Montag, 22. Januar 2018

Kin Ping Meh – Concrete




Kin Ping Meh – Concrete


Besetzung:

Geff Harrison –vocals
Gagey Mrozeck –guitars
Chris Klöäber – keyboards
Alan "Joe" Wroe – basses
Charly Weber – drums & percussion


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Rock, Blues Rock, Hard Rock, Rock’n’Roll, Live-Album


Trackliste:

1. Light Entertainment (4:35)
2. Come Together (5:49)
3. Too Many People (4:22)
4. Me And I (4:43)
5. I Want To Die A Millionaire (8:06)
6. Night-Time Glider (6:55)
7. East Winds (7:06)
8. High Time Whiskey Flyer (11:46)
9. Blue Horizon (7:27)
10. Dancing In The Street (3:42)
11. Don't Force Your Horse (4:37)
12. Good Time Gracie (3:50)
13. Rock Is The Way (6:32)

Gesamtspieldauer: 1:19:34



„Concrete“ ist ein Live-Doppelalbum der deutschen Band Kin Ping Meh. „Concrete“ erschien ursprünglich im Jahr 1976, wurde dann im Jahr 2016 auf dem Plattenlabel Warner Musik in Form einer remasterten CD wiederveröffentlicht. Die Mannheimer Band Kin Ping Meh ist dabei ein gutes Beispiel für ein weit verbreitetes Missverständnis. Hat eine Band in den 70er Jahren oder auch später Lieder in einer Länge über sechs bis sieben Minuten veröffentlicht, dann wurde sie sogleich von irgendwelchen „Fachleuten“ dem Genre des Progressive Rock zugeordnet. Auch Kin Ping Meh werden häufig dort „abgelegt“ oder aber in einem Atemzug mit Psychedelic Rock erwähnt. Doch die Musik der Mannheimer hat genauso viel mit Progessive Rock oder Psychedelic Rock zu tun, wie Helene Fischer mit AC/DC. Beides Mal geht es um Musik, aber das ist schon die Gemeinsamkeit.

Kin Ping Meh machen Rock und Blues Rock und spielen manchmal ein Thema sehr stark ausgewalzt immer und immer wieder an. Einen gewissen hypnotischen Effekt, der auch mal mit dem Wort „Langeweile“ umschrieben werden kann, möchte ich der Band dabei gar nicht absprechen, jedoch ist das sicherlich kein Progressive Rock. Ausgedehnte Soli gibt es auf „Concrete“ zu hören und Musik, die vom Genre Rock auch mal in den Hard Rock hinüberwechselt. Das Ganze wird unterfüttert durch Rock’n’Roll und Blues Rock. Freundinnen und Freunde entsprechender musikalischer Genres können da vielleicht das ein oder andere für sich entdecken.

Lege ich diese Musik auf, so strömt sie leider lediglich an mir vorbei. Nichts bleibt da hängen oder fesselt besonders. Während des Stücks „Blue Horizon“ hört man ein ausgedehntes Schlagzeug-Solo, ganz nett, trotzdem nichts Begeisterndes. Auch die Cover-Version des Beatles-Klassikers „Come Together“ hat man schon überzeugender gehört, trotzdem gehört sie auf „Concrete“ noch zu den Höhepunkten der Scheibe. Dies gilt ebenfalls für eine weitere Cover-Version, jene von „Dancing In The Street“. Immerhin eine Melodie, die hängenbleibt. Irgendwie ist auf „Concrete“ jedoch lediglich jede Menge Allerwelts-Rock’n’Roll zu hören, der einfach nicht packt – zumindest mich nicht. Dazu kommt noch der Umstand, dass die Aufnahme dumpf klingt. Definitiv gibt es soundtechnisch bessere Einspielungen – auch aus der Zeit damals. Das Remastering ist im Falle von „Concrete“ nicht gelungen, sodass auch der Klang des gesamten Albums kaum dazu beiträgt, der Platte doch noch etwas mehr abgewinnen zu können.

Fazit: Keinen Progressive Rock, sondern Rock’n’Roll und Blues Rock bieten Kin Ping Meh ihren Hörerinnen und Hörern vor allen Dingen. Dafür gibt es sicherlich Interessenten. Sucht man allerdings das Besondere in der Musik, so ist diese Scheibe von Kin Ping Meh definitiv die falsche Wahl. Irgendwie langweilig. Dazu gesellt sich ein mieser und dumpfer Klang des Albums. Nein, „Concrete“ überzeugt ganz und gar nicht. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Blue Horizon



Sonntag, 21. Januar 2018

Vince Guaraldi Trio – A Boy Named Charlie Brown




Vince Guaraldi Trio – A Boy Named Charlie Brown


Besetzung:

Vince Guaraldi – piano
Monty Budwig – bass
Colin Bailey – drums


Label: Fantasy Inc.


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Jazz


Trackliste:

1. Oh, Good Grief (2:24)
2. Pebble Beach (2:51)
3. Happiness Is (3:43)
4. Schroeder (1:54)
5. Charlie Brown Theme (4:25)
6. Linus & Lucy (3:07)
7. Blue Charlie Brown (7:30)
8. Baseball Theme (3:15)
9. Freda (With The Naturally Curly Hair) (4:34)


Bonus Track:

10. Fly Me To The Moon (8:55)

Gesamtspieldauer: 42:44



Vince Guaraldi wurde lediglich 47 Jahre alt und verstarb Anfang des Jahres 1976 am plötzlichen Herztod. Bekannt wurde der Jazz-Pianist hauptsächlich durch seine Musik, die die Peanuts Comic-Strips, welche in den 60er Jahren erstmals im Fernsehen liefen, untermalte. Von daher wird er akustisch immer mit diesen kleinen Geschichten um den Verlierer Charlie Brown verbunden bleiben und weiterleben.

