scheibe zu entdecken. Da ist zum einen das Titellied „Let England Shake“ selbst, eine Nummer, die schnell ins Ohr geht, frisch und niemals alltäglich klingt. „The Words That Maketh Murder“ klingt so schön schräg und erinnert entfernt an die Isländerin Björk. „All And Everyone“ ist ein sehr sanfter, melodiöser und sich entwickelnder Titel. Gefolgt wird das Lied durch „On Battleship Hill“ – für mich der Höhepunkt auf „Let England Shake“. Hier klingt Polly Jean Harvey so wunderschön anders, als alle ihre Musiker-Kolleginnen und -Kollegen. Sanft, verträumt, verspielt und unverwechselbar.

Fazit: Auch das zehnte Studioalbum der englischen Musikerin Polly Jean Harvey mit dem Titel „Let England Shake“ ist eine Platte geworden, die sich lohnt gehört zu werden. Eine schöne und meist melodische Mischung aus Rock und Folk gibt es auf diesem Album zu hören. Eine Mischung, die von PJ Harvey eingespielt schon sehr speziell klingt. Die Lieder gehen ins Ohr und wirken nach. Nichts klingt dabei gleich, nur wenig vergleichbar. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Let England Shake, The Words That Maketh Murder, All And Everyone, On Battleship Hill



Donnerstag, 15. Februar 2018

Motherhood – Doldinger’s Motherhood




Motherhood – Doldinger’s Motherhood


Besetzung:

Klaus Doldinger – tenor-, alto-, soprano-sax, clarinet, piano, organ, voice
Paul Vincent – guitar
Lothar Meid – bass guitar
Udo Lindenberg – drums, voice
Keith Forsey – drums, voice


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock, Krautrock, Jazz Fusion


Trackliste:

1. Devil Don't Get Me (8:26)
2. Song Of Dying (7:00)
3. Circus Polka (1:11)
4. Men's Quarrel (3:54)
5. Turning Around (2:53)
6. Degeneration (6:50)
7. Yesterday's Song (4:34)

Gesamtspieldauer: 34:51




Der Jazz-Saxophonist und -Klarinettist Klaus Doldinger hat mit seiner Band Passport inzwischen fast 40 Alben veröffentlicht. Mit Passport begann er im Jahr 1971 und seine Musik ist und war der Jazz. Davor hieß seine Band allerdings Motherhood, veröffentlichte 1969 und 1970 zwei Alben und war stilistisch noch nicht ganz einheitlich im Fusion Jazz angekommen, beinhaltete damals auch durchaus noch deutlichere Elemente des Progressive Rocks. Das selbstbetitelte Album „Doldinger’s Motherhood“ ist dabei die zweite Veröffentlichung dieses Pärchens. Am Schlagzeug hört man Udo Lindenberg, der bei einigen Titeln auch den Gesang übernahm. Seine Stimme klingt hier allerdings noch nicht so nölend, wie auf seinen späteren Solo-Alben, wodurch man ihn wohl dann gut erkennt, wenn man weiß, wer da zum Teil singt.

Die Musik auf „Doldinger’s Motherhood“ ist zwar größtenteils jazzig angehaucht, jedoch besteht dieser Ansatz keineswegs durchgängig. Mal klingen die Lieder ein wenig mehr nach Psychedelic Rock, dann hört man eher Krautrock-Passagen und schließlich doch auch wieder jazzigere Abschnitte. Auf „Motherhood“ erklingen neben Saxophon- und Klarinetten-Soli auch selbige von der Gitarre oder der Orgel. Dies alles in Kombination lässt die Musik des Albums sehr abwechslungsreich werden und sorgt für eine ganze Menge an positiven Überraschungen. Auch das Spiel mit den Atmosphären, die mal sanfter, mal treibender die Luft erfüllen, klingt hier sehr überzeugend, stimmig und gelungen.

Bei aller Abwechslung steht das zugrundeliegende rockige Element doch meistens im Zentrum der Titel und wird auch nicht ganz verlassen, wenn sich in den Liedern Jam-artige und freiere Solopfade eröffnen. Die beiden längeren Stücke am Beginn der Scheibe, „Devil Don't Get Me“ sowie „Song Of Dying“, stehen dabei fast schon beispielgebend für den Gesamtcharakter der Scheibe. In diesen Titeln kommt es zur Hochzeit der Genre Fusion und Rock in einer sehr gelungenen und überzeugenden Art und Weise. Ganz anders verhält es sich dann beim Titel „Turning Around“, bei dem die jazzige Komponente sogar fast vollständig zurückgefahren wurde. Mit zahlreichen Streichern und Bläsern ausgestattet, entwickelt sich hier ein Lied, welches überaus symphonisch und sehr harmonisch klingend aus den Boxen quillt. Nicht typisch für die Scheibe, jedoch ebenfalls eine weitere gelungene Auflockerung.