Die Musik des Vince Guaraldi passt perfekt zu den zumeist kurzen TV-Filmen, bildet mit diesen quasi eine Einheit. Man hört Easy-Listening-Jazz, der ab und an dabei auch swingt. Ins Ohr geht die Musik dabei eher weniger bis gar nicht, wirkt allerdings in Verbindung zu den Bildern bestens. Freundinnen und Freunde des Jazz werden die Scheibe wahrscheinlich sogar sehr lieben, denn die Spielfreunde des Vince Guaraldi ist hier in jedem Takt, in jedem Akkord zu hören, fließt aus seinen Fingern und überträgt sich auf sein Pianospiel.

Ich konnte die Serie im Fernsehen ebenfalls verfolgen, im Ohr war mir allerdings nur das Lied „Linus & Lucy“ geblieben. Das liegt sicherlich daran, dass diese jazzigen Melodien nicht so harmonisch klingen und schwerlich ins Ohr gehen, wenn man diesem musikalischen Genre nicht ganz speziell zugetan ist. Macht jedoch nichts, die Musik wirkt und löst Erinnerungen aus, was definitiv nicht jede Musik vollbringt.

Fazit: Für Nostalgiker und Jazz-Freunde bestens geeignet. Nicht nur Charlie Brown wurde mit dieser Musik ein Denkmal gesetzt, sondern auch dem viel zu früh verstorbenen Vince Guaraldi. Man hört die Scheibe, kennt die Lieder nicht und wird gleich an diesen kleinen Typ mit dem Namen Charlie Brown erinnert. Das hat was. Ohne Bewertung.

Anspieltipps: Linus & Lucy



Samstag, 20. Januar 2018

Rheingold – Im Lauf Der Zeit




Rheingold – Im Lauf Der Zeit


Besetzung:

Bodo Staiger – alle Instrumente und Gesang
Brigitte Staiger – Gesang


Label: Lucky Bob Records


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Elektro Pop


Trackliste:

1. Kraut (3:46)
2. Im Lauf der Zeit (3:59)
3. Sehnsucht (4:17)
4. Stromaufwärts (4:19)
5. Theme ‘84 (5:02)
6. Energie (5:03)
7. Ins Leben zurück (3:42)
8. Weißes Licht (3:43)
9. Paradieshafen (6:11)
10. Sternstaub (4:22)

Gesamtspieldauer: 44:29



Bodo Staiger hat es noch einmal gemacht und Rheingold erneut aufleben lassen. Nach „Rheingold“ (1980), „R.“ (1982), „Dis-Tanz (1984) und dem Coveralbum „Electric City (Düsseldorfer Schule)“ (2007) erschien im Juni 2017 das vierte bis fünfte – je nach Zählweise – Studioalbum der „Band“ mit dem Namen „Im Lauf der Zeit“. Rheingold besteht inzwischen lediglich noch aus Bodo Staiger. Brigitte Kunz an den Keyboards ist nicht mehr Mitglied der Band, dafür unterstütze Bodo Staiger dessen Frau Brigitte zumindest gesanglich beim Einspielen der Platte.

Zum Hören gibt es auf „Im Lauf der Zeit“ eine ganze Menge Elektro-Pop, mal mit, mal ohne Gesang. Das Album ist absolut „retro“, soll heißen, die Musik klingt noch genauso wie zu Beginn der 80er Jahre. Vielleicht klingt der Sound des Synthesizers etwas voller, doch dieses unsägliche Geklapper des Drum-Computers holt einen schnell in die damalige Zeit zurück. Das klang bezüglich des Rhythmus damals schon billig und klingt heute leider noch genauso. Ins Ohr geht die Musik leider gar nicht mehr, klingt sehr viel eher langweilig und sehr gewöhnungsbedürftig. Die Neue Deutsche Welle zeichnete sich vor allem durch tolle und eingängige Melodien aus, weniger durch musikalische Arrangements. Auf „Im Lauf der Zeit“ fehlen diese eingängigen Melodien jedoch.

Nun, wer jedoch schon immer bedingungslos in die synthetischen Klänge der Neuen Deutschen Welle einsteigen konnte, den wird dies mit „Im Lauf der Zeit“ wohl ebenfalls gelingen. Beim Lied „Energie“ wird sogar der Sound aus dem wohl bekanntesten Stück von Rheingold, „Dreiklangsdimensionen“, aufgegriffen. Mehr Zitat geht kaum. Beim unsäglichen Instrumentalstück „Theme ‘84“ nähert sich die Musik von Rheingold schließlich sogar verdächtig nah dem Deutschen Schlager an. Das klingt nach primitiven Dieter Bohlen Sound, über dem nur noch die Stimme von Andrea Berg fehlt. Grausam. Ansonsten klingt das Ganze ab und an noch ganz nett, aufgrund dieses definitiv vorhandenen Nostalgie-Faktors, viel mehr kommt aber leider nicht.

Fazit: Für Fans der damaligen Zeit ganz bestimmt eine lohnende Anschaffung. Auch Freundinnen und Freunde Deutscher Musik in Form des Schlagers könnten hier Spaß haben. Ich jedoch sitze da, schaue auf meine Platten und CDs und überlege, „Was könnte der Grund dafür sein, diese CD einzulegen?“ Es fällt mir keiner ein. Vier Punkte.

Anspieltipps: Kraut, Im Lauf der Zeit



Freitag, 19. Januar 2018

Warhaus – Warhaus




Warhaus – Warhaus


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Marten Devoldere
Jasper Maekelberg
Michiel Balcaen
Sylvie Kreusch
Bart Verwaeck
Boris van Overschee
Casco Phil
Christophe Claeys
David Sanders
Geoffrey Burton
Jens Bouttery
Lennart Heyndels
Nathan Daems
Pieter Kindt
Senne Guns
Sep Françoise
Simon Casier


Label: Play It Again Sam


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Mad World (3:39)
2. Love’s A Stranger (3:26)
3. Well Well (4:41)
4. Control (3:55)
5. Dangerous (5:37)
6. Bang Bang (4:17)
7. Everybody (4:43)
8. No Such High (3:05)
9. Kreusch (4:08)
10. Fall In Love With Me (4:26)

Gesamtspieldauer: 42:01




Warhaus heißt das Solo-Projekt des Belgiers Maarten Devoldere. Dieser ist auch noch Sänger der Band Balthazar und gründete im Jahr 2016 seine zweite Band Warhaus. In diesem Jahr erschien auch das erste Album. Am 13. Oktober 2017 wurde schließlich dann die zweite, selbstbetitelte Scheibe auf dem Plattenlabel Play It Again Sam veröffentlicht. Auf „Warhaus“ von Warhaus hört man sanften und durchaus harmonischen Independent Rock, der wie ein ruhiger Fluss aus den Boxen zu strömen scheint. Bassist Simon Casier sowie Schlagzeuger Michiel Balcaen seiner Band Balthazar unterstützten Maarten Devoldere unter anderem beim Einspielen des Albums.

Zu hören ist auf der Platte sehr unaufgeregter Independent Rock, der atmosphärisch immer wieder an die Musik des Leonard Cohen erinnert – ohne jedoch vollständig damit vergleichbar zu sein. Nicht ganz ins Bild der Musik des Kanadiers passt die zwar überzeugende und ebenfalls sanfte, jedoch anders klingende Stimme des Belgiers Maarten Devoldere. Auch teilt sich dieser seinen Gesangpart ab und an mit Sylvie Kreusch. Die Musik klingt sanft, enthält allerdings auch den ein oder anderen experimentelleren Ansatz in Form von etwas schrägeren Tönen oder Sounds. Und schließlich ist es die Musik selbst, die zwar klingt, doch nicht diesen Eindruck hinterlässt. Die einzelnen Stücke hören sich durchaus melodisch und harmonisch an, es fehlt jedoch das gewisse Etwas, über welches ein Lied auch verfügen sollte, um auch längerfristig hängen zu bleiben.

Somit lassen sich auch kaum bis keine Höhepunkte auf „Warhaus“ von Warhaus ausmachen. Allerdings soll hier auch nicht unerwähnt bleiben, dass es ebenso keine Ausfälle auf dem Album zu beklagen gibt. Alles klingt und das gar nicht mal schlecht. Die einzelnen Stücke gehen durchaus ins Ohr, plätschern allerdings im weiteren Verlauf der Platte immer weiter vor sich hin, sodass es keinen wirklichen Grund gibt einmal aufzuhorchen. Wenn dann schließlich noch, wie beim Titel „Everybody“, der Einsatz der Streicher etwas übertrieben wird, dann wird dieses Plätschern zum süßlichen Säuseln und noch etwas uninteressanter.

Fazit: Sanfte, sehr sanfte Töne gibt es überwiegend von Warhaus auf ihrem zweiten, selbstbetitelten Album zu hören. Die Musik klingt durchaus, geht auch ins Ohr, erinnert dabei immer wieder mal an Leonard Cohen, schafft es jedoch nicht, restlos zu überzeugen. Dazu wirken die einzelnen Titel einfach etwas zu wenig, hallen viel zu wenig nach. Nett anzuhören ist das Album allerdings trotzdem, schlechte und totlangweilige Musik klingt definitiv ganz anders. Acht Punkte.

Anspieltipps: Mad World, Kreusch



Donnerstag, 18. Januar 2018

Grobschnitt – Jumbo




Grobschnitt – Jumbo


Besetzung:

Joachim H. Ehrig (Eroc) – Schlagzeug, Perkussion, elektronische Effekte, alberne Stimmen und Schikane
Gerd Otto Kühn (Lupo) – Soloelektrogitarre, Geschäftskram
Stefan Danielak (Wildschwein) – Gesang, Chor, Rhythmus- und Akustikgitarre
Wolfgang Jäger (Pepe) – Bassgitarre und freundliches Lächeln
Volker Kahrs (Mist) – Orgel, Mellotron, Klavier, Klafünf, Synthesizer und elektronisches Bügelbrett


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Jupp (0:12)
2. Vater Schmidt’s Wandertag (9:39)
3. Der Clown (6:55)
4. Traum und Wirklichkeit (5:27)
5. Sonntag’s Sonnabend (11:27)
6. Auf Wiedersehen (0:47)


Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung von 2015:

7. Vater Schmidt / Father Smith (Live At Jugendheim Niedermühlenkamp, Bielefeld / 1977) (10:24)
8. The Clown (Live At Haus der Jugend, Lünen / 1977) (6:50)
9. Sunny Sunday’s Sunset (Live At Haus der Jugend, Lünen / 1977) (11:15)
10. Sonnenflug (live) (4:03)
11. Der Ölberg, wie er singt und lacht (Live At Haus der offenen Tür, Rheine / 1975) (12:04)

Gesamtspieldauer: 1:19:08



„Jumbo“ heißt das dritte Studioalbum der Hagener Progressive Rock Band Grobschnitt. In zwei unterschiedlichen Versionen wurde die Scheibe veröffentlicht. Im Jahr 1975 erschien die englischsprachige Ausgabe des Albums, ein Jahr später dann die auf Deutsch eingesungene Variante der Platte. Beide Alben wurden damals auf dem inzwischen nicht mehr existenten Plattenlabel Metronome Records veröffentlicht. Bei dem nun besprochenen Album handelt sich um eine im Jahr 2015 remasterte Fassung von „Jumbo“ in der deutschen Ausgabe. Die englischsprachigen Varianten der Lieder wurden der Scheibe in Form von Live-Einspielungen als Zugaben beigefügt.

Man hört auch auf „Jumbo“ den für Grobschnitt so typischen, sehr melodischen und harmonischen Progressive Rock. Weiche und sanfte Passagen wechseln sich dabei mit härteren und nach vorne preschenden Abschnitten ab. Dazu gelingt es der Band auch immer wieder, speziell in den Instrumentalpassagen, einen fast schon hypnotischen Effekt zu erzeugen, wenn bestimmte Themen oder Akkorde immer und immer wieder wiederholt werden. Selbstverständlich darf auch auf „Jumbo“ eine ordentliche Prise Klamauk nicht fehlen, die immer wieder mal kurz aufleuchtet. „Jupp“ und „Auf Wiedersehen“ sind solche Spaß-Lieder zu Beginn und am Ende des ursprünglichen Albums, doch wird auch bei den anderen Titeln entsprechender Humor befeuert – hier allerdings sehr dosiert.