Fazit: Jazz Fusion ist nicht unbedingt die Musik, in der ich mich zu Hause fühle und mit der ich besonders viel anzufangen weiß – wenn diese zu sehr im Jazz angesiedelt ist. Wenn jazzige Musik allerdings wie auf „Doldinger’s Motherhood“ auf solch gelungene Weise mit dem Genre Rock fusioniert, dann kann mich das doch begeistern. Progressive Rock meets Jazz in einer spannenden Form. Lohnt durchaus, hier mal ein Ohr zu riskieren. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Devil Don't Get Me, Song Of Dying, Turning Around



Mittwoch, 14. Februar 2018

Crippled Black Phoenix – White Light Generator




Crippled Black Phoenix – White Light Generator


Besetzung:

Justin Greaves – drums, electric guitar, fuzzbass, kaospad, ebow, percussion, black light guitar, bass, drone, samples, effects
Daniel Änghede – vocals
Mark Furnevall – synth, effects, organ, backing vocals, slave vocals, hammond
Christian Heilmann – bass, flute
Karl Demata – slide guitar, electric guitar, waaaah guitar, acoustic guitar
Ben Wilsker – drums, percussion
Daisy Chapman – piano, vocals, backing vocals
Belinda Kordic – vocals
Chrissie Caulfield – electric violin


Gastmusiker:

Martin Horsfall – brass attack (11), trumpet (12,13)
Ewan Davies – flight case & metal pipe (4), drone (7)
Billy Clarke – voice (7)


Label: Cool Green Recordings


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Art Rock, Post Rock, Progressive Rock


Trackliste:

Black Side

1. Sweeter Than You (2:12)
2. No! Part 1 (3:51)
3. No! Part 2 (9:44)
4. Let's Have An Apocalypse Now! (5:46)
5. Black Light Generator (5:46)
6. Parasites (5:23)
7. ______ (1:46)

White Side

8. Northern Comfort (6:04)
9. Wake Me Up When It's Time To Sleep (5:22)
10. Caring Breeds The Horror (4:15)
11. You'll Be Murdered (5:08)
12. We Remember You (8:58)
13. A Brighter Tomorrow (6:33)

Gesamtspieldauer: 1:10:53



„White Light Generator“ heißt das fünfte offizielle Studioalbum der englischen Band Crippled Black Phoenix. Veröffentlicht wurde dieses neue Album im Jahr 2014, erneut auf dem Plattenlabel Cool Green Recordings. Und wieder hatte es auch einige Umbesetzungen im Line-Up der Band gegeben. Natürlich auch wieder in Bezug auf den Gesang. Nachdem der Australier John E. Vistic den Engländer und Sänger der ersten Platten Joe Volk ersetzt hatte, durfte sich nun ein Schwede auf „White Light Generator“ beim Gesang versuchen. Daniel Änghede heißt dieser und machte seine Sache auch in Verbindung zu Belinda Kordic, die nun ebenfalls als festes Bandmitglied beim Gesang aufgeführt ist, sehr gut.

Das Album beginnt gleich auf doppelte Weise untypisch für Crippled Black Phoenix. Das erste Lied „Sweeter Than You“ ist ein Folk bis Country Lied. Diese musikalischen Genres hat man so von Crippled Black Phoenix auch noch nie gehört. Zudem ist die Nummer eine Cover-Version von Ricky Nelson, die Thomas Knight im Jahr 1959 schrieb. Muss man nicht unbedingt haben. Anschließend folgen mit „No! Part 1“ und „No! Part 2“ allerdings schon zwei Höhepunkte des Albums. Jetzt spielen Crippled Black Phoenix all ihre Stärken aus. Sehr abwechslungsreiche Lieder, die mit Stimmungen spielen, Rhythmen und Tempi variieren, sanft, dann wieder fordernd klingen und dabei überaus melodiös ins Ohr gehen. Gelungen klingt hier alles. Die gesungenen Parts, wie die Instrumentalabschnitte der Musik. Mitreißend ist die Musik der Engländer an diesen Stellen.

Nun schließt sich Titel an Titel an, jeder deutlich anders gehalten als der Vorgänger. Mal rockt es mehr und intensiver, mal klingt die Musik gedämpfter, sanfter, zum Teil auch sphärischer, um dann wieder in einen neuen Aufbruch zu müden. Packend und vor allen Dingen auch melodiös klingt das in jedem Takt, mit jedem Akkord. Über allen Liedern schwebt dabei eine gewisse Düsternis. Allen Titeln haftet ein klein wenig Melancholie und Traurigkeit an. Oder sind es Angst und Verzweiflung, die sich hier ihre Wege hin zum Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers bahnen? Die Musik nimmt einen auf jeden Fall sehr ein, umschließt einen, lässt das Hören zum Erlebnis werden. Weitere Höhepunkte der Scheibe sind „Black Light Generator“, „Northern Comfort“ und „Caring Breeds The Horror“. Doch wenn ich an dieser Stelle ganz ehrlich sein soll, so ist das fast schon eine völlig fiktive Auswahl. Ich hätte hier auch andere Nummern erwähnen können. Jedes der anderen Lieder.