Musikalisch gesehen gehen die einzelnen Titel nicht ganz so ins Ohr wie auf den beiden Vorgängern. Die Ausnahme bildet auf „Jumbo“ jedoch das wahrlich gelungene „Sonntag’s Sonnabend“, gleichfalls auch das längste Lied der Platte. Hier klingen Grobschnitt eingängig und interessant, hypnotisch und spannend, abwechslungsreich und melodiös. Keine Sekunde ist dieser Titel zu kurz und die Nummer wird auch nach dem hundertsten Mal des Hörens kein bisschen langweilig. Ebenso können die Lieder „Vater Schmidt’s Wandertag“ sowie „Traum und Wirklichkeit“ noch punkten, wenn auch nicht mehr so überzeugend wie das längste Stück des Albums. Gut und lohnend gehört zu werden sind sie jedoch allemal. Insgesamt macht die Platte damit durchaus Laune, wenn man denn auf die harmonische Ausprägung des Progressive Rocks steht.

Auch dieses Mal wurde bei der remasterten Wiederveröffentlichung nicht gegeizt. Bei „Jumbo“ sind es die gleichen Titel, die nun nochmals zu hören sind, jedoch live eingespielt und in der englischen Variante, wie sie ein Jahr zuvor veröffentlicht worden waren. Die Soundqualität ist dabei sehr gut, bis auf jene beim letzten Stück „Der Ölberg, wie er singt und lacht“. Diese Einspielung klingt eher dumpf und flach. Allerdings ist diese Nummer praktisch ein reines Spaß-Lied, welches entbehrlich ist.

Fazit: Für Grobschnitt Fans ganz sicher eine tolle Platte. Und auch wer gerne Progressive Rock aus Deutschland hört, wird hier bestens bedient. Mag man dazu noch die melodiöse Ausprägung dieses musikalischen Genres, kann gar nichts mehr schiefgehen und man wird die Platte lieben. „Jumbo“ ist vielleicht nicht das beste Grobschnitt Album geworden, allerdings immer noch ein sehr hörenswertes. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Sonntag’s Sonnabend



Mittwoch, 17. Januar 2018

PJ Harvey – Uh Huh Her




PJ Harvey – Uh Huh Her


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, guitars, bass, piano, melodica, accordion, autoharp


Gastmusiker:

Rob Ellis – drums, percussion, backing vocals (3)
Head – backing vocals (3, 5)
Evelyn Isaac – backing vocals (7, 14)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Alternative Rock, Punk, Folk Rock


Trackliste:

1. The Life & Death Of Mr. Badmouth (4:53)
2. Shame (2:33)
3. Who The Fuck? (2:09)
4. Pocket Knife (3:44)
5. The Letter (3:22)
6. The Slow Drug (3:25)
7. No Child Of Mine (1:08)
8. Cat On The Wall (3:03)
9. You Come Through (2:48)
10. It's You (4:13)
11. The End (1:23)
12. The Desperate Kingdom Of Love (2:44)
13. Seagulls (1:11)
14. The Darker Days Of Me & Him (4:34)

Gesamtspieldauer: 47:23




„Uh Huh Her“ heißt das siebte Studioalbum der englischen Musikerin und Sängerin Polly Jean Harvey. Die Platte wurde von ihr über einen Zeitraum von zwei Jahren geschrieben, aufgenommen und produziert – alles in Eigenregie. Auch die Instrumente wurden von ihr, mit Ausnahme des Schlagzeugs, für welches ihr wieder Rob Ellis zur Verfügung stand, selbst eingespielt. „Uh Huh Her“ erschien am 31. Mai 2004 auf dem Plattenlabel Island Records. Auch wenn die Platte mit Platz 29 in den US-amerikanischen Billboard 200 die bisher höchste Platzierung in den USA erreichte, so verkaufte es sich weltweit insgesamt doch schlechter als ihre bisherigen Alben.

Die musikalische Bandbreite auf dem Album ist eine deutlich größere, als noch auf den Vorgängeralben. Zwar hört man auch auf „Uh Huh Her“ wieder Alternative Rock, doch auch der Punk war zurückgekommen und dominiert zum Beispiel solch ein Lied, mit dem für den Punk passenden Titel, „Who The Fuck“. Doch es gibt auf dem Album noch weitere Töne in der Musik der PJ Harvey zu hören. Folk Rock erweitert nun das musikalische Spektrum der Engländerin und gerade diese Titel können auf „Uh Huh Her“ auch sehr überzeugen. Dazu gibt es sogar reine Instrumentalnummern, bei denen es sich im Falle von „Seagulls“, wie könnte es anders sein, um reines Möwengeschrei handelt. Sehr sanfte und eingängige Klänge konkurrieren auf „Uh Huh Her“ mit deutlich schrägeren Tönen, die bis ins Aggressive hineinreichen können.

Einer der Höhepunkte auf „Uh Huh Her“ ist das, aufgrund seiner Instrumentierung sehr ungewöhnliche und auch sonst fast ein wenig avantgardistisch klingende „You Come Through“. Auch jenes sehr kurze, minimalistische und folkige Instrumentalstück „The End“ kann hierzu gezählt werden. Ebenfalls „The Desperate Kingdom Of Love“. Ein Lied, welches wohl ebenso am ehesten dem Folk zugerechnet werden kann, bei dem die Musik und der Gesang der PJ Harvey äußerst zerbrechlich und weich klingen. Und schließlich wäre da noch die letzte Nummer der Platte zu erwähnen, „The Darker Days Of Me & Him“. Eine erneut eher sanfte Nummer, durchaus im Alternative Rock angesiedelt, die sich langsam steigert und bestens ins Ohr geht.

Fazit: „Uh Huh Her“ hat Poly Jean Harvey nicht nur alleine eingespielt, es ist auch das Album, welches die bisher größte musikalische Spannbreite aufweist. Alternative Rock, Punk, Folk und etwas Instrumentalmusik gibt es auf dem achten Album der Engländerin zu hören. Nicht alles davon ist unbedingt hörenswert, einiges jedoch ganz bestimmt. Zwar präsentiert sich „Uh Huh Her“ keinesfalls einheitlich, dafür wird es einem beim Hören niemals langweilig. Es gibt viel zu entdecken. Neun Punkte.

Anspieltipps: You Come Through, The End, The Desperate Kingdom Of Love, The Darker Days Of Me & Him



Dienstag, 16. Januar 2018

Can – Tago Mago




Can – Tago Mago


Besetzung:

Damo Suzuki – vocals
Holger Czukay – bass
Michael Karoli – guitar, violin
Jaki Liebezeit – drums, double bass, piano
Irmin Schmidt – organ, electric piano, vocals on "Aumgn"


Label: Spoon Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Krautrock, Psychedelic Rock, Experimental Rock


Trackliste:

1. Paperhouse (7:28)
2. Mushroom (4:03)
3. Oh Yeah (7:22)
4. Halleluhwah (18:32)
5. Aumgn (17:36)
6. Peking O (11:37)
7. Bring Me Coffee Or Tea (6:46)

Gesamtspieldauer: 1:13:29



„Tago Mago“ heißt die dritte Veröffentlichung der Kölner Band Can und ist gleichzeitig ihr zweites offizielles Studioalbum. Erschienen ist die Platte ursprünglich als Doppelalbum im Februar des Jahres 1971 und hinterlässt bis heute Spuren bei diversen Musikern und auch den Hörerinnen und Hörern. Bei Can hatte sich etwas getan. Der Japaner Damo Suzuki war nun festes Mitglied der Formation geworden, der ursprüngliche Sänger Malcolm Mooney hatte die Band verlassen. Was dann mit „Tago Mago“ folgte, war an Wucht und Intensität kaum mehr zu überbieten.

Ich kenne nichts Vergleichbares, nichts, was wie „Tago Mago“ klingt. Echt Nichts. Ist das jetzt wirklich noch Musik? Ganz sicher kann man sich dabei nur an manchen Stellen des Albums sein. Irgendwie fängt alles noch ganz harmlos an. Die ehemalige Seite 1 der Platte enthält psychedelisch angehauchten Krautrock, zumeist nicht zu melodiös und eingängig, jedoch noch nicht zu weit weg von der „Norm“. „Paperhouse“ geht dabei sogar ziemlich schnell ins Ohr, „Mushroom“ klingt schräg bis atonal und bei „Oh Yeah“ wird der Text rückwärts eingesungen. Seltsam ist das alles irgendwie schon hier, aber eben noch nicht zu weit entfernt vom Konventionellen. Can experimentieren eben ganz gerne, warum also soll man ein Lied nicht auch mal rückwärts einsingen? Klingt doch spannend.

Dann folgen allerdings die ehemalige zweite und dritte Plattenseite des Albums und danach scheint alles irgendwie anders zu sein. Musik ist nicht mehr nur Musik. Musik ist Geräuschkulisse geworden, falsch und mystisch klingend, sich unfassbar merkwürdig, zum Teil sich grausam und zerstörerisch anhörend. Abschnitte, die auf Musik und ein Lied hinweisen gibt es, jedoch stehen diese scheinbar nicht im Vordergrund der Stücke „Halleluhwah“ und „Aumgn“. „Halleluhwah“ wirkt allerdings noch durch einen nie enden wollenden Rhythmus, der zwar durch kurze Einschübe selten unterbrochen wird, jedoch sofort wieder aufflammt und stoisch weiter seine Kreise zieht. Das Lied vibriert, stampft und neben all jener Rhythmik generieren sich seltsame Laute, sonderbare Geräusche, schräge Töne und schließlich zur Krönung noch eine Art zunächst gelangweilter Gesang, der später zu allem Überfluss auch noch falsch klingt, sodass man alles nur noch sehr schwer zusammen bekommt. Monotonie hüllt einen dabei ein und lässt einen nicht mehr los. Nur dieses Geschrei versucht anscheinend Hörerinnen und Hörer daraus herauszulösen, schafft es jedoch nicht mehr. Verloren und gefangen.

Nachdem „Halleluhwah“ verklungen ist, folgt mit „Aumgn“ das zweite fast zwanzigminütige Stück auf „Tago Mago“. Mag man zu Beginn der Nummer noch von relativ sphärischer Musik sprechen können, so ändert sich dieser Eindruck immer mehr. Musik und Noten wandeln sich immer mehr zu Geräuschen, zu bedrückenden Stimmungen, zu eigenartigen Klängen. Brutal konsequent ziehen Can das bei diesem Stück durch. Es klingt falsch, beklemmend, kakophonisch. Kann man hier wirklich noch durchgängig von Musik sprechen oder sind das zumindest zum Teil nur noch Klanggebilde, losgelöst von jeglicher Struktur und Form? Wohl eher Letzteres trifft auf diese Art der akustischen Befeuerung zu. Sicherlich einzigartig in dieser Konsequenz. Auch das folgende „Peking O“ entlässt einen noch nicht in den Frieden seiner Umwelt. Nun ist es zumeist der Gesang des Damo Suzuki, der einen aus gewohnten Hörerlebnissen herausreißt. Nichts scheint hier mehr herkömmlich, nichts mehr gewöhnlich zu sein oder zu klingen.

Irgendwie dann doch versöhnlich, mit dem Stück „Bring Me Coffee Or Tea“, klingt „Tago Mago“ schließlich aus. Das letzte Lied ist nun tatsächlich wieder ein Lied, hat Struktur, sogar eine Melodie ist da herauszuhören. Auf den allermeisten Platten wäre dieses Stück furchtbar „abgefahren“, hier jedoch holt es einen ab, fängt Hörerin und Hörer wieder ein und führt diese zurück in die Realität. Ein versöhnlicher Abschluss.