Fazit: Ein fast schon typisches Album für Crippled Black Phoenix ist „White Light Generator“ geworden. Überaus abwechslungsreiche Musik gibt es auf diesem Album zu hören, lauter, leiser, rockiger, gedämpfter. Alles dicht gepackt, perfekt arrangiert und sehr gut abgemischt. Die Musik von Crippled Black Phoenix ist auch hier sehr intensiv und geht zu jeder Zeit ins Ohr. Die Atmosphäre der Platte ist eine dunkle, graue. Aber auch das ist nichts Neues für ein Album der Engländer. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: No! Part 2, Northern Comfort, Caring Breeds The Horror



Dienstag, 13. Februar 2018

Motorpsycho – Timothy’s Monster




Motorpsycho – Timothy’s Monster


Besetzung:

Bent Saether – electric & acoustic guitars, mellotron, bass, vocals, drums, percussion, piano, hi-hat, coral electric sitar, cymbal, mandolin
Lars Lien – piano, backing vocals, wurlitzer, hammond organ, mellotron, synthesized klankofon
Hans Magnus Ryan – acoustuc & electric guitar, backing vocals, vocals, piano, ba-ba doohs, tambourine, handclaps, vocal echoes, arp axxe, acoustic nylon string guitar, viscount organ, fiddle
Håkon Gebhardt – drums, banjo, maracas, handclaps, acoustic guitar, backward drums, vacuum cleaner-tube percussion
Deathprod – mellotron, samples, synthesizer, oszillations, vocals, therrormin, jet engine, octophone


Gastmusiker:

Øyvind B. Engen – cello
Lars O. Mølnå – viola
Øyvind Brandtsegg – vibtaphone
Anneli Drecker – vocals
Martin Rühle – thumb piano, violin, harmonium
Dag Ingebrigtsen – vocals
Anne Gine Slagsvold – flute


Label: Rune Grammofon


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Rock, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Feel (3:26)
2. Trapdoor (4:22)
3. Leave It Like That (3:33)
4. A Shrug & A Fistful (3:14)
5. Kill Some Day (6:53)
6. On My Pillow (7:21)
7. Beautiful Sister (4:11)
8. Wearing Yr Smell (3:35)
9. Now It’s Time To Skate (4:58)
10. Giftland (10:20)
11. Watersound (5:11)

CD2:

1. The Wheel (16:57)
2. Sungravy (4:36)
3. Grindstone (7:17)
4. The Golden Core (12:59)

CD3:

1. Leave It Like That (3:32)
2. A Shrug & A Fistful (3:14)
3. Very 90’s, Very Aware (3:12)
4. On The Toad Again (3:55)
5. Now It’s Time To Skate (4:06)
6. Watersound (5:06)
7. Innersfree (7:27)
8. Giftland (9:47)
9. Trapdoor (4:22)
10. Kill Some Day (6:51)
11. Sungravy (4:35)
12. Grindstone (8:24)
13. The Golden Core (12:59)

CD4:

1. President Block (3:22)
2. Jr (4:34)
3. Birds (4:17)
4. Leave It Like That (2:37)
5. On My Pillow (5:47)
6. The Wheel (8:49)
7. New Day Rising (2:22)
8. Seethe (3:27)
9. Shock Me (4:09)
10. Workin’ For MCA (5:36)
11. Space Cadet Boogie (4:16)
12. Walking On The Water (2:59)
13. Mr. Buttercut Goes To The Fair, Meets The Viscount, And That's Where We Leave Him At The End Of This Episode... (2:40)
14. Celestine (5:10)
15. Sinking (4:53)
16. The Entertaining Ape (2:48)
17. Giftland Jam (6:03)
18. Sonnyboy Gaybar (2:08)

Gesamtspieldauer: CD1 (57:09) und CD2 (41:51) und CD3 (1:17:36) und CD4 (1:16:06): 4:12:42




„Timothy's Monster“ heißt das vierte Studioalbum der der norwegischen Band Motorpsycho. Das Album erschien ursprünglich am 6. August 1994 auf dem Plattenlabel Rune Grammofon. Eine sehr umfangreiche Wiederveröffentlichung der Scheibe fand schließlich im Jahr 2010 statt, da die Band das komplette Album anlässlich des jährlichen Øya-Festivals in Oslo am 14. August 2010 vollständig aufführen wollte. Dieser Umstand wurde glücklicherweise für eine Wiederveröffentlichung zum Anlass genommen. Das Album wurde nun in Form einer Doppel-CD, einer Dreifach-LP oder einer 4-fach CD neu aufgelegt.

CD1 und CD2 beinhalten das ursprüngliche Album. Dieses liegt hier in keiner neuen remasterten Version, sondern in der ursprünglichen Form vor, worauf im Booklet auch extra nochmals hingewiesen wird. CD3 beinhaltet das Album, wie es ursprünglich geplant war, jedoch nie veröffentlicht wurde. Auf der vierten CD gibt es schließlich noch Outtakes, B-Seiten und drei Cover-Versionen zu hören. „New Day Rising“ stammt vom gleichnamigen Husker Dü-Album aus dem Jahr 1985. „Shock Me“ wurde von Ace Frehley ursprünglich für Kiss geschrieben und war auf dem 1977er Kiss-Album „Love Gun“ enthalten. „Workin‘ For MCA“ stammt schließlich vom 1974er Lynyrd Skynyrd-Album „Second Helping“. Das knapp einhundert-minütige Album war nun also durch zahlreiche Zugaben auf eine Laufzeit von deutlich über vier Stunden angewachsen und hat dabei einiges für die Fans von Motorpsycho zu bieten.

Für den Fan stimmt dies sicherlich ganz bestimmt, für Freunde der späteren Werke der Band gilt dies zumindest nicht uneingeschränkt. Gerade auf der ersten CD gibt es für Motorpsycho-Verhältnisse noch durchaus eher unauffällige bis „normale“ Rock-Stücke, die zumeist in der sehr harten Rock- bis Metal-Ecke angesiedelt sind, jedoch außer schweren Gitarren und mitunter geschrieenem Gesang, nicht ganz so viel Innovation in sich tragen. Interessant und unterhaltsam klingt das jedoch durchaus, steht man denn auf die richtige Dröhnung.

Deutlich interessanter klingen alerdings jene Lieder, die Motorpsycho so unfassbar spannend zu steigern verstehen. „Giftland“, „The Golden Core“ und vor allen Dingen „The Wheel“ seien hier angeführt. Gerade letztes Lied lässt unweigerlich Vergleiche zu Tool aufkommen und klingt in seiner konsequenten und immer redundanten Monotonie richtiggehend hypnotisierend. Eine sehr packende Nummer, die sich steigert, jedoch nur langsam, ganz langsam. Knappe siebzehn Minuten Zeit hat die Band dazu schließlich, in der der Hörerin beziehungsweise dem Hörer ein dumpfer und überaus monotoner Rhythmus in die letzte Zelle gehämmert wird. Die drei genannten Nummern sind gleichzeitig auch jene mit einer Laufzeit jenseits der Zehn-Minuten-Grenze. Von den eher kürzeren Nummern überzeugen mich noch am meisten der Opener „Feel“ sowie das sanfte und durch den Einsatz einer Sitar leicht indisch angehauchte Watersound.

Die dritte CD, also das ursprünglich geplante Album, enthält mit den Stücken „Very 90’s, Very Aware“, „On The Toad Again“ sowie „Innersfree“ drei Lieder, die nicht mehr auf der endgültigen Fassung von „Timothy's Monster“ zu finden waren. Qualitativ stehen diese Nummern den letztendlich auf dem Album enthaltenen Stücke in nichts nach. Jene Lieder, die es auch auf das offizielle Album geschafft haben, sind hier nochmals in sehr identischen Versionen enthalten. Ein ganzes Paket an Zugaben gibt es dann noch mit der vierten CD. Unter anderem sind hier auch die fehlenden Lieder der EP „Wearing Yr Smell“ zu hören („President Block“, „Jr“, „Birds“ und „Leave It Like That“). Ansonsten haben die weiteren Zugaben für die Fans natürlich einen gewissen Zusatzwert, an die Titel des offiziellen Albums reichen diese hier präsentierten Lieder allerdings nicht mehr heran. Eine nette Zugabe, nicht mehr und nicht weniger.