Fazit: Oh nein, selbstverständlich ist „Tago Mago“ keine Musik für den Massenmarkt und vielleicht muss man sogar ein musikalischer „Freak“ sein, um diese Platte überhaupt durchhören zu können. Doch „Tago Mago“ ist etwas Besonderes, etwas, was es sonst so nicht gibt. Hier wurden definitiv neue Wege beschritten, die in dieser Konsequenz danach wohl auch nicht mehr begangen wurden. Ich könnte dieses Album niemals zu meinem Lieblingsalbum küren, jedoch hinterlässt die Scheibe Spuren, sehr viele Spuren. Ich fühle mich durch „Tago Mago“ bewegt, das schafft bei Weitem nicht jede Musik. Elf Punkte.

Anspieltipps: Paperhouse, Halleluhwah



Montag, 15. Januar 2018

U2 – Songs Of Experience




U2 – Songs Of Experience


Besetzung:

Bono – vocals
The Edge – guitars, vocals, keyboards
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen Jr. – drums, percussion


Gastmusiker:

Andy Barlow – additional keyboards (tracks 1, 9), programming (1), sound design (1)
Jacknife Lee – additional keyboards (2–3, 5, 11–12), additional guitar (2, 5, 10–12), programming (2–3, 5, 11–12), keyboards (6), additional backing vocals (12)
Haim – additional backing vocals (2)
Ryan Tedder – programming / additional programming (3, 6, 7), additional backing / background vocals (4, 6, 7, 8), keyboards (6), additional guitar (8)
Brent Kutzle – programming/additional programming (3, 6, 7), keyboards / additional keyboards (4, 6), additional guitar / acoustic guitar (6, 7)
Davide Rossi – strings (3, 10)
Kendrick Lamar – outro (4), intro (5)
Goshua Usov – additional keyboards (4)
Jolyon Thomas – additional guitar (4, 9), additional keyboards (4, 9)
Brandon Collins – string arrangement (6)
Amy Helman – violins (6)
Avery Bright – violins (6)
Betsy Lamb – viola (6)
Paul Nelson – cello (6)
Noel Zancanella – additional programming (6)
Nate Lotz – additional percussion (6)
Lady Gaga – background vocals (6)
Steve Wilmot – additional percussion (7)
Declan Gaffney – additional keyboards (7)
Julian Lennon – additional background vocals (7)
Andrew Taggart – additional keyboards (12)
Paul Epworth – programming (13), additional keyboards (13)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Love Is All We Have Left (2:41)
2. Lights Of Home (4:16)
3. You're The Best Thing About Me (3:45)
4. Get Out Of Your Own Way (3:58)
5. American Soul (4:21)
6. Summer Of Love (3:24)
7. Red Flag Day (3:19)
8. The Showman (Little More Better) (3:23)
9. The Little Things That Give You Away (4:55)
10. Landlady (4:01)
11. The Blackout (4:45)
12. Love Is Bigger Than Anything In Its Way (4:00)
13. 13 (There Is A Light) (4:19)

Gesamtspieldauer: 51:14




„Songs Of Experience“ heißt das vierzehnte Studioalbum der irischen Band U2. Am 1. Dezember 2017 wurde das Album auf dem Plattenlabel Island Records veröffentlicht. Der Albumtitel wurde, wie bereits der des Vorgängeralbums „Songs Of Innocence“, vom Gedichtband des Engländers William Blake abgeleitet, der diesen unter dem Titel „Songs Of Innocence And Of Experience“ im Jahr 1794 veröffentlichte. Das Album-Cover zeigt Bono’s Sohn Eli und The Edge’s Tochter Sian beim Händchenhalten. „Songs Of Experience“ beinhaltet thematisch Briefe, die Sänger Bono an Orte und Menschen schrieb, die ihm am Herzen liegen.

Musikalisch klingt „Songs Of Experience“ leider alles andere als innovativ. Klar ist die Musik auf dem Album eindeutig als jene von U2 auszumachen, doch diese wunderschönen Stücke, die sich auf anderen Scheiben der Band befinden, die sucht man hier vergebens. Ohne behaupten zu können, dass „Songs Of Experience“ eine schlechte Platte wäre, so zündet sie trotzdem nicht. Viel mehr hört man hier eher durchschnittlichen Pop-Rock, der einen mal mehr, ein anderes Mal deutlich weniger packt. Was auf „Songs Of Experience“ besonders überzeugt, liegt dabei ganz am musikalischen Geschmack der Hörerin oder des Hörers. Wohl kaum jemand wird allerdings diese Scheibe als die beste von U2 betiteln. Dazu sind die einzelnen Lieder einfach zu gewöhnlich geworden.

Ins Ohr geht auf „Songs Of Experience“ einiges, nicht allzu viel davon versteht sich jedoch auch festzusetzen – auch nicht nach mehreren Durchläufen. Positiv erwähnenswert wären da der kurze Opener „Love Is All We Have Left“, das sanfte und doch etwas groovende „Summer Of Love“ sowie die beiden aufeinanderfolgenden Stücke „The Little Things That Give You Away“ sowie „Landlady“. Klingt erstgenannte Nummer sehr schön sehnsüchtig und man hört hier den typischen U2-Gitarrensound, so ist „Landlady“ wohl das Stück der Platte mit den eingängigsten Harmonien.

Fazit: Das viertzehnte Album von U2 mit dem Titel „Songs Of Experience“ wurde nicht wie der Vorgänger zunächst auf i-Tunes veröffentlicht, sondern erschien sofort auch auf CD. Der Ärger war der Band damals wohl genug, sodass man wieder herkömmliche Wege ging. „Songs Of Experience“ ist ein eher durchschnittliches Album geworden. Das gilt sowohl im Vergleich zur bisherigen Musik von U2, wie auch im Vergleich zu anderen Pop-Rock-Scheiben. Und genau das ist es auch, was man auf dem Album hört, nämlich eine eher unspektakuläre Mischung aus Rock und Pop, die nicht großartig für Aufsehen und Aufregung sorgt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Love Is All We Have Left, Summer Of Love, The Little Things That Give You Away, Landlady



Sonntag, 14. Januar 2018

David Gilmour – Rattle That Lock




David Gilmour – Rattle That Lock


Besetzung:

David Gilmour – lead vocals (all), guitars (all), keyboards (all except 8), piano (1, 3, 4, 5), sncf sample (2), hammond organ (2, 5, 9), bass guitar (5, 6, 7, 10), bass harmonica (7), electric piano (9, 10)


Gastmusiker:

Jon Carin – electric piano (9)
David Crosby – backing vocals (4)
Graham Nash – backing vocals (4)
Danny Cummings – percussion (3, 4, 5, 7, 10)
Steve DiStanislao – drums (2, 3, 5, 7, 9), percussion (2, 3, 7), backing vocals (2)
Roger Eno – piano (4, 7)
Martin France – drums (8)
Gabriel Gilmour – piano (6)
Jools Holland – piano (8)
Damon Iddins – accordion (3), calliope keyboard (3)
Rado Klose – guitar (8)
Chris Laurence – double bass (8)
The Liberty Choir – backing vocals (2)
Phil Manzanera – hammond organ (2, 3), keyboard elements (2, 3, 6), acoustic guitar (3, 9)
Louise Marshall – backing vocals (2, 9)
Andy Newmark – drums (5, 6, 10)
Eira Owen – french horn (3)
John Parricelli – guitar (8)
Mica Paris – backing vocals (2, 9)
Guy Pratt – bass guitar (2, 9)
Mike Rowe – electric piano (9)
Polly Samson – backing vocals (9)
Yaron Stavi – bass guitar (2), double bass (2, 4, 5), backing vocals (2)
Colin Stetson – saxophone (8)
Richard Wright – voice sample (4)
Robert Wyatt – cornet (8)
Zbigniew Preisner – orchestration (1, 3, 5, 6, 9, 10)
Michaël Boumendil – original sncf jingle (2)


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Rock


Trackliste:

1. 5 A.M. (3:04)
2. Rattle That Lock (4:55)
3. Faces Of Stone (5:32)
4. A Boat Lies Waiting (4:34)
5. Dancing Right In Front Of Me (6:11)
6. In Any Tongue (6:46)
7. Beauty (4:28)
8. The Girl In The Yellow Dress (5:25)
9. Today (5:55)
10. And Then... (4:29)

Gesamtspieldauer: 51:25



„Rattle That Lock“ heißt das vierte Solo-Album des Ex-Pink Floyd Gitarristen David Gilmour. Es erschien am 18. September 2015 und wurde auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht. Auf „Rattle That Lock“ hört man an vielen Stellen unverwechselbar David Gilmour heraus, gerade der Klang seiner Gitarre lässt hier kaum Möglichkeiten der Verwechslung zu. Dazu diese Stimme, absolut keine Verwechslung mehr möglich. Speziell klingen dabei die Instrumentallieder und Instrumentalpassagen wie kleine Reminiszenzen an längst vergangene Tage.

Leider stellt man beim Hören der Scheibe allerdings auch schnell fest, dass David Gilmour gerade in der Verbindung zu Roger Waters, vielleicht auch noch in Kooperation mit Rick Wright zusammen, in der Lage war, geniale Musik schreiben. Auf „Rattle That Lock“ ist das leider immer nur ansatzweise zu hören. Das soll nicht bedeuten, dass die Lieder auf dem Album schlecht klingen oder gar nicht unterhalten. Doch im Grunde genommen ist das, was David Gilmour hier seinen Hörerinnen und Hörern vorsetzt, oftmals ziemlich austauschbarer Pop-Rock geworden, der nur an ganz wenigen Stellen aufhorchen lässt.

Drei Instrumentalstücke gibt es auf „Rattle That Lock“. Zu zwei der weiteren Titel schrieb David Gilmour selbst den Text. Die restlichen Liedertexte steuerte Polly Samson bei, Journalistin, Autorin und gleichzeitig auch die Ehefrau des David Gilmour. Gabriel Gilmour, David Gilmours Sohn, hat auf „Rattle That Lock“ übrigens ebenfalls einen Auftritt, er spielt das Piano auf dem Stück „In Any Tongue“. Auch Roxy Music Keyboarder und Gitarrist Phil Manzanera war beim Einspielen der Titel beteiligt und schließlich sind Graham Nash sowie David Crosby beim Stück „A Boat Lies Waiting“ im Hintergrund zu hören. Doch trotz all dieser Beteiligung, weder textlich noch musikalisch kann die Scheibe vollends überzeugen. Fängt alles noch ganz interessant mit der Instrumentalnummer „5 A.M.“ an, so klingt das bei dem Titellied „Rattle That Lock“ schon anders. Die Nummer basiert auf dem SNCF-Jingle, der Erkennungsmelodie der französischen Eisenbahn. Nicht weiter schlimm, doch das Lied klingt eben poppig bis rockig, nur dieser Gitarrensound möchte uns hier noch etwas anderes verkaufen. Das folgende Stück „Faces Of Stone“ stellt für mich den Höhepunkt der Scheibe dar. Sehr bedächtig mit sanften Pianoklängen beginnend, im weiteren Verlauf folkiger werdend und schließlich werden sogar Themen aufgegriffen, die an Zirkus-Musik erinnern. Hier klingt David Gilmour spannend, sehr abwechslungsreich und überaus eingängig – auch wenn dieser Titel gerade so gar nichts mit der Musik von Pink Floyd zu tun hat.