Fazit: Diese Wiederveröffentlichung des vierten Motorpsycho Albums „Timothy's Monster“ ist natürlich eine feine Sache. Man bekommt nicht nur das Album in seiner ursprünglichen Form zu hören, sondern auch, wie es ganz zu anfangs hätte klingen sollen. Dazu gibt es jede Menge Bonus-Material in Form von Outtakes, B-Seiten, Cover-Versionen. Das eigentliche Album „Timothy's Monster“ begeistert immer dann am meisten, wenn die fünf Norweger Atmosphären entstehen lassen, die dicht, fest und mitreißend Hörerin und Hörer vereinnahmen. Dies gelingt Motorpsycho am Besten in den langen Stücken des Albums, die dieses zu einer sehr lohnenden Scheibe werden lassen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Feel, Giftland, Watersound, The Wheel, The Golden Core, Sinking



Montag, 12. Februar 2018

Embryo – Steig Aus




Embryo – Steig Aus


Besetzung:

Mal Waldron – e-piano
Jimmy Jackson – mellotron, organ
Dave King – bass
Christian Burchard – drums, marimba, vibes
Jörg Evers – e-bass
Edgar Hofmann – violin
Roman Bunka – guitar, saz


Label: Motor Music (ursprünglich: Brain)


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Jazzrock / Fusion, Krautrock


Trackliste:

1. Radio Marrakesch / Orient Express (9:50)
2. Dreaming Girls (10:34)
3. Call (17:25)

     Call (Part 1)
     Organ Walk
     Marimba Village
     Clouds
     Call (Part 2)

Gesamtspieldauer: 37:51



Embryo ist eine deutsche Band, die musikalisch wohl am ehesten im Bereich des Jazz Rock ansiedelt werden sollte – weniger im Kraurock. Gegründet wurde Embryo im Jahr 1969. Die Gründungsmitglieder hießen Christian Burchard, Edgar Hofmann und Lothar Meid. Embryo war zumeist keine feste Band, obwohl einige Mitglieder wie Burchard und Meid der Formation über die Jahrzehnte die Treue hielten. Ein Charakter der Band war allerdings, dass immer wieder neue Musiker aus dem Bereich des Jazz Rock und des Krautrock sich an den Alben wie den Auftritten beteiligten.

Im Jahr 1973 wurden das vierte, das fünfte sowie das sechste Album der Band veröffentlicht. Eine Platte dieses Trios heißt „Steig Aus“ und ist genau wie die anderen beiden Scheiben eine Improvisation, unter Zuhilfenahme eines groben, zugrundeliegenden Schemas. Die Platte wurde live eingespielt und die jeweils ersten Takes genommen, wie man im beiliegenden Booklet nachlesen kann. Die Aufnahmen entstanden dabei zum Teil bereits im Jahr 1971. Somit entstand etwas Spontanes, was auch nicht mehr wiederholt werden konnte – worauf Christian Burchard großen Wert legte.

Am eingängigsten auf „Steig Aus“ hört sich das zweite Lied „Dreaming Girls“ an. Hier klingen Embryo deutlich weniger frickelig, als auf den anderen beiden Nummern des Albums. Das Lied geht sogar ganz nett ins Ohr und erscheint, durch die hier die hier zu Beginn im Vordergrund stehende Violine, ziemlich sehnsüchtig. Selbiges kann man von „Radio Marrakesch / Orient Express“ und „Call“ nicht mehr behaupten. Hier spielen die einzelnen Musiker sich aus. Das klingt zum Teil schräg, aber mit sehr viel Spielfreude versehen. Ins Ohr geht hier nichts mehr, muss es jedoch auch nicht, denn die Musik wirkt in dem Moment des Hörens und da durchaus unterhaltsam und mitunter sogar mitreißend. Das Einspielen der Musik auf diese Art und Weise erfordert ein hohes Maß an musikalischem Können, was in den Liedern auch sehr deutlich transportiert wird. Freilich sollte man hier keine Musik mit Strophe, Refrain, Strophe und so weiter erwarten. Doch die Musik wird auch nie so undurchdringbar oder kompliziert, dass nur hartgesottene Jazz Freaks hier auf ihre Kosten kommen würden. Das Rock Momentum in der Musik von Embryo ist durchaus auch vorhanden.

Fazit: Jazz und Rock in einer überzeugenden Art und Weise vereint. Solche Musik hört man auf „Steig Aus“. Erstes und letztes Stück des Albums sind eher treibende Titel, in denen es auch mal um Geschwindigkeit geht. Das mittlere Stück lässt sich dagegen eher harmonisch treiben. Zunächst sanft, schließlich deutlich psychedelischer. Eine interessante Platte, die immer wieder Aufhorchen und Mitwippen lässt, auch wenn man dem Jazz Rock gar nicht so zugetan ist. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Radio Marrakesch / Orient Express



Sonntag, 11. Februar 2018

Patty Moon – Head For Home




Patty Moon – Head For Home


Besetzung:

Patty Moon – vocals and piano, toy piano, beat box


Gastmusiker:

Ignazio Fernández – double bass
Rial Poztela – double bass
Sofia Ogaz González – cello
Susanne Sophie Müller – viola
Yu-Chin Huang – violin
Carles Civera – violin
Ingo Rau – bass, beat box
Grischka Brand – drums
Sina Glöckle – horn
Oliver Albert – horn
Roland Schneider – singing glasses
Shane Brady – choir on „Human“
Kimi Price – child on „Price“
Raoul Brand – sound research
Roland Schneider – sound research


Label: Traumton Records


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Kammer Pop, Art Pop


Trackliste:

1. Sound On Me (4:42)
2. Divers (4:44)
3. Turmoil (3:04)
4. Choir Of Bones (3:46)
5. Hopestuff (4:06)
6. Human (6:29)
7. River Of Guilt (3:15)
8. Solid Star (2:07)
9. The Man With The Hat On (3:18)
10. Goldfinch (3:06)

Gesamtspieldauer: 38:41




Es gibt einfach schöne Musik. Musik, die man hört und sofort davon eingenommen wird. Nicht anders ergeht es einem, wenn man die Musik von Patty Moon hört. Sechs Jahre musste man nun allerdings warten, bis das vierte offizielle Album der „Band“ veröffentlicht wurde. Von dem Duo Judith Heusch und Tobias Schwab ist inzwischen lediglich noch die Freiburgerin Judith Heusch verblieben, die auf dem neuen Album mit dem Titel „Head For Home“ alle Lieder komponierte und textete. Das Album erschien am 6. Oktober 2017 auf dem Plattenlabel Traumton Records.

Wunderschöne weiche und sanfte Töne umspielen das Ohr der Hörerin und des Hörers nach dem Einlegen des Albums. Wunderschöne Harmonien eröffnen sich, melodiös und eingängig, die einen bereits beim ersten Mal des Hörens ergreifen. Ganz sanft instrumentiert, mal mit dem Piano, mal mit Streichern, mal in Kombination, bewegt sich die Musik im Bereich des Art Pop oder noch treffender Kammer Pop. Alles klingt dabei so einnehmend warm und irgendwie schützenswert und trotz aller scheinbar vorhandener Zerbrechlichkeit auch unglaublich intensiv. Die zehn Lieder auf „Head For Home“ packen und ergreifen einen – und dies vom ersten bis zum letzten Takt, vom ersten bis zum allerletzten Ton.

Es ist wahrlich schwierig an dieser Stelle auch Höhepunkte der Platte zu erwähnen oder gar herauszuheben. Es gibt keinen „schlechteren“ Titel auf „Head For Home“. Jedes Lied klingt und wirkt. „Head For Home“ ist eine wunderschöne Traumreise, die man am besten ganz entspannt auf seinem Lieblingsplatz genießt, um in diese wunderschöne musikalische Welt eintauchen zu können. Um hier allerdings doch drei Titel zu erwähnen, die besonders gelungen sind, seien an dieser Stelle die Lieder „Sound On Me“, „River Of Guilt“ und „Goldfinch“ genannt. Im Grunde genommen hätte ich jetzt allerdings wirklich auch jeden anderen der sieben verbleibenden Titel aufzählen können.

Fazit: Es gibt einfach beeindruckend schöne Musik. Musik, die man hört und sofort davon eingenommen wird. Nicht anders ergeht es einem, wenn man „Head For Home“ von Patty Moon hört. Sanfter Kammer Pop, der ins Ohr geht und dort lange nachhallt. Wer auf ruhige und überaus melodiöse Musik steht, der oder dem sei dieses Album sehr ans Herz gelegt. Einfach schön. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Sound On Me, River Of Guilt, Goldfinch



Samstag, 10. Februar 2018

Tocotronic – Die Unendlichkeit




Tocotronic – Die Unendlichkeit


Besetzung:

Dirk von Lowtzow – Gesang, Gitarre
Jan Müller – Bass
Rick McPhail – Keyboard, Gitarre
Arne Zank – Schlagzeug, Keyboard, Gesang


Gastmusiker:

Friedrich Paravicini – Ondes Martenot, Synthesizer, CP70-Piano, Cello, Geige, Bratsche, Farfisa-, Hammond Orgel und Mellotron
Lukas Lauermann – Cello
Paul Schreier – Klarinette
Vredeber Albrecht – Synth Strings
Paul Gallister – Orchester Arrangements


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Alternative Pop, Alternative Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Die Unendlichkeit (5:29)
2. Tapfer und grausam (3:43)
3. Electric Guitar (4:04)
4. Hey Du (2:02)
5. Ich lebe in einem wilden Wirbel (2:41)
6. 1993 (2:44)
7. Unwiederbringlich (4:16)
8. Bis uns das Licht vertreibt (4:10)
9. Ausgerechnet du hast mich gerettet (3:18)
10. Ich würd‘s dir sagen (3:27)
11. Mein Morgen (5:54)
12. Alles was ich immer wollte war alles (3:40)

Gesamtspieldauer: 45:34




„Die Unendlichkeit“ nannte die Hamburger Band Tocotronic ihr bereits zwölftes Studio-Album. Die Scheibe erschein am 26. Januar 2018 auf dem Plattenlabel Vertigo Records und hatte bereits am 2. Februar den ersten Platz der deutschen Album-Charts erklommen. Auf „Die Unendlichkeit“ hört man eine gelungene Mischung aus Pop und Rock, wobei in der Musik von Tocotronic auf dieser Scheibe durchaus auch manchmal ein leicht psychedelischer Ansatz zu vernehmen ist.