Leider war es das dann auch bereits mit den Höhepunkten. Die Platte plätschert vor sich hin, ohne dabei wirklich schlecht zu klingen. Überzeugend ist das allerdings auch nicht, eher austauschbar. Pop-Rock, Mainstream oder wie auch immer man das nennen möchte. Eine Ausnahme stellt noch die Nummer „The Girl In The Yellow Dress“ dar. Jetzt klingt David Gilmour leicht jazzig swingend. Da haben wir die Abwechslung, das Auffällige. Aber musste das wirklich sein? Nun, Herr Gilmour hat es wahrlich schwer, kann es nur wenigen Recht machen. Ansonsten wird an der ein oder anderen Stelle von ihm nochmals an die eigene musikalische Vergangenheit erinnert. „A Boat Lies Waiting“, klingt das Lied nicht sehr ähnlich wie „Us And Them“? Die Lieder hinterlassen einfach kaum Spuren mehr, setzen sich nicht mehr fest, klingen aus oder werden zumeist ausgeblendet. Aus vorbei.

Fazit: Es ist meiner Meinung nach überhaupt nicht schlimm, wenn sich Musikerinnen und Musiker selbst zitieren, denn sie stehen zumeist für eine ganz spezielle, eigene Art der Musik, wenn sie denn nicht rein im Mainstream verwurzelt sind. Man kann das nicht nur als Wiederholung, sondern durchaus auch als Ausweitung der Musik auffassen. David Gilmour zitiert sich auf „Rattle That Lock“ zwar ebenfalls selbst, bleibt dabei jedoch irgendwie hängen, stecken, endet schließlich im Mainstream des poppigen Rocks. Das Album ist damit auch immer noch keine schlechte Scheibe, jedoch auch nicht mehr als Durchschnitt. Acht Punkte.

Anspieltipps: 5 A.M., Faces Of Stone



Samstag, 13. Januar 2018

The Pineapple Thief – Abducted At Birth




The Pineapple Thief – Abducted At Birth


Besetzung:

Bruce Soord – guitars, keyboards, samples, vocals
Nick Lang – all the rest


Label: KScope


Erscheinungsdatum: 1999 / 2017


Stil: Art Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Private Paradise (11:48)
2. Drain (6:35)
3. Whatever You Do, Do Nothing (6:20)
4. No One Leaves This Earth (5:54)
5. Punish Yourself (4:26)
6. Everyone Must Perish (4:38)
7. Judge The Girl (6:12)
8. Parted Forever (19:00)
9. Mysterious Extra Track (4:20)

Gesamtspieldauer: 1:09:17




Das erste Album der englischen Band The Pineapple Thief, welche im Grunde genommen das Solo-Projekt des Bruce Soord darstellt, erschien im Jahr 1999 unter dem Titel „Abducting The Unicorn“ auf dem Plattenlabel Cyclops Records. Im November 2017, nachdem für die vergriffene und nicht wieder aufgelegte erste Ausgabe bereits Mondpreise verlangt wurden, erschein das Album erneut, jetzt remastert und neu abgemischt auf dem Label KScope. Überraschend dabei ist, dass Bruce Soord hierfür einen neuen Namen, nämlich „Abducted At Birth“ wählte. Allerdings ist dieser Name der ursprüngliche Name des Albums, denn die damalige Plattenfirma Cyclops Records änderte diesen Titel in „Abducting The Unicorn“ um. Zusätzlich wurde das Album mit einem neuen Cover ausgestattet und auch die Laufzeiten der einzelnen Lieder haben sich geändert – allerdings nur minimal. Die beiden längeren Stücke des Albums wurden etwas verlängert, im Falle von „Parted Forever“ um knapp eine Minute, die kürzeren um drei bis vier Sekunden gekürzt, sodass insgesamt eine Spielzeitverlängerung von etwa einer halben Minute daraus resultiert.

Ich kenne die Aufnahme von 1999 nicht, da ich erst durch die Kollegen der Babyblauen Seiten auf The Pineapple Thief aufmerksam wurde, kann also keine klanglichen Vergleiche anstellen. Diese neue Ausgabe des ersten Pineapple Thief Albums klingt in meinen Ohren allerdings bestens abgemischt und lässt klanglich keinerlei Wünsche offen. Die Musik begeistert ebenso. Zu hören ist hier New Art Rock mit tollen, eingängigen Melodien und dem ein oder anderen experimentellen Ausflug. Für das erste Werk einer Band wahrlich sehr überzeugend. Auf „Abducting The Unicorn“ beziehungsweise „Abducted At Birth“ wird der Musik Zeit eingeräumt sich zu entwickeln. Ein musikalisches Thema erwächst, generiert verschiedene Facetten, wird variiert. Das klingt zum Teil fast schon hypnotisierend, wenn ein Akkord oder Lauf dementsprechend ausgebaut wird. Das Schöne daran ist, dass Bruce Soord es durch immer neue und kleine Variationen schafft, dabei niemals Langeweile aufkommen zu lassen.

Gut hörbar ist auf dem Album alles. Man darf nur keine zu frickeligen Parts erwarten, denn diese gibt es auf diesem Debut-Album kaum. Alles ist mit eingängigen Harmonien und Melodien versehen und wer zusätzlich auf sehr abwechslungsreiche, sich wandelnde Titel steht, wird mit „Parted Forever“ ebenfalls bestens bedient. Der Sound ist eher Gitarren-lastig und rockig, als Synthesizer-dominiert und sphärisch. Doch auch diese Abschnitte gibt es in der Musik von The Pineapple Thief, was das Gesamthörerlebnis noch abwechslungsreicher werden lässt. Höhepunkt ist für mich die Instrumentalnummer „Everyone Must Perish“. Bei einem Titel der übersetzt bedeutet „Jeder muss mal sterben“, ist diese Vorgabe mitreißend und völlig anders umgesetzt worden, als man dies wahrscheinlich erwarten würde.

Fazit: Ein sehr schönes Debut-Album ist The Pineapple Thief mit „Abducting The Unicorn“ gelungen. Die Wiederauflage mit dem Titel „Abducted At Birth“ klingt soundtechnisch und klanglich sehr überzeugend, die Musik rockig, an vielen Stellen mitreißend, immer abwechslungsreich und sehr melodisch. The Pineapple Thief gehen ins Ohr – bereits mit ihrem ersten Album. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Private Paradise, Punish Yourself, Parted Forever