Inhaltlich beschäftigt sich die Platte wohl mit Szenen und Erlebnissen aus dem Leben von Sänger Dirk von Lowtzow. Textlich ist das sehr gelungen und mitunter sogar ergreifend. Dazu die warme Stimme des Sängers, das hat was und diese kleinen Geschichten wirken. Selbiges gilt ebenso für die Musik, die über alle zwölf enthaltenen Titel hinweg sehr abwechslungsreich klingt. Stilistisch bewegt sich die Musik innerhalb der Genres Alternative Pop und Alternative Rock. Die Lieder sind zum überwiegenden Teil eher dunkel und dabei meist sanft gehalten. Fröhlichkeit wird auf „Die Unendlichkeit“ keineswegs verströmt, dafür umso mehr Sentimentalität, Nachdenklichkeit und eine gehörige Prise Melancholie. Die einzelnen Stücke wirken in dieser Kombination aus Text und Musik sehr intensiv und man braucht wahrlich nicht allzu viele Durchläufe der Platte, um sich die Musik von Tocotronic auf „Die Unendlichkeit“ zu erschließen. Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle auch der Umstand bleiben, dass Tocotronic eine deutsche Band sind. Das muss hier einfach nochmals hervorgehoben werden, denn solche Art der Musik bekommt man sonst ausschließlich aus dem englischsprachigen Raum präsentiert. So wie Tocotronic auf dem Album „Die Unendlichkeit“ klingen, klingt sonst keine deutsche Band.

Höhepunkte gibt es einige auf dem Album. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle den Opener und gleichzeitig das Titellied „Die Unendlichkeit“. Tolle Nummer, die zuerst etwas entrückt wirkt und klingt. Sphärische, kaum einzuordnende Klangwelten hört man hier, die eine Stimmung erzeugen, welche Dirk von Lowtzows Gesang wunderbar ergänzt. „Electric Guitar“ ist eine schöne und eingängige Pop-Rock-Nummer, die sich gleich beim ersten Mal des Hörens im Ohr festsetzt. Höhepunkt des Albums ist das Lied „Unwiederbringlich“. Und das liegt nicht nur an der spannenden Instrumentierung aus allerlei Perkussion, Klarinette, Piano, Cello, Gitarre und so weiter. Das Lied klingt außergewöhnlich und intensiv, was durch den Text über den Tod eines Menschen nochmals verstärkt wird. Schließlich sei an dieser Stelle auch noch das Lied „Ausgerechnet du hast mich gerettet“ erwähnt. Erneut ein Titel mit Ohrwurmcharakter, getragen und mit einem Text versehen der beweist, dass Liebeslieder inhaltlich auch mal völlig anders aufgebaut sein können.

Fazit: Tocotronic überzeugen auf ihrem zwölften Studio-Album „Die Unendlichkeit“ gleich in vielerlei Hinsicht. Die Lieder der Platte sind eingängig, die damit transportierten Atmosphären dicht und intensiv. Dabei sind die einzelnen Stücke sehr abwechslungsreich gehalten, poppige und rockige Lieder halten sich die Waage und über allem schwebt eine süße Melancholie, die keine Traurigkeit, sondern Hoffnung verbreitet. Sehr lohnenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Die Unendlichkeit, Unwiederbringlich



Freitag, 9. Februar 2018

Ronan Keating – Destination




Ronan Keating – Destination


Besetzung:

Ronan Keating – vocals


Gastmusiker:

Tracie Ackerman – backing vocals
Rusty Anderson – electric guitar, bazouki
Dave Arch – piano, string arrangements
Liam Bradley – percussion, drums, backing vocals, producer
Maire Breatnach – violin
Danielle Brisebois – backing vocals
Alex Brown – backing vocals
Sue Ann Carwell – backing vocals
Denny Fongheiser – percussion, cymbals, tom-tom
Angie Giles – backing vocals
Eddie Hession – accordion, accordion arranger
Charles Judge – piano, keyboards, engineer, digital editing, sound design, pro-tools
Kieran Kiely – piano, organ (hammond)
Greg Kurstin – keyboards
Chris Laws – drums, engineer
Steve Lee – backing vocals
Lulu – vocals
Steve Mac – keyboards
Calum MacColl – guitar, backing vocals
Avril MacKintosh – vocal producer, pro-tools
James McNally – piano, bodhran
Crystal Murden – backing vocals
Yoad Nevo – programming
Rick Nowels – acoustic guitar, piano, keyboards, backing vocals, mellotron, wurlitzer
Bill Padley – backing vocals, multi instruments
Pino Palladino – bass, bass guitar
Steve Pearce – bass guitar
John Pierce – bass
Tim Pierce – electric guitar
Wayne Rodrigues – drums, keyboards, drum programming
Alfie Silas – backing vocals
John Themis – guitar, percussion, bazouki
Julie Thompson – backing vocals
Paul Turner – bass, guitar


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Pop


Trackliste:

1. I Love It When We Do (3:53)
2. Love Won’t Work (If We Don't Try) (3:44)
3. If Tomorrow Never Comes (3:35)
4. Come Be My Baby (3:53)
5. Lovin’ Each Day (3:33)
6. My One Thing That’s Real (3:35)
7. Time For Love (3:51)
8. Blown Away (3:39)
9. As Much As I Can Give You Girl (4:15)
10. Pickin’ Me Up (4:42)
11. Joy And Pain (3:49)
12. We’ve Got Tonight (3:39)
13. The Long Goodbye (4:44)
14. I Got My Heart On You (3:47)

Gesamtspieldauer: 54:46



Am 20. Mai 2002 veröffentlichte der irische Schmusesänger und Ex-Boyzone-Mitglied Ronan Keating sein zweites Solo-Album mit dem Titel „Destination“. Die Scheibe erschien erneut auf dem Plattenlabel Polydor. „Destination“ ist vollgefüllt mit anbiederndem Liebes-Pop, den hauptsächlich der US-amerikanische Sänger und Songwriter Gregg Alexander für Ronan Keating geschrieben hat. Gregg Alexander wurde auf diesen Seiten ebenfalls bereits erwähnt, hatte mit seinen beiden Solo-Alben selbst keinen Erfolg, als Komponist für Ronan Keating dafür umso mehr. „Destination“ kletterte in Deutschland, England und Neuseeland bis auf Platz 1 der Charts und konnte sich auch in anderen europäischen Ländern sowie Australien auf den oberen Plätzen der Hitparaden positionieren.

Einmal mehr bekommt man auf „Destination“ billigen Pop geboten, der das Tema „Liebe“ von allen möglichen Seiten beleuchtet. Hauptsache viele junge Mädchen fühlen sich von dem Schmalz angesprochen – und das hat auch wunderbar funktioniert. 92 mal fällt das Wort „Love“ in elf der vierzehn Lieder. Nur bei den Stücken „Pickin‘ Me Up“, „Joy And Pain“ und „We've Got Tonight“ fällt dieses Wort nicht. Diese drei Titel handeln thematisch – richtig, auch von der Liebe. Man kann es eben auch anders ausdrücken, ohne das Wort „Love“ explizit auszusprechen. Die Texte sind insgesamt sowas von unfassbar schlecht, dass einem fast die Worte fehlen.

Leider kann die Musik dies auch nicht ausgleichen. Ganz im Gegenteil, sie bewegt sich auf demselben Niveau wie die Texte. Billiger bis billigster Pop, einfältig, langweilig und belanglos. Das Interessante daran ist, dass Gregg Alexander es noch nicht einmal gelingt, halbwegs eingängige Stücke zu schreiben. Das bewegt sich alles dermaßen an der Oberfläche, kann dabei nebenbei gehört werden, nervt da zwar, ohne aber wirklich weh zu tun, da man auf diese Weise die Texte nicht verfolgt. Im Falle von Ronan Keating genügten anscheinend wirklich sein Aussehen und seine unerfüllbaren Liebesbekundungen an die jungen Mädchen, dass diese sich diese Scheibe zulegten. Der Verkauf von Träumen eben – cooles Marketing. Das einzig halbwegs gelungene Stück – blendet man mal den miserablen Text aus – heißt „Joy And Pain“ und wurde von Jeremy Godfrey, Bill Padley und – man höre und staune – von Ronan Keating geschrieben.

Fazit: Die Texte auf „Destination“ von Ronan Keating sind absolut und uneingeschränkt grauenvoll. Ganz so krass möchte ich das noch nicht einmal von der Musik behaupten. Diese, zumeist von Gregg Alexander komponiert, ist dafür unglaublich belanglos, oberflächlich und letzten Endes absolut langweilig. Das alles in Kombination ergibt eines der sinnlostesten und überflüssigsten Alben überhaupt. Null Punkte.

Anspieltipps: Pickin‘ Me Up, Joy And Pain